Norwegen: Sognefjellveien – höchste Passstraße Skandinaviens
Der Sognefjellveien ist mit 1434 m die höchste Passstraße Skandinaviens und beim heutigen Kaiserwetter ein Traum in Weiß-Blau-Grau.
Mautproblem am Tindevegen
So langsam muss ich mein Mautproblem für den Tindevegen lösen und brauche dazu Internet. Im Hubbett gibt es zwar dank der selbst gebauten Ausstellfenster frische Luft, aber keinen Handyempfang.
Gestern war ich auf Suche nach Internet schon rechts hinten auf dem Berg. Leider erfolglos.
Heute versuche ich es mal links auf dem Hügel mit Steinmann.
Weiß mittlerweile, dass es gar nicht so einfach ist, dieses namenlose, aber reißende Flüsschen zu überqueren und nehme lieber die Straßenbrücke des Tindevegen
Unterwegs huschen immer wieder Mäuse quer über den kleinen Pfad. Verschwinden aber schnell wieder im dichten Kraut rechts und links. Wenigstens hält der Hartriegel für ein Foto still.
Obwohl der angepeilte Hügel schon ziemlich ausgesetzt ist und fast vorne am Tal steht, gibt es auch hier kein Internet. Das ist wirklich ungewöhnlich für Norwegen.
Aber was soll‘s, es ist ein schöner Spaziergang in der Morgensonne. Der Blick zurück zeigt die Serpentinenstraße Tindevegen mit dem Storen (2405 m). Wobei das spitze Ding auch der Store Austansbottstind mit 2203 m sein könnte, hinter dem sich der eigentliche Chef des Bergmassivs versteckt.
Als ich mautmäßig erfolglos zurückkomme, sitzen alle schon beim Frühstück. Dann räumen die Kinder zusammen, während ich den Motor vorheize. Naja, genau genommen drücke ich nur aufs Knöpfchen, aber das muss ja nicht jeder wissen. 11:30 Uhr hat der Motor 60 Grad und ich starte bei blauem Himmel und strahlender Sonne auf den steilen Tindevegen. Im ersten Gang.
Ganz oben auf dem Pass steht eine Bezahlstation mit einem Automaten für die 120 norwegischen Kronen. Damit ist mein Mautproblem auf dem Tindevegen ganz ohne Internet gelöst. Finde ich super.
Berdalsfjellet am Tindevegen
Ist so warm und sonnig, dass ich überhaupt nicht in der Gegend herumfahren, sondern nur zu irgendeinem Gletscher laufen und das Wetter genießen will. Den Gedanken haben heute am Samstag alle, wie die überfüllten Parkplätze am Tindevegen zeigen.
Turtagrø am Skauta-Fluss
Der Tindevegen übers Berdalsfjellet ist nicht besonders lang und windet sich schon bald ins Skautatal runter.
Nach kaum 20 km halten wir kurz vor Turtagrø am schönen Fluss Skauta, da alle baden wollen. Auch hier stehen die Autos der norwegischen Tagesausflügler dichtgedrängt auf den wenigen Parkflächen. Ist gar nicht so einfach, da niemanden zu blockieren.
Scheinbar sind es die Einheimischen, die heute das Wetter nutzen und ihr Zelt einfach irgendwo ins Fjell stellen.
An solch reißenden Bergflüssen ist es schwierig, ein geeignetes Badebecken zu finden. Aber unterhalb der Straßenbrücke passt das ganz gut. Dazu ist das Wasser mit 8°C überraschend warm.
Da werden wohl die hart besonnten Felsen wie ein Durchlauferhitzer wirken. Ist echt angenehm, sich nach dem kühlen Bad auf die warmen Steine zu legen.
Sognefjellsveien
Beim Baden an der Skauta wird mir klar, dass wir nicht mehr zum Jostedalsbreen fahren. Es wäre ja dumm, bei diesem schönen Wetter im Bus zu sitzen, statt Sonne, Ort und Zeit zu genießen. Die Kinder lieben es zwar, solche bekannten Stellen ab und zu mal wieder aufzusuchen, aber das kann ich jetzt nicht ändern. Und Gletscher gibt es hier oben in Jotunheimen auch genügend. Fahre nach dem Bad also nicht links runter zum Sognefjord, sondern rechts hoch auf das Sognefjell. Nach 5 km (und einer halben Stunde) auf dem Sognefjellsvegen parke ich den berglahmen Mercedes 711D am Oscarshaug und wir machen 14:00 Uhr Mittag.
Hier auf dem Sognefjellsveien sind wir im Herzen des norwegischen Hochgebirges Jotunheimen.
Weil ich mir nicht vorstellen kann, wozu man auf einen Doppelkabinen-Pickup einen Wohnaufbau setzt, quatsche ich mit einem Pirnaer Paar über ihren Toyota Hilux und schaue mir alles ganz genau an. Die beiden erklären mir viel und bringen mich zudem auf die Idee, ein Seitental hochzufahren und zur Kyrka zu wandern. Fahren also 16:15 Uhr weiter ins Sognefjell hoch.
Jotunheimen ist das Heim der Riesen, und der Sognefjellsveien die höchste Passstraße Skandinaviens. Trotz der Höhe sind 25°C. Heute gilt wirklich, was uns ein Norweger beim Baden gesagt hat: Norway delivers.
Am Fantesteinen, dem Landstreicherstein, hinter dem sich früher die Wegelagerer versteckt haben, liegt mit 1.434 m der höchste Punkt der höchsten nordischen Passstraße.
Von da geht es „rasant“ runter, also im 2. Gang. Wir nehmen noch zwei Anhalter mit, die zur Arbeit in einem Hotel müssen und deren Auto kaputt ist.
Mautpflichtiges Leiradal
Die Straße durch das Leiradal zum Kyrkja-Basislager (Leirdalsvegen) ist zwar zu bezahlende Privatstraße, aber leider keine Piste.
Das sieht zwar alles schön aus, aber mit Einsamkeit wird das hier nichts. An jeder freien Stelle stehen Kühe oder Wohnmobile im Leiradal.
Stellplatz an der Leirvassbu
Auch ganz am Ende der Straße zur Leirvassbu stehen ziemlich viele Fahrzeuge, Zelte und auch Wohnmobile. Wobei ich da schon sagen muss, dass ich Fahrzeuge nicht prinzipiell doof finde. Dieser Hägglunds Bandvagn 206 z.B. ist mir an jedem Stellplatz sehr willkommen. Dahinter die schiefe Kirche ist schon die Kyrkja (2032 m), unser Wanderziel für morgen.
Obwohl wir also schon kurz vor 17 Uhr am Ziel sind, bleibt vom Tag nicht mehr als ein kurzer Spaziergang, Abendbrot und noch ein Badeversuch im Gletschersee. Zwar scheint die Sonne noch wie verrückt, aber der See ist so kalt und flach, dass nur der Jüngste reingeht.
Ansonsten fühlt sich das Leiradal mit den ganzen Expeditionszelten wie ein richtiges Basislager an.
22:00 Uhr macht die Sonne dann langsam Anstalten unterzugehen.
01:40 Uhr geht der Vollmond auf und scheint ins Hubbett. Und ich kann nicht anders, als rauszugehen und noch ein paar Fotos zu machen. Hab nur leider die Hosentaschenkamera vergessen und muss mit dem Handy knipsen.
Tindevegen – Turtagrø – Sognefjellsveien – Leirdalsvegen – Leirvassbu | Norwegen | 70 km | 2.514 km




























