ᐅ Fußbodendämmung im Wohnmobil: Kork oder Kunststoff?

Kork statt Armaflex, Styropor oder Styrodur – die Fußbodendämmung im Wohnmobil soll ganz natürlich werden. Und trotzdem perfekt isolieren. Nach dem ersten Musterstück aus Portugal geht’s jetzt los mit dem neuen Fußbodenaufbau.

Originaler Kork aus Portugal

Probleme ohne Fußbodendämmung im Wohnmobil

Original ist in den drei Generationen der Mercedes Großtransporter T2 (Düdo, T2neu und Vario) eine Siebdruckplatte als Fußboden verbaut. Darunter eine Hilfskonstruktion aus Stahlprofilen. Aber keine Dämmung. Keine Bodenisolation außer 16 mm Sperrholz.

Ein Wohnmobil mit ungedämmtem Fußboden ist fußkalt. Klar, im Sommer macht die fehlende Isolation des Bodens nichts. Aber schon im Frühling und Herbst wird es unangenehm. Im Winter ganz dumm. Konnte ja nicht wissen, dass plötzlich alle im tiefsten Winter mit dem Wohnmobil unterwegs sein wollen. Dachte, wir fahren im Winter immer in den Süden.

Nun gut. Hinterher ist mann schlauer. Stehe also mit einem Wohnmobil ohne Fußbodendämmung im Schneesturm. Es geht. Aber 23°C am Kopf und 5°C an den Füßen fühlen sich komisch an. T-Shirt und Winterschuhe sind zwar okay. Aber nicht gerade ideal.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Ein weiterer, nicht bedachter Aspekt beim Wohnmobilausbau ist die ungenügende Schalldämmung des Rohfußbodens. Jetzt, da das ganze Fahrerhaus schallgedämmt ist, ist es hinten fast lauter als vorn. Als Störquellen wurden die Bodenöffnungen um die Heizung, die Schiebetür und der Fußboden identifiziert.

Zudem gibt es nach der Inspektion des alten Fußbodenbelags ohne Dämmung ein weiteres Problem: Stockflecken auf der Unterseite des Bodenbelags. An dessen Rändern dringt Wasserdampf ein, kondensiert auf der kalten Bodenplatte und bildet Stockflecken. Das geht ja nun mal gar nicht. Also alles raus.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Mache die erst eingesparte Wärmedämmung auf dem Fußboden im Wohnmobil daher nun doch noch. Noch einmal richtig. Nützt ja nichts. Die nachträgliche Isolierung des Bodens im Camper hat aber auch Vorteile. Weiß jetzt, wo alle Schränke und Einbauten sind. Wie wir den Bus nutzen. Und ich kann ganz in Ruhe planen. Material aussuchen. Muster bestellen. Ausprobieren. Nachdenken. Hab keine Eile mehr.

Die beste Fußbodendämmung im Wohnmobil

Die beste Variante für ein winterfestes Wohnmobil ist ein beheizter Doppelboden. Da kann man die ganzen Tanks einbauen. Frischwasser, aber auch Abwasser. Cool wären 2 Bodenabläufe mit Magnetventilen, die bei einer etwaigen Überflutung automatisch öffnen. Aber zwei Löcher machens auch.

Diese Variante mit dem Doppelboden im Wohnmobil ist zwar sehr elegant. Funktioniert aber im Mercedes Vario mit dem normalen Hochdach nicht auf der ganzen Fläche. Das Standardhochdach im Vario hat mit 193 cm einfach zu wenig Höhe.

Deswegen gibt es bei mir einen beheizten Doppelboden nur unter der Toilette. Dort sitzen ein isolierter Wassertank, die Zulaufarmaturen und die Druckpumpe. Muss mich beim sonstigen Fußbodenaufbau ein bisschen beschränken.

Gibt also einige Anforderungen an die Bodenisolation. Die Fußbodendämmung im Wohnmobil sollte:

  1. Schall und Wärme dämmen,
  2. Robust und trittfest sein,
  3. Nur 2 – 3 cm auftragen,
  4. Weder Dampf noch Wasser durchlassen,
  5. Nicht chemisch ausdünsten sowie
  6. Nicht oder nur schwer brennbar und
  7. Ein bisschen schick sein.

Brauche nun geeignetes Material für die Fußbodenisolation im Camper. Kaufe jedoch dieses Mal nicht hektisch irgendeinen Bodenbelag, der gerade im Angebot ist. Sondern mache mich gezielt auf die Suche. Hab nämlich inzwischen gelernt, dass es gutes Material meist gerade nicht im Baumarkt zu kaufen gibt.

Fussbodendaemmung im Wohnmobil, Camper Boden isolieren mit Kork

Materialien für die Fußbodendämmung im Wohnmobil

Korkteppich als Nutz- und Dämmschicht

Mittlerweile ist für mich Korkteppich als Oberfläche gesetzt. Hab da speziellen Gummikork entdeckt, der auf der Oberseite alle angenehmen haptischen und dämmenden Eigenschaften von Kork aufweist. Und auf der Unterseite robust und strapazierfähig wie Gummi ist.

