ᐅ Road of Bones und Beringstraße: Ostwärts nach Alaska

Nein, nein – wir selbst waren nicht mit dem Jeep auf der Road of Bones zur Beringstraße unterwegs. Aber unser Jüngster fragt mir deswegen immer wieder Löcher in den Bauch. Muss also mal ein bisschen recherchieren. Und mit dem Jeep im Schnee üben.

Über die Road of Bones zur Beringstraße und weiter nach Alaska

3 Expeditionen suchen den Landweg über die Beringstraße

Bin also auf 3 Expeditionen gestoßen, die den Landweg über die Beringstraße nach 10.000 Jahren wieder öffnen wollten. Doch nur eine Expedition hat’s geschafft.

  • 2008: Cape to Cape von Kapstadt über die Beringstraße nach Feuerland im Land Rover
  • 2009: Paris – New York mit einigen Jeep Wrangler
  • 2014 bis 2017: Auf dem Landweg von Halle nach New York mit Ural Beiwagenmaschinen

Die Leistungen aller 3 Expeditionen mit dem Ziel Beringstraße sind schlicht und ergreifend beeindruckend. Und zeugen von einem starken Willen und Können. Allerdings lassen alle Expeditionen erhebliche Fragen offen. Irgendwie gibt es da immer ein Loch in der Dokumentation. Aber ist ja klar. Niemand schreibt gern die Chronologie des “Scheiterns” auf. Aber hey – wenn das Scheitern ist, was ist dann der ganze Rest?

2000 km von Jakutsk nach Magadan auf der Road of Bones

Die alte Kolyma Trasse (Old Road of Bones)

Die Road of Bones durch das hintere Sibirien ist legendär. Und wird immer wieder gern dramatisch dargestellt. Fakten aber sind selten. Da muss man viel zwischen den Zeilen lesen. Und Bilder anschauen. Gibt ja einige im schönen Bildband von ein paar ehemaligen Kunststudenten. Die sind auf der Tour über die Road of Bones zu echten Künstlern gereift. Vor allem in Fragen der Motorradinstandsetzung. Ich aber sitze schön bequem in der häuslichen Komfortzone. Und klaube mir aus dem dicken Bildband mal die Fakten der Reise über die Road of Bones raus.

Über die Road of Bones zur Beringstraße und weiter nach Alaska

Die alte, originale Road of Bones wird mittlerweile nicht einmal mehr als Sommertrasse benutzt. Ist also in einem katastrophalen Zustand. Viele Brücken sind eingefallen, darunter auch die berühmte Wellenholzbrücke. 2 Wochen Frühling, 3 Monate Sommer, 2 Wochen Herbst und 8 Monate Winter machen die Road of Bones nicht leichter.

Die “Old Road of Bones” beginnt hinter der verlassenen Siedlung Kyubyume mit Tankstelle ungefähr 700 km östlich von Jakutsk. Der anspruchsvolle Offroadteil der alten Kolyma Trasse verläuft zwischen Kyubyume und Myaundzha. Nirgendwo steht so richtig, wie der Pistenzustand ist. Doch letztlich gibt es wahrscheinlich gar keine Piste mehr. Sondern nur noch eine Schneise im Wald und eingefallene Brücken auf der alten Straße der Knochen.

Die Karte zeigt meine Interpretation der von den Urals gefahrenen Route auf der alten Road of Bones. Ist also kein wirklicher GPS-Track, sondern die vermutete Strecke. Einfach mal reinzoomen.

 

Die neue Kolyma Trasse von Jakutsk über Ust-Nera nach Magadan

Seit ein paar Jahren gibt es allerdings eine neue, wesentlich bessere Trasse für die alte Road of Bones. Die neue Kolyma Straße ist ca. 100 km länger und führt etwas nördlicher über Ust-Nera durch Sibirien. Abgesehen von der schlichten Entfernung von 1.990 km scheint die neue Road of Bones in einem guten Zustand zu sein. Unklar bleibt, ob diese Strecke durchgängig asphaltiert ist. Aber die ansonsten so bildgewaltigen Flussdurchquerungen und katastrophalen Straßenzustände tauchen in den Berichten nirgendwo auf. Daraus schließe ich auf: Gut und problemlos zu fahren.

