ᐅ Jetzt noch ein Expeditionsmobil kaufen?

Sollte man trotz Preisexplosion und Reisekrise 2022 ein Expeditionsmobil kaufen oder kollabiert der Markt für ExMos bald?

Expeditionsmobil kaufen oder jetzt verkaufen: MB 1124AF in Norwegen

Expeditionsmobil kaufen oder jetzt verkaufen?

Was ist überhaupt ein Expeditionsmobil?

Ein Expeditionsmobil ist ein geländegängiges, autarkes Wohnmobil auf einem LKW-Fahrgestell. Diese Definition des Begriffs Expeditionsmobil ist zwar nirgendwo festgelegt, trifft aber wohl den (derzeitigen) Zeitgeist. Ein anderes Thema ist jedoch, welche Anforderungen an ein geländegängiges Wohnmobil zu stellen sind.

Auch das Thema LKW beginnt ja schon ab 3,5 t. Ob aber nun ein aufgelasteter 319er Allrad-Sprinter mit Mini-Zuladung auch schon ein Expeditionsmobil ist, mag ich gar nicht festlegen. Den Begriff Expeditionsmobil kann ja jeder für sich anders definieren.

Jedenfalls werden Expeditionsmobile meist explizit für die große Fahrt (oder für das Gefühl dieser Möglichkeit) aufgebaut. Zwar ist es egal, ob und welche Fahrzeuge für die Grand Tour dann tatsächlich verwendet werden. Aber im Kanon vom Expeditionsmobil geht es halt um robuste, geländegängige LKW-Fahrgestelle mit ausreichend Platz- und Gewichtsreserven. Und eben nicht um den Fiat Ducato. Auch wenn der am Ende weiter kommt als so manches Schickimicki-ExMo.

Auch unser „neuer“ Mercedes 711 ist als Wohnmobil wesentlich expeditionsmäßiger unterwegs als der alte Mercedes 1124. Und das bei gleicher Ausstattung und Zuladung. Wenn auch nur als 4×2-Camper und damit offroad etwas eingeschränkt. Aber im praktischen Reisebetrieb außerhalb der Kiesgrube bevorzuge ich den 711er. Der ist für mich Expeditionsmobil genug und taugt für mehr als nur die eine Grand Tour.

Was ist ein Expeditionsmobil? Vergleich MB 711 und 1124 Allrad

Was ist ein Expeditionsmobil? Vergleich MB 711 ohne und MB 1124 mit Allrad

Reisekrise statt Reiseziele für Expeditionsmobile

Jedenfalls ist die Grand Tour, also die Bildungsreise des Renaissance-Adels, mittlerweile beim kleinen Mann angekommen. Jeder will mal auf die große Reise gehen. Auch wenn das ursprüngliche Ziel, die klassische Bildung durch den Besuch antiker Stätten abzurunden, wohl nicht mehr so die große Rolle spielt.

Gründe, für die neuzeitliche Grand Tour ein Expeditionsmobil zu kaufen, sind wohl eher Mitnahmeeffekte im Erziehungsurlaub, Fluchtreflexe bei Burn-out und Midlifecrisis oder Belohnungsrituale nach einem mehr oder weniger langen, mehr oder weniger einträglichen Arbeitsleben.

Sobald dann noch ein gewisser Zivilisationsüberdruss dazu kommt, entsteht schnell der Wunsch, jetzt unbedingt einen Allrad-LKW als Basisfahrzeug oder gleich ein ganzes Expeditionsmobil zu kaufen. Wer will nicht in einem schnieken Expeditionsmobil die Welt abseits ausgetretener Pfade erkunden, gleichzeitig aber wie zu Hause wohnen und dabei doch hoch und sicher über den Gefahren exotischer Reiseländer schweben.

Und da bei Aufbau oder Kauf eines Expeditionsmobils ja auch der Nestbautrieb des Männchens reinspielt, kommt das Expeditionsmobil für die Grand Tour dann auch mal mit 4 Achsen, Rallyefahrwerk und Waschmaschine daher. Quasi als Lockmittel und Balzsignal, dass man es sich leisten kann.

Zwar war es schon immer fraglich, sich einen alten Allrad-LKW als Reisefahrzeug zu kaufen. Aber jetzt ist der Traum von den großen und doch bequemen Reisezielen für Expeditionsmobile aus. Im Osten brennen die Städte, im Westen die Fähren. Im Süden versperrt Corona und im Norden der Vegetationsschutz Offroad-Touren.