Dieser Bodenbelag heißt Gummikork oder Corkoleum und ist ein extrem robustes und reißfestes, aber auch warmes und schickes Material. Hat mich und die Familie wirklich überzeugt. Gibt es von der Rolle und als Teppichfliesen. Ein feines Material.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Bodenisolation mit Armaflex im Wohnmobil

Ich bin aber kein prinzipieller Kunststoffverachter und mag auch Armaflex AF als Dämmstoff. Wohlgemerkt AF, nicht ACE oder irgendwelche billigen Kopien. Denn nur das hochwertige Armaflex AF dünstet nicht aus.

Allerdings ist Armaflex natürlich nicht trittfest und braucht daher für den Fußbodenaufbau eine Hilfskonstruktion. Ist eigentlich kein Problem. Ein paar Holzlatten und dazwischen Armaflex AF verkleben. Drüber eine Platte. Dann Bodenbelag.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Allerdings ist Armaflex geschlossenporöser Dämmstoff, besteht also aus lauter kleinen, geschlossenen Luftbläschen. Wenn die durch zu viel Druck platzen, wirkt Armaflex wie ein Schwamm und zieht Wasser. Da reicht schon, dass sich die obere Bodenplatte durchbiegt.

Bei Fußbodendämmung mit Armaflex AF muss man also entweder die Latten sehr eng oder eine richtig dicke Platte darüber legen. Macht keinen Sinn.

Aber auch die Holzlatten sind nicht ideal. Ohne Dampfsperre auf der Fußbodendämmung könnte hier auf dem kalten Fußboden Wasser kondensieren und sich in den Holzlatten anreichern. Irgendwann gibt das Schimmel im Fußboden.

Nein, selbst ich als Fan baue Armaflex nicht als Fußbodendämmung ein. Dieser Dämmstoff ist für Decke und Wand. Nicht für den Fußboden.

XPS/Styrodur als Fußbodendämmung im Wohnmobil

Polystyrol-Hartschaumplatten sind als XPS-Dämmplatten extrem formstabil und brauchen daher keine Hilfskonstruktion. Platten aufkleben. Bodenbelag drauf. Fertig.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Was BASF als oft hellblaues Styrodur verkauft, dämmt zwar gut, riecht nicht und zieht kein Wasser. Aber XPS-Dämmung ist entflammbar und verbrennt unter Entwicklung von giftigem Rauch. Vor allem aber hab ich Schiss, dass das Zeug auf dem Fußboden quietscht.

Schade, denn die Wärmeleitfähigkeit von Styrodur ist mit weniger als 0,04 W/(m·K) extrem gering. In der Mitte von Sandwichplatten ist das okay. Aber auf dem Fußboden habe ich da Bedenken.

EPS/Styropor als Wärmedämmung

Der Markenname der BASF für die weißen EPS-Polystyrol-Hartschaumplatten ist Styropor. EPS/Styropor ist als Fußbodendämmung im Wohnmobil zwar mit 0,05 W/(m·K) fast genauso gut, aber in Bezug auf das Quietschen nochmal deutlich schlechter als XPS. Vom Brandverhalten mal ganz abgesehen.

Das typisch weiß-krümelige Dämm- und Verpackungsmaterial Styropor ist zudem weder robust noch trittfest. Styropor zerfällt ja schon beim schief Angucken. Braucht also auch wieder eine Platte obendrauf. Im Bild gefilztes Aluminium. Da bei mir die Wände alle mit Kunstleder beklebt sind, habe noch ziemlich viel von dieser alten Busverkleidung aus Aluminium. Wäre also kein Problem.

Sehe allerdings bei der Verarbeitung von Styropor schon den ganzen Bus voller statisch aufgeladener, weißer Krümel kleben. Nee, der einzige Vorteil von Styropor ist neben der Wärmeleitfähigkeit der Preis. Das Zeug gibt es als Verpackungsmaterial zum Nulltarif. Man muss halt nur ein bisschen sammeln.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Industriekorkplatten als Bodenisolation im Camper

Die ganzen Nachteile der Kunststoffdämmung sind die Vorteile von natürlichem Kork. Wie XPS hat Kork eine Wärmeleitfähigkeit von nur 0,04 W/(m·K). Zudem ist Kork trittfest, elastisch, schimmelresistent, angenehm und ohne chemische Ausdünstungen. Kork ist damit der ideale Fußbodendämmstoff im Wohnmobil. Gegenüber Kunststoffen hat Kork auch den Vorteil der höheren Dichte und damit der besseren Schalldämmung.

Allerdings gibt es auch bei Kork viele unterschiedliche Qualitäten. Die dicken Platten ab 20 mm Dicke sind grob gepresstes Granulat. Industrieware halt. Vorteil ist neben dem Preis, dass die Platten sehr steif und in einem Zug zu verlegen sind. Nachteilig ist die grobe Oberflächenstruktur. Außerdem lässt sich dieser dicke Kork nur noch mit der Säge bearbeiten.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Wobei mir aber gerade die grobe Oberfläche der Industriekorkplatten super gefällt. Diese Platten sind eigentlich viel zu schade, um unter dem Bodenbelag zu verschwinden. Wenn ich die Korkoberfläche mit einem Kleber verschließen und versiegeln würde, wäre das die perfekte Fußbodendämmung. Dennoch ist die Haptik des feinen Korkteppichs eine andere Hausnummer.