 

Das schwarze Loch östlich von Magadan

Auf der Kolyma nach Norden (Seymchan – Cherskiy (1.600 km)

Interessant (wenn auch nicht neu) ist die Idee, auf dem Fluss Kolyma nach Norden zu tuckern. Auf einem Floß. Angetrieben von kleinen, an den Nebenabtrieb der Ural angeflanschten Schiffsschrauben.

Die 1600 km Flussfahrt auf der Kolyma werden im Buch wieder recht kurz abgefackelt. Allerdings scheint ein Kohleversorgungsschiff die Urals recht schnell ins Schlepp genommen oder aufgeladen zu haben. Auf den Fotos sehe ich auch keine Benzinvorräte. Nehmen wir also mal eine erzielbare Durchschnittsgeschwindigkeit von vielleicht 20 km/h pro Stunde an. Das macht dann also 80 Stunden Floßfahrt. Bei einem Verbrauch von 5 Litern pro Stunde und Ural komme ich so aber für die 1600 km Flussfahrt auf 1.600 Liter Benzin. Das sind 8 große 200 l Fässer. Die sehe ich auf dem Floß nirgendwo. Aber vielleicht wollte man ja gar nicht die ganze Zeit alle Motoren laufen lassen. Sondern nur ab und zu ein bisschen nachnavigieren.

Jedenfalls ist die Idee, Motorräder auf ein Floß oder in ein Boot zu verladen, gar nicht schlecht. Auch wenn das nun nicht unbedingt ein Landweg ist. Und der Track zeigt, dass diese Variante erst mal vollkommen in die falsche Richtung führt. Nämlich nach Norden. Aber so wird ein gewaltiger, wegeloser und sicherlich schwer passierbarer Gebirgszug nordwestlich von Kamtschatka umschifft.

 

Piste von Cherskyi über Bilibino / Билибино nach Egwekinot / Эгвекинот (1.200 km)

Allerdings scheint es nahe der Mündung der Kolyma eine Piste von Cherskyi am Nordpolarmeer nach Egwekinot am Pazifik zu geben. Den Berichten nach ist die Piste am Anfang auch recht gut zu fahren. Allerdings wurden die Ural Motorräder ohne Geländeeinfluss schon nach einem Zehntel der Strecke aufgegeben. Glaube bald, dass die armen Maschinen dort immer noch im Graben liegen. Denn der Heimholservice eines lokalen Kettenfahrzeugs hat ganz sicher keine 4 schrottigen Ural Beiwagenmaschinen mitgenommen. Zumal das ja sowieso nur zugekaufte russische Maschinen waren. Die “deutschen” Original-Urals waren da ja schon lange in Alaska. Nur die Mannschaft musste noch hinterher fliegen.

Insofern bleibt der Rest der Piste von Cherskyi über Bilibino / Билибино nach Egwekinot im Dunkeln. Aber da muss eine Piste sein. Denn in einem Nebensatz wurde die Aussage der Locals kolportiert, dass Trucks für die Strecke vom Nordpolarmeer an den Pazifik je nach Wetterlage zwischen 5 und 15 Tagen benötigen. Es muss also gehen. Hab auch hier mal versucht, die Strecke anhand des dürftigen Kartenmaterials zu rekonstruieren.

 

Von Egwekinot / Эгвекинот nach Uelen / Уэлен

Egwekinot am Pazifik ist schon einmal gut. Von Egwekinot bis nach Uelen an der Beringstraße ist es dann mit nur 500 km Luftlinie nicht mehr weit. Zumindest theoretisch nicht. Aber auch praktisch muss es machbar sein.