Doch was bedeuten die Krisen klassischer Reiseziele für Kauf und Verkauf von Expeditionsmobilen auf dem heißgelaufenen deutschen Markt mit utopischen Preissteigerungen schon für nackte VEBEG-LKWs?

Krisen in Reisezielen für Expeditionsmobile

Reiseziele im Nahen Osten

Ach, das waren noch Zeiten. Als es den Begriff Expeditionsmobil noch gar nicht gab. Als man sich mit ein bisschen Vorbereitung und einem Carnet de Passage ins Wohnmobil setzen und ans Rote Meer fahren konnte.

Klar hatte man in Istanbul schon fünf harte Grenzen hinter sich. Und an jeder Nerven und Zeit verloren. Aber so war man wenigstens für den syrischen und jordanischen Bürokratismus vorbereitet. Und konnte die Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Menschen genießen.

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 407D im Wadi Rum, Jordanien

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 407D im Wadi Rum, Jordanien

Heute allerdings ist der Weg in den Nahen Osten über Syrien oder Irak versperrt. Zumindest für den Genusstourismus. Wer sich mit Militär und Rebellen, Polizei und Botschaften, Checkpoints und Minenfeldern herumschlagen will, kommt natürlich auch heute noch in die heißen Länder. Aber wer macht das schon mit seiner Familie.

Aktuell bleibt für eine Reise mit dem Expeditionsmobil in den Nahen Osten nur (noch) der Iran und die Fähre auf die arabische Halbinsel. Dort kann man sich dann in Dubai oder Oman am Strand langweilen und sich von Konsumtouristen anstarren lassen. Eine Verbesserung hat sich nur für Saudi-Arabien ergeben. Da darf man neuerdings mit dem eigenen Fahrzeug rein.

Reiseziele in Afrika

Ich kenne einige, die unter einer großen Tour mit dem Expeditionsmobil die Fahrt nach Marokko verstehen. Das war auch für uns immer ein schönes Ziel. Marokko ist exotisch genug und noch in einem Normalurlaub zu erreichen.

Und jetzt? Alles zu. Der Jeep scharrt als Expeditionsmobil light mit den Hufen und darf doch nicht über die Straße von Gibraltar nach Marokko einreisen. Klar, Wüste gibt es auch in Tunesien. Und Tunesien ist im Prinzip offen. Aber der Weg nach Süden, der Weg durch die Sahara ins eigentliche Afrika ist versperrt. Da bleibt nur die Verschiffung nach Namibia.

Was mich aber vor allem stört, ist die Vorstellung, dass Marokko in der expeditionsmobilfreien Zeit auch noch die letzte Piste asphaltiert haben könnte. Die Zeit der verwunschenen Oasen ist jetzt schon vorbei. Klar, normale Wohnmobile auf Campingplätzen bringen mehr Einnahmen als ExMos mit Brotbackautomat und Leberwurst von zu Hause.

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 508 in Marokko

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 508 in Marokko

Reiseziele in der Ukraine, Belarus und Russland

Tja, und jetzt Russland. Auch wir wollten eigentlich diesen Sommer mit dem Reisemobil nach Russland fahren. Hab schon eine Batterie Reiseführer da. Aber die werde ich wohl jetzt eine ganze Weile nicht mehr brauchen. Wenn überhaupt je wieder.

Auch wenn die Russen einzeln ganz nett sind und vom Krieg in der Ukraine vielleicht noch nicht einmal was wissen (wollen). Es ist nicht unbedingt sinnvoll, Russland mit einer Reise im Expeditionsmobil auch noch durch persönliche Anwesenheit zu unterstützen. Zumal wir natürlich für die Behörden explizit unfreundlich und damit unerwünscht sind. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Selbst wenn die Russen vollständig aus der Ukraine abziehen und die (materiellen) Schäden bezahlen, wird es schwer werden, die hässliche russische Seite wieder aus dem Kopf zu kriegen. Und bei der angeblich breiten Zustimmung für Putin sind die Russen spätestens jetzt (wenn nicht schon seit Budapest und Prag) vom Opfer- zum Tätervolk geworden. Willkommen im Club.

Vorbei also die Zeit, in der man mit einem ganz normalen Mercedes Vito oder meinetwegen auch mit einem Expeditionsmobil auf die ukrainische Krim fahren konnte. Als man gemeinsam mit Russen und Ukrainern am Strand des Asowschen Meers baden konnte, ohne gleich als Faschist beschimpft zu werden.

