3-Türme-Weg Weimar: Sieh, das Gute liegt so nah
Tolle Herbstwanderung auf dem Thüringer 3-Türme-Weg zwischen Weimar und Bad Berka mit Hainturm, Paulinen- und Carolinenturm.
Herbst in Thüringen
Der Herbst in Thüringen ist traumhaft. Kleine Dörfer, sanft fließende Horizontlinien und überall diese Farbexplosion. Bleibe also mit dem Mercedes 711D spontan an einer kleinen Schotterpiste stehen.
Scheint sowieso eine Sackgasse zu sein. Schaue trotzdem mal kurz nach, wo die 4 abzweigenden Wege noch hinführen. Aber nein, das sind alles Wald-, Feld- und Wiesenwege.
Köttendorf in Thüringen
Aber da kann ich ja gleich mal ein Stück auf den nächsten Berg spazieren gehen. Von oben sieht man schön den Ettersberg bei Weimar, die A4 und das kleine Köttendorf. Ach komm, ist nicht weit. Lohnt sich schon für diesen schönen W126.
Hinter Dorf und Autobahn fängt der Wald vom Schloss Belvedere Weimar an. Immerhin Weltkulturerbe. Also auch noch dahin. Das Wetter ist einfach zu schön. Und da lerne ich die A4 auch mal von unten kennen.
Hainturm
Huch, hier steht ja ein Turm mitten im Wald.
Und zwar der Hainturm, wie eine gebildete Tafel mit weiteren Geschichten erklärt. Mann, da gibt es ja noch einen QR-Code. Und so lande ich bei einer App zum Thüringer 3-Türme-Weg. Wenn ich übrigens bei meinem Androiden die Home-Taste länger drücke und den linken QR-Code einkreise, komme ich direkt zur App. Das ist für mich mal die Gelegenheit zu betonen, dass ich zufällig hier gelandet bin. Also keine Einladung, keine Vorteile, keine Bezahlung. Schreibe den Artikel, weil ich begeistert von Thüringen bin und diese Freude gern teile.
Spontane Lust auf den 3-Türme-Weg
Jedenfalls höre ich schon am Hainturm die erste Geschichte aus der App an und muss sagen, die ist wirklich gut gemacht. Das weckt Lust auf mehr. Der 3-Türme-Weg ist allerdings 26 km lang, es ist jetzt 14 Uhr und ich habe in der letzten Stunde gerade mal 2 km geschafft. Man darf halt nicht immer mit Leuten quatschen, Graffitis anschauen, Fotos machen oder Birnen schnabulieren.
Hmm. 14 Uhr ist eigentlich viel zu spät, um im Herbst eine 26-km-Wanderung anzufangen. Hab zwar einen Rucksack dabei, aber da ist nichts drin außer Holzjacke, Laptop und Powerbank. Wollte mich nämlich eigentlich in die Sonne setzen und arbeiten. Aber zumindest die Powerbank ist nützlich, denn mit leerem Handy kann ich weder Fotos machen noch mich im Dunkeln orientieren. Und dunkel wird es werden.
Aber jetzt hab ich Blut geleckt. Könnte doch den ganzen 3-Türme-Weg ablaufen. Es ist noch vier Stunden hell und es liegen noch 24 km vor mir. Wandersocken und Wanderschuhe habe ich gewohnheitsmäßig an. Powerbank ist dabei. App ist aufs Handy geladen. Das Wetter ist schön. Und irgendwas zu essen werde ich unterwegs schon finden. Also los jetzt.
Weltkulturerbe Belvedere Weimar
Die Wanderapp hat zudem den Vorteil, dass ich an den Infotafeln nicht stehen bleiben muss, sondern mir die Geschichten, Interviews und gebildeten Vorträge im Laufen anhören kann. Trotzdem schaffe ich nicht den notwendigen Schnitt von 6 km/h, weil es hier und heute einfach zu schön ist. Da muss man sich schon mal hinsetzen, einen Handyhalter basteln und ein Selfie machen.
Ich bin zwar gegen den Uhrzeigersinn und damit in der falschen Richtung unterwegs, aber die einzelnen Stationen auf dem Thüringer Drei-Türme-Weg kann man in der App auch manuell anwählen. Wirklich gut gemacht. Man müsste nur die Richtung wechseln können. Und ich bräuchte mal Kopfhörer. Kriege ja noch einen steifen Arm von der Informationsdichte am Ohr.
