ᐅ Umbau historischer Mercedes-Benz Kurzhauber mit Allrad: LA 710, 911, 1113

Mercedes-Benz Kurzhauber wie der MB 710, der MB 911 oder der MB 1113 gehören für mich zu den schönsten LKWs, die je gebaut wurden. Eine kleine Liebeserklärung.

Wie unterscheiden sich die Bezeichnungen und technischen Daten der Mercedes Kurzhauber?

Wenn ich vereinfachend von MB (für Mercedes-Benz) 710, MB 911 oder MB 1113 schreibe, ist dies eigentlich nicht die korrekte Originalbezeichnung. Den Nummern waren von Mercedes verschiedene Buchstaben vorangestellt, die schon einmal eine Grundvorstellung vom Fahrzeugmodell boten. L bedeutete einfach Lastwagen. Das A steht für Allrad und das F für ein Feuerwehrmodell. Ein nachgestelltes B wiederum kennzeichnet die zweite Modellreihe. Aber nur das B-Modell hatte den nachgestellten Buchstaben. Ein LAF 911 B ist also ein Lastwagen mit Allrad, der für die Feuerwehr bestimmt war. Das Gesamtgewicht beträgt ungefähr 9 t und die Motorleistung 110 PS. Der Kurzhauber entstammt als B-Modell der zweiten Serie.

Der LA 1113 B ist also dann das neuere B-Modell als Lastwagen (L) mit Allrad (A), 11 t Gesamtgewicht und 130 PS. Mercedes war allerdings beim Kurzhauber mit der Leistungsangabe nicht ganz konsequent, da der 1113er mit dem OM 352 A (Oel-Motor 352 mit Aufladung) später bis zu 168 PS hatte. Trotzdem blieb entgegen der technischen Daten die Bezeichnung LA 1113 B in Gebrauch, obwohl Mercedes diesen Kurzhauber zumindest in der Allrad-Version konsequenterweise hätte LA 1116 nennen müssen. Und dann hätte man auch das „B“ nicht mehr gebraucht. Aber gut. Ist halt so.

So, und jetzt könnt ihr euch mal testen: Was sind die grundlegenden technischen Daten eines LA 710? Die Rätselauflösung steht ganz unten.

Was ist der Vorteil des Umbaus historischer Kurzhauber?

Das erste, was für den Mercedes Kurzhauber spricht, ist die Ästhetik. Kaum ein LKW schaut so freundlich. Erzeugt so viele positive Emotionen. Und das weltweit. Zwar sind auch die Rundhauber von Magirus-Deutz wunderschön. Aber diese frühen LKWs von Magirus-Deutz sind weit weniger verbreitet als die Kurzhauber. Das geht so weit, dass beim Begriff „Rundhauber“ kaum mehr jemand an den echten Magirus-Deutz Rundhauber denkt. Vielmehr denken die meisten beim Rundhauber an den Mercedes-Benz Kurzhauber. Ohne es zu wissen.

Doch es gibt auch praktische Gründe, einen Mercedes Kurzhauber als Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil zu kaufen. So darf ein Kurzhauber mit H-Zulassung die zahlreichen Umweltzonen befahren. Und wer aber Europa verlässt, der wird über die Verbreitung der Kurzhauber in der ganzen Welt staunen. Diese Fahrzeuge sind in Entwicklungsländern vor allem als Kipper nach wie vor sehr beliebt. In Afrika gehören sie immer noch zum täglichen Straßenbild. Der Iran produziert Kurzhauber in Lizenz. Auch Ersatzteile sind noch verfügbar. Und so ein Kurzhauber – Expeditionstruck wie der LA 710, der LA 911 oder der LA 1113 passt in Afrika sowieso perfekt in die Landschaft. Naja, vielleicht nicht unbedingt in der Armeeversion.

Drive-by an einem marokkanischen Mercedes-Benz Kurzhauber der Armee, wahrscheinlich ein MB 1924

Drive-by an einem marokkanischen Mercedes-Benz Kurzhauber der Armee, wahrscheinlich ein MB 1924

Zwar kann ich einen Kurzhauber ja gerade überhaupt nicht gebrauchen. Zu langsam. Zu laut, zu groß, zu unbequem, zu viel Arbeit. Doch bei jedem Angebot muss ich mich beherrschen, nicht doch einfach mal einen der schönen Kurzhauber zu kaufen. Vor allem, wenn ich einen MB 911 oder MB 1113 B mit kurzer Doka vom THW sehe.

Wo kann man einen Mercedes-Benz Kurzhauber kaufen?

