Norwegen: Bergbauernhof Kjeåsen und das blaue Wunder vom Eidfjord

Die blauen Tunnelkreisverkehre unterm Eisplaneten Hoth sowie der Bergbauernhof Kjeåsen gehören zu Norwegens Top-Zielen.

UNterirdischer Kreisverkehr an der Hardangerbrua

Unterirdischer Kreisverkehr an der Hardangerbrua

Deutsches Frühstück am Hardangerjøkulen

Mittlerweile ist das Hubbett mein Lieblingsschlafplatz im Bus. Die nun ausstellbaren Oberlichter in den Fahrerhaustüren sorgen für viel Frischluft, der Vorhang rund um das Hubbett für Privatsphäre und morgendliches Dämmerlicht. Muss mir bloß noch einen innen liegenden Mückenschutz ausdenken. Zur Zeit stülpe ich bei Mückengefahr eine Hülle aus Moskitonetz über die ganze Tür.

Mercedes 711D mit offenem Ausstellfenster

Mercedes 711D mit offenem Ausstellfenster

Wache nach der gestrig-mitternächtlichen Krankenversorgung also auch heute erst 9 Uhr auf. Das ist gut, denn da sind alle halbwegs gleichzeitig wach und wir können ohne große Wartezeit zusammen frühstücken. Da bewegt sich auch das Zelt und die beiden belgischen Frauen bauen alles ab. Gehe rüber, hole sie zu uns in den warmen Bus und verabreiche erstmal was zu Essen und zu Trinken. Die beim Abstieg vom Hardangerjøkulen verletzte Frau sieht gar nicht gut aus und muss die Tour abbrechen. Den Krankentransport von Mutter und Tochter übernimmt der Rettungssanitäter aus dem weißen VW-Bus neben uns, der mit seiner Freundin auch noch mit zum Frühstück bei uns sitzt. Die Bude ist also voll. Und es ist mir schon fast peinlich, dass nur deutsche Sachen auf dem Tisch stehen.

Deutsches Frühstück in Norwegen

Deutsches Frühstück in Norwegen

Regen auf dem Eisplaneten Hoth

Nachdem sich die Lage wieder etwas beruhigt hat, gehe ich noch ein bisschen spazieren. Wir stehen ja direkt unter einem riesigen Gletscher, den Hardangerjøkulen. Dort wurde 1980 für Star Wars die Schneeschlacht auf dem Eisplaneten Hoth gedreht. Würde ja gern mal da hochlaufen und hab sogar schon heimlich einen GPS-Track vorbereitet. Aber das wären 20 km und 2500 Höhenmeter im Regen. Mein Wandervorschlag wird also rundweg abgelehnt.

Mercedes 711D im Simadal

Mercedes 711D im Simadal

Klar, es regnet. Aber ich bin ja nicht aus Zucker. Bin außerdem auf die Walderdbeeren neben der Piste scharf. Und ich werde auch sonst belohnt, denn der Nebel reißt kurz auf und ich sehe den Skytjefossen 300 m ins Simadal hinabstürzen. Das ist mal ein richtiger Wasserfall, nicht dieser „kleine“ Vøringsfossen von gestern. Da oben die Hochebene am Hardangerjøkulen hat ungefähr 800 Höhenmeter und wir stehen etwa bei 300 m.

Nebel im Simadal

Nebel im Simadal

Bergbauernhof Kjeåsen

Aber auch der Wasserfall ist nicht unbedingt ein attraktives Wanderziel. Lasse also den schon vorgewärmten Bus die 300 Höhenmeter das Simadal runterrollen. Fast auf Meereshöhe zweigt rechts eine kleine Einbahnstraße zum Bergbauernhof Kjeåsen ab. Müssen da ein bisschen warten, weil die Auffahrt immer nur zur vollen Stunde, die Abfahrt zur halben Stunde freigegeben ist.

Fahren also pünktlich zur vollen Stunde die 500 Höhenmeter hoch auf den Bergbauernhof Kjeåsen. Anfangs im zweiten, aber schon bald nur noch im ersten Gang. Ist wirklich eine steile Strecke. Erstaunlich, dass die Norweger dort einen Tunnel mit zweieinhalb Kilometer Länge in den Fels gesprengt haben.

Tunneleingang zum Bergbauernhof Kjeåsen

Tunneleingang zum Bergbauernhof Kjeåsen

Aber der Tunnel ist nicht für den Bergbauernhof, sondern wurde in den 70er Jahren für den oberen Stausee des Sima-Kraftwerks angelegt. Hat ja auch 4,20 m Durchfahrtshöhe. Im Tunnel sieht man auch schön die Wirkung der Hella-Fernscheinwerfer auf dem Dach.

