ᐅ Athos: Verquere Fahrt von Thessaloniki zur Mönchsrepublik

Glücklich gelungene Anreise von Thessaloniki nach Ouranoupoli und von Ouranoupoli nach Dafni in der Mönchsrepublik Athos.

Wilde Übernachtung am Strand von Thessaloniki

Die späte Anreise von Berlin nach Thessaloniki wurde belohnt mit einer schönen Nacht am Strand. Doch der Handywecker klingelt schon 4:15 Uhr. Es ist noch stockdunkel, aber die Scheinwerfer eines benachbarten Autohandels erleichtern mir im Fischerboot das Zusammenkramen meiner Siebensachen.

Hab nicht viel Zeit. Muss zum Bus nach Ouranoupoli auf Athos. Halte mich auch an der schönen Tankstelle nicht lange auf. Ein schnelles Handyfoto muss reichen.

78N zum Busterminal KTEL Makedonia

Hab Glück, denn gerade, als ich vor zur Straße komme, rollt um 04:24 Uhr der Bus 78N zum Busterminal KTEL heran. Also rein da. Am Fahrkartenautomaten kann man sogar Deutsch einstellen.

Das hier ist der Expressbus 78 vom Flughafen AERODROMIO zum Busterminal KTEL MAKEDONIA. 78N steht für die Nachtlinie.

Der fast leere Bus ist auch tatsächlich ganz schön schnell am Busbahnhof am anderen Ende von Thessaloniki.

Dort ist aber alles dunkel und verlassen. Von hier soll bald der Bus nach Athos fahren? Jemand erzählt mir was von einem Bus 45, mit dem ich woanders hin muss. Hä? Woanders? Tatsächlich. Ich bin völlig falsch. Mist.

Nachttaxi durch Thessaloniki

Ein Taxifahrer, der zufällig über die Kreuzung fährt, bemerkt mein Herumirren und spricht mich an. Er ist Meister im Gedankenlesen. Ja, ich will mit dem Bus nach Ouranoupoli. Da bin ich aber hier am völlig falschen Busbahnhof. Tja, das weiß ich schon. Aber kann ich ihm ohne eigene Verifikation trauen? Hmm, ist jetzt auch egal. Setze mich also hinten rechts rein und entspanne. Naja, nicht ganz. Denn ich lasse zur Sicherheit lieber einen Track mitlaufen. Nicht, dass der mich sonst wohin fährt. Es geht wieder quer zurück durch ganz Thessaloniki.

Busbahnhof nach Athos: KTEL HALKIDIKI

Witzigerweise liegt der richtige Busbahnhof nach Athos KTEL HALKIDIKI (nicht KTEL MAKEDONIA) höchstens 2 km entfernt von der Stelle, wo ich geschlafen habe. Naja, egal. Sehe dafür Thessaloniki bei Nacht. Jedenfalls hält der gute Mann sein Wort und bringt mich pünktlich zum Busbahnhof KTEL Makedonia. Wenn ich das gleich gewusst hätte, hätte ich mir die 20 € für Bus und Taxi sparen und eine Stunde länger schlafen können.

Aber jetzt bin ich nicht nur pünktlich, sondern auch definitiv richtig, wie einige Mönche im Wartesaal des kleinen Busbahnhofs KTEL Halkidiki zeigen. Hier im Busterminal Halkidiki kriege ich für 12 € auch das Ticket nach Ouranoupoli. Die Busfahrt von Thessaloniki nach Athos ist also echt preiswert. Puh, geschafft. Hab sogar noch eine halbe Stunde. Gönne mir also etwas Luxus und kaufe eine heiße Schokolade. Verzichte ja mit meiner ultraleichten Trekking-Ausrüstung komplett auf warme Küche.

Der Bus von Thessaloniki nach Ouranoupoli, zu dem es im Internet außer den (falschen) Abfahrtszeiten keine Angaben gibt, startet pünktlich um 06:00 Uhr. Die Hälfte der Insassen sind Mönche. Oder sehen zumindest so aus.

Busfahrt von Thessaloniki nach Ouranoupoli auf Athos

Der Bus ohne Fahrplan stoppt unterwegs an jeder Haltestelle, sobald jemand aus- oder einsteigen will. Also alles ganz relaxt. Jetzt weiß ich Bescheid. Ansonsten fahren wir dieselbe Strecke über die Berge wie im Sommer mit dem Wohnmobil. Ich schlafe zwischendurch noch mal ein, erwache mit Sonnenaufgang aber wieder.

8:30 Uhr ist Ankunft in Ouranoupoli.

