Oberlausitz: Rekordfahrt im Gegenwind
Im Prinzip geht es vom Isergebirge nach Dresden immer nur bergab. Tatsächlich aber auch 884 m hoch. Und das bei Gegenwind.
Milde Oktobernacht im Felsenbiwak
Na, diese milde Nacht auf der Radtour ins Isergebirge war kein Test für meinen superleichten Superschlafsack. Laufe im Mondschein mal barfuß bis hoch auf die Zimmerlehne und friere keineswegs. Und das soll Oktober sein. Aber klar, denn erst 7 Uhr wird der Horizont hell.
Und bald schon gibt es von oben am Felsen den Sonnenaufgang hinter dem Riesengebirge zu sehen.
Auch in die andere Richtung schöne Aussicht.
Geschlafen haben wir ja auf unserer Radtour ins Isergebirge hier unter diesem Felsvorsprung.
Zwei Luftmatten, zwei Schlafsäcke, fertig ist das Doppelbett.
Fades Frühstück am Wittichhaus
Wir trinken nur was und dann gehts los.
Der Weg zum Raubschützenfelsen ist zwar nicht so schlimm wie gestern der Aufstieg, aber trotzdem ziemlich doof.
Nach 3 km Gehopper sind wir unten auf der Asphaltstraße und fahren zum Wittichhaus.
Das Wittichhaus ist sogar schon geöffnet und wir kriegen heiße Schokolade und Brötchen. Dazu Kuchen, der aber mehr als falsch schmeckt. Wahrscheinlich ist der letzte Woche übrig geblieben.
Serpentinenabfahrt vom Isergebirge
Wir fackeln also nicht lange und lassen uns nach 20 Minuten Frühstückspause die besten Serpentinen im Isergebirge runterrollen. Mein Jüngster ist schon leicht genervt von meinen Sicherheitshinweisen, dass er die innere Pedale hochmachen, auf Splitt aufpassen, vorsichtig bei nassen Flächen sein soll und so weiter. Dabei bin ich es, der viel schneller fährt und unterwegs noch mit dem Handy herumfummelt, um Fotos zu machen.
Radweg 3016 hinter den Dörfern
Doch die 9 km vom Wittichhaus bis runter nach Hejnice (Haindorf) sind schon nach 20 Minuten vorbei und die ganzen Höhenmeter verloren. Durch die Serpentinen konnten wir die nicht einmal richtig ausnutzen und Tempo machen. Dafür geht es ab hier auf dem Radweg 3016 weiter, nun nicht mehr auf der Hauptstraße, sondern hinter den Dörfern herum.
09:15 Uhr müssen wir uns erstmal ausziehen, denn es wird langsam richtig warm. Sieht man zwar nicht, aber die kurze Radhose habe ich schon noch an.
Polnischer Koboldsturm
In Frýdlant v Čechách (Friedland in Böhmen) geht der Wind ins Tal rein wie verrückt. Ist schon fast ein richtiger Koboldsturm, bri dem man nicht weiß, ob der Wind von vorn oder von hinten oder von der Seite kommt.
Aber auf alle Fälle ist ein straffer Gegenwindanteil dabei. Also unter Mühen weiter nach Polen. Hinter Bogatynia / Reichenau in Sachsen pustet uns der Wind fast von der Straße.
Erst im Windschatten der verfallenen Gehöfte von Kopaczów (Oberullersdorf) wird es besser.
Durchs Umgebindewunderland
11:00 Uhr haben wir die ersten 52 km geschafft und rollen über die Grottauer Neißebrücke nach Zittau. Das ist immerhin die Geburtsstadt des Robur.
Unterwegs gibt es rechts und links der Mandau viele aufwändig sanierte Umgebindehäuser. Willkommen in der Oberlausitz.
Die Navigation sagt, dass wir noch 100 km vor uns haben und 18:00 Uhr zu Hause sind. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob wir das bei dem Gegenwind heute noch schaffen. Allerdings steht das für meinen Fünften außer Zweifel. Denn wir werden doch nicht 20 km vor dem Ziel noch einmal übernachten.
Abkürzung durch den Schluckenauer Zipfel
So langsam kriegen wir Hunger und finden in der alten Jugendherberge Neugersdorf fantastisches Essen. Aber trotz der schönen Kneipe trödeln wir nicht lang, denn auch das Wetter sieht so aus, als ob es langsam kippen will. Also kürzen wir wieder durch den Schluckenauer Zipfel ab.
Nach 95 km geht es noch einmal hart hoch auf den 481 m hohen Špičák / Spitzberg, der nicht nur so heißt, sondern sich auch genau so fährt. Spitz hoch, spitz runter. Dazu ist die Abfahrt so schnell und holprig, dass ich meine Radtaschen verliere. Das ist die Strafe dafür, dass ich immer die untere Fixierung der Ortlieb-Taschen weglasse. Aber gut, das macht den Taschen nichts.
Auch auf der tschechischen Seite gibt es viele Umgebindehäuser.
Noch kurz eine Kofola im nördlichsten tschechischen Ort Lobendava (Lobendau) und dann machen wir rüber über die Grenze.
Oktoberregen zum Abschluss
Schalte ab da entnervt die Navigation aus. Die will uns über irgendwelche idiotischen Strecken schicken, meistens runter auf den Elbradweg. Aber nein, wir bleiben oben im Hochland. Und ja, wir fahren manchmal Hauptstraße. Ist nicht viel los heute am deutschen Feiertag. Aber zumindest ich fahre dennoch schon prinzipiell lieber Feldweg als Straße.
Jetzt müssen wir uns langsam wirklich beeilen, denn der erste Oktoberregen steht am Himmel.
Nach Rossendorf fahren wir wieder voll gegen den Sturm. Und in Bühlau fängt es tatsächlich an zu regnen. Und zwar so richtig.
Wir werden ordentlich nass, erreichen aber nach 153 km glücklich die Haustür. War eine schöne Radtour. Nur leider fehlen noch 2 km am absoluten Brüderrekord.
Infos
Jeleni Stran / Zimmerlehne – Hejnice / Haindorf – Frýdlant v Čechách / Friedland in Böhmen – Bogatynia / Reichenau in Sachsen – Zittau – Oderwitz – Neugersdorf – Rumburk / Rumburg – Šluknov / Schluckenau – Lobendava / Lobendau – Neustadt in Sachsen – Langenwolmsdorf – Stolpen – Dittersbach – Rossendorf – Dresden | 153 km | 313 km ges. | 884 m ↑ 1.718 m ↓
























