Norwegen: Lachsfilet aus Lærdalsøyri
Statt selbst gefangener Lachse von der Lachswanderung aus dem Lærdalselvi grillen wir Supermarkt-Lachsfilet aus Lærdalsøyri.
Wasser schöpfen im Aurlandsfjell
Die Nacht auf dem Aurlandsfjell über dem Stegastein ist nicht viel kälter geworden als der Abend. Eher im Gegenteil. Früh regnet es bei 12°C. Prinzipiell gefällt es mir hier oben auf dem Aurlandsfjell, auch wenn es mit dem Schnee und Eis und den paar Flechten und Moosen recht trostlos ist.
Nur geht uns das Wasser aus. Aber Trinkwasser ist im Fjell nie ein Problem. Laufe also in den Spuren eines Hägglunds Bandwagens, der hier irgendwann mal die Vegetation zerstört hat, ein bisschen abwärts.
Wasser aus dem See gibt zu viele Schwebstoffe. Außerdem vertraue ich keinem stehenden Gewässer. Besser ist eine kleine Vertiefung im Bach, wo ich schön Frischwasser abschöpfen kann. Als erstes koste ich immer. Hmm, dieses Wasser ist super. Dennoch reichen 10 Liter erstmal.
10:00 Uhr bin ich fertig und das schon norwegischere Frühstück steht auf dem Tisch.
Lasse nebenbei die Dieselzusatzheizung laufen, diesmal sogar, um den Aufbau zu wärmen. In der Zwischenzeit kommt ein VW T3 mit einem ziemlichen Tempo angefahren. Bin ganz empört, dass der sicher kalte VW-Motor so gequält wird. Unser OM364 hingegen ist 60°C warm, als er anläuft.
Snøvegen im Aurlandsfjell
Na, dieser Hägglunds Bandvagn 206 wird doch wohl nicht der Übeltäter für die Spuren im Aurlandsfjellet sein? Solche Spuren bleiben hier oben über Jahre erhalten.
Die Schneestraße (Snøvegen) über das Aurlandsfjell macht ihrem Namen alle Ehre, denn rechts und links gibt es viel Schnee zu sehen. Teilweise bis zwei Meter hoch.
Dazu aber auch Unmengen Wohnmobile, Autos und Motorräder, so dass ich gar nicht anhalten und eins der beliebten Sommerschneefotos machen mag. Muss aber dann doch mal ein Foto mit dem Bus und einigen Schafen machen.
Wir erzählen ja immer nebenbei von 2000, als wir hier mit unserem ersten Baby langgefahren sind und was wir da so erlebt haben. Zur allgemeinen Begeisterung habe ich passenderweise auch die richtigen Fotos auf dem Handy bzw. kann die schnell runterladen. Die Schafe werden nicht dieselben sein, aber solche Bilder gibt es vom damaligen Mercedes 508D auch.
Alte Häuser in Lærdalsøyri
Unten in Lærdalsøyri kurzer Protest, aber ja, wir schauen uns hier unbedingt die alten Häuser an. Und ja, alle kommen mit. Notfalls mittels freiwilligem Zwang. Aber die Häuser sind wirklich hübsch und das sehen dann auch alle ein.
Nicht schlecht ist der Porsche Junior.
Gibt auch mondäne Holzvillen in Lærdalsøyri, aber das ist eher die Ausnahme. Das meiste sind doch eher einfache Holzhäuser.
Lachszentrum Lærdalsøyri
Die Altstadt ist nicht groß, der Hunger dafür umso mehr. Nur gehe ich nicht davon aus, dass wir im berühmtesten Lachsfluss Norwegens Lachse sehen oder fangen. Kaufe also sicherheitshalber Lachsfilet im Supermarkt. Danach kommen sogar alle mit zum Lachszentrum, das aber keiner besichtigen will. Ist auch abartig teuer für ein paar Lachse im Aquarium. Hab ja nun schon für fünf Erwachsene zu bezahlen.
Es ist jetzt bald 14:00 Uhr und der Hunger wird virulent. Also ab zum Bus. Mich hingegen packt der Ehrgeiz und ich suche das Postkartenmotiv mit der Altstadt von Lærdalsøyri hinter dem Fluss. Bin ganz empört, denn das Foto stammt gar nicht vom Lachsfluss Lærdalselvi, sondern von einem Altarm. Aber egal, das Foto ist gemacht. Das alte Lærdalsøyri sieht wirklich hübsch aus, auch wenn für ein richtiges Postkartenfoto ein bisschen die Herbstfarben fehlen.
Zum Mittag gibt es Pellkartoffeln mit Möhrengemüse sowie dem frisch gekauften und nicht selbst gefangenen Lachs. Und natürlich betreibt niemand Camping, sondern wir sitzen einfach nur im Bus und verstecken uns hinter den schwarz getönten Scheiben.