Denn schließlich haben es die Engländer im Land Rover bis nach Uelen geschafft. Im Winter und zunächst auf Mattracks.  Allerdings haben die Mattracks  durch ständige Vereisung solche Probleme bereitet,  dass der Land Rover wohl von einem Kettenfahrzeug bis nach Uelen an der Beringstraße geschleppt wurde.

Die deutsche Expedition mit Jeep Wrangler wiederum behauptet, als erste Uelen von Süden mit Radfahrzeugen angefahren zu sein. Heißt das nun, dass die Engländer im Land Rover ein Jahr früher von Norden kamen? Oder dass der Land Rover nicht aus eigener Kraft angekommen ist? Auch hier bleibt vieles im Dunkeln.

Die Gegend um die Beringstraße ist so fernöstlich, dass mein schönes Plugin zur Darstellung von Karten und Tracks sich weigert, den Track östlich der senkrechten Linie anzuzeigen. Naja, egal. Da wird sich schon ein Weg finden. 🙂

 

Überquerung der Beringstraße

Endlich in Uelen an der Beringstraße. Ab hier könnte man natürlich auch schwimmen. Oder übers Eis nach Wales in Alaska laufen. Geht alles. Aber ich weiß nur von einem Expeditionsfahrzeug, das die Road of Bones und die Überquerung der Beringstraße geschafft hat.

Ein Land Rover mit Schwimmkörpern. Auf dem Weg von Cape to Cape. Tolle Sache, tolle Fotos. Aber offenbar war für den Land Rover nach einer amphibischen Etappe von Wales nach Nome die Expedition auch zu Ende. Das letzte Foto zeigt einen geschlossenen Container (Foto). Ob da wohl der Land Rover drin ist? Und in welchem Zustand? Und was ist mit dem Rest der Strecke von Alaska bis Feuerland? Da versinkt die Expedition im Dunkel der Geschichte. Schade.

Road of Bones und Beringstraße: Quellen und Links

  • Internetseite zum Projekt Cape to Cape: Klick
  • Vorstellung der Expedition Paris – New York mit einigen Jeep Wrangler: Klick
  • Die meisten konkreten Infos zur Road of Bones stammen aus dem tollen Bildband “Auf dem Landweg nach New York” über die Expedition mit den Ural Beiwagenmaschinen: Klick

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10 Antworten

  1. Anonymous sagt:

    Hallo Tom,

    ich werde Dir mal wieder eine kleine Lampe halten. 🙂
    Wir sind im September die Strecke Jakutsk-Magadan inkl. einem Abstecher nach Oimjakon/Tomtor mit einem Toyota Prado gefahren. Bei schönem Wetter in 7 Tagen (2500 km), ohne allzu viel Hektik.

    Zunächst: Die alte Trasse ab Kilometer 730 bis Kadyktschan (etwa Kilometer 1080) ist definitiv nicht befahrbar und es ist auch verboten. Letzten Winter sind dort mehrere Leute erfrohren, die es versucht und deren Autos aufgegeben haben. Wenig witzig: Google schickt einen noch dortlang.
    Der südöstlichere (schon immer alternative) Zweig über Bolschewik (kurz hinter Sussuman) – Omtschak – Ust-Omschug ist befahrbar und wird regulär genutzt. Die Strecke soll landschaftlich sehr schön sein, ist aber etwas weniger ausgebaut. Der Schwerverkehr läuft über die nördlichere Trasse.
    Der Rest der Straße folgt dem alten Verlauf und ist in den letzten Jahren mit viel Einsatz, Geld und schwerem Gerät ausgebaut worden. So viele chinesische Baumaschinen habe ich wahrscheinlich noch nie an einer Straße werkeln sehen.
    Will man vom alten Charme noch etwas sehen, also die alten Brücken zumindest in Resten und eine Vorstellung bekommen, wie die Straße in Breite und Verlauf früher war, empfielt sich der Abstecher nach Tomtor.