An der kleinen Brücke im Schlosspark Belvedere Weimar wäre ich z.B. ohne Hinweis glatt vorbeigelaufen. Und dann wüsste ich auch nicht, dass früher das obere Tal gestaut war und die Herzöge und Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach hier Bootsfahrten veranstaltet haben.
Schon am Schlosspark Belvedere hab ich 100 Fotos im Kasten. Die Brücke, das Tal, die Laubfärbung, ein Traum. Allerdings lässt meine Wanderausrüstung zu wünschen übrig, denn es reißt auch noch der Rucksackriemen ab. Das ist ja wirklich mal was ganz Neues, dass an einem Ortlieb-Rucksack irgendwas kaputt geht. Helfe mir mit einem Knoten und bin da auch nicht sauer. Denn der zur Fahrradtasche umgebaute Velocity hat mir in Tunesien das Leben gerettet, den werde ich ewig in Ehren halten. Und nein, den schicke ich nicht zu Ortlieb zur Reparatur. Meinen geliebten Rucksack trage ich auch mit Knoten im Trageriemen.
Wolkentürme auf dem Drei-Türme-Weg
Der Wiesenweg läuft geradewegs auf die Autobahn A4 zu. Soll ich vielleicht über die Mautbrücke klettern? Aber nein, es gibt eine kleine Schikane mit Unterführung. Schade eigentlich.
Über dem Thüringer 3-Türme-Weg türmen sich nun die Wolken. Aber das ist bestimmt so organisiert, und ich bin ja auch nicht aus Zucker.
Nur so richtig regnen sollte es nicht, denn an meiner Ausrüstung sind abgesehen vom Ortlieb-Rucksack nur die Wanderschuhe wasserdicht. Allerdings bleiben die Füße da drin nur mit Gummizug und den dicken Falke Wandersocken blasenfrei.
Vollersroda und die Feininger-Kirche
In Vollersroda steht die Kirche auf dem Wanderplan. Mich interessieren aber mehr ein paar Äpfel, die für arme Seelen bereitliegen. Oder sind die gar nicht zum Mitnehmen? Schließlich ist das ganze Dorf herbstlich geschmückt und das könnte ja Deko sein. Bin also vorsichtig und nehme lieber nur einen kleinen Apfel. Vielen Dank dem Spender.
Die Feininger-Kirche in Vollersdorf am Thüringer 3-Türme-Weg heißt nur deswegen so, weil die Feininger mehrfach gemalt hat. Bin jetzt nicht so der Kunsthistoriker, aber das wird in der Wanderapp alles genauestens erklärt.
Was aber nicht erklärt wird, und was auch ich mir nicht erklären kann, ist, warum Vollersroda ein Oldtimerdorf ist. Aber das kann ich jetzt wirklich nicht mehr untersuchen. Keine Zeit.
Ein Stück Goetheweg
Sieh, das Gute liegt so nah. Goethe hat es gewusst und in schöne Worte gekleidet. Hier rund um Weimar nimmt sowieso alles auf Goethe Bezug. Ein Stück des 3-Türme-Wegs liegt auch auf dem Goethe-Erlebnis-Weg.
Und ja, ich laufe den Zacken über die Felder und nicht direkt an der Straße lang. Bleibe also wirklich genau auf dem 3-Türme-Weg.
Gasthaus Balsamine am Thüringer 3-Türme-Weg
Nebenbei höre ich mir die Stories aus der App an. Mich begeistert immer, wie aktiv sich vor 150 Jahren das Bürgertum in den Dienst des Gemeinwohls gestellt hat. Da gab es eine Umfrage nach den schönsten Aussichtspunkten in Thüringen und dann hat man halt irgendwo im Wald ein Gasthaus errichtet.
Das Waldrestaurant Balsamine an der zum Errichtungszeitpunkt angeblich zweitschönsten Aussicht Thüringens ist heute aber geschlossen. Und auch die Sichtachse nach Buchfart wächst langsam zu. Denn heutzutage wäre es böse, wenn das Bürgertum einfach die Kettensägen nehmen und die Aussicht wieder freischneiden würde. Dafür macht jetzt eine App Appetit auf hausgemachtes Essen in der Balsamine, was mir aber angesichts des geschlossenen Ausflugslokals ganz und gar nichts nützt.
Buchfarter Felsenburg
Lerne als nächstes was über die Buchfarter Felsenburg. Nur ist die gesperrt und ein Betreten auch ziemlich gefährlich. Gerade ich bin nach den tunesischen Erfahrungen vorsichtig. Aber man wird ja wohl mal gucken dürfen.
Problematisch ist nur langsam die Versorgung, denn es gibt hier überhaupt kein Streuobst. Unten im Ilmtal hat das Ilmstübchen zwar geschlossen, aber die Tür steht offen. Auch die Schilder mit der Werbung für den Thüringer Pflaumenkuchen stehen noch draußen. Gehe also rein und verlange ein Stück Pflaumenkuchen. Schränke aber angesichts der völlig leeren Regale und Schränke schon ein, dass ich auch alles andere nehme. Die gute Frau ist zwar nicht im Dienst, kramt aber aus der Küche noch ein paar alte Kuchenstücken hervor. Da sage ich nicht nein. Also herzlichen Dank dem Ilmstübchen Buchfart. Hat mich vorm Verhungern gerettet.
Ilmbrücke und Mühle Buchfart
Unten an der rauschenden Ilm klappert eine Mühle, die zwar kein Mehl mehr macht, dafür aber im Jahr 50.000 Kilowattstunden. Langsam dreht sich das Wasserrad neben der alten, überdachten Holzbrücke.
Wirklich wunderbar hier in Thüringen. Über die Holzbrücke Buchfart würde ich gern mit dem Bus fahren. 9 Tonnen passt ja, aber da steht auch was von 2,90 m Höhe. Das wäre zu wenig, sieht aber irgendwie passend für meine 3,05 m incl. Aufstelldach und Solaranlage aus.
Reicht das nun oder reicht das nun nicht? Könnte mir ja irgendwo einen Zollstock ausborgen. Ach Quatsch, hab keine Zeit, denn ist schon 16:00 Uhr und ich bin noch nicht mal auf der Hälfte vom Drei-Türme-Weg. Also schnell den Kuchen reinschlingen und weiter.
Töpferweg nach Bad Berka
Der Töpferweg nach Bad Berka ist wieder so ein traumhafter Abschnitt auf dem 3-Türme-Weg. Der schmale Pfad ist gesäumt von dicken Buchen, die in schönstem Gelb leuchten.
Ja, und ich würdige auch den Erinnerungsstein an den hiesigen Revierförster. Dass er Anführer des 1848er Aufstands war, scheint man ihm nicht vergessen zu haben. Ich aber nutze die Erinnerungsbank genau auf meiner Hälfte vom 3-Türme-Weg nur, um mir den Pullover auszuziehen. Denn ich darf jetzt nicht mehr unter 6 km/h absacken. Und da reicht ein T-Shirt völlig aus. Selbst im Oktober.
Auch in Bad Berka hat Goethe wie überall im Weimarer Land Spuren hinterlassen. Denn erst nach seiner Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde das Kurbad Bad Berka errichtet und ist heute immer noch im Betrieb. Leider gibt es nur eine einzige Stelle, an der man auch mal freien Blick auf die Stadt hat.
Paulinenturm Bad Berka
Das ist oben auf dem Paulinenturm über Bad Berka anders. Nach 50 Cent, 145 Stufen und einer schweren Holzklappe stehe ich allein oben auf der Turmspitze. Das ganze Weimarer Land liegt mir zu Füßen. Der Blick schweift vom Thüringer Wald über Bad Berka, Erfurt, Weimar bis nach Jena. Dazu die bunten Bäume. Frage mich wirklich, was man in der Ferne soll, wenn es hier so schön ist.
Der Abstieg vom Paulinenturm ist auch nice.
Aber jetzt geht die Sonne unter. Muss mich sputen, denn wenigstens bis zum Carolinenturm will ich es ja noch im Hellen schaffen. Das sind nochmal 5 km. Also kurz ein Foto von der Elsbeere vor dem Paulinenturm und ab in den Wald.
Carolinenturm am 3-Türme-Weg
Bin immer noch im T-Shirt unterwegs und achte weiter darauf, dass ich nicht unter 6 km/h sacke. Treffe auf der ganzen Wanderung übrigens vier Leute, davon hier oben eine Oma mit ihrem Enkel gleich zweimal.
Schaffe es gerade so im letzten Tageslicht bis zum Carolinenturm. Die wohltätige Tochter des Weimarer Erzherzogs ist schon mit 20 gestorben und daher zur Legende geworden. Vorher wusste ich das noch nicht, sondern erst aus den interessanten Vorträgen in der App.
