Norwegen: Badetag im Tyin-See

Kleine Wanderung auf dem Kungsvegen und  traumhafter Badetag im Tyin-See vor dem Panorama des norwegischen Hochgebirges.

Baden im 5 Grad kalten Tyin-See

Baden im 5 Grad kalten Tyin-See

Wanderung auf dem Kungsvegen am Smeddalselvi

Der erste Blick aus dem Bus gilt um 8:10 Uhr den Lachsen im Smeddalselvi. Sehe aber keine. Dafür kommt jetzt doch ab und zu mal ein Auto vorbei. Aber wenn man überlegt, dass das früher die E16 zwischen Oslo und Bergen war, geht es an unserem Straßenstellplatz ziemlich ruhig zu.

Mercedes 711D am Smeddalselvi

Mercedes 711D am Smeddalselvi

11:00 Uhr ist das Frühstück vorbei und der Spaziergang auf dem Kungsvegen beginnt. Wandern kann man die paar Schritte auf dem Kungsvegen ja nicht nennen (2,4 km / 150 m). Allerdings brennt die Sonne heiß vom strahlend blauen Himmel auf die Straße und den Lachsfluss herab.

Lachsfluss Smeddalselvi am Kungsvegen

Lachsfluss Smeddalselvi am Kungsvegen

Wegen der Hitze werden schon wüstenmäßig erprobte Schutzmaßnahmen angewendet.

Hängebrücke des Kungsvegen über den Smeddalselvi

Hängebrücke des Kungsvegen über den Smeddalselvi

Von der Hängebrücke führt der alte Königsweg von Oslo nach Bergen steil bergan, wobei wir die andere Richtung laufen. Aber die Richtung ist ja egal, es geht um die alte Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt am Kattegatt und dem Atlantikhafen. Und so entfernen sich Straße und Königsweg nie weit voneinander.

Wohnmobil am Kungsvegen beim Smeddalselvi

Wohnmobil am Kungsvegen beim Smeddalselvi

An der Seite wächst viel Wacholder, Rittersporn und solches Zeug. Ist ganz praktisch, sich mit Google Lens die Pflanzen anzeigen zu lassen, auch wenn ich wegen meiner Botanikstudien immer etwas hinterher hänge.

Wanderung auf dem Kungsvegen am Smeddalselvi

Wanderung auf dem Kungsvegen am Smeddalselvi

Mich begeistern aber auch technische Bauwerke wie die drei Generationen des Übergangs über den Smeddalselvi mit der uralten Steinkvelvsbrui links unten, der alten E16 in der Mitte und dem neuen Borlandstunnel darüber. Diese drei Brücken erzählen die Geschichte Norwegens über die letzten 1000 Jahre.

Drei Brücken über den Smeddalselvi

Drei Brücken über den Smeddalselvi

Edelstahlgewinnung aus dem Smeddalselvi

Am schönsten ist natürlich die älteste Steinbrücke. Und damit nichts historische Anmutung stört, berge ich ein altes Edelstahlblech aus der Uferböschung, dass da ganz sicher nicht hingehört.

Steinbrücke über den Smeddalselvi

Steinbrücke über den Smeddalselvi

Während die Kinder den Bus aufräumen und alles einklappen, muss ich das verbogene Blech so richten, dass ich das sperrige Ding unter den Teppich legen kann, ohne ständig zu stolpern. Aber erstmal brauche ich Werkzeug. Wo versteckt sich nur der Franzose wieder? Naja, die Cobra geht notfalls auch.

Werkzeugkasten im Wohnmobil

Werkzeugkasten im Wohnmobil

Ist doch ein Traum mit Schraubstock im Bus. So einen schönen Werkstattwagen hab ich mir immer schon gewünscht. Fehlt nur noch die Kantbank.

Edelstahlblech im Kukko-Schraubstock biegen

Edelstahlblech im Kukko-Schraubstock biegen

Im 2. Gang auf der E16 nach Tyinkrysset

12:45 Uhr starten wir mit einem 60 Grad warmen Motor. Ja, auch wenn es so heiß ist, wärme ich den Motor vor. Denn 60 sind besser als 20 Grad. Dazu ist der Stellplatz mit  Blick auf den Motorschonungsaspekt ein bisschen dumm, weil es gleich steil hochgeht. Komme kaum in den zweiten Gang und schon gar nicht in den dritten. Schleiche also auf der Europastraße 16 im zweiten Gang den Berg hoch. Zum Glück ist der Verkehr ziemlich dünn.

