ᐅ Bootswagen: Evolution unseres Gepäck- und Kanutransports

Mein Weg vom Trolley zum perfekten Bootswagen, der als Beach-Rolly ein Luftkajak und das Gepäck schleppt sowie als Klappstuhl dient.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Trolley für Kajak und Paddelgepäck

So schön wie das Paddeln ist. Aber die leichtgängigen Kanus verführen zur Überladung. Irgendwie hat man immer zu viel Gepäck dabei. Problem ist nur, dass man vorher nicht weiß, was überflüssig ist. Lässt man den dritten Satz Klamotten weg, wird es regnen oder jemand ins Wasser fallen. Nehme ich nicht das Essen für die gesamte Zeit mit, werden alle Kneipen unterwegs zu haben. Und wenn ich auf Getränke verzichte, gibt es unterwegs keine brauchbaren Wasserstellen.

Also ist die Paddel-Ausrüstungsliste mittlerweile ganz schön lang und ausgereift, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Und so läppert sich das ganze Gepäck auf ca. 30 kg pro Person. Das stört auf dem Wasser auch nicht. Beim Antransport oder beim Umtragen aber schon. Hatte deswegen mal aus Norwegen so eine Art Sackkarre oder Einkaufstrolley mitgebracht. Einfach und stabil.

Version 1 meines Bootswagens mit 90 Kilo Paddelgepäck

Version 1 meines Bootswagens mit 90 Kilo Paddelgepäck

Aber nicht lange. Denn schon nach 2 km Betonpflaster vom Bahnhof zum Paddeln an die Spree gaben die minikleinen Rädchen an diesem Transportwägelchen den Geist auf. Test gescheitert.

Radbruch am Bootswagen

Radbruch am Bootswagen

Luftreifen am Bootswagen nachrüsten

Habe unterwegs das Rad durch einen Schleifast ersetzt. Aber der Gepäcktransport ohne funktionsfähigen Kajakwagen war eine ganz schöne Plackerei. Und zwar sowohl beim Umtragen als auch auf dem Rückweg zum Bahnhof.

Also musste für einen Selbstbau eines verbesserten Bootswagens der Kinderroller seine Luftreifen abgeben. Hab dazu eine durchgehende Achse eingebaut und den ganzen Gepäckwagen unten mit einer Aluplatte verstärkt. So schleift auch das Gepäck nicht am Rad. Schon besser.

Version 2 meines Bootswagens mit Luftreifen

Version 2 meines Bootswagens mit Luftreifen

Bootswagen selber bauen

Aber oben im Bild sieht man schon, dass die Gewindestangenachse mit der Last des voll beladenen Bootswagens überfordert ist, sich durchbiegt und die kleinen Luftreifen ab 100 kg Last am Rahmen schleifen. Dazu kippt der Kajakwagen mit einer derart schmalen Spur im Gelände leicht um.

Rüste also meinen selbst umgebauten Bootswagen auf eine breitere Spur von nun 60 cm um. Die gefalteten Boote und beladenen Taschen sind sowieso mindestens 80 cm breit. Die Achse wird verlängert und zusätzlich gelagert. Dazu die alte Aluplatte lackiert.

Ein Haufen Arbeit für einen nicht klappbaren Wagen für Gepäck und Kanus, den ich hätte auch kaufen können. Aber das Ding ist jetzt stabil, rollt leicht und trägt mindestens 200 kg. Schon getestet.

Bootswagen mit verstärkter Achse und breiter Spur

Bootswagen mit verstärkter Achse und breiter Spur

Anforderungen an einen richtigen Bootswagen

Doch so langsam haben wir zuviel Gepäck für nur einen Bootswagen. Denn meistens sind wir mit zwei großen Familien-Kanus unterwegs. Und wollen nur einmal vom Bahnhof zum Wasser oder vom Oberwasser zum Unterwasser laufen.