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, Mercedes Vito auf der Krim, Ukraine

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, Mercedes Vito auf der Krim, Ukraine

Reiseziele in Asien

Wenn Russland aber ausfällt, bleiben nur noch ein paar mittelasiatische Länder für die große Reise mit dem Expeditionsmobil. Über die Türkei und den Iran nach Usbekistan. Wollt ihr das wirklich? Wir haben sonst immer mit einem Tag für eine Grenze gerechnet. Weiß nicht, wie das jetzt ist.

Und ohne Russland gibt es mit dem Expeditionsmobil auch keine Mongolei. Gerade nach der großen arabischen Krise und dem Stress in Afrika war die Reise an den Baikalsee und weiter in die Mongolei die neoklassische Grand Tour schlechthin. Vielleicht noch auf die Kolyma-Trasse mit der Road of Bones. Alles aus.

Südostasien mit dem Expeditionsmobil ist eigentlich auch tot. Selbst wenn man es über Pakistan bis nach Indien schafft, ist dann im Prinzip Schluss. Gibt natürlich immer irgendwelche Dienstleister, die das Wohnmobil notfalls auf dem Tieflader bis ans Traumziel in Südostasien bringen. Aber das ist doch kein Reisen. Das ist ein Pauschaltrip mit Wohnmobil im Gepäck.

Australien im eigenen Expeditionsmobil?

Australien mit dem eigenen Expeditionsmobil wäre natürlich nett. Ist aber extrem teuer und aufwändig. Man glaubt gar nicht, wieviel Asbest sich in einem 40 Jahre alten Fahrzeug noch befindet. Das müsste alles raus. Und dann heißt es putzen, putzen und putzen.

Dazu sind die Pisten in Australien eher für Geländewagen geeignet. Und die wird man wohl auch dort zu kaufen bekommen.

Reiseziele in Nordeuropa

Was bleibt also für den Traum vom selbstbestimmten Reisen mit dem Allrad- Expeditionsmobil? Island? Die werden sich bedanken. Da ist jetzt schon jeder Quadratzentimeter neben der Piste gesperrt. Und die werden natürlich auch viel asphaltieren.

Schweden und Norwegen mit dem großen Expeditionsmobil? Da gibt es immer mehr Schranken. Und auch da braucht niemand Allrad und Stollenreifen. Oder andersrum, wo man Allrad braucht, ist es verboten. Und weder Norwegen noch Schweden sind zimperlich mit ihren Strafen.

Gerade die Reise nach Norwegen mit dem Expeditionsmobil Mercedes 1124 AF hat mir gezeigt, dass Allrad-LKWs mit fetter ExMo-Bereifung und einer LmaA-Attitüde vollkommen überzogen und unnötig sind sowie am Ende mehr Ziele versperren als sie öffnen. Wozu auch sollte man für den asphaltierten Wohnmobilstellplatz ein Expeditionsmobil kaufen?

Expeditionsmobil kaufen für den Wohnmobil-Stellplatz?

Expeditionsmobil kaufen für den Wohnmobil-Stellplatz in Skandinavien?

Reiseziele in Osteuropa

Die einzige Gegend, in die man noch halbwegs unbeschwert reisen kann, ist Osteuropa. Da herrscht noch Freiheit fürs Expeditionsmobil. Aber selbst in Rumänien oder Albanien sind jetzt schon Unmengen touristischer Geländewagen-Expeditionen kreuz und quer durch die Wälder unterwegs. Solange es aufgrund der freien Holzentnahme überhaupt noch welche gibt.

Reiseziele in Südeuropa

Spanien ist groß und schön. Und hat viele tolle Ecken zu bieten. Aber nahezu an der gesamten spanischen Küstenlinie sind für das Expeditionsmobil keine Plätze frei. Während der Coronazeit war das anders. Aber sobald die Beschränkungen aufgehoben sind, ergießt sich wieder eine Schwemme von europäischen Wohnmobilen über die leidgeprüften spanischen Strände und die paar Stellplatzwiesen.

Freistehen in Portugal ist mit dem Expeditionsmobil ebenso verboten wie mit jedem anderen Fahrzeug. Warum wohl? Unmengen an LKWs, Kastenwagen und Wohnmobilen sind der lokalen Bevölkerung in Portugal natürlich ein Dorn im Auge. Wer will sowas haben?

Und trotzdem kursieren im Internet immer noch die tollen Fotos vom einsamen Stellplatz fürs Expeditionsmobil am portugiesischen Strand. Auch meine Fotos sind aus der Zeit, als vieles zwar schon verboten war, Verbote aber niemanden interessiert haben. Schon gar nicht im Winter. Doch schon damals war eine Ansammlung von Kastenwagen oder Vans ohne Bordtoilette eine olfaktorische Zumutung.

