Norwegen: Chaos an Flåmsbahn und Stegastein

So richtig durchdacht ist der Aussichtspunkt Stegastein trotz des beeindruckenden Blicks auf den Aurlandsfjord nicht.

Stegastein und Aurlandsfjord

Stegastein und Aurlandsfjord

Gepäck verstauen auf dem Dachträger des Mercedes 711D

Nee, heute früh wird das auch nichts mit dem Rimstigen. Hab von der Paddeltour gestern über den Nærøyfjord noch ein paar Probleme mit der vor vier Monaten gebrochenen Hand. Aber im Prinzip ist das ja nur sowas wie Muskelkater. Bin jedenfalls froh, dass bis zum Campingplatz-Checkout um 12:00 Uhr die zwei Boote, das SUP und der ganzen Kram abgebaut und auf dem Dach verstaut sind. Hab ja zum Glück die Auszugsleiter dabei.

Gepäck verstauen auf dem Dachträger des Mercedes 711D

Gepäck verstauen auf dem Dachträger des Mercedes 711D

Da oben auf dem Tropendachträger liegen jetzt 100 Kilo Paddelausrüstung, aber dafür ist unten zwischen den Sitzbänken wieder Platz.

Beladener Dachträger und Nærøyfjord

Beladener Dachträger und Nærøyfjord

Genau 12 Uhr verlassen wir den Camping Bakka. Dann versuche ich mal, das alte Foto mit dem weißen Mercedes 508D am Nærøyfjord nachzustellen. Aber am Fotospot von vor 25 Jahren ist mittlerweile der Tunnel. Dazu ist der Bus grün statt weiß und eine Generation jünger.

Mercedes 711D am Nærøyfjord

Mercedes 711D am Nærøyfjord

In Gudvangen lasse ich an der Entsorgungsstation Abwasser– und Urintank auf einmal ab. So eine Rinne sowie zöllige Ablassventile sind da echt praktisch.

Wasser lassen am Wohnmobil

Wasser lassen am Wohnmobil

Flåm

Dann beginnt schon direkt der 11,4 km lange Gudvangatunnel von 1991. Nach 500 m Luftschnappen folgt der 5 km lange Flenjatunnel von 1985. Und schon liegt Flåm vor uns. Wobei als erstes nicht die paar Häuser ins Auge fallen, sondern ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Und so ist auch nicht Flåm die Hauptattraktion, sondern der Touristenrummel am Hafen.

Reisedampfer in Flåm

Reisedampfer in Flåm

Die Leute fluten die Norwegermall mit Pullovern und Klimbim, starten Touren mit Bussen, Fjordschiffen oder Elektroautos und fallen über die Fressbuden her.

Folklorerummel in Flåm

Folklorerummel in Flåm

Wir sind natürlich auch hier und Teil der Attraktion. Und auch wir wollen eigentlich nur einkaufen, was essen und alles mal ein bisschen angucken.

Talstation der Flåmbahn

Flåm ist die Endstation der Flåmbahn, die für heute auf dem Reiseprogramm steht.

Talstation der Flåmbahn

Talstation der Flåmbahn

Will allerdings nicht ins Museum, sondern hab mir einen Platz rausgesucht, wo wir neben einem Haltepunkt stehen und den fahrenden Zug anschauen können. Die Fahrpläne sind gecheckt, aber ich verpasse den ersten Zugdurchgang. Auf dem schmalen, offiziell nicht für Wohnmobile geeigneten Weg zur Flåmbahn im Flåmdalen kommen einfach zu viele Radfahrer entgegen und ich muss ständig anhalten. Wahrscheinlich fahren die Leute mit der Bahn hoch zum Wasserfall und lassen sich dann mit den Fahrrädern wieder runterrollen. Ich will nun nicht despektierlich wirken, aber niemand sieht so aus, als ob er die 20 km und 600 Höhenmeter hochgefahren wäre.

Flåmsdal mit dem Mercedes 711D

Flåmsdal mit dem Mercedes 711D

Nun weiß ich zwar, dass der nächste Touristenzug 14:55 Uhr in Flåm startet und nach 20 km und 800 Höhenmetern oben in Myrdal um 15:51 Uhr einläuft. Aber ich finde nicht raus, wie lange die Flåmsbana von Flåm bis zur Station Dalsbotn braucht. Also machen wir an der alten Bahnstation Dalsbotn Mittag und warten auf den Zug. Die Flåmsbahn kommt um 15:07 Uhr und ist farblich extra auf den Bus abgestimmt.

Flåmsbana, Station Dalsbotn

Flåmsbana, Station Dalsbotn

Flåmsdal

Das Flåmsdal ist zwar hübsch, aber den Flåmsdalvegen hoch zum Wasserfall Kårdalsfossen zu fahren oder gar von da zum Kjosfossen zu laufen, ist nicht sinnvoll. Denn erstens werden dort Massen von Kreuzfahrttouristen unterwegs sein, die mit dem Zug kommen. Und zweitens ist die Straße im Flåmsdal einfach zu eng und es sind zu viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Das muss nicht sein, da machen wir uns nur unbeliebt.

Im Wohnmobil durchs Flåmsdal

Im Wohnmobil durchs Flåmsdal

Rolle also das Flåmsdal wieder runter, was schon weitaus unproblematischer ist, denn es sind quasi alle Radfahrer von oben nach unten unterwegs. Ein paar norwegische Anwohner gucken schon grimmig. Schnell weg hier. Halt, noch ein kurzes Foto vom Ludwigsfelder und Düsseldorfer Bus. Naja, ich geb‘s zu. Es sind 16 Fotos. Aber nur eins bleibt übrig.

Mercedes 711D und 508D im Flåmsdal

Mercedes 711D und 508D im Flåmsdal

Fjordaussicht vom Stenastein

Flåm am Ende des Aurlandsfjords ist ja so schon ein Verkehrsknotenpunkt, wird aber zusätzlich von Touristen überrannt.

Flåm am Ende des Aurlandsfjords

Flåm am Ende des Aurlandsfjords

Und dann fahren solche Touristen wie wir nicht durch den extra gebauten, 24,5 km langen Lærdalstunnel im Zuge der E16, sondern wählen ab Aurlandsvangen die „Landschaftsroute Aurlandsfjellet“. Ganz optimistisch ist die kleine, meist einspurige Serpentinenstrecke für LKWs über 12,4 m Länge gesperrt. So ein Quatsch. Besser wäre, die Auffahrt zum Stegastein für Fahrzeuge über 1 m Breite zu sperren.

Denn wegen der Attraktion Stegastein als Aussichtspunkt über dem Aurlandsfjord ist auf der Landschaftsroute Aurlandsfjellet die Hölle los. Gefühlt stellen 90 % des Verkehrs Kreuzfahrttouristen, die überhaupt keine Vorstellung von den Dimensionen ihrer Mietwagen und wahrscheinlich einen hohen Selbstbehalt haben. Dazu sind die Ausweichstellen immer nur für ein bis allerhöchstens 3 Fahrzeuge konzipiert.

Mehrfach verklemmen sich daher auf der Serpentinenzufahrt zum Stegastein die Kolonnen. Reißverschlussprinzip funktioniert eben nicht, wenn sich zwei lange Fahrzeugschlangen von oben und unten begegnen. Ein schon ziemlich angesäuerter norwegischer Sprinterbusfahrer (mit Kreuzfahrern an Bord) läuft rum und weist die Leute an, wie sie was zu machen haben.

Aurlandsfjord und Auffahrt zum Stegastein

Aurlandsfjord und Auffahrt zum Stegastein

Da hat Norwegen eine Touristenattraktion um noch einen zusätzlichen Anziehungspunkt reicher gemacht, aber die Folgen für Land und Leute nicht bedacht. Und so ist die Aussichtsplattform Stegastein über dem Aurlandsfjord zwar von Konstruktion und Aussicht beeindruckend, führt aber am Ende nur zur Frustration aller Beteiligten.