Aber da mir Material und Lust fehlt, noch einen zu bauen, schaue ich mich mal nach echten Bootswagen für den Kanutransport um. Aus unseren Erfahrungen und Tests resultieren recht konkrete Anforderungen:

  • Klappbare Alu-Konstruktion
  • Transport von Gepäck und/oder Luftkajak
  • Große Luftreifen mit breiter Spur
  • Bedienung im aufrechten Gang

Schaue mir also mal die Angebote der Hersteller von Bootswagen an. Die Kanuwagen sind ja mehr oder weniger immer gleich. Und  meistens zu flach. Aber ein Wagen ist anders. Der Beach-Rolly wird vom schwäbischen Herstellers Eckla dennoch nicht als Bootswagen beworben. Taucht noch nicht einmal in der Liste der Kanuwagen auf.

Primär soll der Beach-Rolly nämlich nur Gepäck zum Strand transportieren und dann als Strandstuhl fungieren. Aber natürlich ist der Beach-Rolly auch ein vollwertiger Bootswagen. Auf den Fotos im Internet sieht das so schön aus. Muss mal testen, ob das auch in der Realität funktioniert. Eine Doppelfunktion als Klappstuhl wäre schon cool.

Also das Ding bestellt. Zwar steht auf meinem Bootswagen Angler-Rolly. Aber mir gefällt die Farbe besser als bei den identischen Bootswagen, auf denen Beach-Rolly steht. Und Kanu-Rolly steht sowieso auf keinem der Multifunktionsgefährte. Als Zubehör bestelle ich noch einen Ladebügel, sonst nichts.

Test des Eckla Beach-Rolly fürs Kajak

Montage des klappbaren Bootswagens

Das Paket mit dem klappbaren Bootswagen ist rechtzeitig vor dem nächsten Paddelurlaub da. Und der Beach-Rolly schnell montiert. Der Inbusschlüssel liegt bei, auch wenn das für mich immer Verschwendung ist. Brauche ja sowieso noch einen Schraubenschlüssel. Und in einem Haushalt, der einen 10er Schlüssel hat, findet sich garantiert auch ein Inbus.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly: Eingeklappt 70 x 70 cm

Bootswagen Eckla Beach-Rolly: Eingeklappt 70 x 70 cm

Die Montage das klappbaren Bootswagens ist ein bisschen fummelig, aber letztlich kein Problem. Aus der Packgröße von etwa 70 x 70 cm wird durch einen werkzeuglos aufgeschraubten Schiebebügel eine bequeme Griffhöhe von 115 cm.

Die beiden luftbereiften Schubkarrenräder drehen ohne Kugellager auf der Alu-Achse. Und auch bei der Arretierung der Räder stehen einfache Montage und Demontage im Vordergrund. Habe nur Angst, dass ich irgendwann mal so einen Klappsplint verliere.

Aber was soll’s. So ein Bootswagen macht ja nicht so viele Kilometer. Und ein verlorener Splint lässt sich unterwegs auch durch ein Stück Draht ersetzen. Da sind mir Leichtbau, Robustheit und werkzeuglose Montage wichtiger.

Klappsplint am Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Klappsplint am Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Bootswagen als Klappstuhl

Am meisten überrascht hat mich der Test des Beach-Rolly als Klappstuhl. Hätte nie gedacht, dass man in einem Klappkajakwagen so bequem sitzen kann. Diese Klappstuhl-Funktion stand nicht mal auf meiner Wunschliste für den Bootswagen. Das haben sich die Leute von Eckla wirklich super ausgedacht.

Und während ich diesen Text in meinem Bootswagen sitzend diktiere, fehlen mir eigentlich nur noch Sitzkissen und eine Auflage für die Füße. Aber beim Paddeln hat man ja zum Glück genügend Isomatten, Taschen und Kanus dabei. Auch die Sitzverlängerung erfüllt ihren Zweck und lohnt sich nicht nur für den besseren Bootstransport.