Hella Fernscheinwerfer im Tunnel

Hella Fernscheinwerfer im Tunnel

Ganz oben gibt es eine Schranke und davor können vielleicht zehn Autos parken. Hab Glück, dass noch eine Lücke frei ist. Mittlerweile hat auch der Regen aufgehört und wir wagen einen kleinen Spaziergang. Der Bergbauernhof Kjeåsen selbst ist ganz nett, aber nun auch nichts weltbewegendes.

Bergbauernhof Kjeåsen

Bergbauernhof Kjeåsen

Phänomenal dagegen ist der Ausblick auf den 500 m tiefer gelegenen Simdalsfjord. Hinter den Blumen geht es direkt runter. Passt also bloß auf, denn das sind nicht nur 8 m.

Aussicht von Kjeåsen auf den Simdalsfjord

Aussicht von Kjeåsen auf den Simdalsfjord

Der Steilhang ist wirklich nicht ohne. So sitzen wir im feuchten Gras und genießen, wie die Wolken hochziehen und immer wieder neue Blicke freigeben. Mein Vierter jagt unterdessen eine Hummel, wenn auch nur fotografisch. Sei bloß vorsichtig!

Hummel in Kjeåsen über dem Simdalsfjord

Hummel in Kjeåsen über dem Simdalsfjord

Ich hadere ein bisschen mit dem unverdienten Genuss und ärgere mich, dass wir nicht hochgelaufen sind. Die Schulkinder mussten das früher jeden Tag machen. Aber ich bin eben nicht auf die Idee gekommen. Da oben wandern will aber trotzdem keiner. Also fahren wir wieder runter, natürlich genau pünktlich zur halben Stunde um 14:30 Uhr. Ist ganz klar geregelt, damit es keinen Gegenverkehr gibt. Runter fahre ich natürlich im selben Gang wie hoch, auch wenn die Drehzahlen schon in den roten Bereich gehen.

Abfahrt vom Bauernhof Kjeåsen im Mercedes 711

Abfahrt vom Bauernhof Kjeåsen im Mercedes 711

Checke nach der Abfahrt vom Bauernhof Kjeåsen dennoch mal die Bremsentemperatur des Mercedes 711D. Die Bremsscheiben haben knapp 120°, die Trommelbremsen hinten 50°C. Könnte den ALB-Regler fast noch ein bisschen mehr Druck auf die Hinterachse geben lassen.

Bremsentemperatur nach der Abfahrt vom Bauernhof Kjeåsen im Mercedes 711

Bremsentemperatur nach der Abfahrt vom Bauernhof Kjeåsen im Mercedes 711

Sima-Kraftwerk

Würde mir auch noch gern das Sima-Kraftwerk anschauen, aber da ist niemand.

Mercedes 711D am Sima-Kraftwerk

Mercedes 711D am Sima-Kraftwerk

Schon gar nicht sieht es nach einer Führung durch die riesigen unterirdischen Kraftwerkshallen aus. Auch die Ausstellung im Sima-Kraftwerk ist scheinbar dauerhaft geschlossen. Schade.

Geschlossene Ausstellung im Sima-Kraftwerk

Geschlossene Ausstellung im Sima-Kraftwerk

Also weiter am Simdalsfjord entlang. Man denkt es nicht, aber das ist wirklich der Atlantik.

Mercedes 711D am Simdalsfjord

Mercedes 711D am Simdalsfjord

Hardangerbrücke mit unterirdischen Kreisverkehren

An den Auffahrten zur Hardangerbrücke gibt es die schon bekannten, unterirdischen und sehr futuristischen Kreisverkehre in hellblauer Ausleuchtung. Wirklich sehr beeindruckend. Diese blauen Tunnelkreisverkehre unterm Eisplaneten Hoth haben die Kinder 2014 das letzte Mal gesehen, aber seitdem nicht vergessen.

Unterirdischer Kreisverkehr der Hardangerbrücke

Unterirdischer Kreisverkehr der Hardangerbrücke

Biege diesmal erst nach ein paar Ehrenrunden durch den blauen Kreisverkehr auf die ebenfalls sehr schöne Hängebrücke Hardangerbrua ab.

Hardangerbrücke über den Eidfjord

Hardangerbrücke über den Eidfjord

Beim Drüberfahren ist die Brücke schon hübsch, aber am besten sieht die Hardangerbrücke von der Seite aus. Ist nur gar nicht so einfach, den richtigen Fotospot zu finden. Fahre dazu auf der anderen Seite des Eidfjords erst noch eine kleine Sackgasse nach Westen.

