ᐅ Athos: Entsetzen im Blumenkloster Grigoriou

Das Kloster Grigoriou glänzt als idyllisches Blumenkloster, vor dessen LKWs man sich allerdings in Acht nehmen sollte.

Abstieg von Simonopetra

Mensch, will ich denn ewig in Simonos Petras bleiben? Der Tag ist noch lang und ich muss weiter. Dazu verziehen sich entgegen meiner Erwartung die Wolken um den Athos wieder. So schön, wie es hier ist. Aber da bleibt mir keine Ausrede mehr. Los jetzt.

Die Wanderung zum Kloster Grigoriou startet.

Bis runter zum Meer sind es knapp 300 Höhenmeter.

Das starke Gefälle machen sich die Mönche zu nutze und verlegen überall am Hang Leitungen, mit denen sie das frische Wasser verteilen.

Davon haben nicht nur die Gärten und Oliven was, sondern es gibt auch viele kleine Trinkbrunnen. Und an jedem ist eine Kette mit Trinkgefäß befestigt.

Ansonsten ist der Pilgerweg runter zum Meer anfangs recht breit und gut zu wandern.

Kreuzung der Wanderwege zum Kloster Grigoriou

Ab diesem kleinen Häuschen aber teilt sich der Weg.

Gerade runter geht es zum Hafen Arsanas von Simonos Petras. Eigentlich wollte ich mich da noch mit Weintrauben versorgen. Hab aber so viel Essen und auch Weintrauben bekommen, dass ich mir die zusätzlichen Höhenmeter schenken kann. Folge also direkt dem oberen Wegweiser zum Kloster Grigoriou. I.M. heißt Iera Moni, also Heiliges Kloster.

Das Kloster Grigoriou versteckt sich in der übernächsten Bucht.

Von der Felsnase mit dem schiefen Kreuz aus sieht man in Richtung Nordwesten auch den Hafen von Simonos Petras. Ab und zu legt da mal ein kleines Boot an, die Agia Anna. Aber mit dem Bau der großen Pisten hat die Bedeutung der Häfen abgenommen. Erst recht dieses Hafens, der keine Zufahrt hat.

Die Traumklause Mylos Profiti Ilia

Wenn man genau hinschaut, sieht man unten am Meer schon den ansteigenden Wanderweg zum Kloster Grigoriou.

Unten in dem kleinen Tal ist ein Kellion. Man könnte auch Datsche oder Gartengrundstück sagen, wenn das Mylos Profiti Ilia nicht so heilig wäre.

Vor dem ersten Abstieg runter zum Meer haben mich die Mönche noch gewarnt. Irgendwann ist hier wohl mal ein Pilger auf einer Wanderung verschollen. Aber der Weg sieht schlimmer aus, als er ist.

Dieser versteckte Strand hier unten am Mylos Profiti Ilia war im Sommer unser geheimer Badeplatz.

Aber so versteckt ist der Strand am Mylos Profiti Ilia gar nicht, weil ja direkt daneben das Kellion ist. Und weiter oben im Tal noch eins, das Agiou Grigoriou Sinaiti.

Ist eine gute Lage, so kühl und feucht. Dazu abgelegen und ruhig. Perfekt.

Auch hier wird die Trinkwasserversorgung von ganz oben am Berg sichergestellt. Jede vermeintliche Quelle, jeder Trinkbrunnen hängt am PE-Rohrleitungsnetz.

An den Bäumen ab und zu mal ein Zettel. Keine Ahnung, was da steht. Vielleicht ein Heiliger Text mit Ermahnungen für den Wanderer. Vielleicht steht da aber auch, dass man keinen Müll in die Quelle werfen oder die Stranddusche nicht zu lange laufen lassen soll. Oder dass ein Arbeitsplatz im Garten frei ist.

Das Land von Grigoriou

Ab dem Mylos Profiti Ilia gehört das Land zum Kloster Grigoriou. Die 20 Klöster sind ja sowas wie kleine Königreiche, die Athos unter sich aufgeteilt haben und vollkommen autonom handeln. König ist jeweils der Abt, der einen Gesandten in den zentralen Verwaltungsort Karyes schickt. Aber sonst gibt es da scheinbar nicht viele Anknüpfungspunkte.