Unser neuer (und einziger) Klappstuhl ist beim Paddeln jedenfalls so beliebt, dass ich entweder meinen eigenen Bootswagen zur Sitzgelegenheit umrüsten, noch einen Beach-Rolly kaufen oder meinen Erziehungsstil ändern muss. Ansonsten komme ich bei unseren Kanuwanderungen nie zu einem eigenen Stuhl.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test als Klappstuhl

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test als Klappstuhl

Test des Gepäcktransports im Beach-Rolly

Doch eigentlich wollte ich ja Gepäck und Boote mit dem Bootsgepäckwagen transportieren. Die Ortlieb Packtasche im Bild hat 89 Liter Volumen und ist beim Start der Autark-Paddeltour gefüllt mit 3 Sixpacks Volvic, 2 Sixpacks Orangensaft, 10 Litern Limo, 5 Litern Trinkjogurt und Milch sowie ein paar Kleinteilen von den Paddelbooten. Kriege die Ballasttasche aus dem Gumotex Seawave mit knapp 60 kg kaum hoch.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test als Gepäcktransporter

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test als Gepäcktransporter

Aber ist die schwere Packtasche einmal im Bootswagen verstaut, kann die auch ein Kind bewegen. Selbst über Stock und Stein und auf langen Strecken. Anfangs hatte ich mich gefragt, was die Geometrie mit dem Schwerpunkt hinter der Achse soll. Aber das hat alles schon seinen Sinn. Die Konstruktion ist echt ausgeklügelt, auch wenn mein selbst gebauter und schon intensiv gebrauchter Bootsgepäckwagen sicherlich die dreifache Last verträgt.

Ideal wäre nur eine Verriegelung des Klappmechanismus sowohl in aufgeklappter als auch zugeklappter Stellung. Dann könnte man den Bootswagen zusammengeklappt auch im Stehen besser verstauen. Und beim Beladen würde der Schiebebügel nicht immer umklappen, wenn man das Sitztuch belastet.

Test des Beach-Rolly als Kajak-Bootswagen

Hauptfunktion des Bootswagens ist der Transport unserer Boote. Vor allem des 5 m langen und schon leer 30 kg schweren Grabner Riverstar. Allerdings nehmen wir immer die beiden schweren Ortlieb-Taschen von Bug und Heck runter. Die “kleine” Tasche (Duffle 110 l) kommt auf den Gepäckwagen, die große (Duffle RS 140) hat sogar eigene Räder mit 10 cm Durchmesser. Die wird separat durch Schlamm und Wiese gezerrt.

Ortlieb Duffle RS 140 mit Rollen im Test beim Paddeln

Ortlieb Duffle RS 140 mit Rollen im Test beim Paddeln

Jedenfalls heben zwei Familienkanuten das nur um die beiden großen Ortlieb-Taschen auf Bug und Heck geleichterte Grabner an, das mit dem Gepäck unter Verdeck noch so 50 kg wiegt. Einer positioniert den Bootswagen mittig unter dem Boot. Kurz das Luftkajak mit 2 Spannbändern auf den Bootswagen verzurren. Und schon bilden Boot und Wagen eine fein austarierte Einheit. Theoretisch könnte man jetzt noch Gepäck in den Kajakwagen laden und den Schwerpunkt weiter senken.

Im Foto sieht man auch ganz gut, dass der Ladebügel zwar nicht unbedingt für den Kanutransport notwendig wäre. Dadurch aber das Kajak noch ein paar entscheidende Zentimeter höher kommt. Und sich so rückenschonend bewegen lässt.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test mit dem Grabner Riverstar

Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test mit dem Grabner Riverstar

Da schon der Bootswagen in dieser Position 70 cm hoch ist, lässt sich das Kajak mit dem Faltwagen in der Mitte sehr bequem waagerecht transportieren. Die meisten faltbaren Bootswagen sind dagegen zu flach, sodass man beim Transport entweder gebückt laufen oder den Kanuwagen außermittig positionieren muss. Dann fungiert der Kanut doch als Lastenträger oder holt sich einen Krampf im Rücken.

Nun sind die Umtragestellen an kleinen, unerschlossenen Flüssen wie Neiße oder Spree immer etwas abenteuerlich. Der Kajakwagen mit der breiten Spur von 70 cm steckt aber alles weg und kippt auch an schrägen Stellen nicht so schnell. Der Wagen ist zwar 10 cm breiter als der Gang im ICE. Aber mit einem beladenen Bootswagen ist der Großraumwagen sowieso nicht zu empfehlen. Dann lieber kippsicher.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly beim Geländetest

Bootswagen Eckla Beach-Rolly beim Geländetest

Die Reifenbreite von 8 cm lässt Wagen und Boot auch durch Schlamm und Sand rollen, ohne allzu sehr einzusinken. Notfalls könnte ich sogar noch die Luft ablassen. Die pannensicheren Vollgummireifen hingegen haben den Nachteil, dass ich den Luftdruck nicht an Beladung und Untergrund anpassen kann. Und Flickzeug hab ich bei den Luftbooten sowieso dabei.

