ᐅ Bootsbeschriftung mit Sprühfolie selber machen

Das ist kein Witz: § 2.02 BinSchStrO fordert auch für Paddelboote eine Bootsbeschriftung. Also selber machen mit Sprühschablone und Sprühfolie.

§ 2.02 Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (BinSchStrO)

Herrlich. Diese Vorschriften. Diese Abkürzungen. Dieses Kauderwelsch. § 2.02 Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (BinSchStrO). Den Bindestrich hätte man auch noch weglassen können. Aber ist halt so.

§ 2.02 BinSchStrO macht ziemlich genaue Vorgaben, wie unsere Wasserstraßenkleinfahrzeuge zu beschriften sind. Man könnte natürlich auch Paddelboote sagen. Aber das wäre ja zu einfach.

Der Text von Paragraf 2.02 BinSchStrO enthält also wörtlich die folgenden Vorschriften für die Bootsbeschriftung:

  • dauerhaft zu kennzeichnen
  • mit seinem Namen oder seiner Devise
  • auf beiden Außenseiten des Kleinfahrzeugs
  • in gut lesbaren mindestens 10 cm hohen lateinischen Schriftzeichen
  • in heller Farbe auf dunklem Grund oder in dunkler Farbe auf hellem Grund
  • Name und die Anschrift des Eigentümers sind an der Innen- oder Außenseite des Kleinfahrzeugs anzubringen

Basteln einer Sprühschablone für die Bootsbeschriftung

Nun gut. Bin ja gerade geübt in der Beschriftung von Gummiteilen mit Sprühfolie. Schließlich musste ganz unbedingt der Schriftzug Mercedes-Benz auf die Schmutzlappen aufgesprüht werden. Das lässt sich doch auch für die Boote replizieren.

Brauche also zunächst eine Sprühschablone für die Bootsbeschriftung mit Sprühfolie. Entscheide mich für die Schriftart Bauhaus 93. Die hat nämlich keine isolierten Inseln. Kann ich durchgehend schneiden. Gut am A zu sehen. Schriftgröße 450 Pixel fett bringt 12 cm Buchstabenhöhe und passt noch auf DIN A3. Ausdrucken, auf Pappe kleben, ausschnippeln.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Die Namen für die Bootsbeschriftung der beiden Luftkajaks stehen schon lange fest. VASA und TITANIC. Effektivitätsüberlegungen führen allerdings zur Begrenzung auf 4 Buchstaben. Zu wenig Platz auf dem Boot. Zu wenig Platz auf der DIN-A3-Seite. Und zu wenig Zeit zum Schnippeln.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Bootsbeschriftung mit Sprühfolie im Bauhaus-Stil

Die Sprühschablone ist fertig. Wo ist die Spraydose mit der Sprühfolie? Ah, ja. Im Seveneleven. Mach noch schnell ein Pappfenster. Hilft super gegen Sprühnebel auf dem Boot. Jetzt ein paar Lagen Sprühfolie aus der Spraydose aufsprühen.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Fertig. Die Bootsbeschriftung mit Sprühfolie aus der Spraydose sieht erstmal gut aus.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Probleme beim Auftragen der Bootsbeschriftung mit Sprühfolie

Nehme allerdings die Sprühschablone zu zeitig vom Boot ab. Die Sprühfolie war noch gar nicht richtig trocken. Dadurch verlaufen die Kanten der Buchstaben. So ein Mist.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Aber mit ein bisschen Universalverdünnung lässt sich die verlaufene Sprühfolie ganz gut vom Boot ablösen. Am besten, wenn die Folie richtig fest ist.

Wahrscheinlich wäre es auch besser gewesen, das Boot für eine saubere Bootsbeschriftung mit der Sprühfolie richtig straff aufzupumpen. Aber dann ist die Bootshaut wieder zu rund. Auch nicht gut.

Test der Bootsbeschriftung auf der Elbe

Jedenfalls haben beide Bootsbeschriftungen die Testfahrt auf der Elbe super überstanden. Die Sprühfolie hält trotz mehrfachen Auf- und Abbaus. Ist gut sichtbar. Entspricht den Vorschriften. Und sieht so schlecht auch nicht aus. Nur leider hat uns niemand kontrolliert.

Bootsbeschriftung selber machen mit Spruehfolie, Kajak Schlauchboot Kennzeichnungspflicht nach Paragraf 2.02 BinSchStrO

Strafen bei nicht beschriftetem Paddelboot

Jedenfalls ist auf allen Binnenschifffahrtstraßen eine Bootsbeschriftung vorgeschrieben. Erst war ich mir unsicher, ob die Bootsbeschriftung jemand kontrolliert. Aber mittlerweile sind wir tatsächlich mit einem noch unbeschrifteten Paddelboot von der Wasserschutzpolizei freundlich an die Bootsbeschriftung erinnert worden. Gab eine kostenlose Verwarnung.