Ich weiß es nicht genau, aber es scheint, als ob die Mönche auch nur ungern über fremdes Land laufen. Doch solche Grenzen sind eher gedacht und tatsächlich nicht vorhanden. Kann mich frei bewegen und schön am Meer entlang zum nächsten Kloster Grigoriou wandern.

„Am Meer entlang“ ist aber relativ. Der alte Pilgerweg wird immer steiler und es werden immer mehr Höhenmeter.

Bis hier bin ich im Sommer auf der Wanderung zum Kloster Grigoriou schon gekommen. Da wollte ich aber die Jungs nicht zu lange alleine am Strand lassen, denn Baden ist doof, Kinder sind doof und Mönche sehen alles.

Schilder am Kloster Grigoriou

Diesmal aber kehre ich nicht auf halber Strecke um. Diesmal wird die Wanderung über die Klöster von Athos durchgezogen. Mir wurde sogar mal übersetzt, was die Sprüche auf den Schildern bedeuten. Aber ich hab das versehentlich gelöscht. Kann ja einen Spruch erfinden: Wanderer, wenn du von hier das Kloster Grigoriou siehst, danke dem Herrn für den schönen Tag und genieße die Schöpfung.

Und hier steht vielleicht: Wanderer, lass dir auf deinem Weg Zeit, denn rechts ist ein Abgrund und links kommt sowieso bald die Straße.

Ja, die Mönche vom Kloster Grigoriou achten schon sehr auf alle Details in ihren Ländereien.

Allerdings ist es noch ein Stück bis dahin.

Gibt wieder schöne Schilder an der Seite, an denen ich merke, wie dumm ich bin, kein Altgriechisch zu können. Hab zwar meine Handy-Tastatur extra auf Griechisch gestellt, schaffe es aber nicht, die Buchstaben abzutippen, bevor ich die Lust verliere. Der Fotoübersetzer ist auch keine Hilfe. Aber neugierig bin ich schon. Hinweise zur Übersetzung von Schild eins, zwei und drei werden gern angenommen.

Blumenparadies rund um das Kloster Grigoriou

Die Mönche vom Kloster Grigoriou scheinen jedenfalls nicht nur literarisch begabt zu sein, sondern auch einen grünen Daumen zu haben.

Die ganze Straße, die Umgebung des Klosters Grigoriou und auch der Innenhof sind voll mit Rosen, Oleander und sonstwas für Blühkraut. Diese Blumenpracht gibt es hier auf Athos in dieser Fülle sonst nirgendwo.

Dazu fängt das Blumenparadies schon ziemlich weit vor dem Kloster Grigoriou an.

LKWs am St.-Gregors-Kloster

Das letzte Stück zum St.-Gregors-Kloster ist eine Betonpiste. Sogar mit Verkehr. Klar, ein Land Rover. Was sonst.

Sollte mal meine Kleidung richten. Langen, schwarzen Pullover drüber. Reißverschluss der Monviso zu. Raffiniert geschlitzte Hosenbeine sind bei der Hitze hier am Hang zwar genial, aber im Kloster natürlich extrem unpassend.

Die Feuerwehr vom Kloster Grigoriou ist ein Magirus 192D11. Nettes Auto, aber da bleibt mein Herzschlag ganz ruhig.

Anders beim Mercedes SK 1429 AK, der mit gekippter Fahrerkabine im Bauhof des Klosters Grigoriou steht. Da kriege ich Puls. Sorry, Magirus. Aber da kann ich nichts machen. Wo die Liebe nunmal hinfällt.

Gott und Gottvertrauen in Grigoriou

Das ist doch die Gelegenheit, mal einen OM 442 zu bewundern. Allerdings verwehrt mir ein Mönch barsch den Zutritt. Manno. Ich greife zur Notlüge, dass ich Mercedes-Mechaniker wäre. Da hellt sich Gott sei Dank sein Gesicht auf und er begleitet mich zum LKW. Der (auch nicht echte) Mercedes-Mechaniker begrüßt mich mit Schwarzhandschlag.

