ᐅ Winter an der Algarve: Womos, Exmos, nixlos in Südportugal

Winter an der Algarve hieß für mich bislang immer Sommer, Sonne, Meer. Heute ist hier in Südportugal alles anders. Und doch so ganz normal.

Winter an der Algarve: Regen, Kälte und Schlamm

Schon in der Nacht fing der Winter an der Algarve mit penetrantem Plätschern an. Hört man ja im Aufstelldach besonders gut. Genauso wie das Meeresrauschen oder Vogelzwitschern. Aber egal, wir machen erstmal auf Vanlife. Brötchen backen. Opulent frühstücken.

Winter an der Algarve, Wetter und Vanlife in Südportugal

Es regnet immer noch. Ein Teil der Kinder will trotzdem unbedingt das Meer sehen. Der andere Teil findet Vanlife gut und bleibt im Bus. Es scheint öfter zu regnen im Winter an der Algarve. Alles ist klatschnass. Aber auch sattgrün. Nur der Blütenduft leidet etwas unter dem Regen.

Winter an der Algarve, Wetter und Vanlife in Südportugal

Doch die Nässe kommt in diesem Winter an der Algarve nicht nur von oben. Die Wellen sind unberechenbar und schießen plötzlich den Strand hoch. Wir müssen manchmal ganz schön flitzen. Dabei sieht das so harmlos aus. Ansonsten ist der Strand an der Sandalgarve schön breit, völlig leer und erstaunlich sauber. Nur die Kälte lädt nicht so richtig zum Baden ein. Lufttemperatur 3 Grad unter Wassertemperatur.

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Freistehen im Winter an der Algarve

Laufen über die weiter östlich gelegene Treppenanlage zurück. Boooaaahhh. Was ist denn hier los? Massenhaft Wohnmobile hinter “unserer” Düne. Wo kommen die denn alle her? So hätte ich nicht gedacht. Schon gar nicht nach der kratzigen Anfahrt durchs Gebüsch. Da fahre ich extra so eine komplizierte Piste, und von der anderen Seite ist die Zufahrt zu diesem Wohnmobilstellplatz perfekt ausgebaut.

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Hier machen alle auf Vanlife. Keiner ist zu sehen. Nicht einmal die obligatorischen Hundespaziergänger. Nun ja, bei dem ganzen Schlamm macht das Verlassen des Womos oder Exmos auch wirklich keinen Spaß. Der Winter an der Algarve wird ausgesessen.

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Und ich hatte mir gestern abend eingebildet, ganz individuell und autark an der einsamen Algarve freistehen zu können. Klar, ich könnte natürlich jetzt nur das Foto von unserem einsamen Bus zwischen den blühenden Büschen auf der grünen Wiese zeigen. Noch ein bisschen in Photoshop an den Hebeln ziehen. Und schon ist das ein instagrammschöner Angeberstellplatz zum Freistehen und Überwintern in Portugal. Ach halt – ein schöner Mensch auf dem Dach fehlt ja auch noch. Naja, lass das Handyfoto mal so, wie es ist.

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Es schüttet weiter. So ein Mist. Aber es könnte ja wirklich so schön sein. Auch von meiner Anfahrtseite her ist nichts von den anderen Wohnmobilen zu sehen. Sind alle gut versteckt. Wie ich ja auch. Sollte mich also nicht beschweren.

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Im Wohnmobil an der Algarve entlang

Aber wir wollen ja sowieso noch weiter nach Westen. Und bei dem Regen können wir ruhig über die Dörfer schippern. Also erst mal weg hier. Nehme jetzt im Hellen den “richtigen” Weg. Quer durch die Schlammlöcher. Nasser Feinsand kann tückisch sein. Also lieber mit ein bisschen Schwung.

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Trotz des Regenwetters sind wir begeistert vom Winter in Portugal. Begeistert von den Agaven, Zwergpalmen und den riesigen Blumentöpfen am Straßenrand. Und von der Schrägseilbrücke über die Arade nach Portimão.

Unserem Jüngsten gefallen vor allem die meist liebevoll gestalteten Kreisverkehre in Portugal. Der mit dem Schiff wird zum schönsten Kreisverkehr der Reise erkoren. Drehe extra eine Ehrenrunde.