Mittlerweile mustern Feuerwehren, der Ex-BGS und das THW trotz guter Ersatzteilversorgung auch die letzten Allrad-Kurzhauber aus. Diese Fahrzeuge verfügen oft über Doppelkabinen (Dokas). Dadurch gibt es genügend Platz auch für eine Familie. Zwar muss der Aufbau von Feuerwehr oder THW erst mühsam abgebaut werden. Dafür aber erzielt Aluminium einen guten Preis. Zudem können viele Teile für das Wohnmobil verwendet werden. Gerade so einen Allrad-Kurzhauber vom THW oder einer Feuerwehr mit kurzer Doka könnte man schon rein vorsichtshalber kaufen und dann später mal zum Expeditionsmobil umbauen. Nicht, dass man diese LKWs irgendwann nicht mehr kaufen kann. Oder nur noch zu horrenden Preisen. Oder völlig runtergenudelt nach der 10. Weltumrundung.

Hingegen sind die Fahrzeuge mit kurzem Fahrerhaus und Einheitskoffer selten und auch jetzt schon sehr gefragt. Diese Kurzhauber wie der MB 710, der MB 911 oder der MB 1113 kommen vor allem vom BGS, von der Polizei oder von Sanitätsdiensten wie dem Roten Kreuz. Diese Einheitskoffer sind zwar ziemlich flach und rostanfällig. Trotzdem gewährleisten sie auch als Wohnmobil eine weitgehend unveränderte historische Erscheinung und ein stimmiges Gesamtbild. Auch das begehrte H-Kennzeichen ist so leichter zu erhalten. Und so steigen die Preise…

Wunderschöner Mercedes-Benz Kurzhauber MB 710 (A-Modell) mit Einheitskoffer (rund, aber kein Rundhauber!)

Wunderschöner Mercedes-Benz Kurzhauber MB 710 (A-Modell) mit Einheitskoffer (rund, aber kein Rundhauber!)

Was sind die Unterschiede zwischen A-Modell und B-Modell der Mercedes-Benz Kurzhauber?

Wer nun einen Mercedes-Benz Kurzhauber kaufen möchte, sollte die technischen Daten und die Unterschiede zwischen dem A-Modell und dem B-Modell kennen. 1969 gab es bei der Produktion der Mercedes-Benz Kurzhauber einen Modellwechsel. Aus dem A-Modell wurde das B-Modell. Doch zum Glück ist das neue, modernisierte B-Modell des Kurzhaubers auch für den Laien leicht an den 3 Scheibenwischern erkennbar. Dagegen verfügte das vorherige A-Modell der Kurzhauber als Unterschied nur über 2 Scheibenwischer.

Natürlich gibt es zahlreiche weitere Unterschiede, die das B-Modell der Mercedes Kurzhauber attraktiver machen. Einzelne Modelle unterscheiden sich durch die Art des Turboladers. Die Höhe der Scheibe. Zündschloss links oder rechts. Turbolader oben oder an der Seite, groß oder klein. Beulenkotflügel oder nicht. Was weiß ich noch.

Gibt es noch Ersatzteile für den Kurzhauber?

Trzebiatowsky - Die Kraftfahrzeuge und ihre InstandhaltungAnsonsten ist die Technik in allen Modellen der Kurzhauber sehr einfach und extrem zuverlässig. Begriffe wie Obsoleszenz gab es damals bei Mercedes-Benz (noch) nicht. Diese LKW-Technik ist auch für den Laien zu verstehen und mit einfachen Bordmitteln und wenigen Ersatzteilen instandzuhalten. Schließlich sind die Mercedes Kurzhauber nicht umsonst in Entwicklungsländern äußerst beliebt. Afrikanische Schrauber wissen und schätzen eben, was gut ist und lange hält.

Die einfache Technik aus der Entstehungszeit der Mercedes Kurzhauber wird wohl am besten im Standardwerk zur historischen LKW-Technik erklärt. „Der“ Trzebiatowsky ist als reich illustriertes Fachbuch aus 1961 nicht umsonst wieder als hochwertiger Reprint erhältlich und (nur so als Tipp) auch ein perfektes Geschenk für LKW-Liebhaber und Selbstschrauber.

Mehr noch. Das Buch von Trzebiatowsky ist mittlerweile selbst Kult. Originalware ist ebenso rar wie ein guter Kurzhauber und kostet mehr als neu.

(Hier gibt es eine kleine Buchvorstellung)

Worauf sollte man beim Kauf eines Kurzhaubers achten?