Er repariert die Hauptbremsleitung mit einem Stück Gartenschlauch und zwei Schlauchschellen. Sag mal nichts dazu. Dabei ist die Zufahrt zum Kloster Gregorio echt steil und lang. Und der V8 mit seinen 15 l Hubraum ist zwar groß und stark, wird einen voll beladenen SK 1429 AK aber auch nicht allein zum Stehen kriegen. Also mir fehlt da echt das Gottvertrauen. Aber wenn die Drucklufttanks leer sind, machen wenigstens die Federspeicher zu.

Bei der Verabschiedung fragt mich der Mönch, welche Religion ich habe und ermahnt mich, dass ich ehrlich sein soll. Klar, ich lüge nie. Also keine. Plötzlich blankes Entsetzen. Er reißt die Augen auf, bekreuzigt sich und äußert seinen tiefen Wunsch, dass ich den Weg zu Jesus Christus noch finden möge, wofür er ab sofort betet.

Das ist ja sehr nett, aber angesichts der Bastelei an der Bremsanlage hab ich ja auch nicht die Augen aufgerissen und mich voller Entsetzen bekreuzigt. Doch das denke ich natürlich nur. Bin Gast und halte meine Klappe.

Natürlich ist es ein gutes Gefühl, wenn ein Mönch für mich beten will. Meinen Namen hat er ja. Die Frage ist nur, ob sein Vorgesetzter eine Verbindung herstellen kann zwischen dem coolen Mercedes-Mechaniker Tom und mir.

Lerne aber, dass sich mir mit meiner Geschichte vom Kloster-Unimog-Mechaniker alle Türen öffnen, obwohl ich noch nicht einmal den falschen Glauben habe. Da sieht man wieder, dass es darauf auch gar nicht so genau ankommt, denn selbst der orthodoxeste Mönch braucht irgendwann einen Mechaniker für seinen LKW, einen Doktor für seine Gebrechen und eine Katze für die Mäuse. Da kann man schon mal Abstriche von ein paar Grundprinzipien machen.

Das kleine, süße Klösterchen Grigoriou

So richtig imposant ist das Kloster Grigoriou eigentlich nur aus der Ferne. Wenn man direkt davor steht, wirkt alles locker, leicht und einladend.

Die ganze grüne Pracht lässt mich doch eher Dolce Vita als strenges klösterliches Leben annehmen. Spüre hier in Grigoriou jedenfalls wie sonst kaum in einem anderen Kloster auf Athos das mediterrane Flair der Ägäis.

Auch innen ist das Kloster Grigoriou recht klein, aber durch die Blumenpracht und die süße Kirche wirklich hübsch.

Überall wächst und gedeiht irgendetwas.

Und wo nichts wächst, stellt man einen großen Blumentopf hin.

Jedes Kloster hat übrigens zwei solcher Schlaginstrumente. Ein Brett und meist noch ein rundes Metallstück. Damit werden dann irgendwelche Nachrichten durchgegeben. Bräuchten wir zu Hause auch mal.

Überhaupt dürften hier im Kloster Grigoriou nur unwesentlich mehr Leute am Abendbrotisch sitzen als bei uns zu Hause.

Kirche im 17. Kloster Grigoriou

Dieses Kloster Grigoriou mit der roten Kirche ist echt ein Kleinod vor dem Herrn.

Ich versuche natürlich, alles mit Respekt zu behandeln und gehe nicht ins Allerheilgste.

Frage mich nur, was der Schuppen an der Kirche soll.

Die Reliquien des Klosters werden ja ganz sicher nicht in so einer Bretterbude aufbewahrt. Sondern hoffentlich hinter dicken Mauern und schweren Fenstergittern. Es gibt zwar hier keine Piraten mehr, aber man weiß nie. Denn früher waren die ganz schön aktiv und haben ständig die Klöster ausgeraubt.

Abmarsch vom Kloster Grigoriou

Die Rückseite vom Kloster Grigoriou ist recht schlicht, weil der Hang ja weiter ansteigt. Hier dominieren Gärten und Gemüsebeete.

Der Weg zum nächsten Kloster Dionysos beginnt nach meiner Karte irgendwo hinter dem Kloster Grigoriou. Hab erst ein paar Schwierigkeiten, den richtigen Ausgang aus diesem Gartenparadies zu finden, aber so viele Möglichkeiten gibt es ja nicht.