    Solange das Wetter gut ist, ist die Sache relativ unspektakulär, was die Straßenverhältnisse angeht. Piste eben. Das unangenehmste ist im Sommer der viele Staub. Die ersten 400 km ab Nischni Bestach/Jakutsk sind asphaltiert, ebenso die letzten 150 km bis Magadan. Dazwischen gibt es, abgesehen von kurzen Stücken (aka “Ten minutes Dream”) nur Schotter, wobei der Zustand der Piste unterschiedlich ist. Tendenziell ist sie in der Oblast Magadan besser als in der Republik Sacha. Wir sind auch mal 100 km am Stück 90 gefahren, wenn die Staße gerade neu war. Oder eben mit 40, wenn nicht.
    Die Flüsse haben, abgesehen von Lena und Aldan, alle moderne Brücken, die ganzjährig befahrbar sind. Über diese beiden Flüsse gibt es im Sommer Fähren, die bei Tageslicht etwa alle Stunde/zwei Stunden fahren. Im Winter fährt man über das Eis.
    Es sind viele Sattelschlepper >40 t mit Benzin, Diesel und Kohle unterwegs, in 80% der Fälle ohne Allradantrieb. Geht. Meistens problemlos. Nur ab und zu liegt mal einer neben der Straße.

    Sollte das Wetter schlecht werden – im Sommer also insbesondere länger anhaltender Regen – wird die Sache interessanter. Problem sind im Gebirge Schlamm- und Gerölllawinen, die die Straße (und alles was unglücklich parkt) vollständig verschütten. Dan wartet man auf trockenes Wetter und die Planierraupe. Im Flachland in der Sacha-Hälfte läuft das Wasser schlecht weg und es wird sehr schlammig. Für gewöhnlich wird die Straße dann komplett gesperrt, was sich auch mal mehrere Tage ziehen kann. Der Negativ-Rekord unseres russischen Fahrers lag bei 13h für 8 km.
    Im Winter gibt es viel Kältenebel und es ist glatt – wenig überraschend.

    Im Winter sollte man definitiv nicht ohne entspechende Ausrüstung und Erfahrung fahren. Es bietet sich an, mit einem Einheimischen und mehreren Fahrzeugen unterwegs zu sein. Temperaturen von -50°C sind auf weiten Strecken die Regel. Geht der Motor aus hat man 20 Minuten, ihn wieder ans Laufen zu bekommen. Sonst kann man das Auto direkt stehen lassen. Auch gewisse andere Dinge machen Probleme: Reifenreparaturen (ein ständiger Begleiter), Brems- und Kupplungsflüssigkeit, hart gefrohrene Stoßdämpfer. Der Stahl der Karossen wird weich und alles verwindet sich, nach 3 Wintern auf der Piste sind die Karossen meistens mehr oder minder durch. Mit einem normalen Diesel-Fahrzeug muss man es gar nicht erst versuchen – sowas fäht dort auch keiner als Pkw. Der Arktik-Diesel funktioniert bis max. -45°C, dann ist Ebbe. Abgesehen davon versaut man sich das Einspritzsystem damit nachhaltig, der ist schon sehr Benzin-ähnlich, was die Schmiereigenschaften angeht.

    Ansonsten ist es so, wie Sibirien eben ist. Viel ehemals streng geheimer Schrott, viele verlassene Orte, keine Polizei, kein Abschleppdienst, sehr wenig Einwohner (Sacha hat auf einer Fläche 8,5 mal so groß wie Deutschland etwa 1 Million Menschen), aber nette Leute und viel Gastfreundschaft.
    Es ist es definitiv wert, es mal gesehen zu haben 🙂

    Viele Grüße Dir…

    • Tom sagt:

      Das sind mal präzise Infos zur Road of Bones/Kolyma-Trasse – ich danke dir dafür. Da muss ich ja selber gar nicht mehr nach Sibirien fahren. Jetzt müsste ich die ganzen Informationen nur mal systematisch aufbereiten, Tracks zeichnen, Wegpunkte setzen und solche Sachen machen. Wäre gut, wenn ich dich dazu bei mir hätte. Vielleicht bist du ja mal in der Nähe. Oder ich komme mal rum, um am Урал zu schnuppern. Eilt nicht. Muss auch nicht sein. Setze aber für Dich mal meine Warnhinweise im Impressum außer Kraft. 😉

      Дружба!

