ᐅ Quer über den Balkan nach Griechenland: 2000 km in 30 Stunden

Diesmal also Griechenland. Quer über den Balkan. Eigentlich ein Wahnsinnsunternehmen über Ostern. Aber wenn wir jede Stunde nutzen, müsste es klappen. Der Bus steht schon seit dem Vorabend gründlich durchgesehen, wohnfertig eingeräumt und randvoll betankt bereit. Die Kinder müssen noch mal in die Schule. Ich arbeite auch noch auf Anschlag. Mal sehen, wer eher fertig ist. Die Jungs kommen aus der Schule. Alles ist bereit. Ooouuuhhh, nur ich noch nicht. Wie immer. Aber diesmal zumindest fast. Puhh. Fertig. Nochmal die Checkliste durchgehen und ab in den Bus.

0000: Start. Die Uhr läuft.

Motorstart. Rauszirkeln. Endlich geht’s los. Ab auf die Autobahn. Draußen Regen und Kälte. Im Bus ist es schön gemütlich. Bald schon piepst rhythmisch die tschechische Mautbox. Es läuft.

0200: Berufsverkehr Prag.

Stau im Zentrum. Stau auf dem Ring. Hmm. Entscheide mich spontan für das Zentrum. Da sieht man wenigstens nicht nur Einkaufstempel. Es geht Meter für Meter voran. Wir nutzen das zu unserem Vorteil und kochen nebenbei Essen.

Dann der Wenzelsplatz. Bis 6 Tonnen darf man ja. Ab da rollt es wieder. Kurzer Stau in Brünn. Unfall auf der linken Spur. Muss gleich schnell mal auf Toilette gehen. Der Verkehr ist ein wenig schneller. Also neuer Stau auf der rechten Fahrspur. Aber nur ein ganz ganz kleiner.

0545: Die erste Donauquerung in Bratislava.

Slowakei ohne Stopp. Vignette ist schon gebucht. Also unbeschwerte Donauquerung im Dunkeln. Schicke die Jungs ins Bett. Dann weiter durch das auch schon virtuell vignettierte Ungarn.

0845: Zweite Donauquerung in Budapest.

Schnellstraßenmix nach Budapest. Es geht glatt durch. Ohne Tourismus. Ohne Stopp. Die Kinder schlafen schon längst tief und fest. Die Infobrücken über der Autobahn sind auch auf Deutsch beschriftet. Schaut mal genau hin. Da steht: BAUSTELLE

 

0930: Nachtruhe im Wald von Pusztavacs.

Es wird Zeit. Links ist ein großes Waldgebiet. Da wird schon was sein. Also runter von der Autobahn. Und tatsächlich ist da was. Ein Waldweg. Ein Baum quer über dem Weg. Umfahrung eines anderen. Kleines Beulchen. Egal. Und siehe da, ein Picknickplatz. Natürlich total verlassen und abgeschnitten. Ideal. Kleine Bewegungsrunde und ab ins Bett.

1530: Start in der Morgendämmerung.

Zivile Dämmerung. Also Aufstehen, Anziehen, Abfahrtskontrolle und Motorstart. Ein Sprung Rehe hüpft davon. Zurück zur Autobahn. Die Kinder werden langsam wach.

Tanken in Kecskemét. Nebenbei Morgentoilette. Und wieder auf die Autobahn. Es rollt. Die Jungs frühstücken. Auch ich werde jetzt perfekt versorgt.

1730: Rumänische Grenze bei Arad.

Plötzlich LKW-Stau auf dem Standstreifen. Ah, die rumänische Grenze kündigt sich an. 15 km stehen die LKW’s dicht an dicht. Na, viel Spaß. Wir fahren vorbei bis ganz nach vorn.

Wusste gar nicht, dass es hier noch eine richtige Grenzabfertigung gibt. Sind aber schnell durch. Verlieren allerdings eine Stunde wegen Umstellung auf osteuropäische Zeit. Dafür ist die rumänische Maut schon vorbezahlt. Arad. Timișoara. Es läuft.

1830: Lugosch. Der Balkan Gap beginnt.

Doch in Lugosch ist die gepflegte rumänische Autobahn zu Ende. Der Balkan Gap beginnt. 450 km Landstraße.

Rumänische Dörfer mit den typischen Mosaikhäusern.

Manchmal auch ganz einfach. Aber ringsum fruchtbare Böden. Reiche Obstgärten. Einiger Straßenverkauf. Viele Leute auf den Feldern.

Es geht in engen Serpentinen in die Karpaten.

Durch die schon vorab bezahlte Straßenbenutzungsgebühr haben wir nur einen Tag Zeit. Nur heute. Aber wir wollen ja eh nur durch.

Es geht immer weiter hoch bis auf 530m. Klingt nicht viel, und die LKWs sind relativ schnell. Aber trotzdem hält es auf.

2030: Entlang der Donau zum Eisernen Tor.

Auf der anderen Seite die Karpaten wieder runter. Auch nicht viel schneller. Dann endlich wieder an der Donau.

Das Eiserne Tor staut die Wassermassen der Donau zwischen Rumänien und Serbien.

Danach öffnet sich das Land und wird flach. Eine Flut von Plastikflaschen in den Straßengräben.

Brache Felder. Dafür mehr LKW Service Stationen / TIR Parking inklusive Begleiterscheinungen. Dann beginnt der LKW-Stau vor der bulgarischen Grenze. Also 6 Kilometer auf der Gegenspur.

2300: Grenzstau in Calafat.

An der neuen Brücke nach Bulgarien der Grenzübergang. Doch niemand wird abgefertigt. Ist wohl gerade Mittagspause. Nun gut, dann kochen auch wir Mittagessen.

Dann kommt wieder etwas Bewegung auf. Allgemeine Drängelei. Jeder Meter zählt. Die Abfertigung dann freundlich und zügig. Noch die Straßengebühr für die Brücke bezahlen.

Und schon geht es rüber über die Donau. Schöne Schrägseilbrücke.

2400: Vignettensuche in Vidin.

Andere Donauseite. Ich brauche eine Klebevignette für Bulgarien. Erste Tankstelle mit TIR-Service. Nichts. Zweite Tankstelle. Nichts. Dritte Tankstelle. Nichts. Vierte Tankstelle. Endlich gibt es das Ding. Im Internet steht, man muss irgendwie die Autonummer eintragen. Auf der Vignette selbst ist nichts. Aber auf der Quittung ist ein Feld. Also die Autonummer irgendwo eintragen. Ist ja alles kyrillisch.

Beruhigt weiter. Jetzt ist alles ordentlich bezahlt. Vor mir zwei voll beladene Gefahrguttransporter. Beide schenken sich nichts. Überholt wird, wo Platz ist. Am besten gleich im Doppelpack. Wo es geht, fahren die 120. Nur wenn’s steil wird, sacken die auf 80 ab. Komme gerade so hinterher. Habe ja zum Glück die großen Räder drauf.

Kommen also schnell voran. Wratza / Враца.

Halte nicht mal für schöne LKW’s.

Fahre am Abzweig zur Ledenika-Höhle vorbei. Will an meinen Stickstofflastern dranbleiben.

2530: Bulgarische Autobahn ab Botewgrad / Ботевград.

Botewgrad. 450 km Balkan Gap sind zu Ende. Die Autobahn beginnt wieder. Kann jetzt die Laster Laster sein lassen. Winke Winke beim Überholen. Am Anfang ist die Bahn noch recht neu und gut. Dann katastrophal. Es kracht und donnert.

Aber traumhafte Umgebung. Es geht mitten durchs Gebirge. LKW schleichen einen Pass hoch. Bloß nicht dahinter bleiben und Schwung verlieren. Der Bus rennt mit der richtigen Drehzahl wie verrückt. Berghoch wie bergrunter. Kurz vor Sofia wird die Bahn besser.

2630: Traumhaftes Sofia / София.

Sofia im Abendlicht. Ringsum schneebedeckte Berge.

Muss tanken. Vollgas macht sich irgendwann bemerkbar. Es werden 118 Liter. Brauche also 14 Liter mit Tacho auf Anschlag. Das Gespräch mit dem Tankwart dauert länger als das Tanken selbst. Georg kennt die neue deutsche Angst vor dem Diesel und will genau informiert werden. Freut sich über billige VW’s für Bulgarien. Bedauert noch ein bisschen, dass wir nur im Transit unterwegs sind. Und macht Werbung für die tollen bulgarischen Skigebiete um Sofia. Ja, ich weiß. Aber wir wollen an den Strand. Die Jungs putzen in der Zwischenzeit die Scheiben. Schluss jetzt. Weiter geht’s.

2700: Ab Blagoewgrad / Благоевград durch das Pirin.

Die Autobahn ist wieder mal zu Ende. 100 km Landstraße bis zur griechischen Grenze. Mitten durch das Pirin. Kleines Gebirgstal, enge Straßen, 672 Verkehrstote seit 2013. Vor mir ein Audi. Wie fährt der denn? Und da setzt es aus. Überhole, wo man es nun wirklich nicht sollte. Und vor allem, ohne in den Rückspiegel zu sehen. Der weiße Polizeiwagen war direkt hinter mir. Hat mich wohl schon eine Weile beobachtet. Dachte gar erst an eine Falle. Aber keineswegs. Die beiden waren überfreundlich und überexakt. Haben sich fast für die Störung entschuldigt. Einer konnte deutsch. Ich habe auch nicht lang drumrum geredet. Alles zugegeben. Mich wirklich echt geschämt. Und da haben mich die Polizisten mit 15 € davon kommen lassen. Ordentlich mit 3-facher Quittung. Hat eine Weile gedauert. Dann Verabschiedung mit Handschlag. Willkommen in Bulgarien.

2800: Endlich in Promachonas / Προμαχώνας

Kulata. LKW-Stau. Die griechische Grenze. Nochmal nachtanken. Spare so gleich die Strafe wieder ein. Grenze problemlos.

Noch an der Grenze kurzes Gespräch mit dem griechischen Mautpersonal. Wir bekommen ein bisschen griechisch gelehrt. Umgekehrt geben wir dem selbstzerknirschten Griechen etwas mehr Selbstvertrauen. Lobpreisen 3000 Jahre Kultur. Aristoteles, Platon und Homer. Und alles mögliche. Zahle gern 6 €. Aber ihm scheint das peinlich zu sein. Auf der Autobahn weiß ich auch, warum. So eine Katastrophe von Straße gab es weder in Rumänien noch in Bulgarien. Die Jungs schlafen trotzdem.

2900: Griechische Provinzstraßen ab Serres / Σέρρες

Halte es nicht länger aus. Runter von der Autobahn. Will nicht den riesen Bogen über Thessaloniki fahren. Also direkt über die Berge. Ganz allein und im Dunkeln fährt sich das mit dem richtig warm gefahrenen Bus super. Die Kurven und Serpentinen zeigt das Handy an. Also weiter Vollgas. Will ans Meer.

3000: Chalkidiki / Χαλκιδική. Ziel erreicht.

Bin auf dem Berg. Eine sternklare Vollmondnacht. Am Horizont glitzert das Meer. Sind höchstens noch 10 km bis runter zum Strand. Aber diese Aussicht will ich den Kindern nicht vorenthalten. Fahre also den nächsten Waldweg rein. Wenden im Dunkeln zwischen dem Unterholz. Knapp 2000 km sind abgerissen. In 30 Stunden. Was liebe ich den Bus.

Chalkidikí | Griechenland | 1.891 km

[Am nächsten Tag ging es dann über die Pisten von Chalkidikí zu unserem Traumstrand.]

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2 Antworten

  1. Alexander sagt:

    Ja geil, -) Bin voll bei dir – bin gerade an der Bleilochtalsperre – ist auch absolut zu empfehlen und nur einen Katzensprung entfernt – Sofia und den Balkan habe ich vor 12 Jahren bereist, hat sich sicher einiges getan. Albanien fand ich zu dem Zeitpunkt am spannendsten, das Grenzgebietet zu Griechenland war damals praktisch unbesiedelt und das Meer und das Gebirge traumhaft schön… Grüße aus Thüringen

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