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 711D in Portugal

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, MB 711D in Portugal

Also was bleiben da noch für Reiseziele für das Expeditionsmobil? Der Gardasee? Mit dem Allrad-Expeditionsmobil für 500.000 €? Eine Fahrt in die Pyrenäen oder durchs französische Hinterland mit dem 10-Tonner? Viel Spaß beim Augenzumachen angesichts einer Flut von 3,5-t-Schildern. Wenn nicht Wohnmobile gleich ganz ausgesperrt werden.

Schild Wohnmobile verboten in Frankreich

Schild Wohnmobile verboten in Frankreich

Reiseziele in Amerika

Die Panamericana ist auch so ein Reiseziel fürs Expeditionsmobil. Mal abgesehen davon, dass die Panamericana bis auf den Darien Gap durchgehend asphaltiert ist, ist auch Amerika immer schwieriger zu erreichen.

Die Reise nach Nordamerika mit dem eigenen Expeditionsmobil bietet einigen Stress mit Behörden und Versicherungen. Und dann brennen auch noch Fähren auf dem Atlantik. Dazu kommen Diebstähle bei der Verschiffung nach Südamerika. Wer will schon, dass einem das Fahrzeug beim Zwischenstopp in Westafrika oder während der Überfahrt auf den Kopf gestellt wird?

Also klar, Amerika geht. Rechnet aber mal mit Verschiffungs- und Nebenkosten von 10.000 €, bis das eigene Expeditionsmobil auf amerikanischem Boden steht. Und gerade in Südamerika sind derzeit auch viele Grenzen wegen Corona geschlossen. Nein, eigentlich macht es nur Sinn, in Amerika ein Fahrzeug zu kaufen oder zu mieten.

Expeditionsmobile kaufen oder verkaufen?

Preissteigerungen für Expeditionsmobile

Die klassischen Reiseziele fürs Expeditionsmobil sind also mit erheblichen Risiken oder hohen Kosten verbunden. Wem das egal ist, für den ist die Grand Tour nach Amerika, Südafrika oder Australien kein Problem. Luxus kostet halt. Und Luxus darf kosten.

Gerade die hohen Preise für professionell aufgebaute Expeditionsmobile dienen ja der Abgrenzung vom Massenmarkt. Doch die erheblichen Preissteigerungen von hochwertigen Expeditionsmobilen schlagen auch auf die Basis durch und betreffen auch GfK-Koffer, Shelter und Ausbaumaterialien.

Wer da noch am Zusammenkaufen der Doldeschen Traumliste ist und die explodierten Preise und die lange Lieferzeiten für die einzelnen Komponenten sieht, dem könnte durchaus schneller die Puste ausgehen als bisher. Da werden wohl noch einige Projektabbrüche auf den Markt kommen.

Noch lohnt sich der Verkauf auch unfertiger LKW-Fahrgestelle, denn in den letzten 7 Jahren haben sich die Preise für die beliebtesten Fahrgestelle verdoppelt bis verdreifacht.

Preise beliebter Basisfahrzeuge für Expeditionsmobile 2014-2021

Noch dreht sich die Preisspirale. Selbst die letzten preiswerten Fahrgestelle oder Expeditionsmobile werden aufgekauft und anschließend gierig für den doppelten Preis wieder angeboten. Und zwar scheinbar nicht nur von Händlern, sondern auch von „Privatleuten“. So hat das ja die letzten Jahre auch funktioniert. Warum soll das nicht ewig so weitergehen?

Auch die Ausbauer werden noch über Jahre mit dem Neubau von Expeditionsmobilen ausgelastet sein. Doch ich bin gespannt, wann die ersten Slots verkauft werden. Also die Rechte, beim Ausbauer eine Kapazität in Anspruch zu nehmen.

Hohe Betriebskosten nach dem Kauf des Expeditionsmobils

Wenn das Expeditionsmobil dann fertig ist, ist die Preisorgie noch nicht zu Ende. Habt ihr schon mal ausgerechnet, wie hoch der Euroverbrauch so eines tolles V8-Expeditionsmobils bei 35 l/100 km und einem Dieselpreis von 2,50 € bis Portugal ist? Das sind hin und zurück 5.250 €. Und zwar ohne Maut.

Früher waren Allrad-LKWs eine billige Möglichkeit, seinen Krempel und 500 Liter Wasser auch in entlegene Gebiete zu transportieren. Heute kann man für die Anfahrtskosten nach Portugal vor Ort einen ganzen Bauernhof mieten. Oder wie einige Blogger gleich kaufen.