Leider ist der Carolinenturm schon geschlossen und macht erst nach der Winterpause im April wieder auf. Scheint auch komplizierter zu sein, an den Schlüssel ranzukommen. Bin jetzt mit 497 m auf dem höchsten Punkt der Wanderung. Nun geht es prinzipiell nur noch bergab. Zieh mir also doch lieber mal wieder meinen Pullover an.
Ab Müllershausen brauche ich Licht am Handy und die Powerbank nun schon zum zweiten Mal. War klar, dass ich ohne meine Powerbank die Wanderung nicht hätte machen können. Hab ja keine Karte, keine Lampe und nichts. Und im stockdunklen Wald sind Wege oder gar Wegmarkierungen nicht mehr zu erkennen.
Waidstein Oettern am Thüringer 3-Türme-Weg
Mit der Handylampe geht’s aber, und ich stolpere die letzten sieben Kilometer runter nach Oettern. Nebenbei läuft auf dem Handy bisschen Musik, damit es nicht ganz so unheimlich im Wald ist. Schließlich knackt und knirscht und flattert es überall rechts und links. Da gilt die alte Regel, dass man sich nicht umdrehen darf. Denn hinter einem ist alles dunkel und unheimlich. Nach vorn spendet das bisschen Licht Mut.
Meine letzte Attraktion auf dem 3-Türme-Weg ist der Waidstein an der Kirche in Oettern. Wie das alles zusammenhängt, wird in der App genau erklärt. Muss ich hier nicht wiederkauen. Jedenfalls hat man damit im Mittelalter blaue Farbe und Thüringen reich gemacht.
Endlich wieder am Bus
Hinter Oettern gibt es noch die Einsiedelei eines schwulen Kosmopoliten aus feinem Hause, der hier im Wald die Kriegsjahre überstanden hat und in Oettern hochgeschätzt war. Würde ich mir auch gerne angucken, aber es ist wirklich nichts mehr zu erkennen. Gehe also das letzte Stück nur noch mein Stück Schotterpiste hoch und freue mich, dass der Bus noch da steht.
Dieses Stück vom 3-Türme-Weg fehlt mir eben. Ist mir jetzt auch egal, dafür bin ich 27,5 km statt der versprochenen 26 km gelaufen. Aber der Abend ist so schön, dass ich mir noch ein Lagerfeuer anmache. Wobei, das ist ja gar kein verbotenes Lagerfeuer, sondern ich habe eine legale Grillschale. Sogar mit Silikonunterlage, damit die Wiese nicht verkohlt.
Mit der feuerfesten, faltbaren Unterlage kann man wirklich stundenlang Feuer machen und es können Stöcke brennend auf das Silikon fallen, da passiert nichts. Insofern sitze ich also am Abend ganz allein am Lagerfeuer, freue mich an der schönen Wanderung über den 3-Türme-Weg zwischen Weimar und Bad Berka sowie und am Thüringer way of life und diktiere voller Begeisterung diesen Text. Goethe hat es schon lange gewusst: Sieh, das Gute liegt so nah.
Am Morgen danach aber ist von meinem Grillfeuerchen nicht eine Spur zu sehen. Auch die Glut in der Feuerschale zerfällt zu ganz feinem Staub und kühlt total aus. Diese Grillschale ist wirklich eine der besten Errungenschaften für den Bus in den letzten Jahren und nun mein ständiger Begleiter. Stabil, robust und sicher. Das dürfte jedem Oberförster gefallen, der hier vorbeikommt.
Infos und Werbung
- Offizielle Infos der Stadt Bad Berka zum 3-Türme-Weg nach Weimar: Klick
- Der Marker in der Karte zeigt den „richtigen“ Startpunkt am Parkplatz Bad Berka.
- Kleine, kräftige Powerbank für Handy und Laptop (INIU 100W mini, gekauft 08/2025, seitdem immer im Einsatz): Klick
- Das Lagerfeuergebläse ist seit 4 Jahren im Dauereinsatz (Flextail Tiny Pump): Klick
- Mein Standard-Wander- und Laptop-Rucksack ist der Ortlieb Velocity (ortlieb.de): Klick
- Klappbare Lagerfeuerschale mit Grillrost (Winnerwell Flat Firepit von arts-outdoors.de): Klick
- Feuerfeste Carbonunterlage (arts-outdoors.de): Klick







