Der Pilgerweg führt recht schnell hoch auf die Klippen und bietet immer wieder schöne Ausblicke. Im Foto sieht man links unten das Kloster Grigoriou und rechts oben das Kloster Simonos Petras. Zwischen den beiden Klöstern gibt es aber keine direkte Piste. Die einzige Verbindung ist der kleine Pilgerweg über den Klippen am Meer. Und der ist jetzt abgehakt.

Weiter geht’s zum nächsten Kloster Dionysiou. 

Infos zum 17. Kloster Grigoriou

  • Offizieller Name: Heiliges Kloster Osiou Grigoriou / Ιερά Μονή Οσίου Γρηγορίου
  • Klosterhierarchie von Athos: 17. Rang
  • Gründung: 14. Jahrhundert durch den Asketen Gregorios, Schüler von Gregorius vom Sinai
  • Zerstörungen: 15. Jh. durch Piraten, 1500 und 1762 durch Brände
  • Das heutige Katholikon (1768) und die meisten Wandgemälde entstanden erst nach dem Großbrand von 1762.
  • Reliquie im Kloster Grigoriou: Splitter vom Kreuz Jesu, Ikone Unserer Lieben Frau Palaiologina
  • Anzahl der Mönche 2022: Etwa 70 „mit hohem Bildungsstandard“
  • Bibliothek: 280 Manuskripte und 6000 Bücher
  • LKWs: Magirus 192D11, Mercedes SK 1429
  • Zufahrt: Serpentinenpiste vom Mt. Antiathonas; eigener Fähranleger
  • Mehr Infos zum Kloster Grigoriou: Wiki
  • Alte Infoseite von Mountathos.gr (Webarchiv 2016): Klick
  • Wanderstrecke: Simonopetra – Mylos Profiti Ilia – Kloster Grigoriou | 2,7 km lt. Karte (3,2 km mit Umwegen) | 0,75 h netto | 173 m Aufstieg | 448 m Abstieg | 621 m gesamt
  • Der neue GPS-Track von Simonopetra zum Kloster Grigoriou ist rot in der Karte eingezeichnet.

Das könnte dich auch interessieren …

9 Antworten

  1. Stiller Mitleser sagt:

    Schöne Fotos, netter Bericht da geht einem ja so richtig das Herz auf.
    Die „Schlaginstrumente“ (das Simantron oder Talanton in der Hand gehalten, der Kopanos ist der den Du im Bild zeigst), mit denen wird zum Gottesdienst gerufen. Soll auf Mose zurückgehen, wie er bei der Sintflut die Tiere zur Arche rief, wobei die Arche die Kirche versinnbildlicht.

    • Tom sagt:

      Danke, das macht das Kloster Grigoriou. Ich schreibe ja nur auf, was ich sehe. Und die Handyfotos dazu sind auch nicht extra arrangiert. Aber es freut mich, wenn die Stimmung rüberkommt.

  2. Stiller Mitleser sagt:

    Auf dem langen Schild was zwischen die zwei Bäume genagelt ist steht, „der bedeutendste Sieg ist der über das eigene Ich“.
    Auf den anderen Brettern stehen diverse fromme Sprüche, scheinen die Grigoriou-Mönche da so zur Erbauung aufgehangen zu haben.
    Das Papier in der Plastikhülle ist ein frommer Text, in gereeimter Form, leider reicht die Auflösung nicht zum Lesen.
    Ja, manche Kater tragen auch schon mönchisch schwarz, macht schlank.

  3. Peter sagt:

    Hallo Tom,
    beim Versuch den Teil deiner Athos Reise zu klicken/öffen bekomme ich die Fehlermeldung:

    Fehler: Umleitungsfehler

    Beim Verbinden mit 7globetrotters.de trat ein Fehler auf.

    Dieses Problem kann manchmal auftreten, wenn Cookies deaktiviert oder abgelehnt werden.

    Ich nutze Win7 über Firefox.
    Wollte das einfach mal Rückmelden, hatte da noch nie Probleme in deinem Blog.

    Gruß Peter

  4. Peter sagt:

    Hallo Tom Danke,
    jetzt können „alle“ teilnehmen!

    Gruß Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert