ᐅ Magirus-Deutz 130D9 und 130D7: Allrad-LKW für echte 7,5 t

Die kleinen Magirus-Deutz 130D9 und 130D7 stehen im Schatten der Nachfolger und gehören doch zu den wenigen Allrad-LKWs unter 7,5 t.

Magirus-Deutz 130D7 4x4 Feuerwehr als Wohnmobil mit H-Kennzeichen

Magirus-Deutz 130D7 Wohnmobil mit H-Kennzeichen

Technische Daten Magirus-Deutz 130D9

Die technischen Daten des Magirus-Deutz 130D9 stammen aus dem Standardwerk von Augustin (Seite 207). Der 130D7 ist letztlich die 7,5-t-Variante. Leergewicht, Reisegewicht und Verbrauch sind Schätzungen auf Grundlage verschiedener Angaben von Eignern im Allrad-LKW-Forum, hängen aber letztlich immer vom konkreten Fahrzeug ab.

Bezeichnung Magirus-Deutz 130D9
Quellen Augustin, S. 207
Baumuster D-Reihe
Nachfolger Iveco 90-16
Besonderheit fast baugleich zum Iveco 90-16
Zeitraum 08/1975 – 01/1982
Neupreis netto 26.332 €
Motortyp R6-Turbodiesel
Kühlung Luft
Hubraum 6.128 ccm
Motor Euro 0 Deutz BF6L913 // 130 PS / 96 kW // 382 Nm
Verbrauch 20 – 22 l
Elektronik nein
ABS nein
Getriebe 5-Gang ZF S5-35
Bremse Druckluft-unterstützte Zweikreishydraulik
Fahrerhaus Frontlenker, kippbare Doka
Leergewicht Fahrgestell 4,4 t
Gewicht mit Originalaufbau 5,2 t
Leergewicht WoMo 6,7 t
Reisegewicht 7,5 t
Zul. Gesamtgewicht 9,4 t (7,5 t beim 130D7)
Achslasten 3.600 kg vorn // 5.600 kg hinten
Ablastung auf 7,5 t ja
Radstände 3.200 mm
Gesamtlänge mit Aufbau 6.500 mm

Magirus-Deutz 130D9 als Wohnmobil

Der Magirus 130D9 war vor meiner Zeit ein interessantes Reisefahrzeug. Die technischen Daten spiegeln halt den Stand der 70er Jahre wieder. Da geht aber bis in die frühen 90er Jahre noch mehr, ohne die Nachteile moderner LKWs mitzunehmen.

Aber der größte Vorteil des Magirus-Deutz 130D9 ist ein niedriges Leergewicht. Und das zählt auch heute noch. Denn abgesehen von der Fragestellung, ob man überhaupt einen Allrad-LKW kaufen muss, hat ein Reisemobil unter echten 7,5 Tonnen zahlreiche Vorteile.

Nicht nur, dass man mit einem LKW-Wohnmobil unter 7,5 t zu Hause im Wohngebiet parken, auf der Landstraße 80 und auf der Autobahn 100 km/h fahren darf. Auch die 130 PS sind dann erträglich. Zumindest, wenn der LKW nicht überladen ist und ein etwas zu groß geratener Koffer fast auf den Zwillingsreifen schleift.

Magirus-Deutz 130D9 Wohnmobil

Wohnmobil Magirus-Deutz 130D9 oder Iveco 90-16

Wobei das LKW-Wohnmobil mit den runden Kotflügeln und dem Mittelfenster wohl eher ein Iveco 90-16 ist. Jedenfalls war der Magirus-Deutz 130D9 früher mal extrem preiswert zu haben und ist schon deswegen eine beliebte Basis fürs Wohnmobil. Dazu kommen niedrige Unterhaltskosten wegen des schon lange möglichen H-Kennzeichens.

Und auch sonst ist der Magirus-Deutz 130D9 eine gute Wahl. Denn im Internet rollt seit einigen Jahren der Hype rund um den Nachfolger Iveco 90-16, der aber auch nicht mehr als ein 130D9 mit Iveco-Schriftzug und 30 PS mehr ist. Insofern wäre gerade auch mit Blick auf aktuelle Schwierigkeiten einer Umschlüsselung eines LKWs zum H-Wohnmobil der Kauf eines preiswerten Magirus 130D9 mit H-Kennzeichen schon eine Option.

Allerdings scheint es kaum noch Restbestände originaler Magirus-Deutz 130D9 bei der öffentlichen Hand zu geben. Und noch mehr sollte zu denken geben, dass ein Kauf auch dieses alten Allrad-LKWs eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Fahrleistungen, Abgasverhalten und Dieselverbrauch sind echte Spaßbremsen. Mal von den ganzen Einschränkungen und dem Mautboxen-Trara für einen Lkw über 3,5 Tonnen abgesehen.

Und auch wenn dieser Magirus Deutz 130D7 wirklich hübsch und liebevoll aufgebaut ist, wird er selbst mit H-Kennzeichen nie die breite Zustimmung wie für einen Magirus Mercur oder Mercedes Kurzhauber erreichen. Dafür sind die 130D9 ebenso wie die 130D7 den heutigen LKWs viel zu ähnlich. Und kombinieren dann doch nur die technischen Nachteile eines alten  Haubers mit den optischen Nachteilen eines neuen Frontlenkers.

Magirus-Deutz 130D7 4x4 Feuerwehr mit umgebauten Gerätekoffer

Magirus-Deutz 130D7 4×4 mit umgebautem Gerätekoffer

Magirus 130D9 direkt bei VEBEG kaufen

Nur 5 Magirus-Deutz 130D9 seit 2014 verkauft

2014 bis 2017 wurden über Auktionen der VEBEG insgesamt 5 Magirus-Deutz 130D9 verkauft. Der mittlere Verkaufspreis für den Magirus-Deutz 130D9 zwischen der ersten Auktion am 05.09.2014 und der Versteigerung am 05.07.2017 beträgt 2.659 € netto. Der Ausreißer nach unten liegt bei 2.222 €, der Spitzenwert bei 3.501 € netto.

  • 05.09.2014: 2.580 € netto / 3.070 € brutto (Mannschaftswagen Magirus 130 D 9 FA)
  • 20.02.2015: 2.222 € netto / 2.644 € brutto (Mannschaftswagen Magirus 130 D 9 FA)
  • 25.01.2016: 2.333 € netto / 2.777 € brutto (Mannschaftswagen Magirus FM 130 D 9 FA)
  • 23.05.2017: 3.501 € netto / 4.166 € brutto (Feuerwehrwagen Magirus FM 130 D9 FA LF 16 TS)
  • 05.07.2017: 2.660 € netto / 3.165 € brutto (Feuerwehrwagen Magirus FM 130 D 9 FA LF 16 TS)

Bis einschließlich 2021 erfolgten dann keine Verkäufe mehr.

Preisentwicklung Magirus 130D9

Aufgrund der geringen Datenbasis zwischen 2014 und 2017 ist eine Schätzung der Preisentwicklung natürlich spekulativ. Aber das Diagramm zeigt mit den Datenpunkten auf der grünen Linie zumindest die jährlichen Netto-Durchschnittspreise seit 2014 sowie mit den roten Säulen die Anzahl der von der VEBEG zwischen 2014 und dem Stichtag am 31.12.2021 verkauften Magirus-Deutz 130D9.

Datenbasis sind insgesamt 5 von der VEBEG versteigerte Magirus-Deutz 130D9. Der letzte Eintrag ist eine Hochrechnung für 2022. Alle Preise in der Grafik sind Netto-Preise ohne Gewähr. Der letzte Eintrag zeigt als Schätzung die Hochrechnung der Preise für 2022 aufgrund der bisherigen Versteigerungsergebnisse der VEBEG für Magirus-Deutz 130D9.

Die ebenfalls angegebene Preisänderung der Magirus-Deutz 130D9 bezieht sich auf den mittleren Verkaufspreis des Vorjahres. Die Hochrechnung für 2018-2022 basiert auf der mittleren jährlichen Preiserhöhung um 6,08 % zwischen 2014 und 2017.

Preise Magirus-Deutz 130D9 bei Auktionen der VEBEG 2014-2022

Hinweise VEBEG-Kauf Magirus-Deutz 130D9

Alle Preisangaben der VEBEG sind Netto-Preise. Wer einen Magirus-Deutz 130D9 direkt bei der VEBEG kaufen will, muss also meist (nicht immer) noch Mehrwertsteuer sowie Transportkosten hinzurechnen. Die Details dazu stehen immer in den einzelnen Ausschreibungen der VEBEG.

Dazu erfolgt durch die VEBEG ab dem 01.01.2022 kein Verkauf von Material aus Beständen von Bundeswehr, THW, Feuerwehren oder der Polizei mehr an Privatleute, sondern nur noch an Unternehmer mit Umsatzsteuer-ID-Nummer oder Gewerbeschein. Aber bevor man sich als Privatperson so einen alten Allrad-LKW wie den Magirus-Deutz 130D9 kauft, sollte man sowieso dreimal nachdenken.

Bestand an Magirus-Deutz 130D9 in Deutschland

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (KBA) führt eine Statistik über alle in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge. Die Zulassungszahlen des Magirus-Deutz 130D9 sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da die meisten (ehemaligen) Einsatzfahrzeuge ausgenullt sind (TSN 000 an den ersten drei Stellen im Feld 2.2 der Zulassung) oder eine allgemeine Herstellernummer (HSN 0900 im Feld 2.1) eingetragen haben und somit nicht erfasst sind.

Doch 2019 und 2021 waren keine ordentlich typgeschlüsselten Magirus 130D9 oder 130D7 regulär zugelassen. Also haben keine privaten oder gewerblichen 130er überlebt, sondern ausschließlich ehemalige Einsatzfahrzeuge (MAGIRUS-DEUTZ, HSN 6591).

Infos und Quellen zum Magirus-Deutz 130D9

  • Aktuelle VEBEG-Zuschlagspreise für Auktionen von Bundeswehr, Polizei, Katastrophenschutz, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk: Klick
  • Datenbasis für ältere Versteigerungspreise: kat.guenthers.net (nur temporär am Netz)
  • Eignerberichte zu Vor- und Nachteilen sowie Gewicht und Verbrauch des Magirus-Deutz 130D9 gibt es im Forum der Allrad-LKW-Gemeinschaft: Klick
  • Dieter Augustin, Iveco-Magirus – Alle Lastwagen aus dem Werk Ulm (Standardwerk mit zahlreichen Fotos und Tabellen): Klick
  • Hier geht es zur Übersicht der VEBEG-Preise aller relevanten Allrad-LKWs und Kastenwagen. 

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