Norwegen Hardangerbrücke

Norwegen Hardangerbrücke

Und wenn wir schon mal so gut stehen, können wir um 15:30 Uhr auch gleich Mittag machen. Wobei wir in dem Fall bedeutet, dass die Kinder kochen und ich in der Zwischenzeit auf den Felsen am Eidfjord rumklettere und Fotos mache.

Rastplatz an der Hardangerbrua

Rastplatz an der Hardangerbrua

Nach einer Stunde fahre ich zum Gucken und Wenden die Sackgasse hinter nach Djønno. Hatten wir heute eigentlich schon ein Foto vom Mercedes 711D? Nein? Oder doch? Jedenfalls noch keins mit der Hardangerbrücke.

Mercedes 711D und die Hardangerbrücke

Mercedes 711D und die Hardangerbrücke

Wasserlassen in Vossavangen

Und dann wieder zurück nach Ulvik und den Tysso hoch. Will mich gleich oberhalb der Serpentinen in ein Waldstück am Fluss stellen, aber da ist es erst 17:30 Uhr und die Mehrheit empfindet das als noch zu zeitig. Hinterher ärgern wir uns drüber. Aber es ist eben nicht mehr zu ändern. Jedenfalls fahren wir in Serpentinen die Berge wieder runter, auf der anderen Seite wieder hoch und dann wieder runter.

Da zieht mich ein Polizist raus, um angeblich einer Ambulanz den Weg frei zu machen. Bei der Gelegenheit lässt er mich noch ins Röhrchen pusten, ob ich was getrunken hätte. Na, solche Kontrollen sind mir am liebsten.

Landen schließlich in Vossavangen. Da muss ich Diesel auffüllen (für 1,77 €) und bei YX Skulestadmo Abwasser und Urin ablassen. Die Entsorgung ist in Norwegen wirklich gut gelöst.

Urin ablassen bei YX Skulestadmo

Urin ablassen bei YX Skulestadmo

Lønavatnet

Aber ansonsten ist hier am Sonntag nichts los. Fahre auf der kleinsten Straße um den Lønavatnet, also nicht auf der Hauptstraße, sondern eben gegenüber auf dem anderen Seeufer am Reppavegen. Die Straßen sind wirklich schmal, aber sehr hübsch.

Straße am Lønavatnet

Straße am Lønavatnet

Ist nur alles ziemlich intensiv bewirtschaftet, sodass sich keine Stellplätze ergeben. Am Museum Nesheimstunet wäre ein Stellplatz, aber so richtig ist von so einem Platz an der Straße niemand begeistert.

Museum Nesheimstunet am Lønavatnet

Museum Nesheimstunet am Lønavatnet

Waldstellplatz Bjørndalen

Nach Oppheim reicht es mir. Biege also spontan rechts in das Bärental (Bjørndalen) ab und finde schon bald eine kleine Waldpiste. Die Äste schleifen links und rechts, aber es gibt dann doch eine Stelle zum Wenden und Stehen.

Mercedes 711D am Stellplatz Bjørndalen

Mercedes 711D am Stellplatz Bjørndalen

Meiner Tochter gefällt es zwar auch hier nicht, weil es so nach Mücken aussieht. Aber so viele Mücken gibt es gar nicht. Jedenfalls könnten das mit dem ganzen Sumpf ringsum wesentlich mehr sein. Und ich kann jetzt auch nicht ganz Norwegen nach dem einen perfekten Stellplatz absuchen, zumal ich Hilfsmittel elektronischer Form ablehne. Insofern geht es doch hier. Wir laufen noch an den Brandsetelvi, aber dort ist die Strömung so stark, dass an Baden überhaupt nicht zu denken ist.

Stromschnelle Brandsetelvi im Bjørndalen

Stromschnelle Brandsetelvi im Bjørndalen

Am Fluss finden wir dann wirklich noch einen besseren Stellplatz mit weniger Mücken, aber dort liegt eine Menge Sperrmüll rum und der Bus steht doch gut. Also warum umsetzen? Zum Abendessen mache ich Bratkartoffeln mit Spiegelei und Gurkensalat. Danach quatschen wir noch bis 22:30 Uhr. Draußen ist es noch hell wie bei uns 18 Uhr.

22-33 Uhr im Bjørndalen

22-33 Uhr im Bjørndalen

Und während ich nochmal spazieren gehe und die Chronik diktiere, fressen mich die Mücken keineswegs auf. Würde fast behaupten, dass es so viele nun auch wieder nicht sind. Klar, sind welche da, aber es ist bei weitem keine Plage. Also alles richtig gemacht.

Simadal – Kjeåsen – Eidfjord – Djønno – Ulvik – Vossavangen – Oppkvitno – Oppheim – Bjørndalen | Norwegen | 152 km | 2.190 km

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