Norwegen: Spontancamping in Bakka am Nærøyfjord
Ein freier Stellplatz am Nærøyfjord ist außer an der Tankstelle Gudvangen völlig utopisch, aber auch der Campingplatz Bakka ist ausgebucht.
Elche im Bärental
9:30 Uhr bin ich wach und gehe erst mal ein Stück im Bjørndalen spazieren. Sehe, dass in der Nacht ein Elch neben dem Bus gestanden haben muss, denn hier gibt es Elchlosung an einer Stelle, die gestern noch nicht da war.
Das hat man eben davon, wenn man mitten im Wald steht. Dazu schläft alles länger.
Abschmieren im Urlaub
Bevor alle wach werden, kann ich ja den Bus abschmieren. Bin wegen meiner tunesischen Unfallfolgen schon 500 km drüber. Die Arbeit mit der Einhandfettpresse ist auch 4 Monate nach dem Handbruch noch grenzwertig. Aber die kann ich auch links bedienen und das Mundstück mit rechts am Schmiernippel positionieren.
Der Untergrund ist zwar ein wenig morastig, aber mit einer Isomatte geht das dann doch. Nur drückt sich der Wagenheber tief in den Boden rein. Schmiere alle Achsgelenke und die Kardanwelle ab. Ziehe schließlich noch ein Schräubchen an der Druckleitung zum Lenkgetriebe nach, weil dort ein Öltropfen hängt.
Baden im reißenden Brandsetelvi
Obwohl das Frühstück erst 11:00 Uhr beginnt, komme ich trotzdem zu spät. Aber mein Zitronentee ist schon gemacht.
Ist ganz hübsch bei uns im Wald. Überlege sogar, noch weiter ins Bärental (Björndalen) hochzufahren und dort wandern zu gehen. Aber das wird abgelehnt. Dafür habe ich Freude an der Dieselheizung, die wieder geht, weil genug Sprit im Tank ist.
Doch wie ich gerade losfahren will, kommen 2 Reiter auf der schmalen Waldpiste angetrabt. Also wieder zurück in die Parkbucht. Dann wieder raus, nun kommt aber tatsächlich eine Gruppe Fußgänger. Also wieder zurück. Erst beim dritten Versuch kann ich den Bus ungestört durch die etwas enge Piste drücken.
Nach nicht mal einem Kilometer sehen die Kinder an der Brücke über den Brandsetelvi eine schöne Badestelle. Tief, klar, schnell. Und das Wasser ist auch 12° warm. Also tun die Kinder so, als ob sie in der Karibik wären und baden und planschen und schwimmen. Aber hier bleiben will nun auch keiner. Zumal die Sonne fehlt.
Autofriedhof im Bjørndalen
Dann fahren wir 100 Meter und stoppen erneut an einem Autofriedhof. Lauter alte Volvos, viele davon Sanitätsfahrzeuge mit Hochdach. Hier ist ein Sammler am Werk, der allerdings nichts auf seine Sammelstücke gibt.
Aber das ist alles Privatgelände und ich will hier nicht herumschleichen, als ob es mir gehört.
Stalheimschlucht
Vorn auf der Hauptstraße reihen wir uns in den Touristenverkehr ein. Plötzlich die Stalheimschlucht. Hier wollte ich eigentlich die alte Serpentinenstraße anschauen, bin aber viel zu schnell vorbei und rausche in den Tunnel hinein. Egal, weiter. Auch der Dreifachwasserfall Kjelfossen bleibt links liegen. Wenn man in Norwegen jeden Wasserfall erkunden will, ist man sein ganzes Leben beschäftigt.
Campingplatz Bakka am Nærøyfjord
Und es gibt noch ein Eigentlich. Denn eigentlich wollte ich ihn Gudvangen einkaufen, fahre aber spontan auch an dieser Endstation des Nærøyfjords vorbei. Verfolge vielmehr die Idee, uns ein Stück am Nærøyfjord langzuschlängeln und hinten auf den Campingplatz Bakka zu stellen.
Bilde mir nämlich nicht ein, mitten in der Sommersaison irgendwo am Nærøyfjord einen freien Stellplatz zu finden. Soweit, dass auch die Campingplätze ausgebucht sein könnten, denke ich allerdings nicht.