Schnellstraße E16 von Bergen nach Oslo

Schnellstraße E16 von Bergen nach Oslo

Ist eine schöne Gegend. Und es locken schöne Bergseen, hier der Smeddalsvatnet. Wobei es eigentlich das Smeddalsvatnet heißen müsste, das Wasser im Tal der Schmiede. Smed-dals-vatnet.

Smeddalsvatnet vor Tyinkrysset

Smeddalsvatnet vor Tyinkrysset

Baden im Tyin-See

Nach dem Skizentrum Tyinkrysset lockt der großen, tiefblauen Tyin-See, hinter dem sich schneebedeckte Berge auftürmen. Ein Traum. Die Kinder sehen einen Strand, und obwohl der Motor gerade richtig warm ist, muss ich schon wieder anhalten.

Mercedes 711D am Tyin-See

Mercedes 711D am Tyin-See

Unten hat tatsächlich jemand einen vollgekackten Einmalbeutel hingeschmissen, den ich erstmal aus dem Wasser hole und wenigstens in den Müllcontainer schmeiße. Also das verstehe ich echt nicht. Da sollen die Leute doch lieber gleich ins Gebüsch kacken, als erst in eine Tüte, wenn die dann in der Botanik landet. Aber ich mache das Ganze still und heimlich, damit niemand die Lust auf einen schönen Badetag verliert.

Wassertemperatur im Tyin-See

Wassertemperatur im Tyin-See

Tatsächlich gehen alle baden und tun, als seien wir in der Karibik.

Baden im Tyin-See

Baden im Tyin-See

Das Wasser fühlt sich aber tatsächlich nicht so kalt an, weil die Ufersteine in der Sonne recht warm sind. Während sich alle noch sonnen, mache ich Mittagessen. Sollten zwar eigentlich Männernudeln werden, aber es fehlt an Zwiebeln. Also gibt es nur normale Nudeln mit Soße sowie ein paar Sonderspaghetti.

Kochen im Wohnmobil

Kochen im Wohnmobil

Eiszeitlandschaft von Øvre Årdal

Okay, Schluss mit Baden. Weiter auf der 53. Erst am See entlang und dann die Serpentinen runter nach Øvre Årdal. Wieder im zweiten Gang.

Tunnel nach Øvre Årdal

Tunnel nach Øvre Årdal

Die Gegend ist mit gigantischen Bergen, tiefen Tälern und den Seen schon beeindruckend. Dazu sieht man auf den Felsen überall Schleifspuren der alten Eiszeitgletscher. Bis zum nächsten Fjord ist es nicht mehr weit, aber das Årdalsvatnet unten im Tal ist noch ein Süßwassersee.

Øvre Årdal

Øvre Årdal

Øvre Årdal selbst ist auch nett, für norwegische Verhältnisse relativ groß und hat ein richtiges Einkaufszentrum. Kaufe also für 150 Euro Lebensmittel, finde aber keinen Wasserhahn. Egal, Wasser gibt es überall genug.

Mercedes 711D im Spiegel der Øvre Årdal Mall

Mercedes 711D im Spiegel der Øvre Årdal Mall

Tindevegen

Dann im ersten Gang die Serpentinen des Tindevegen hoch. Halte ab und zu an, um Autos vorbeizulassen und kann so auch mal ein Foto machen.

Blick vom Tindevegen auf Øvre Årdal

Blick vom Tindevegen auf Øvre Årdal

Die Passstraße Tindevegen kostet übrigens 120 norwegische Kronen, die man irgendwie online bezahlen muss. Hab nur keine Ahnung, ob meine Mautbox das erledigt und muss erstmal recherchieren.

Payment Tindevegen in Øvre Årdal

Payment Tindevegen in Øvre Årdal

Geht kontinuierlich und steil bergauf. Bin nur selten mal im zweiten Gang.

Serpentinen des Tindevegen vor dem Raudbergsnuten 1805 m

Serpentinen des Tindevegen vor dem Raudbergsnuten 1805 m

Stellplatz am Tindevegen

Stelle den Bus nach einer kleinen Ducato-Schwierigkeit an ein Wehr, obwohl es erst 18:30 Uhr ist und der Internetempfang fehlt. Und schon protestieren die Jungs, weil wir heute von den 300 Kilometern bis zum Zielgletscher nur 80 km gefahren sind. Aber sehr viel bessere Plätze werden nicht kommen, schon gar keine einsamen. Und bei dem herrlichen Wetter mag ich sowieso nicht fahren, schon gar nicht zu so einem Hotspot wie dem Jostedalsbreen. Da gefällt es mir hier in der Pampa wesentlich besser.

