Norwegen: Waldpiste zur Hardangervidda
Waldpisten sind in Norwegen so eine Sache und ich verfranse mich auf dem Weg über die Berge zur Hardangervidda.
Helle Nächte im Aufstelldach
Die erste Nacht in Norwegen ist ruhig. Im Hubbett kann man ja das Oberlicht ausstellen und mit einem Mückennetz schützen. Der Jüngste schläft auf dem Sofa. Und die Dachschläfer sind durch das frisch reparierte Mückennetz geschützt. Dazu wird aber immer das Zelt hochgezogen, damit die beiden nicht allzu zeitig von der Sonne geweckt werden. Von den dummen kleinen Fliegen ist früh nichts mehr zu merken. Selbst der Bach führt nun wesentlich mehr Wasser, so dass ich ganz angenehm baden kann.
Sokna Gravelroad
Nach dem Frühstück um 11:00 Uhr Start auf der kleinen Nebenstraße.
Will mal versuchen, ob wir von Sokna auf Waldpisten über die Berge kommen. Also direkt über die Berge, nicht irgendwie untendurch oder außenrum. Die Straße wird schon bald zur Gravelroad und immer hübscher. Links tiefe Seen, rechts dunkle Wälder, dazwischen die staubige Piste. Ähm, sind die Heckfenster zu?
Dann verzweigt sich die Piste und wird steil. Und genau am steilsten Stück liegt ein Baum quer.
Ich will schon aufgeben, aber der schwarze Block räumt den Baum weg. Echt erstaunlich, was so eine kleine Handkettensäge leistet.
Ich rolle in der Zwischenzeit noch mal runter, weil die Handbremse so steil nicht hält. Muss die unbedingt mal nachstellen. Dann steigen alle ein und ich mache es wie gehabt mit Schwung.
Komme auch glücklich oben an und die Piste schlängelt sich weiter durch den Wald.
Passiere dabei eine Schranke, aber die ist offen. Die Richtung stimmt, und als der Weg ausgewaschen wird, macht das der Bus mit den Zwillingsreifen ganz souverän. Eine Untersetzung wäre geil, aber Allrad ist am Mercedes Vario echt überbewertet.
Pistensperrung
Oben dann ein kleines Häuschen, wo aber niemand ist. Dann über die Wasserscheide und auf der anderen Seite runter. Hoch ist ja immer kein Problem. Wenn der allradlose Bus da versagt, ein dicker Baumstamm quer liegt oder die Piste sonstwie unpassierbar ist, komme ich rückwärts immer wieder runter.
Bergrunter sieht das anders aus, denn Traktion und Übersetzung des Mercedes 711D sind im Rückwärtsgang wesentlich schlechter. Und man kann ja nie ausschließen, dass man wieder rückwärts zurück muss. Denke also eine abschüssige Piste immer rückwärts.
Aber hier wird die Piste immer besser. Sehe schon den großen See der Hoffnung, aber davon trennt uns eine Schranke. Und die ist diesmal zu.
Könnte mir zwar freie Bahn schaffen, aber das ist ja kein Notfall. Und so fahre ich zurück. Will erst direkt vor der Schranke wenden, bleibe aber fast im Graben hängen. Nee, das ist zu eng. Muss also doch die steile Piste einen Kilometer rückwärts hoch und an einer Einmündung wenden. Bin auf der nun schon bekannten Gravelroad aber wider Erwarten viel schneller über den Berg zurück.
Es gibt sogar eine kleine Abkürzung zur Schnellstraße 7. So ein Tunnel unter dem Berg hat auch Vorteile, denn da können wir an einem Rastplatz noch Wasser tanken. Aber im Zweifel würde ich immer eine Waldpiste vorziehen.
Pålsbufjorden Norwegen
In Nesbyen Mittagspause am Einkaufszentrum. Die Nesbyen Mall scheint bei Reisebussen sehr beliebt zu sein, denn es gibt große Toiletten und einen Supermarkt. Im Laden stehen Hinweise sogar auf Chinesisch. 16:00 Uhr sind wir wieder auf der Straße und kürzen die E7 durchs Hochgebirge zum Pålsbufjorden ab. Nebenbei lauschen wir Old Shatterhand, wie er gerade Blutsbruder Winnetous wird. Das passt.
Hardangervidda
Jetzt nimmt auch die Hüttendichte zu. Geilo scheint zur Gänze aus Ferienwohnungen und Ferienhütten zu bestehen. Sind alle im selben Stil zur selben Zeit mit selbem Gründach gebaut, fügen sich aber ganz gut in die Hardangervidda ein. Am Horizont grüßen die ersten weißen Berge.
Zwischendurch geht auch mal ein kräftiger Schauer nieder, aber sonst ist das Wetter auf der Hardangervidda recht sommerlich.
Parkplatz am Lægreidvatnet an der Hardangervidda
Oben im kargen Hochland der Hardangervidda zeigen die Schneestangen allerdings, was im Winter auf der Hardangervidda los ist. Und obwohl es auch im Sommer nicht viel zu sehen gibt, ordne ich am Lægreidvatnet eine Wanderung zum nächsten Hügel an.
Ist aber eine dumme Idee, weil es keinen Weg gibt und wir nicht durch Moos und Flechten laufen wollen, weil man das im Fjell nicht machen soll.
Aber man kann ganz gut über die lose hingeworfenen Felsblöcke hopsen.
Aussicht, Wetter und Umgebung sind phänomenal.
Und die Schneeballschlacht tut auch mal allen gut.
Obwohl es mir auf der Hardangervidda super gefällt und es ja auch schon 19:40 Uhr ist, finden es meine „Kinder“ dann doch alle zu karg hier auf der Hardangervidda.
Dabei hätte ich der Einfachheit halber gleich hier übernachtet. Abends lässt der Verkehr auf der Hardangervidda doch deutlich nach und ein Bad im Lægreidvatnet wäre dann auch noch drin.
Stellplatz Vøringsfossen
Aber so fahren wir weiter runter. Ist ja nicht mehr weit bis zum großen Wasserfall Vøringsfossen. Schon von weitem sehen wir den Sprühnebel über dem Tal. Der Parkplatz ist gut gefüllt mit Wohnmobilen, aber darauf bin ich gedanklich schon lange vorbereitet. Los jetzt, schnell zum Wasserfall, bevor es wieder regnet.
Ist schon beeindruckend, wie die Wassermassen des Vøringsfossen zu Tal strömen.
Neben den Wassermassen begeistern mich aber vor allem die kunstvoll hergestellten Geländer sowie die nicht ganz schwingungsfreie Brückenkonstruktion.
Man merkt richtig, wie die Brücke durch den Luftdruck der Wassermassen schwingt. Und als ich die Bewegungsfugen zeige, ist das Erstaunen groß und der Griff am Geländer noch etwas fester. Da freut man sich über seine Sicherheitsschuhe.
22:45 Uhr sind wir zurück auf dem Parkplatz, der immer noch nicht leerer geworden ist und auch nicht leerer werden wird. Aber das wusste ich ja vorher. Und ich bin ja Teil des Ganzen.
Sokna – Gulsvik – Nesbyen – Tunhovdvegen – Bruvoll – Geilo – Ustaoset – Haugastøl – Hardangervidda – Vøringsfossen | Norwegen | 260 km | 2.006 km


