Durch die Reifenhöhe von 25 cm arbeiten sich die luftbereiften Schubkarrenräder des Beach-Rollys auch durch Brombeergebüsch. Für meinen Geschmack könnten die Räder zwar glatt doppelt so groß sein. Aber Gewicht und Platzbedarf sind natürlich auch zu beachten. Ist schon gut so.

Durch die Brombeerbüsche: Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Durch die Brombeerbüsche: Bootswagen Eckla Beach-Rolly im Test

Umbereifung des Bootswagens fürs Kajak?

Prinzipiell wäre durch die einfache Radaufnahme mit dem Universalmaß 75 x 20 mm sogar eine Umbereifung auf noch größere oder kugelgelagerte Räder möglich. Eckla bietet sogar eine längere Achse und Zwillingsbereifung für den Kajaktransport über Sand an.

Allerdings müssten die Kugellager dann seewasserfest gedichtet sein und fest auf der Achse sitzen. Bei Buggyrädern mit einfachen Kugellagern dreht sich sonst auch nur das festgerostete oder versandete Stahl-Lager auf der Alu-Achse. Da ist Kunststoff auf Alu wesentlich besser.

Vielleicht wären auch Bootswagen mit Stummelachsnaben und Druckknopf zur Radmontage wie am Fahrradanhänger machbar. Aber der Bootswagen soll ja nicht mehr als das Boot kosten. Und am Ende klemmt dann doch irgendwo ein Sandkorn.

Stabilität des Beach-Rolly mit Kajak und Gepäck

Natürlich ist der Beach-Rolly nicht so stabil wie mein selbst umgebauter Bootswagen aus Stahlrohr. Zugelassen ist der Alu-Klapp-Bootswagen für 70 kg. Das trägt der auch. Aber nicht viel mehr. Zumindest nicht als bewegte Last.

Für die statische Stabilität des Bootswagens im Kräftedreieck sorgen 2 Spannbänder im seitlichen Sitztuch.

Bootswagen Eckla Beach-Rolly mit Sitzverlängerung im Test

Bootswagen Eckla Beach-Rolly mit Sitzverlängerung im Test

Transport des Bootswagens auf dem Kajak

Für den Transport des Bootswagens auf dem Paddelboot ist das ganze Gestell mit einem Handgriff zusammengeklappt. Auf dem Grabner Riverstar ist auch die Länge des Wagens kein Problem.

Für kleinere Boote wäre ein Mechanismus zum schnellen Abklappen des Haltebügels perfekt. Dann wäre der ganze Kanuwagen nämlich nur noch 70 x 70 cm groß. Derzeit muss man die beiden Handknaufe zumindest ein Stück lösen, wobei Muttern, Unterlegscheiben oder Schlossschrauben verloren gehen können.

Transport des Bootswagens Eckla Beach-Rolly auf dem Luftkajak

Transport des Bootswagens Eckla Beach-Rolly auf dem Luftkajak

Infos zum Kajak-Bootswagen Beach-Rolly

Insgesamt ist der Test des Bootswagens Eckla Beach-Rolly mit dem Grabner Riverstar für uns super gelaufen. Der Bootswagen macht auch ohne kugelgelagerte Räder, was er soll, ist leicht und dennoch stabil genug. Nur konnte ich im ganzen Paddelurlaub nicht einmal in dem schönen Klappstuhl sitzen. Und wieder zu Hause suche ich schon den ersten Klappsplint für die Achse. Hätte ich nur gleich mal das Ersatzpack mitbestellt.

  • Herstellerseite zum Eckla Beach-Rolly: Klick
  • Preise des Bootswagens Beach-Rolly: Klick
  • Ladebügel mit Sitztuch als Beinauflage: Klick
  • Sinnvoll ist ein Satz Ersatz-Klappsplinte: Klick
  • Den Kanuwagen entlastet die wasserdichte Roll-Tasche (Ortlieb Duffle RS 140): Klick
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