Stellplatz für den Mercedes 711D am Tindevegen

Stellplatz für den Mercedes 711D am Tindevegen

Da der Wassertank immer noch nicht voll ist, hole ich vom nächsten Bach Trinkwasser. Nochmal 4 Kanister reichen eine Weile. Es duscht ja niemand im Wohnmobil. 

Wasser tanken am Tindevegen

Wasser tanken am Tindevegen

Gehe am Abend noch ein bisschen raus, um die Mücken zu füttern und vielleicht einen Spot zu finden, wo ich doch noch die Tindevegen-Maut online bezahlen kann.

Mercedes 711D um 21.42 Uhr am Tindevegen

Mercedes 711D um 21.42 Uhr am Tindevegen

So komme ich immer weiter hoch in die Berge und überlege schon, über den Fluss auf einen vorgelagerten Hügel zu gehen.

Abendwanderung um 22.01 Uhr am Tindevegen

Abendwanderung um 22.01 Uhr am Tindevegen

Aber beim Versuch, den namenlosen Sturzbach zu überqueren, drehe ich dann doch lieber um. Das Wasser ist zwar seicht, aber barfuß über die kippligen Steine ist kein Vergnügen.

Flussquerung am Tindevegen

Flussquerung am Tindevegen

Da meine leuchten Stoffschuhe von den morastigen Stellen eh nass sind, laufe ich gleich barfuß zurück. Geht erstaunlich gut hier oben im Fjell. Man soll ja nicht quer durch die Landschaft laufen, aber hier ist ja ein kleiner Weg. Die Sonne ist übrigens um 22:14 Uhr immer noch nicht weg.

Wanderung am Tindevegen

Wanderung am Tindevegen (Foto von 22:14 Uhr)

Stadt-Name-Land-Beruf

Am Abend spielen wir noch Stadt-Name-Land. Aber vorher werden die Kategorien ausdiskutiert. Es hat sich mittlerweile bewährt, als erste Kategorie zwei Länder festzulegen. Dann zwei Städte, diesmal ohne Einschränkung. Anschließend ein Gewässer, dazu eine Pflanze und einen Beruf. In Kenntnis der üblichen Schummeltricks wird extra festgelegt, dass z. B. ein Brennesselzüchter kein Beruf ist. Und nein, ein Brennesselverkäufer ist auch kein Beruf.

Dazu gibt es dann noch eine historische Persönlichkeit, die allerdings bereits gestorben und zumindest einem weiterer Spielteilnehmer bekannt sein muss. Letzte Kategorie ist ein Tier.

Kern der ganzen Festlegungen ist nämlich, dass ich Stadt-Name-Land nicht immer gewinne. Fabei ist es gar nicht mehr so, dass ich immer der erste bin, der fertig ist. Und außerdem kriege ich immer Punktabzüge, wenn man nicht sauber lesen kann, was ich da aufs Blatt kritzle.

Stadt-Name-Land im Wohnmobil spielen

Stadt-Name-Land im Wohnmobil spielen

Jedenfalls haben alle ihren Spaß und sehen draußen um den Bus sogar mal ein ultrasüßes Hermelin herumwieseln. Nur sind die Fotos durch die verdunkelten, doppelten Isolierfenster ziemlich schlecht. Aber man erkennt das Hermelin so ungefähr.

Hermlin = Großes Wiesel am Tindevegen

Hermelin = Großes Wiesel am Tindevegen

Erst 24 Uhr gehen wir ins Bett. Danach startet oben im Aufstelldach ein großes Rambazamba. Aber zum Glück stehen wir hier so einsam, dass niemand was hören und mir das völlig egal sein kann. Und da die Dachluke für den Aufstieg mittlerweile komplett geschlossen und isoliert ist, hört man unten im Hubbett auch gar nicht so viel. Nur der Bus schwankt bedenklich.

Gram – Tyinkrysset – TyinSee – Øvre Årdal – Tindevegen | Norwegen | 80 km | 2.444 km

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