ᐅ Moldawien: Holpriger Corona-Transit nach Chişinău

Transitwahnsinn über nussbaumgesäumte Hopperstraßen von der rumänischen Grenze bis zur moldawischen Hauptstadt Chişinău.

Moldawien: Von der rumänischen Grenze im Süden zur Hauptstadt Chişinău

Grenze von Rumänien nach Moldawien

Aufstelldach ist schön. Aber lange ausschlafen ist nicht, wenn die Sonne direkt aufs Kopfkissen knallt. 7:45 Uhr ist die Nacht zu Ende.

Moldawien: Von der rumänischen Grenze im Süden zur Hauptstadt Chişinău

Ist ein ruhiger Morgen hier am Donaudeich zwischen der Donaufähre von I.C. Brătianu nach Galaţi und der Grenze von Rumänien nach Moldawien. Jetzt sogar ohne Mücken.

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08:15 Uhr geht’s los. Ohne Frühstück. Denn ich rechne wie bei der Einreise von Ungarn nach Rumänien auch an der Grenze von Rumänien nach Moldawien mit einer langen Wartezeit. Vom Grenzübergang trennen uns nur noch ein paar Zwiebelfelder.

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Und eine alte Eisenbahnlinie.

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08:35 Uhr. Der Grenzübergang von Rumänien nach Moldawien ist fast völlig verwaist.

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Die rumänische Abfertigung geht schnell. Meine ganze Frühstücksplanung kommt durcheinander.

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Die Moldawier aber brauchen etwas länger und wollen uns wegen Corona erst nicht reinlassen. Denn ab 12 Jahren braucht man Test oder Impfung. Allerdings gibt es da noch den Transit. Von der 24-h-Regel muss ich die Grenzerin aber erst überzeugen. Zumal sie mir nicht glauben will, dass wir es in 24 Stunden ganz in den Norden von Moldawien schaffen. Aber hej, das sind nichtmal 500 km. (Denke ich zumindest.)

Irgendwann hab ich sie soweit und soll ihr auf der Karte zeigen, wo genau wir wann ausreisen wollen. Muss improvisieren. Soweit bin ich mit meiner Planung noch gar nicht. Gebt mir mal die Karte raus. Der Finger kreist und landet an der Ecke Moldawien – Rumänien – Ukraine. Also Criva. Kriege daraufhin einen Zettel, wonach wir bis morgen 10 Uhr über diesen Grenzübergang ausreisen müssen. Hab noch keinen Plan, wie weit das wirklich ist. Aber das klingt machbar.

Aber erstmal muss ich noch Straßengebühr bezahlen. Irgendwas um die 5 € für einen Tag. Gibt zum Glück gleich einen Bankautomaten neben dem Schalter. Denn es ist immer besser, in moldawischen Lei zu bezahlen als zu einem aberwitzigen Kurs in Euro. Ich glaube, die wollte mir 20 € in bar abknöpfen.

Okay, jetzt dürfen wir fahren. Aber halt, erst noch die Flagge von Moldawien aufkleben. Hinter uns ist ja niemand. Ein Lächeln geht über die Gesichter der Grenzer. Willkommen in der Republik Moldau.

ZIL-Land Moldawien

Nach genau 50 Minuten rollen wir nach Moldawien. Auf dem Reiseführer steht Moldova. Und offiziell heißt das kleine Land Republik Moldau. Egal, ich habe Hunger. Doch so schnell wird das nichts, denn 2 Minuten nach der rumänisch-moldawischen Grenze fährt der erste alte LKW vor uns. Moldawien fängt gut an.

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Ich überhole, fahre Vorsprung raus, halte an und stelle mich winkend an den Straßenrand. Denn es könnte ja der letzte ZIL-130 sein. Der Fahrer guckt komisch. Winkt aber zurück.

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Sorry, aber ich kann ja nicht wissen, dass hier in Moldawien immer noch Unmengen an ZIL-130 rumfahren. Nochmal auf die Tröte gedrückt und vorbei an der lahmen Möhre.

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Die KAMAZ sind auch nicht schneller. Hier ein KAMAZ-5511.

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10 Minuten später steht ein GAZ-66 am Straßenrand. So oft kann ich gar nicht anhalten, wie es hier schöne LKWs gibt.