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Vanlifer-Stützpunkt InterMarché

Wir müssen mal einkaufen. Ist allerdings nicht so einfach an der Algarve. Gibt nur Aldi oder Lidl hier. Also ehrlich. Fahre doch nicht nach Portugal, um beim deutschen Discounter einzukaufen. Es wird aber langsam eng. Die Vorräte gehen zur Neige und wir wollen doch autark freistehen. An einer der nächsten Buchten der Felsalgarve. Doch da taucht plötzlich ein InterMarché auf. Ist zwar nun auch nicht gerade der typisch portugiesische Tante-Emma-Laden. Aber was soll’s. Ich muss. Auch gleich tanken. 1,30 € sind nicht einmal schlecht für Portugal. Also vollmachen. Knapp 100 Liter.

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Der Supermarkt scheint so eine Art Vanlifer-Stützpunkt zu sein. Gibt auch wirklich alles hier. Diesel, Wasser, Waschmaschinen, Wäschetrockner. Selbst eine österreichische Blutdruckmessstation ist heute zu Gast. Schon praktisch. Fürs Vanlife. Gehöre aber nicht so richtig zur Vanlifer-Community. Ja, ich bastle gern, fahre gern und schreibe gern. Gehe aber ansonsten ziemlich normal arbeiten, hab eine normale Vater-Mutter-Kind-Familie, wohne und verreise ganz normal. Nur die Haare sind zur Zeit auch so vanlifemäßig verstrubbelt. Werde also gleich angesprochen, ob das meine Waschmaschine sei, die gerade fertig geworden ist. Auf Deutsch natürlich.

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Nö, ist sie nicht. Wir sind nur zum Einkaufen hier. Schleichen durch alle Gänge. Ich ermuntere die Kinder, auch mal was Neues in den Wagen zu legen. Aber mehr als portugiesische Zahnpasta, Mangosaft und Waffeln geben die Experimente nicht her. Auch hier also alles ganz normal. Aber ein bisschen Travelschooling kann nicht schaden. Führe die Kinder also zum Bildungserwerb in die Fischecke. Erzähle was von Portugal und dem Bacalao. Gibt sogar ein extra Lied davon: Bacalao Con Pan, Bacalao Con Pan, Bacalao Con Pan, Bacalao Con Pan und so weiter. Die ganze Zeit. Allerdings ist nicht nur gerade das Brot alle, sondern stammt dieser Trockenfisch auch noch aus Norwegen. Wahrscheinlich von den Lofoten. Da wird doch glatt mein ganzer Sachvortrag konterkariert. Hab mich grad ganz schön lächerlich gemacht. [Und zu Hause stellt sich dann noch heraus, dass auch die angeblich portugiesische Zahnpasta 5 km von unserem Basislager entfernt hergestellt wurde. Was haben wir gelacht…]

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Offroad-Pisten zum perfekten Algarve-Stellplatz

Okay, alles erledigt. Ab auf die Piste. Diesmal richtig. Schon die Dorfdurchfahrt ist ganz schön eng. Dann noch der Abzweig zwischen zwei hohen Gartenmauern. Die überhängenden Äste. Ach, egal. Ignoriere auch das Sackgassenzeichen. Will ich doch hoffen, dass die Piste diesmal eine wirkliche Sackgasse ist. Allerdings ist der Sack zu, bevor wir am anvisierten Strandstellplatz sind. Die Piste trichtert sich zum Wanderweg. Da passen wir beim besten Willen nicht durch. Zumindest nicht reversibel.

Winter an der Algarve, Wetter und Vanlife in Südportugal

Dabei hatte die Piste bisher doch genau Variobreite.

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Aber es nützt nichts. Wir müssen zurück. Rückwärts natürlich. Zum Glück ist keiner hier. Ist ja schon ziemlich bescheuert, mit so einem Bus in so ein Loch reinzufahren.

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Die nächste Piste ist aber auch nicht besser. Die übernächste auch nicht. Was ist denn hier los? Es gibt nur Mauern, Wanderwege und Steilabbrüche. Meine ganze Planung ist für die Katz.