An der Spitze der angebotenen Kurzhauber liegen die fast unbezahlbaren, perfekt erhaltenen Sattelzugmaschinen. Oder Kipper. Für einen Zweiachser LA 1924 oder gar einen Dreiachser LA 2624 Kipper habe ich schon Preise um die 100.000 € gesehen. Zumindest Preisforderungen. Beim Kauf dieser Spitzen-Kurzhauber war ich natürlich nicht dabei.

Mercedes-Benz Kurzhauber LA 2624 (LA 2220?) als irakische Dreiachser-Sattelzugmaschine mit Tanklastzug, Syrien, 1997

Mercedes-Benz Kurzhauber LA 2624 (LA 2220?) als irakische Dreiachser-Sattelzugmaschine mit Tanklastzug, Syrien, 1997

Für den Umbau zum Expeditionsmobil besonders geeignet sind gebrauchte B-Modelle MB 911 und MB 1113 mit Allrad. Preisbestimmende Unterschiede ergeben sich hier vor allem aus den technischen Daten und der verbauten Ausstattung. Besonders beliebt und beim Kauf entsprechend teuer sind Turbolader, Servolenkung und lange Achsübersetzungen. Auch die Art des Fahrerhauses ist entscheidend für den Preis bzw. die Kosten für den Umbau zum Expeditionsmobil. Je kürzer die Kabine ist, desto teurer wird ein Kauf. Allrad ist für ein Kurzhauber-Wohnmobil gesetzt. Aber ohnehin gibt es in Deutschland sowieso kaum noch Modelle aus erster Behördenhand ohne Allrad zu kaufen. Und bald gibt es gar keine mehr…

Mercedes-Benz Kurzhauber im Einsatz: MB 1113 B als Kipper in Palmyra, Syrien, 1997

Mercedes-Benz Kurzhauber im Einsatz: MB 1113 B als Kipper in Palmyra, Syrien, 1997

Wie baut man einen Mercedes-Benz Kurzhauber zum Expeditionsmobil um?

Natürlich werden für den Umbau eines Kurzhaubers zum Expeditionsmobil sowieso nur Fahrzeuge mit Allrad verwendet. Ansonsten lässt sich aufgrund der guten Ersatzteilversorgung aber alles umbauen. Die Achsübersetzung kann verlängert werden. Ein Zwischenrahmen ist meist sowieso erforderlich. Die langen Doppelkabinen können gekürzt werden.

Und der Kofferaufbau muss kein Einheitskoffer sein. Auch wenn dieser abgerundete Koffer natürlich am besten zum Fahrzeug passt, gibt es zahlreiche Alternativen. Interessant sind zum Beispiel die so genannten „Russenkoffer“. Dies sind Alu-Sandwich-Koffer ehemalig russischer Militärfahrzeuge. Diese Kung-Koffer sind in Polen, Tschechien oder Bulgarien noch in großer Zahl verfügbar. Vor allem haben diese Alu-Holz-Koffer einen guten Schnitt und ergeben insgesamt ein stimmiges Gesamtbild. Auch auf dem Kurzhauber.

Alternativ ist die Anpassung und Montage von Möbelkoffern aus dieser Zeit ist eine gute Möglichkeit, dem Kurzhauber sein historisches Erscheinungsbild (und das H-Kennzeichen) zu lassen. So hat Ackermann schöne Anhänger gebaut. Diese runden Alu-Kofferanhänger sind aber selbst schon Kulturgut.

Möglich wäre auch die Montage eines LAK 2 der ehemaligen NVA. Dieser leicht absetzbare Koffer mit zwei Segmenten (deswegen LAK2) passt aus meiner Sicht aber eher auf einen W50 als auf den Kurzhauber. Ebenfalls verwendbar, aber ebenfalls nicht besonders schön sind die eckigen Bundeswehr-Shelter (Zeppelin FM2 oder Dornier).

Natürlich kann ein Kurzhauber auch mit einem GFK-Sandwich-Koffer verunstaltet werden. Aber am besten wäre doch, den Aufbau selbst herzustellen. Aluminium und Zirbenholz. Ein Traum!

Es geht aber auch ohne Allrad und mit einem ganz anderen Verwendungszweck. Dies zeigt der folgende Mercedes Kurzhauber.

Mercedes-Benz Kurzhauber als Umbau ohne Allrad

Mercedes-Benz Kurzhauber als Umbau ohne Allrad

Und Fans freuen sich natürlich über die ein oder andere Devotionalie. Oder sie würden sich freuen. (Achtung: Das ist ein Zaunspfahl für meinen Geburtstag!)

