Rostblasen unterm Lack: Blechsanierung Mercedes T2N
Start der Rostsanierung an den Radkästen des Mercedes 711D mit dem Aufstochern der Rostblasen unterm Lack.
Pfusch bei fachmännisch instandgesetzten Radläufen
Als ich meinen Mercedes 711 D gekauft habe, war der Bus rund um die Radläufe „fachmännisch instandgesetzt“. Fachmännisch bedeutet in dem Zusammenhang, dass Roststellen mit irgendeiner Tinktur „umgewandelt“ und dann in einer künstlerisch durchaus anspruchsvollen Prozedur Spachtelmasse und Fahrzeuglack aufgetragen wurden.
Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe am welligen Lack schon beim Kauf gesehen, was da auf mich lauert. Trotzdem piept es mich an, wenn man die Flex ansetzt und sich erstmal durch Spachtelmasse arbeiten muss. Normalerweise nämlich sieht man beginnenden Rost an kleinen Bläschen unterm Lack und kann rechtzeitig was dagegen unternehmen.
Wenn sich aber der Rost erst noch durch die Spachtelmasse drücken muss, wellt sich der Lack erst ganz spät und erst ganz leicht, kommt aber auf voller Breite. Die fachmännische Rostsanierung ist dann aus der Gewährleistung und die Katastrophe da.
Neue Rostblasen nach meiner Rostsanierung
Leider hatte ich direkt nach dem Buskauf zum Schweißen weder die passenden Gerätschaften noch das rechte Geschick und mit kleinen Kindern erst recht keine Zeit. Dafür aber waren meine ersten Reparaturversuche an den oberen Radläufen durchaus ambitioniert, denn ich wollte die Reparaturbleche mit Elektrode auf Stoß einschweißen. Aber E-Hand ist für blutige Schweißanfänger einfach nicht zu händeln, schon gar nicht auf Stoß. Diese meine Rostsanierung ist also auch Pfusch. Die Schweißnähte gehen nicht nur nicht durch, sondern bestehen eigentlich nur aus ein paar Heißklebepunkten. Dazu hab ich für die Reparaturbleche Reste von den Fensterausschnitten im Heck verwendet. Dieses Heckblech ist aber viel zu dünn.
Nun ja, meine Reparaturbleche sind 9 Jahre nicht rausgefallen. Und auch die Rostversiegelung mit Owatrol sowie die Spaltabdichtung und Oberflächenangleichung mit Sikaflex haben erstaunlich lange funktioniert. Ganz ohne Spachtelmasse.
Doch unten an die Radlaufecken hatte ich mich nicht rangetraut. Dort sind die Bleche viel zu komplex gebogen und der Unterbau mehrschichtig aufgebaut. Dazu hatte ich bei der Montage des Gastanks ein Stück der Karosserieschürze rausgeschnitten und gesehen, wie gut die mit Kaltfett gefüllt ist. Hab mich also darauf verlassen und keinen zusätzlichen Hohlraumschutz gemacht. Aber das war ein Fehler, zumal durch den Ausschnitt Sand und Dreck in die Radlaufecken gekommen ist. Und so gibt es neue, diesmal selbst verursachte Rostblasen unterm Lack.
Die beste Reparatur von Rostblasen kostet fast nichts
Aber wenn der Rost an den Radlaufspitzen blüht, kommt es auf ein oder zwei Jahre auch nicht mehr an. Da hilft nur die Flex und ein Neuaufbau. Dafür brauchte ich aber erstmal Werkzeug, Ahnung und Zeit. Und das kriegt man nicht per Fingerschnipp. Da muss man sich kontinuierlich ranarbeiten.
Als versierter Anwender von Owatrol und Panzerband konnte ich die Zeit bis zur Reparatur der Radlaufspitzen aber noch ein wenig strecken. Bei der Hauptuntersuchung am LKW stören die paar Blasen am Radlauf ja nicht, solange es da keine scharfen Kanten gibt.