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Wohnmobilstellplatz an der Algarve

Fahre also auf der normalen Straße runter an den normalen Strand. Aber wieder nichts. Ist nur ein halbverlassener Touristenort. Also auf der anderen Dorfseite wieder den Hang hoch. Und wieder runter zur nächsten Bucht an der Felsenalgarve. Halt, da unten ist doch bestimmt auch ein Strand. Oh nein. Asphalt, Parkbuchten, Wohnmobile. Meine Nackenhaare sträuben sich. Doch die Jungs wollen langsam zum Strand. Zu genau diesem. Papa, du stellst dich jetzt da hin! Puuuhhh. Naaajaaa. Okkkaaayyy. Da werde ich wohl müssen. Hätte lieber gar nichts als so einen Wohnmobilstellplatz.

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Wir bleiben aber. Ich mache auf Vanlife und schiebe die (normal gekauften) Pizzen in den Backofen. Die Kinder gehen derweil an den Strand. Es regnet immer noch. Aber nicht deswegen kommen sie nach zehn Minuten klatschnass wieder. Die Wellen ziehen auf dem breiten Sandstrand wesentlich weiter hoch, als die Jungs einkalkuliert hatten. Nun ja, das zweite Mal Sachen wechseln heute. Langsam wird der Platz zum Trocknen knapp. Und Klamotten haben wir wohl auch zu wenig eingepackt. Wer rechnet denn schon mit Kälte und Regen im Winter in Portugal? Und es regnet immer weiter. Wir bleiben also am Nachmittag und Abend im Bus und spielen die ganze Zeit Karten. Zu Hause ist es wärmer und sonniger. Aber egal, wir sind ja nicht wegen des Wetters hier in Portugal. Tatsächlich wird erst spät am Abend das Wetter besser.

Winter an der Algarve, Wetter und Vanlife in Südportugal

Ist eigentlich doch ganz nett hier. Quatsche ein wenig mit den Holländern neben uns und versöhne mich dann mit dem Wohnmobilstellplatz, als ein Mercedes LP 911 mit Busaufbau ankommt. Wenigstens mal was fürs Auge. Mache mir allerdings ein bisschen Sorgen um den LP, denn die Hinterachse sieht gar nicht gut aus. Wellendichtring? Radbremszylinder? Keine Ahnung. Aber die Suppe läuft aus. Muss mir das morgen mal dezent angucken. Vielleicht braucht da ja jemand Hilfe. Wir sind doch eine Gemeinschaft hier auf dem Wohnmobilstellplatz an der Algarve.

Winter an der Algarve, Wetter und Vanlife in Südportugal

Praia – Porches – Lagoa – Portimão – Lagos – Budens – Figueira – Praia Salema | Portugal | 68 km | 3.245 km

[Mal sehen, ob am nächsten Tag das Wetter besser wird und wir an der Felsalgarve wandern können.]

Wetterinfos zum Winter an der Algarve

Mein Baedeker Portugal (Klick) bietet auf Seite 542 die Daten für einige Klimastationen in Portugal, darunter ein Klimadiagramm für Faro an der Algarve.

  • Dezember und Januar mit je 8 und vor allem der Februar mit 9 Regentagen sind die regenreichsten Monate an der Algarve
  • Der März mit 5 sowie April und Oktober mit jeweils 6 Regentagen bieten schon wesentlich besseres Wetter an der Algarve.
  • Die durchschnittlichen Tief- und Höchsttemperaturen schwanken von Dezember bis Februar zwischen 8 und 17 °C.

Bloß gut, dass ich den Baedeker erst vor Ort in Portugal gelesen habe. Wir liegen nämlich mit unseren verregneten 10°C voll in der Norm. Der Winter an der Algarve scheint wohl öfter so kühl und unbeständig zu sein.

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2 Antworten

  1. Peter sagt:

    Kennst du die Seiten von Andre Bosch alias Amumot zu Portugal?
    Vielleicht wären da Tipps/Schlechtwetter-Alternativen für euch dabei?

    https://www.portugalismo.de/

    Peter

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