Frage aber trotz des zwar nett gemachten, aber wenig einladenden Schilds mal nach und ergattere tatsächlich noch einen gerade stornierten Stellplatz. Bezahle zur Sicherheit sogar gleich zwei Nächte. Die Sonne scheint, das Wasser ist schön, alles ist toll. Los, Boote aufbauen.
Defektes Überdruckventil am Grabner Riverstar
Allerdings bemerkt mein Vierter, dass beim Grabner Riverstar XXL das Überdruckventil abbläst und die Luft rausgeht. Das ist nicht ungewöhnlich, normalerweise klemmt da nur etwas Sand im Ventil. Diesmal aber kommt die Luft an der Seite raus. Muss also das Überdruckventil neu einkleben. Wo ist nur der Silikonkleber? Alle suchen mit, und am Ende finde ich das bewährte Bindulin Dichtfix in meinem Klamottenfach. Frage mich echt, wie es eine Tube Silikonkleber in die Hängeschränke schafft.
Einkaufen mit Boot oder Rad?
Nun ist es aber für meinen Plan zu spät, zum Einkaufen die 5 km zurück nach Gudvangen zu paddeln. Aber der Jüngste meldet sich um 18:00 Uhr freiwillig zu einer Fahrradtour, kriegt eine Liste und zwei Packtaschen sowie eine Stirnlampe und die Einweisung, in dem 2 km langen Tunnel ja das Licht anzumachen. Dadurch kommt mir aber das Paddelziel abhanden und wir machen nur eine kleine Erprobungsfahrt im Gumotex Seawave über den Nærøyfjord.
Ich würde noch die 5 km bis Gudvangen paddeln, aber es gibt wieder mal Bedenken gegen meine berechneten Paddelzeiten. Messe also zum Beweis unsere Geschwindigkeit und komme auf 7 km/h auf dem Fjord. Aber es stimmt schon: Da wir im Durchschnitt nur 5 km/h paddeln, schaffen wir es innerhalb der Öffnungszeiten nicht mehr zum Supermarkt. Können es also langsam angehen und sehen dafür sogar einen Seehund.
Mittlerweile ist der Jüngste schon wieder auf dem Rückweg und macht von der Straße aus ein Foto von uns. Muss ihm bloß mal ein besseres Handy kaufen.
Abendspaziergang am Nærøyfjord
Nach zwei Stunden Paddeln auf dem Nærøyfjord sind nicht nur Kühlschrank und Gemüsekiste wieder voll, sondern sogar schon verschiedene Spezialitäten der Busküche angerichtet. Danach spazieren wir noch ein Stück am Fjord entlang und schauen uns VW Busse an. Hinsichtlich der Farbe als (aus weiblicher Sicht) alles entscheidender Eigenschaft besteht aber eine gewisse Enttäuschung, da die Mietbusse nicht lackiert, sondern nur mit Folie beklebt sind, die sich bei näherer Betrachtung schon ablöst. Tja, so ist das mit dem schönen Schein. Mir gefällt da der alte Mercedes Kurzhauber wesentlich besser, auch wenn der Einheitskoffer eine einzige Flickschusterei von Reparaturblechen ist.
Schauen am Hinweisschild für den Rimstigen den Zickzackweg auf das Fjell an und überlegen um 22:00 Uhr, wann wir da am besten hochlaufen.
Oben auf der anderen Seite des Fjords sitzt sogar ein Gletscher, aber dazu müsste man ja erstmal übers Wasser.
Mal sehen, wie das Wetter morgen wird und was wir da machen. Wandern oder Paddeln, wir werden sehen. Vielleicht ja beides. Aber Paddeln müssen wir, denn nun sind die beiden Boote (sowie das SUP) fix und fertig aufgebaut, repariert und eingerichtet.
Ein Zeltnachbar fragt sogar nach, ob er sich die Boote bei uns ausleihen könnte. Hmm, natürlich vermiete ich keine Boote. Will das bloß nicht so direkt sagen und verweise auf die umfangreichen und im Ergebnis völlig unsicheren Reparaturmaßnahmen, wegen derer ich es auf gar keinen Fall verantworten könnte, ihn mit diesen geflickten Booten aufs gefährliche Meer zu lassen. Das zieht, ohne dass ich Nein sagen muss.
Bjørndalen – Gudvangen – Nærøyfjord – Bakka | Norwegen | 26 km | 2.216 km
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