  2. Peter sagt:

    Vielen vielen Dank für diesen kurzen Einblick. Auch wir möchten da mal in diese Gegend und Baikalsee mit unserem 816D. Ich war wegen der Arbeit 1984/1986 in Perm und Umgebung und die beiden Winter waren für uns neu und lehrreich , aber der Kern von Sibirien ist doch schon noch eine ganz andere Nummer. Ich hab mich in Lappland an dieses arktisch-kontinentales Klima erinnert, wobei ja in Lappland aufgrund der überströmenden Luftschichten ja noch etwas mehr Luftfeuchtigkeit besteht, als in Sibirien. Ausser es gibt Ostwind, dann ist es da das Gleiche. Vom finnischen Ivalo bis Murmansk sind es nur 303km. Wir haben da am Wegweiser vom Kreisverkehr schon lustige Fotos geschossen. Fakt ist, diese Kälte sollte man definitiv nicht unterschätzen. Da gehts echt ans Eingemachte und man kann nur verlieren, wenn man da einen Fehler macht.
    Vielen lieben Dank für deine Inspiration, Gruss Peter

    • Anonymous sagt:

      Hallo Peter,

      Baikal und Knochenstraße sind zwei Welten.
      Der Baikal und der übliche Weg bis dahin sind Zivilisation. Man kann sich hier in Deutschland in den Alltags-Pkw setzen, eine gepackte Tasche in den Kofferraum stellen und einfach losfahren. Mit einem russischen Visum, Rubeln (Kreditkarte) und ein bisschen Sprachkenntnissen kein Problem, es wird einem nichts Schlimmes passieren. Von der eigenen Haustür bis zum Ufer des Baikals liegt Asphalt, nach 8, 9 oder 10 Fahrtagen ist man im Sommer am Ziel. Dafür braucht man nicht mal mehr einen Reiseveranstalter, höchstens noch eine der üblichen Hotelwebsites. Wenn einem unterwegs das Auto auseinander fällt, zückt man das Handy, ruft den Abschlepper, nimmt sich anschließend einen Mietwagen und die Sache ist erledigt.
      Vom Baikal bis nach Magadan ist die Geschichte etwas anders. Spätestens ab Jakutsk/Nischni Bestjach (also dem Beginn der R504 Kolyma), wahrscheinlich aber schon jenseits des Amurs, würde ich nicht mehr ohne Streckenkenntnis und entsprechende Ausrüstung fahren wollen. Ab da muss man sich selbst helfen können, wenn ein Problem eintritt, ansonsten kann die Sache wirklich blöd werden. Speziell wenn es noch Abstecher sein sollen. Wir hatten einen sehr erfahreren Fahrer, der selbst gelernter KFZ-Mechaniker ist. Der hatte eine halbe Werkstatt, Benzinreserven für mehrere hundert Kilometer, diverse Ersatz- und Verschleißteile, ein Satellitentelefon, einen Kompressor, ein gutes Reifendruckkontrollsystem, ein Funkgerät und Getränke + Lebensmittel für min. 2 Tage im Wagen. Hätte davon etwas gefehlt, wäre er gar nicht erst losgefahren. Außerdem – und das war vielleicht das Wichtigste – 20 oder 25 Jahre Erfahrung auf dieser Straße. Alles (mit Ausnahme des Telefons) ist bei uns zum Einsatz gekommen, ohne dass irgendwelche Zwischenfälle dabei waren, die ich als größeres Problem eingestuft hätte. Oder schlechtes Wetter. Oder Winter.
      Man kann das schon fahren, mit einem brauchbaren Auto, Vorbereitungen und einem eingeschalteten Kopf geht das. Aber es ist nicht mehr so locker und ohne Nachdenken wie bis zum Baikal.
      Viele Grüße…

      • Tom sagt:

        Naja, wenn auf der Road of Bones nicht gerade tiefer Winter ist, wird schon ab und zu mal ein Fahrzeug kommen. Ist wie in der Wüste. Man muss halt nur am Fahrzeug bleiben und darf keine Dummheiten machen. Wie hoch war die Fahrzeugdichte auf der Kolyma so?

        • Anonymous sagt:

          Es kommt drauf an, wo man fährt und wann man fährt. Beim letzteren sowohl auf Tages- als auch auf Jahreszeiten.
          Auf der Haupttrasse ist zu normalen Verkehrszeiten einiges los. Alle paar Minuten kommt ein Lkw in jede Richtung und es gibt auch viele Baustellen, wo fleißig gearbeitet wird. Die Versorgung der gesamten Region läuft ja über diese Straße, was Massengüter betrifft. Es fahren sogar inoffizielle Marschrutkas in die Dörfer. Da trifft man also immer wieder jemanden.
          Bewegt man sich in andere Richtungen, wird der Verkehr entsprechend dünner. Auf den 150 km Abstecher nach Tomtor haben wir keine Menschenseele getroffen. Wir waren kurz vor Sonnenuntergang von der Haupttrasse abgebogen und hatten dann noch gut 3h Fahrt. Hätten wir dort ein ernsthaftes Problem gehabt, hätten wir wohl bis zum nächsten Morgen festgesessen. Auch auf der Strecke zwischen Tomtor und Oimjakon trifft kaum jemanden. Ähnlich ist das zwischen all den anderen gottverlassenen Nestern, sobald man von der Hauptstraße abbiegt.
          Und dann gibt es auch mehrere Monate, in denen die Straße quasi nicht befahren ist, wenn man von absolutem Nahverkehr rings um die Siedlungen absieht. Hauptsächlich im Herbst und im Frühjahr. Also wenn das Eis der Flüsse nicht (mehr) trägt, die Schiffe aber noch fest liegen. Das ist aber eh keine Touristenzeit.
          Der Witz ist: Gerade im tiefsten Winter (von Dezember bis März) ist Hauptverkehrszeit. Die Straßenoberfläche wird besser, weil der Schnee festgefahren ist und alle Schlaglöcher auffüllt. Dann fahren ganze Convois von Lkw die Steinkohle zum Heizen in die Siedlungen. Warum? Weil dann alles hartgefroren ist und man über die Flüsse statt über die Brücken fährt. So kann man 50 oder 60 Tonnen in einen Auflieger packen. Das maximiert die Einkünfte pro Tour.

          • Tom sagt:

            Die Road of Bones muss ich wirklich mal wieder mit einer Detailkarte abfahren. Deine Infos zum Straßenzustand und zur Befahrbarkeit der Knochenstraße nach Magadan sind da echt wertvoll. Danke!

    • Tom sagt:

      Die Strecke Baikalsee-Magadan auf der Kolyma-Trasse ist genauso weit wie die Route von Sizilien zum Nordkap: 5000 km. Nur eben unter anderen Bedingungen.

      Und genau dieselben 5000km musst du dann auch wieder zurück. Und bist trotzdem erst in Irkutsk. Also sind es 10000 km für eine hässliche Plattenbausiedlung am Pazifik. Taiga und Sibirien werden dir nach der Anfahrt zum Baikalsee schon zum Hals raushängen. Hat schon seinen Grund, warum die Strecke so wenig fahren.

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