Dazu werden aufgrund der aktuellen Reisekrise wohl mehr Reiseträume platzen als bisher. Viele Expeditionsmobile stehen jetzt schon für teures Geld in irgendwelchen Hallen herum und modern vor sich hin. Wenn die Dieselpreise noch weiter steigen, kommen mit Blick auf die hohen Betriebskosten und fehlende Reiseziele bald wesentlich mehr Expeditionsmobile auf den Markt.

Das ExMo als Corona- oder Preppermobil

Während der mittlerweile zwei Jahre Corona war für viele das Expeditionsmobil eine rollende Ferienwohnung und Garant für das letzte Stückchen Freiheit. Auch diese Motivation, ein Expeditionsmobil zu kaufen, dürfte mit dem Abflauen der Corona-Restriktionen sinken. Es gibt wieder mehr Reisemöglichkeiten. Und so ein Hotelurlaub bietet schon mehr Annehmlichkeiten als das Umhergeziehe in einem Wohnmobil, wo man alles selber machen muss.

Allerdings wird der Markt für Expeditionsmobile durch die Prepper gestärkt. Also diejenigen, die den autarken LKW als Krisenvorsorge betreiben. Ich weiß nicht, wie groß diese Szene ist und wie die sich entwickelt, aber Gründe für das Vorhalten eines Fluchtmobils gibt es derzeit genügend.

Expeditionsmobil jetzt verkaufen?

Was mich aber in meiner Meinung eines nachgebenden Marktes bestärkt, ist die Art der angebotenen Expeditionsmobile. Das sind nicht mehr nur Fahrzeuge, die nach einem kurzen Urlaub wieder verkauft werden. Jetzt kommen die altgedienten Expeditionsmobile mit hohen Laufleistungen auf den Markt, um schnell noch die derzeit üppigen Preise mitzunehmen.

Aber wollt ihr wirklich ein Expeditionsmobil am Ende der Nutzungsdauer kaufen? Einen Iveco Daily an der Gewichts- und Leistungsgrenze mit 300.000 km oder einen 50 Jahre alten Magirus 170D11 für je 90.000 €? Einen abgerockten Mercedes Kurzhauber ohne Servo, aber mit viel Krach? Einen Mercedes 508 mit Rost bis unter die Dachrinne? Wisst ihr, welche Ersatzteile es für diese Typen noch gibt? Und welche nicht mehr? Die ewige Ersatzteilversorgung ist nämlich selbst bei Mercedes vorbei.

Wer also jetzt keinen rechten Sinn im großen Expeditionsmobil mehr sieht, sollte tatsächlich das Preisniveau nutzen und verkaufen. Wenn sich aber gleichzeitig viele Käufer fragen, ob sie wirklich ein Expeditionsmobil brauchen, werden die Preise für gebrauchte Expeditionsmobile deutlich sinken bis einbrechen. Zwar kennt ihr sicher den blöden Händlerspruch, dass jeden Tag ein Dummer aufsteht. Aber so viele „Dumme“ können gar nicht mehr aufstehen und für so viel Geld solche alten LKWs mit so einem finanziellen Rattenschwanz kaufen.

Aber es ist wie immer. In so einem ExMo-Schneeballsystem mit dem von YouTube und Reiseblogs (auch meinem) angeheiztem Markt für Expeditionsmobile beißen die Letzten die Hunde. Wer will da schon dazugehören?

Denkt lieber statt in immer größeren Dimensionen fürs Expeditionsmobil in neuen Kategorien. Also ich finde so einen Pferdeplanwagen äußerst reizvoll.

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, Pferdewagen in Europa

Reiseziele fürs Expeditionsmobil, Pferdewagen in Europa

Fazit: Jetzt kein Expeditionsmobil kaufen

Es gibt einige Blogger, die in den letzten Jahren ihre aufwendig präsentierten Expeditionsmobile verkauft haben und nun kleinere Brötchen backen. Wenn denn die Expeditionsmobile überhaupt mal auf großer Tour waren. Ich will keine Namen nennen, gehöre aber mit dem Wechsel auf den Mercedes 711 auch dazu. Trotzdem stehen Ausbau- und Reiseberichte mit tollen Fotos weiter im Netz und machen auch noch beim letzten „einfachen“ Vanlifer oder Wohnmobilisten Appetit auf die Grand Tour mit einem Expeditionsmobil.