Warum sind Kurzhauber keine Rundhauber?

Und eines ist wichtig: Diese Mercedes – LKWs sind keine Rundhauber. Die Bezeichnung Rundhauber war schon zur Entstehungszeit der Mercedes Kurzhauber vergeben an die (ebenfalls wunderschönen) runden Hauben-LKW’s von Magirus-Deutz. Die Nachfolger der Magirus Rundhauber hießen dann auch logischerweise Eckhauber. Und da Mercedes zuvor Langhauber verkauft hat, lag der „Kurzhauber“ begrifflich also auch aus diesem Grund näher als der Rundhauber.

Also: Mercedes Rundhauber gibt es ebenso wenig wie Magirus Kurzhauber! Magirus Rundhauber sind Magirus Rundhauber und Mercedes Kurzhauber sind Mercedes Kurzhauber. Und Magirus hat erst Rundhauber und dann Eckhauber gebaut. Mercedes wiederum erst Langhauber und dann Kurzhauber. Schließlich jedoch sind alle LKW-Hersteller auf den Frontlenker ganz ohne Haube gekommen. Und so ist es heute noch. Bis auf ganz wenige Ausnahmen. Als moderne Hauben-LKWs fallen mir nur noch Zetros und Scania ein. Zumindest jedenfalls in Westeuropa. 

Warum ist ein Kurzhauber teurer als sein Nachfolger?

Der Nachfolger des Mercedes-Benz Kurzhauber ist die Neue Generation (NG). Der wohl am häufigsten verkaufte Vertreter der NG Modelle von Mercedes ist der MB 1017, der auch von zahlreichen Armeen der Welt gekauft wurde. Dies kommt wiederum dem Mercedes Kurzhauber zugute. Schließlich ist der MB 1017 im Prinzip nichts anderes als ein Kurzhauber mit Frontlenkerkabine. Beide Modelle haben den OM 352 verbaut. Diese Legende von Dieselmotor ist zwischen dem Mercedes-Benz Kurzhauber und dem MB 1017 mit einigen Umbauten austauschbar. Und sowohl der Mercedes-Benz Kurzhauber als auch der MB 1017 wurden parallel gebaut, so dass die Ersatzteilversorgung auch parallel gesichert ist. Doch jetzt ratet mal, welche Version teurer ist? Richtig. Der Mercedes-Benz Kurzhauber. 

Deswegen habe ich mir letztens einen Mercedes Kurzhauber oder auf neudeutsch Mercedes Rundhauber bestellt – bevor es zu spät ist.

Rätselauflösung: Ein Mercedes LA 710 ist ein Lastwagen mit Allrad und 7,5 t Gesamtgewicht mit 100 PS als A-Modell.

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4 Antworten

  1. Eugen sagt:

    Ich bin zwar ein Bulli-Fan, aber den Kurzhauber finde ich ebenfalls Klasse. Wenn der Bulli zu klein wird, dann wird es bestimmt ein Kurzhauber :-). Danke für die Infos und den tollen Beitrag.

  2. Thomas sagt:

    Hallo Kurzhauber-Fans, nur so als „frisch“ gemachte Beobachtung: komme eben aus Argentinien zurück (März 2017). Dort fahren auffallend viele MB-Kurzhauber und neuere – ich nenne sie „Kastenhauber“ im täglichen Einsatz umher. Die Große Zahl an Rundhaubern ist wirklich imponierend, ebenso wie die teilweise perfekte äußere Erscheinung. Offenbar wurden sie dort länger als in Europa gebaut und liebevoll gepflegt. Auch sieht man viele MB-Busse in Buenos Aires die den städtischen Busbetrieben gehören und ebensfalls wie nostalgisches Kulturgut gepflegt werden. Außerhalb der Stadt sieht es dann schon anders aus. Daher vermute ich für Kurzhauberfans ein Ersatzteil-Dorado, man müsste nur Beziehungen dorthin auftun… Falls es jemandem gelingt – viel Erfolg meinerseits! Herzliche Grüße!

  3. Tom sagt:

    Ja, die Kurzhauber werden auch heute noch in Brasilien und dem Iran hergestellt. Und auch nach Argentinien muss ich noch einmal – selbst wenn ich (noch) keine Ersatzteile für den Kurzhauber brauche. Allerdings gibt es bei Mercedes auch für die ganz alten Fahrzeuge noch ziemlich viele Teile an der Theke. Und der Kurzhauber wurde ja in Deutschland noch lange parallel zu den Frontlenkern produziert – ich glaube, bis 1996.

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