Aussichtsplattform Stegastein über dem Aurlandsfjord

Aussichtsplattform Stegastein über dem Aurlandsfjord

Am Eckberg Beitlanipa über der Einfahrt vom Aurlandsfjord in den Nærøyfjord sind wir ja gestern mit dem Paddelboot gewesen, kennen also auch die andere Perspektive. Nur den Stegastein hab ich gestern beim Paddeln nicht gesehen.

Aussicht vom Stegastein auf den Aurlandsfjord

Aussicht vom Stegastein auf den Aurlandsfjord

Snøvegen über das Aurlandsfjell

Aber ich will wirklich nicht über den Stegastein meckern, die Aussicht von da oben auf den Aurlandsfjord ist wirklich hübsch. Müsste halt nur eine Seilbahn hoch geben oder sowas. Das Verkehrskonzept ist jedenfalls nicht durchdacht. Und so ist für mich das Chaos rund um den Stegastein die eigentliche Attraktion. Zum Glück ist der weitere Snøvegen über das Aurlandsfjell rüber ins Lærdal nicht auch so überlaufen, weil jetzt die Mietwagen weg sind.

Auffahrt Snøvegen Aurlandsfjell

Auffahrt Snøvegen Aurlandsfjell

Übrig bleiben die Wohnmobile, die sich um 18:00 Uhr schon auf verschiedene Stellplätze am Snøvegen verteilen. Selbst auf der Piste oben im Fjell parkt schon ein Fiat Ducato. Sind Pisten für Ducatos nicht verboten?

Stellplatz am Snøvegen im Aurlandsfjell

Stellplatz am Snøvegen im Aurlandsfjell

Nach der Hochglanzwerbung braucht man hier doch unbedingt Allrad. Und tatsächlich steht oben ein Allradsprinter. Bin gleich ganz neidisch auf den exponierten Stellplatz und das schöne Motiv, auch wenn mich ein solch konvexer Stellplatz praktisch nicht überzeugt.

Allrad-Sprinter im Aurlandsfjell

Allrad-Sprinter im Aurlandsfjell

Stellplatz im Aurlandsfjellet

Eigentlich parke ich nicht um. Aber zurück von der kleinen Erkundung steht so ein Ducato nun direkt neben uns. Das geht mir nun echt zu weit, und so fahre ich doch noch mal die Piste hoch. Bin allerdings ganz unsicher, ob ich mich neben den Allradsprinter stellen kann. Nee, das geht auch nicht. Hab kein Allrad. Also noch weiter. Und tatsächlich findet sich eine schöne Stelle neben See, Schnee und Lagerfeuer. Hier ist alles da. Und der Platz ist konkav, also gedeckt.

Zweiter Stellplatz im Aurlandsfjell

Zweiter Stellplatz im Aurlandsfjell

Die Jungs toben im Schnee herum, natürlich mit Flipflops. Nebenbei verheizen wir ein bisschen eingesammeltes Holz. Aber so richtig warm wird es bei diesem jämmerlichen Lagerfeuer nicht. Der Wind ist auf 1300 m einfach zu kalt. Trotzdem ist es schön und wir gehen erst Mitternacht rein.

Mercedes 711D am Snøvegen im Aurlandsfjell 711

Mercedes 711D am Snøvegen im Aurlandsfjell 711

Bakka – Gudvangen – Flåm – Dalsbotn – Flåm – Aurlandsvangen – Stegastein – Storhovda / Aurlandsfjellet | Norwegen | 64 km | 2.280 km

Infos und Werbung

  • Teleskopleiter mit 11 Sprossen (Hailo): Klick
  • Fahrplan und Tickets der Flåmsbana (Englisch): Klick
  • Die Karte zeigt den Aussichtspunkt Stegastein über dem Aurlandsfjord

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