Und so läuft das Schneeballsystem mit dem Selbstbau von Expeditionsmobilen noch auf Hochtouren. Wer jedoch den eigentlich budgetüberschreitenden Kauf teurer Basisfahrzeuge, Koffer und Ausbaumaterialien mit zukünftigen Erträgen aus einem YouTube-Kanal oder Reiseblog finanzieren muss oder will, wird finanziell schnell trockenlaufen.

Wenn wie jetzt noch eine Krise der Reiseziele für Expeditionsmobile und ein Dieselpreis von mehr als 2 Euro dazukommen, werden wohl einige Träume von der großen Reise im Expeditionsmobil platzen. Also ich würde derzeit kein Expeditionsmobil kaufen.

Ein Expeditionsmobil zu verkaufen kann allerdings schon Sinn machen. Zumindest zu den derzeitigen Preisen. Wenn ich jetzt ein Expeditionsmobil hätte, mit dem ich auch nur ansatzweise nicht vollständig glücklich wäre, würde ich es sofort verkaufen. Noch ist der Markt stark. Das kann sich aber ganz schnell ändern.

Stabil ist eigentlich nur noch der Markt für hochwertige Marken-Expeditionsmobile. In diesem kleinen Markt ist es auch egal, was der Diesel kostet. Und da geht es auch nicht so sehr ums Reisen, sondern auch um den Besitz und das Reisen-Können. Dazu sind die Aufbauer noch über mindestens die nächsten fünf Jahre mit ihren derzeitigen Aufträgen ausgelastet, sodass schon deshalb eine gewisse Stabilität zu erwarten ist. Professionell aufgebaute Expeditionsmobile sind sozusagen der Goldstandard der Branche.

Für zusammengebastelte Expeditionsmobile (wie unseren 711er) jedoch, die derzeit bis zu 100.000 € gehandelt werden, dürfte es eng werden. Natürlich ist das spekulativ, aber ich denke, dass da die derzeitigen Mondpreise bald kollabieren. Bitter ist das für diejenigen, die in den letzten Jahren trotz knapper Budgets völlig überzogene Preise für uralte LKWs oder ranzige Wohnmobile bezahlt haben. Am besten noch auf Kredit.

Aber so eine Marktbereinigung hat auch was Gutes. Denn wenn Fernreisen im eigenen Expeditionsmobil nicht mehr so leicht zu haben sind, kommt es vielleicht zu einer Rückbesinnung auf die Anfänge des Reisens. Dazu braucht man nämlich gar keinen LKW. Ein paar Schuhe und ein kleiner Rucksack reichen vollkommen aus.

Reiseziele ohne Expeditionsmobil

Reiseziele ohne Expeditionsmobil

Expeditionsmobil kaufen oder verkaufen – Infos

Also was meint ihr? Expeditionsmobil jetzt kaufen oder verkaufen? Hat das alles noch Sinn? Oder wachsen die Bäume wirklich bis in den Himmel?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (13 votes, average: 4,62 out of 5)
Loading...

Das könnte dich auch interessieren …

18 Antworten

  1. Anonymous sagt:

    Der 1. April ist ja vorbei und ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag durchaus ernst gemeint ist. Ja, endlich sagt´s mal jemand wie es ist. Es gibt ein einschlägiges Forum, da wirst Du gesteinigt und rausgeworfen für solche Ansichten. Fragwürdige, unerreichbare Reiseziele, Fahrgestelle die mehr verhindern als sie ermöglichen und „Shelter“ als idealisierter Wohntraum– Als Ideal ist es doch fragwürdig in so einem Funkkoffer zu leben, mit einem pseudo-Bunker auf dem Buckel und bei Gedröhne im Fahrerhaus durch die Welt zu zuckeln – ich strebe in meiner Umgebung doch eher nach angenehmen Räumen, nach Licht, Transparenz, Blick. Und ehrlich: die Instagram-Blogs und viele Reisebeschreibungen scheitern doch schon mit ihrer Sprache. Da sind die Sätze, die Kommentare mit Smileys, Herzchen und lieblichen Adjektiven vermüllt – LoveBombing nennt man das – weil hinter der Fassade, den Bildchen von den Käsefüßen im Bild mit Blick auf das scheinbar einsame Meerespanorama was nicht stimmt. Dreifacher Corona-Abstand von derlei Blendern ist angesagt. Dein hervorragender Blog hier ist eine rühmliche Ausnahme.

    Reisen sind doch was wunderbares – mit kleinerem Besteck – bei dem die Ziele das wichtigste sind, nicht die Vehikel – vielleicht ein charmanter Bus (711, Düdo oder was auch immer ) oder ein pfiffiges selbstgebautes Gestell, das einen bis nach Afrika bringt, um – als Beispiel – dort einen Perma-Garten im Urwald anzulegen. Für den „Unimog in Togo“ (empfehlenswerter Blog!) gibts zwar noch keine richtige Anwendung, aber viellecht kommt das noch…Wie die weitergeht wird interessant – die Geschichte von Odysseus wäre ja ohne Penelope auch nicht so schön. Wo sind eigentlich die Kinder in der Homerschen G´schicht?

    Die Zeiten für große Reisepläne sind mit der aktuellen Weltlage erst mal vorbei – die kleinen Ziele erreichen wir mit unserm VW-Bus oder unserem Kurzhauber (rotes Spielmobil-kein ExMo) leicht, und freuen uns auch darauf.
    Grüße
    Haubidü

    • Tom sagt:

      Stimmt. Wenn ich mich manchmal frage, warum das Expeditionsmobil verkauft ist und warum ich den Bus so viel besser finde, dann war es vielleicht wirklich die doppelte Hundehütte vorn und hinten. Das ist jetzt im Fensterbus mit den riesigen Fenstern ringsum ganz anders. Es ist wirklich diese Transparenz, Luft und Licht, die uns wesentlich besser gefallen. Und zwar nicht nur im Stand, sondern auch während der Fahrt.

  2. Brigitte-und-Peter sagt:

    Cool in Worte gefasst!
    Beste Grüsse Brigitte und Peter

  3. Paul sagt:

    Vielleicht habe ich ja Glück und es wird wirklich billiger. Und vielleicht rüstet die Bundeswehr auch auf und wirft das alte Zeug raus. Vor allem die 1017 haben es mir dann doch sehr angetan. Deren Preisanstieg habe ich in den letzten Jahren doch mit ein wenig Schrecken beobachtet. Natürlich nicht als Reisemobil, das kann mein Subaru auch 😉 Aber ich brauche sowieso einen LKW mit Pritsche, mein Atego machts wohl nicht mehr lange und wurde auf Feldwegen schon öfter versenkt, und ein Spaßmobil steht auch auf der Liste. Zwei Fliegen mit einer Klatschen undso… Leider hat die VEBEG keine Lust mehr auf uns Normalsterbliche und die Preise bei Händlern liegen ja bei 20k-30k. Naja hoffen und träumen ist angesagt.
    Und da ich eh schon dabei bin, muss ich gleich auch Lob für deine schöne Seite aussprechen. Vielen Dank für die tollen Beiträge und Gedanken.

    • Tom sagt:

      Der Kauf eines Expeditionsmobils und der Markt für Expeditionsmobile sind ja noch einmal etwas anderes als der Kauf eines Arbeitstiers. Zudem ist die Preisentwicklung des Mercedes 1017 noch recht moderat, weil dieser Bundeswehr-LKW nie besonders gehypt oder durch einen einzelnen Händler gepusht worden ist. Mit anderen Worten: Wo keine Blase ist, wird auch nichts billiger werden. Aber ja, prinzipiell trifft die Krise auch den Mercedes 1017 A und Expeditionsmobile auf diesem Fahrgestell. Vielleicht noch nicht bei 2 € für den Liter Diesel. Aber bei 3 € dann ganz bestimmt.

  4. Paul sagt:

    Ja das stimmt, gehypt sind sie nicht. Wobei ich bei meiner Suche nach normalen 1017 durchaus viele ExMo finde. Ökonomisch und ökologisch ist es ja nicht wirklich zu rechtfertigen, so ein altes Teil zu fahren,auch wenn man mit H-Kennzeichen weiter kommt, das schlechte Gewissen fährt mit. Kennst du noch Quellen zum 1017? Bei der Zollauktion gibt’s akutell zwei von der Polizei, die der Bundeswehrversion sehr ähnlich sehen. Weißt du ob die identisch sind?

  5. Christian sagt:

    Hallo Paul, der 1017 A war beim Bund mein Fahrschulfahrzeug. Das ist schon ein freundliches Auto, im Gelände allerdings nicht so prickelnd. Na gut, da kann man mit entsprechenden Reifen sicherlich noch einiges machen. Wir hatten sonst 1300er Unimogs, uralte MAN 630 oder Magirus Jupiter. Und noch ein paar unglaublich versoffene 404S mit M180. Die konnten im Gelände deutlich mehr, der 1017 war im Vergleich natürlich unglaublich komfortabel und kinderleicht zu fahren.
    Ökonomisch und okologisch dürfte jeder alte LKW grenzwertig sein, das kommt bei vielen Mitmenschen nicht mehr gut an. Das muss jeder für sich entscheiden, wir fahren mit unseren kleinen 711 auch nicht zum Einkaufen oder zur Arbeit, der ist nur für den Urlaub gedacht. Und dann relativiert sich das alles, wir fliegen nicht, wir mieten keine Hotels oder Autos oder stehen auf Luxus-Campinplätzen. Ein paar mal im Jahr muss der 711 halt ran, das können wir aber verantworten.
    Wenn man einen 1017 wirklich als Nutzfahrzeug einsetzt, darf man bei der Öko-Bilanz niemals vergessen, wie viel Energie zur Produktion eines neuen Lastwagens rausgeblasen wird. Das ist ungeheuerlich, ganz bestimmt macht es auch ökologisch mehr Sinn, einen (recht sparsam gefahrenen) 1017 bis an sein Lebensende zu nutzen. Und wenn die bei der Bundeswehr zumeist eingebaute Starthilfe mit „Startpilot“ nicht allzu häufig benutzt wurde, kann so ein Auto noch sehr lange nützlich Dienste tun.

  6. Paul sagt:

    Der Fußbus fährt eh viel weiter als jedes Expeditionsmobil. Und das Fahrrad auch. Aber so ein Ex- oder eher WoMo wäre ja schon ein kleiner Traum. Aber wenn dann fang ich ganz woanders an. Zum Beispiel bei dem undichten Wohnwagen in meinem Hof

    • Tom sagt:

      Es gibt schon Gegenden, in denen man mit dem Expeditionsmobil weiter kommt als zu Fuß. In der Wüste willst du nicht wirklich per pedes unterwegs sein. Aber solche Reiseziele werden halt weniger.

  7. Hm sagt:

    Jetzt schon der 2 kritische Beitrag um Neulinge das Exmo zu vergraulen? Warum? Hat doch jeder selber einen Kopf zum denken….

    • Peter sagt:

      Ich würde das nicht als vergraulen ansehen, eventuell ein Resumee aus eigener Erfahrung?!
      Die Faszination der schnuckeligen Teile ist groß, ich war kurz davor mir einen GAZ-66 zu kaufen, mit hohem Kung Koffer als Spiel und Spaß-Reisemobil. Unabhängig von dem Ökologischen Hintergrund bin ich aktuell froh es nicht getan zu haben: ER wäre MIR zum Fahren viel zu teuer, und nur zum Anschauen und rumstehen viel zu schade…. 🙂
      Gruß Peter

    • Tom sagt:

      Ich schreibe halt, was mir zum Thema Expeditionsmobil kaufen so durch den Kopf geht. Und da gibt es bei aller Begeisterung für alte Allrad-Lkw eben durchaus auch Schattenseiten.

  8. Henrik sagt:

    Es stimmt. Reisen ist gerade ziemlich beschränkt. Aber Marokko ist zumindest schon wieder offen.

    Und wir steuern in einen neuen Mangel. MAN hat die Produktion eingestellt, weil Kabelbäume aus der Ukraine fehlen. Shanghai ist immer noch im Lockdown, und Chips zur Autoproduktion werden knapp. Einige Apple Computer haben monatelange Lieferzeiten. Bei einigen Autos sind es Jahre.

    Selbst ein VW California Beach (der ganz einfache) kostet aktuell über 70.000€. Auf dem Gebrauchtwagen Markt sieht es auch nicht besser aus. Mein Schwager hat letztens seinen Volvo SUV an den Volvohändler zurück verkauft. Der Händler hat fast 10.000€ mehr bezahlt als er letztes Jahr für das Auto geboten hat.

    Demgegenüber rollt eine riesengroße Inflation und vielleicht auch eine Rezession auf uns zu…

    Es sind unsichere Zeiten, und niemand weiß genau was so kommt. Aber ich vermute, ein Exmo zu besitzen ist besser, als das Geld auf der Bank zu parken – angesichts der Inflation.

    Und wenn ich eine Sache gelernt habe, dann ist es diese hier: Reist, solange es noch geht. Wer weiß schon, welche nächste Katastrophe auf uns zukommt.

    • Tom sagt:

      Was man hat, hat man. Aber ein Expeditionsmobil kaufen? Jetzt? Ich glaube, vielen ist noch nicht klar, dass die üblichen Reisen durch Russland und in die Mongolei wohl für die nächsten Jahrzehnte vorbei sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.