Alte Lærdalstraße mit Höhenbeschränkung bis 3,2m
Da nach dem Mittag sogar noch Lachs übrig ist, verspreche ich ein Lagerfeuer für den Abend, auf dem das restliche Filet gegrillt wird. Und dann fahren wir den Lachsfluss hoch. Hoffe ja immer, dass ich mal die Lachse springen sehe. Mache mir da aber mittlerweile keine Illusionen mehr. Von selbst gefangenem Lachs jedenfalls werde ich nicht satt. Verlässlicher sind da Kartoffeln, Möhren und allerlei Gemüse, die das fruchtbare Lærdal hervorbringt.
Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Tunnel. Bleibe aber immer auf dem alten Königsweg, der kaum noch befahren ist.
Zwischendurch entsorge ich Abwasser an einem Tesla Supercharger und tanke ein bisschen weiter in einer etwas mühsamen Prozedur 30 Liter Wasser. Muss dazu am Waschbecken eines Behinderten-WCs erst mit dem kleinen Topf den Kanister befüllen und mit dem Kanister dann die Wassertanks im Bus.
Stabkirche Borgund im Lærdal
Dadurch ist die Stabkirche Borgund bei unserer Ankunft schon eine halbe Stunde geschlossen. Das hat aber auch seine Vorteile, denn so sehen wir alles, müssen aber nichts bezahlen.
Die Straße vor der Stabkirche Borgund war früher die Fernstraße von Oslo nach Bergen und entsprechend dicht befahren. Heute ist hier kaum Verkehr. Allerdings war die Stabkirche Borgund damals noch von einem kleinen Wäldchen umrahmt.
Lachs im Smeddalselvi
Ab der Stabkirche Borgund suche ich an der alten Europastraße verschärft nach einem Stellplatz. Hab schon abgestimmt, dass ich den Bus auch direkt an die Straße stellen kann, da der ganz überwiegende Verkehr durch die neuen Tunnel läuft. Aber bis eine passende Stelle kommt, gehen noch ein paar Kilometer ins Land. Bin erst etwas misstrauisch, aber wir bleiben um 19:00 Uhr tatsächlich direkt an der Straße stehen.
Auf der Erkundung nach oben finde ich einen Birkenstamm, den ich aber liegen lasse. Zur Erkundung nach unten kommen alle mit, weil es dort eine schöne Hängebrücke gibt. Meine Tochter sieht auch ein paar Lachse, die sich in einem Seitenbecken von den Stromschnellen ausruhen. Sie hüpfen auch aus dem Wasser, sind aber schnell wieder verschwunden. Also so wie gedacht ist die Lachswanderung nicht.
Wir gehen dennoch über die Hängebrücke und auf der anderen Seite hoch zum Lachsbecken im Smeddalselvi. Aber da sind jetzt keine mehr. Na ja, egal, wir haben welche gesehen. Jetzt fehlen nur noch die Schwärme von Lachsen, die die Stromschnellen hochspringen. Aber wer weiß, ob es das hier überhaupt in diesem Maß gibt.
Lachsfilet vom Supermarkt
Dann schleppt mein Vierter den Birkenstamm zum Bus. Bei solchen Gelegenheiten verweise ich gern auf meine unlängst erlittenen Knochenbrüche und halte mich dezent zurück. Dafür aktiviere ich den kleinen Grill für die Lachsfilets.
Ein Holzfeuer im Grill bringt allerdings viel zu wenig Glut. Der Lachs schmeckt zwar angeblich trotzdem, aber ich muss da aufrüsten. Am besten mit einer ordentlichen Feuerschale mit Grill und einer feuerfesten Unterlage, damit niemand meckern kann.
Nachdem bis 22:00 Uhr nicht ein einziges Auto vorbeikommt, fallen alle Hemmungen und wir machen ein richtiges Lagerfeuer im Steinkreis. Aber es dauert Stunden, bis die nasse Birke soweit ist, dass sie brennt und nicht nur qualmt. Fürs Feuermachen ist übrigens mein kleines Luftisomattengebläse äußerst nützlich, weshalb ich das immer mitführe.
Hab allerdings das Beil vergessen und so können wir nur große Stücke verheizen. Den Baum kriegen wir zwar mit der Handkettensäge klein, aber eben nicht gespalten.
Am Abend macht meine Tochter mit dem dicken Rest des Baumstamms auf dem Rücken Kniebeugen. Ist schon beeindruckend, mit welcher Kraft und Ausdauer sie das macht. Ihre „kleinen“ Brüder müssen sich danach auch gleich beweisen. Nur ich hab meine übliche Ausrede.
Erst nach Mitternacht brennt das Feuer so richtig. Sitzen also noch lange da und quatschen. Dann löschen wir die Flammen mit Wasser aus dem nahen Wasserfall und ich kann endlich ins Bett.
Aurlandsfjellet – Bjørgavegen – Lærdalsøyri – Borgund – Borlaug – Gram | Norwegen | 84 km | 2.364 km
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