Einreiseformalitäten für Athos

Doch schon 08:45 Uhr geht das Speedboot nach Dafni. Aber ab hier kenne ich mich aus. Sehe also gleich, dass sich in den letzten zwei Monaten das Corona-Testzentrum für Athos um die Ecke verschoben hat.

Flitze während der Testzeit schnell rüber zum Bäcker und decke mich mit süßem Brot, Pfannkuchen und Brötchen ein. Mein Diamonitirion habe ich ja schon. Dann Testergebnis abholen und zum Ticketschalter.  Nein, für die Schnellfähre gibt es keine Tickets mehr. Ich soll mich beeilen und die Fährtickets auf dem Boot kaufen. Renne also an den ganzen Strandtavernen vorbei vor zum Hafen.

Überhole noch zwei Mönche und springe über den schmalen Anleger an Bord. Geschafft.

Speedboot nach Dafni

Der „Schaffner“ ist ein bisschen angesäuert, dass ich noch keinen Fahrschein habe und muss den Computer rausholen. Vorher kontrolliert er aber erst noch Diamonitirion, Ausweis und Coronatest. Fehlt bloß noch, dass ich mein Geschlecht vorzeigen muss. Der Käpt’n wartet derweil noch auf die beiden Mönche, und dann geht’s los.

Klar, auf einen Normalo wie mich hätte der ganz bestimmt nicht gewartet. Doch selbst unter den Mönchen gibt es scheinbar diese und jene. Aber immerhin dürfen die normalen Mönche und die heiligen Mönche zusammen aufs WC. Also nicht zusammen, sondern auf dasselbe.

Aber ich will mich nicht beschweren. Die Toilette für das gemeine Gabelpublikum ist vollkommen in Ordnung.

Und auch dem Käpt’n bin ich nicht böse.

Denn der gibt seinem Boot ordentlich die Sporen. Die Schnellfähre von Ouranoupoli nach Dafni macht echt Ballett.

Trotzdem fährt das kleine Schnellboot natürlich die einzelnen Häfen der Klöster auf der Westseite an. Also die Häfen (Arsanas) von Zografou, Konstamonitou und Dochiariou im Bild.

Ha, wo ich im Sommer bei unserer Einreise nach Athos mit Fähre und LKW noch vollkommen blind war, sehe ich jetzt mit meiner Karte der 20 Klöster von Athos endlich mal durch. Das hab ich echt gebraucht. Hatte schon Angst, doof zu sterben. Und da bei mir nachher ja nichts mehr kommt, muss ich schon zu Lebzeiten ein bisschen dranbleiben. Nach Xenofontos kommt noch das russische Riesenkloster Panteleimonos. Bald sind wir da.

Pilgerzentrale Dafni

Nach nicht mal einer Stunde legt das Schnellboot am Hafen Dafni an. Ich wollte eigentlich noch weiter bis zum Hafen Simonos Petras fahren. Aber das ist wieder nur meiner Unkenntnis geschuldet und der Käpt’n schmeißt mich von Bord. Mann, wenn ich den ganzen Tag mit so einem coolen Boot in den Rewässern vor Athos herumfahren würde, hätte ich echt bessere Laune.

Die Mönche und Pilger werden am Hafen Dafni abgeholt oder fahren mit einem Taxi-Sprinter zu ihren jeweiligen Klöstern. Das Diamonitirion muss ja in einem bestimmten Kloster beantragt werden, das dann scheinbar auch für den Pilgertransport verantwortlich zeichnet.

Dieser Unimog U1450 mit der hübschen Doka fährt zum Kloster Filotheou, wie hinten an der 12 auf dem Nummernschild zu erkennen ist. Zum Kloster Filotheou könnte man natürlich auch mit einem tiefergelegten Golf fahren. Aber die Athos-Besucher erwarten eine entbehrungsreiche Klostertour, also kriegen sie die auch. Und zwar auf der Pritsche des U1450.

Ich bin der einzige, der läuft. Und auch der einzige Nicht-Pilger. Bin halt nur so mit reingerutscht. Diese Falschheit hat mir der Kapitän bestimmt an der Nase angesehen und mich daher seine Verachtung spüren lassen. Wie auch immer. Zuerst will ich mal bei „meinem“ Kloster Simonos Petras nach dem Rechten sehen.

[Konkrete Infos und aktuelle Fahrpläne für den Bus von Thessaloniki nach Ouranoupoli sowie für die Fähre auf den Athos stelle ich später mal zusammen, damit auch das Internet ein bisschen klüger wird.]

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2 Antworten

  1. Stiller Mitleser sagt:

    Haha, die MONAXOI sind die Normal-Mönche und die IEPOMONAXOI sind die Priestermönche.

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