ᐅ Marokko: Fech-Fech in der Kem-Kem mit der Brumm-Brumm

So leise wie man bei all dem Weichsand (Fech-fech) denkt, ist es in der Wüste Kem-Kem nun auch wieder nicht: Heute früh lief erst der Generator an, dann kam ein Traktor und schließlich hat Achmed auch noch versucht, sein Moped zu starten.

Bikerhilfe an der typisch marokkanischen Dockers mit 70 cm³

Bikerhilfe an der typisch marokkanischen Dockers mit 70 cm³

Also standen wir wie gehabt um 8:00 Uhr auf und nahmen erst einmal einen Berber-Whiskey ein. Dann gab es Sirupbrote und den üblichen Smalltalk mit Achmed, der uns ein wenig von den Dinosaurier-Fundstellen in der Nähe erzählte. Als wir fertig gepackt hatten, halfen wir ihm noch beim Versuch, das chinesische Moped zu starten. Obwohl kein Zündfunke erkennbar war, hat er immer wieder die defekte Kerze durch eine kaputte ersetzt und den Anlasser durchgenudelt. Irgendwann haben wir es aufgegeben und sind losgefahren. Im Gegensatz zu gestern war die Strecke heute vor allem von Weichsandfeldern (Fech-Fech) und „mehr“ (also 3) Ansiedlungen geprägt. Zunächst war es noch sehr einsam und trotz der langen Fech-Fech-Felder mit dem tiefen Weichsand ganz gut zu fahren.

Das ist unschön: lange, verspurte Weichsandfelder (Fech-Fech)

Das ist unschön: lange, verspurte Weichsandfelder (Fech-Fech) in der Kem-Kem

Oued Rheris vor Ramlia

Auf halbem Weg begann dann der berüchtigte Oued Rheris vor Ramlia, vor dem uns Achmed schon gewarnt hatte. Zunächst waren es nur einfache Sanddünen, später kamen jedoch endlose Weichsandfelder (Fech-Fech) hinzu. Entsprechend schwierig war es, die voll beladene Maschine in der Spur zu halten und entsprechend froh war ich, nicht mit der fetten BMW unterwegs zu sein.

Einstieg in den Oued Rheris vor Ramlia

Einstieg in den Oued Rheris vor Ramlia

Spätestens an den ersten Dünen wurde die Pistenführung unübersichtlich. Bei einem kurzen Orientierungsstopp fuhr aber plötzlich ein Moped mit zwei Einheimischen an uns vorbei, die ausweislich der mitgeführten Schaufel offenbar von irgendeiner Feldarbeit oder vom Sandschippen kamen.

Unser Führungsfahrzeug durch den Oued Rheris vor Ramlia

Unser Führungsfahrzeug durch den Oued Rheris vor Ramlia

Wir grüßten freundlich und ich machte, dass ich hinterherkam. Das war aber gar nicht so einfach: Hinter jedem Gebüsch verzweigte sich die Piste neu und die Jungs waren ziemlich schnell unterwegs, sodass ich sie oft aus den Augen verlor. Die hiesigen Jungs aber wussten genau, wo der Boden hart und wo er weich war und legten ein beachtliches Tempo vor. Ich glaube auch, dass sie mich ein bisschen vorführen wollten.

Bodenloser Weichsand (Fech-fech), mehr Staub als Sand

Bodenloser Weichsand (Fech-fech), mehr Staub als Sand

Dazu kam, dass der tiefe Staubsand völlig unberechenbar war und ich mich 2x mit der überladenen KTM hingeschmissen habe, weil ich zu zweit und mit Gepäck nicht schnell genug war. Und das geht ganz schnell: Unklare Pistenführung => suchender Rundumblick => nachlassende Geschwindigkeit => tiefer einsinkendes Vorderrad => Vorderrad hat keinen Nachlauf mehr => fängt an zu pendeln => die ganze Karre bricht aus der Spur aus => krach, bumm, peng. Naja, wenigstens fällt man weich. Solange nicht der Fuß blöd drunter liegt. Im Sand hilft halt nur eines: Geschwindigkeit.

KTM im Dreck: Eindeutig zu langsam gewesen...