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Moldawische Nussbaumalleen südlich von Chişinău

Wie im Reiseführer (Trescher, S. 27) beschrieben sind die Straßen Moldawiens tatsächlich oft von Nussbäumen gesäumt. Die wurden alle zu Sowjetzeiten angepflanzt, um der kleinen Moldauischen SSR ein Gesicht zu geben.

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Dass aber nun jede Straße eine Nussbaumallee wäre, ist auch wieder übertrieben. Genauso wie das Klischee, in Moldawien würden nur alte sowjetische LKWs und Pferdefuhrwerke herumfahren. Doch sowas wird halt fotografiert.

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Die Straßen ganz im Süden von Moldawien bestehen alle nur aus Löchern, Bodenwellen und Verwerfungen. Wenn denn überhaupt noch Asphalt übrig ist. Jage den Bus dennoch mit 100 über die langen, oft schnurgeraden Fernstraßen. Immer auf und ab. Auf und ab. Denn wir haben nur 24 Stunden für Moldawien.

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Und wir reden hier nicht von Nebenstraßen oder gar Pisten, sondern von Hauptverkehrsstraßen, auf denen zahlreiche Lastzüge unterwegs sind.

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Aber es wird schon viel gebaut, wenn auch oft recht unkonventionell.

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Rechts und links der Straße sind die Felder gut bestellt. Es gibt Obstgärten und Wein. Aber auch brennende Müllkippen. Und alte Pflasterstraßen.

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Erst in Richtung der Hauptstadt Chişinău werden die Straßen besser und das Gehopper endet.

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Aber selbst auf den neuen Straßen geht es immer wieder mal einfach übers Feld.

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Zur Entschädigung bietet Moldawien aber schöne LKWs. Hier ein blau-weißer GAZ-53. Dahinter ein ebenso blau-weißer ZIL-130. Willkommen in der Ex-Sowjetrepublik.

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Süß sind auch die UAZ-452 Buchanka, hier als Ambulanz wie bei Mascha. Die Jungs sind langsam fit in sowjetischen Fahrzeugtypen.

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Die moldawische Hauptstadt Chişinău

Halb zwei sind wir in Chişinău. 3 Stunden für 240 km barbarische Landstraße. Geht doch.

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In meinem Reiseführer der Sowjetunion von 1985 heißt der Ort noch Kischinjow. Doch bis auf das abtrünnige Transnistrien spricht der ganz überwiegende Teil Moldawiens rumänisch als Muttersprache. Und so erinnert außer den LKWs nicht viel an die alte Sowjetrepublik.

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Die Hauptstadt Moldawiens ist klein, aber quirlig und hübsch. Und in Chişinău fällt mir auf, dass die moldawischen Kennzeichen denselben Schrifttyp verwenden wie die deutschen. Vielleicht wurden auch nur alte deutsche Prägemaschinen beschafft.

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Da die vierspurige Hauptstraße irgendwann gesperrt ist, fahren wir über Ministraßen durch ein Villenviertel. Manchmal passe ich nur mit Mühe und Not durch.

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Aber es gibt natürlich auch Prachtstraßen, Prachtparks und Prachtpaläste in Chişinău.

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An solchen Dingen wie dem Zirkus sieht man den einstigen sowjetischen Anspruch. Heute allerdings steht der Zirkuspalast leer.

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Zum Abschluss der Stadtrundfahrt durch Chişinău tanke ich nochmal 120 Liter.

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Jetzt bin ich bloß mal noch gespannt, ob wir uns den Ausflug ins Gebirge zum Kloster Hâncu zeitlich noch leisten können. Und wie lange ich dann heute Abend noch fahren muss, um morgen früh an der Grenze zu sein.

Infos zu Moldawien und Chişinău

  • Für die Einreise waren bei uns Pass (oder Ausweis), Impfnachweis oder Test sowie Fahrzeugpapiere und “Grüne” Karte erforderlich.
  • Ohne Impfnachweis oder Test sind für Moldawien 24 Stunden Transit frei.
  • Moldawien-Flagge zum Aufkleben (everflag): Klick
  • Der einzige, völlig in das Land verliebte Reiseführer kommt aus dem Trescher-Verlag: Klick
  • Im Straßenatlas Rumänien ist Moldawien in voller Schönheit und im Maßstab 1:300.000 enthalten: Klick

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