Und insgeheim denke ich sogar darüber nach, meine Sandbleche aus Kunststoff zwischen Fußbodendämmung und Fußbodenbelag zu verstecken. Bin mir da aber noch nicht so richtig sicher. Ist das auch praktikabel? Ach, lieber nicht.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Mehrlagige Korkdämmung im Wohnmobil

Feiner und dichter gearbeitet sind die dünnen Korkplatten. Und dennoch ist der Pinnwandkork genauso gut für die Fußbodendämmung im Wohnmobil geeignet. Ist schließlich egal, ob eine dicke oder mehrere dünne Schichten Kork verbaut sind.

Korkplatten unter 10 mm Dicke lassen sich auch wesentlich besser mit dem Cutter bearbeiten. Und ich bin flexibler für die Anpassung der Fußbodenheizung. Denn Kanäle fräsen im dicken Kork ist aufwändig. Weiß nur noch nicht, ob mein Plan mit den kleinen Röhrchen im Fußboden aufgeht. Werde wohl eher auf die doppelte Dicke gehen.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Alternativen zur Fußbodendämmung mit Korkplatten

Die Fußbodendämmung in meinem Wohnmobil baue ich jetzt jedenfalls mit mehreren Lagen Korkdämmung und dem Korkteppich als Bodenbelag auf. Habe aber noch ein paar Muster von Mischbelägen.

So gibt es extrem dünne und isolierende Fertigplatten aus 10 mm Styropor und Korkfliesen. Dieses Material trägt nur 15 mm auf und fühlt sich trotzdem unheimlich warm an.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Gleichzeitig sind die rustikalen Korkfliesen mit Styropor-Unterbau sehr hübsch anzusehen. Man müsste halt nur die ganzen Zwischenräume mit Kleber vergießen, weil sich dort sonst im Wohnmobil der ganze Dreck sammelt. Nur leider macht eine verklebte Oberfläche die besten Eigenschaften von Kork teilweise wieder zunichte. Aber diese Korkfliesen wären dennoch was ganz besonderes. Hab ich in einem Wohnmobil noch nie gesehen.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Und dann gibt es noch eine Fußbodendämmung aus Korkmosaik. Wasserfest verleimt kann man das sogar im Bad oder im Außenbereich verwenden. Weintrinker kriegen den Bodenbelag vielleicht sogar selbst zusammen. Nur leider geht bei Verwendung von so viel Kleber die Haptik von natürlichem Kork verloren. Nee, da bleibe ich lieber bei meinem naturnahen Korkteppich.

Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork: Fußbodenaufbau für Winter-Isolation im Camper

Quellen: Fußbodendämmung im Wohnmobil mit Kork

Ich bevorzuge mit Blick auf die geplante Fußbodenheizung einen mehrlagigen Fußbodenaufbau aus 5 und 10 mm Korkplatten. Am einfachsten wäre aber, nur Platten aus 20 mm dickem Kork zu verlegen und zu versiegeln.

  • 2 Lagen mit je 10 Platten Pinnwand-Kork XXL (sehr dichtes und relativ schweres, gut auch gegen Schall isolierendes Material, 100 x 50 x 0,5 cm): Klick
  • 1 Lage mit 10 Dämmkorkplatten in 10 mm (94 x 58 x 1 cm): Klick
  • Alternativ 1 Lage Industriekorkplatten in 20 mm Dicke (100 x 50 x 2 cm): Klick

Als Oberfläche und Nutzschicht für die Fußbodendämmung im Wohnmobil verlege ich den Gummikorkteppich Corkoleum:

  • Korkteppich Corkoleum von der Rolle (3 mm dick, 1,4 m breit): Klick
  • Fliesen aus Korkteppich Corkoleum “Pear” (45 x 45 x 0,3 cm): Klick
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6 Antworten

  1. Frank sagt:

    Hallo Tom, wieder ein sehr interessantes Projekt – hatte auch schon kalte Füße ! Willst du die filzkaschierten Aluplatten mit einbauen? Hast du auch zusätzlich über Alubutyl nachgedacht oder macht das auf Siebdruck eh keinen Sinn?
    Gruß Frank

    • Tom sagt:

      Alubutyl oder Bitumenmatten würden schon Sinn machen. Aber erstens ist die Lautstärke nur relativ hoch im Vergleich zum massiv gedämmten Fahrerhaus. Und zweitens muss ich langsam bisschen aufs Gewicht unseres Wohnmobils achten.

      Die gefilzten Aluplatten würde ich nur nehmen, weil ich noch so viel übrig habe. Aber eigentlich stört der Filz eher. Ich will ja mit dem Alu-Blech die Wärme von der Fußbodenheizung unter dem Fußbodenbelag verteilen und keine zusätzliche Fußbodendämmung über der Heizung einbauen.

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