KTM im Dreck: Eindeutig zu langsam gewesen…

Wir zerrten die Maschine rasch aus dem Sand – und weiter ging es. Ich wollte schließlich an den lächerlichen 70-cm³-Mopeds dranbleiben. Dementsprechend freuten wir uns sehr über die ersten Palmen der Oase von Ramlia.

Die Oase Ramlia

Endlich: Die Oase Ramlia

Endlich: Die Oase Ramlia

Im Dorf hatten wir sie immer noch vor uns und folgten ihnen bis in die nächste Kneipe, in der wir erst einmal einen frischen Medizintrunk (Coca Cola) einnahmen.

Die Oase Ramlia besteht nur aus ein paar Lehmhäusern

Die Oase Ramlia besteht nur aus ein paar Lehmhäusern

Nach Ramlia wurde die Strecke besser, blieb aber landschaftlich reizvoll.

Einsame Wüstenpiste östlich von Ramlia

Einsame Wüstenpiste östlich von Ramlia

Die Zivilisation schreitet voran

Ab Jdeid begegneten uns auf der „normalen“ Piste dann wieder die klassischen Versorgungsfahrzeuge (W 123, MB 208 D, Isuzu).

Leichte Piste zwischen Jdeid und Taouz

Leichte Piste zwischen Jdeid und Taouz

Merzouga

In Taouz hatten wir die Wüstenetappe ganz hinter uns gebracht und fuhren auf feinstem Asphalt nach Merzouga. Dort spazierten wir noch ein bisschen in den Dünen herum, bauten das Zelt auf und saßen abends noch lange im örtlichen Café.

Der große Sandkasten von Merzouga / Erg Chebbi

Der große Sandkasten von Merzouga / Erg Chebbi

Reisetipps: Fech-fech, KemKem und Oued Rheris

Der zweite Teil der Piste von M’hamid/Tagounite durch die traumhaft schöne Wüste nach Taouz/Merzouga beginnt an der Auberge Dinosaur (Tel. Marokko 0678942322, mit Spritverkauf). Die Passage durch den Oued Rheris vor Ramlia ist aufgrund von tiefen, kilometerlangen Passagen von Weichsandfeldern (Fech-fech) ohne Ausweichmöglichkeiten selbst mit der KTM 690 Enduro R (mit 200 kg Zuladung) schwierig zu fahren. Solo mit der KTM ist die Strecke ein Enduro-Traum. Es gibt viel Sand und nicht so viele große, scharfkantige Steine wie in der Hamada, sodass man jederzeit auch querfeldein fahren kann. Mit einem schweren Motorrad wie der BMW R 1200 GS ist diese Piste extrem anstrengend. Hier könnte man einen echten Vergleichstest zur KTM 1190 Adventure oder zur Ducati Multistrada 1200 fahren.

Wer Sand liebt, wird jedenfalls seine Freude haben. Die Reisetourer sollten in Ramlia vielleicht einen Führer buchen (z. B. an der Auberge Oasis Ramlia, Tel. Marokko 0615932913, mit Spritverkauf). Uns wurde von zwei BMW GS-Fahrern berichtet, die nach der Durchfahrt durch den Oued aufgegeben haben und sich abholen ließen. Geländewagen wie Land Rover oder Land Cruiser haben bis auf einige kleinere Sanddünen sicher weniger Probleme. Auch für Allrad-LKW’s sollte es kein Problem sein, die Weichsandfelder zu überwinden.

Fahrzeuge ohne 4×4 sind im Oued Rheris mit seinem Fech-Fech chancenlos – im Hardcore-Teil der Strecke fahren auch keine Mercedes W123 oder 208D mehr. Die restliche Strecke von Ramlia bis Taouz ist etwas dichter besiedelt – es geht hier immer durch das (trockene) Flussbett des Oued Ziz. Ab und an Sandfelder, aber keine Schwierigkeiten. Asphalt von Taouz bis Merzouga.

Strecke: Auberge Dinosaur im Kem-Kem – Tafraoute Sidi Ali – Hassi Remlia – Hassi Ouzina – Taouz – Merzouga (125 km)

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