Dabei hatte ich für das nagelneue Grabner XXL extra eine provisorische Bootsbeschriftung ausgedruckt und mit Tesaband aufgeklebt. Das so aufgeklebte A4-Blatt mit der Bootsbeschriftung wurde beim Verano California auch nicht beanstandet.

Provisorische Bootsbeschriftung am Verano California

Provisorische Bootsbeschriftung am Verano California

Aber auf dieser EPDM-Bootshaut von Grabner klebt ja nichts. Und so ging die provisorische Bootsbeschriftung beim Paddeln verloren und die Wasserschutzpolizei hat uns prompt angehalten. Beim nächsten Mal kostet das Paddeln ohne Beschriftung auf einer Bundeswasserstraße 30 €. Oder waren es 35 €?

Kontrolle der Bootsbeschriftung durch die Wasserschutzpolizei

Kontrolle der Bootsbeschriftung am Grabner XXL durch die Wasserschutzpolizei

Infos zur Bootsbeschriftung mit Sprühfolie

  • Gesetzestext zur Bootsbeschriftung auf Kleinfahrzeugen wie Paddelbooten: Klick
  • Die weiße Sprühfolie aus der Sprayflasche ist von Foliatec: Klick
  • Beseitigen der Farbreste auf Gummi mit einfacher Universalverdünnung: Klick
  • Name und Adresse des Eigentümers (also von mir) ist innen mit Lackmarker aufgetragen.
  • Weißer Lackmarker wäre sowieso die einfachste Variante für die Bootsbeschriftung. Hält aber nicht so gut: Klick
  • Die aufwändigste Variante für die Bootsbeschriftung ist, ausgeschnittene Buchstaben aus LKW-Plane aufzukleben.
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5 Antworten

  1. Stef sagt:

    Hallo … schöne Website die Ihr da habt. Respekt!
    Scheinbar seid Ihr die Einzigen ausser mir, denne die Idee mit dem Sprühgummi zur Bootskennzeichnung gekommen ist. Habt Ihr das noch ein zweites Mal ausprobiert? Bei meinem Festkajak habe ich keine Bedenken, aber ich mache mir etwas Gedanken ob das Lösemittel im Sprügummi womöglich das Material von unseren Blasebooten (Gumotex Rush, Itiwit X500) und Faltern (Ally 811) angreifen könnte. Leider im Netz nichts drüber gefunden 🙁
    Habt Ihr da Info drüber? Bei eurem Gumotex schien’s ja OK gewesen zu sein …
    Interessieren würd mich auch, ob sich die Beschriftung auch von diesen weichen Untergründen wieder entfernen lässt …
    Würd‘ mich über den Gedankenaustausch freuen … Vielen Dank und herzliche Grüße aus dem Berchtesgadener Land
    vom Stef

  2. Nikolai sagt:

    Hallo,
    eine wirklich super Seite. Wo nimmst du nur die Zeit her, nicht nur so viel auszuprobieren, sondern auch alles noch zu dokumentieren.

    Ich muss aber leider als langjähriger Segelausbilder für den Bereich Schifffahrtsrecht im Segel-Club Stevertalsperre in Haltern am See jetzt „klug scheißen“.
    In der BinSchStrO ist die Rede von „Kleinfahrzeugen“ und als Ausnahme nur Segelsurfbretter benannt.
    Neben der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung ist aber auch die
    Verordnung über die Kennzeichnung von auf Binnenschiffahrtsstraßen verkehrenden Kleinfahrzeugen (Binnenschifffahrt-Kennzeichnungsverordnung – KlFzKV-BinSch)
    in dieser Fragestellung relevant. Darin sind in § 1 Absatz 2 die Ausnahmen von den „Kleinfahrzeugen“ aufgeführt.
    Unter d) heißt es: „Wasserfahrzeuge, die nur mit Muskelkraft fortbewegt werden können“.
    Demnach gehören Kanus/Kajaks nicht zu den Kleinfahrzeugen.
    Diese DÜRFEN, müssen aber nicht, nach § 2 Absatz 2 KlFzKV-BinSch ein Kennzeichen führen.
    Viele Grüße au dem Ruhrgebiet
    Nikolai

    • Tom sagt:

      Ein Kennzeichen ist aber etwas anderes als eine Paddelboot-Beschriftung. Das Kennzeichen wird amtlich vom Wasserstraßenamt zugeteilt. Die Beschriftung denkt sich jeder selbst aus. Die Wasserschutzpolizei auf der Elbe jedenfalls besteht auf der Bootsbeschriftung für Paddelboote. Außen ein Name. Innen der Halter mit Adresse. Hab oben extra ein Foto von der letzten Verwarnung wegen fehlender Bootsbeschriftung ergänzt. Sonst glaubt einem das ja keiner.

    • Tom sagt:

      Achso, zum Zeitaufwand noch: Ich diktiere ja alles, da geht die Dokumentation schnell. Und wenn man da dranbleibt, entstehen über die Jahre natürlich eine ganze Menge Berichte. Der älteste ist ja auch schon von 1988.

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