Rostnester freilegen
Doch jetzt muss ich die schlimmsten Rostnester an meinem Mercedes 711D mal angehen. Wird ja langsam peinlich. Denn die Stufe, dass es nur unter dem Lack blüht und ich den Rost suchen muss, ist bei mir schon lange überschritten. Brauche auch nicht mit dem Schraubenzieher zu stochern, ob das Blech schon durch ist. Nein, bei mir geht es im ersten Schritt um die Erkundung, wie weit sich der Rost auch innen durchs Blech gefressen hat.
Markiere also eine möglichst rechtwinklige Fläche rund um die verrosteten Radlaufspitzen. Klare geometrische Formen erleichtern den Neuzuschnitt von Blech ganz erheblich. Und da ich das Karosserieblech sowieso ersetze, kommt es auf ein paar Zentimeter mehr auch nicht an. Hauptsache, der Rost wird komplett rausgeschnitten.
Auch wenn es weh tut, kommt jetzt die Flex ins Spiel. Ziel sind möglichst gerade, saubere Schnitte durch gesundes Karosserieblech. Auch wenn die total verrostet sind, lasse ich die Ecken, Sicken und Kanten noch stehen, damit ich die neuen Bleche besser anreißen und so die alten Formen wiederherstellen kann.
Technologie der Rostsanierung klären
Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, nicht senkrecht nach oben zu flexen, sondern leicht schräg nach links. Dies macht zwar für den Blechverbrauch kaum einen Unterschied, hätte aber beim Einschieben des Reparaturblechs (von links) nicht gestört. Da man ja das abgesetzte Reparaturblech unter das Karosserieblech schiebt, müssen vor allem die Seiten parallel sein oder sich verjüngen.
Und so sollte man schon beim Freilegen der Rostnester eine Technologie für die Sanierung und den Einbau der Reparaturbleche im Kopf haben. Theoretisch nämlich ist die Wiederherstellung der verrosteten Karosserie ganz einfach. Blech nehmen, zuschneiden, biegen, einschweißen, lackieren. Praktisch aber kommt es auf die richtige Technologie an. Und die hängt mit den eigenen Möglichkeiten zusammen. Also nehme ich erstmal einen Stuhl, setze mich vor die verrosteten Radlaufspitzen und denke nach, wie ich die Karosserie mit vorhandenem Werkzeug, Material und Geschick wiederherstelle. Hab mir extra freigenommen und daher zum Glück genug Zeit.
Bin im Prinzip sogar ortsunabhängig, weil Flex, Bohrmaschine und Blechschere auf Akku und das kleine Schweißgerät an der Runhood Powerbox laufen. Hab mich nur dummerweise schon an den Luxus von Druckluftgeräten wie Nadelentroster, Sandstrahlgerät, Absetzzange und Lochzange gewöhnt. Bei 1,5 mm Blechstärke geht das auch gar nicht anders als mit Druckluft. Handgeräte bringen da nichts.
Nur den kleinen Kompressor kann ich wegen des zu hohen Anlaufstroms nicht mit dem Buskraftwerk betreiben. Also schraube ich nach wie vor draußen, brauche aber Steckdosenstrom. Doch brauchen ist immer relativ. Am Ende reichen für eine Sanierung der Radlaufspitzen neben einem Stück Blech Flex, Bohrmaschine, Hammer und Schraubstock sowie Absetzzange, Schweißgerät, Pinsel und Farbe. Genial wäre ein überdachter Platz, wo man auch mal ein paar Tage alles stehen und liegen lassen kann. Der Rest ist Übung und gewusst wie.
Infos und Werbung
Als Mercedesfahrer braucht man früher oder später eine vernünftige Grundausstattung zur Rostbekämpfung. Ich hab auch erst mit billigen oder handbetriebenen Geräten angefangen. Aber Druckluft lohnt sich auf lange Sicht wirklich.
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