Dolomiten: Leiferer Höhenweg von ganz unten
Spätherbstlicher Aufstieg von Bozen im Eisacktal über den Leiferer Höhenweg bis hinauf nach Deutschnofen am Fuß des Latemar.
Zelten über der Autobahn
Früh am Morgen ist es auf unserem Zeltplatz über der Autobahn noch ein bisschen feucht vom Regen, aber ansonsten ganz nett. Erstmal Wanderhose, Wandersocken und Wanderschuhe anziehen, denn heute geht’s über den Leiferer Höhenweg aus dem Eisacktal raus.
Der Biwakplatz über dem Bozener Tunnelportal war okay, nur nicht gerade ruhig. Aber meine Befürchtungen vom Autobahnkrawall haben sich nicht bewahrheitet. Dazu hat die Bozener Autobahnmeisterei mit schönen Fangnetzen für unsere Sicherheit gesorgt.
Die letzte Etappe des Dolomitenbiwaks
Der Gasbrenner läuft. Nebenbei Frühstücksbrote schmieren. Zelt abbauen. Heute beginnt der letzte Abschnitt meines Masterplans für die kindgerechte Dolomitenüberquerung von Brixen nach Bozen. Nur dass wir die letzte Etappe umgekehrt angehen und im 17. Jahr nur noch ein „Kind“ dabei ist. Aber im Prinzip sind jetzt alle fünf Kinder in verschiedenen Kombinationen und auf verschiedenen Etappen mit mir die ganze Strecke von Brixen über Plose, Peitler, Geißlerspitzen, Puez, Sella, Langkofel, Rosengarten und Latemar gelaufen. Autobahn und Wald allerdings hatten wir auf der ganzen Strecke am allerwenigsten. Doch diesmal fangen wir eben unten im Eisacktal an und wandern hoch auf die Bergspitzen des Latemar.
Ist schön, das Dolomitenbiwak mal im tiefsten Tal anzufangen und die Höhenmeter voll mitzunehmen. Aber irgendwie hat das nichts mit unseren Dolomiten zu tun. Dazu herrscht auf den Wanderwegen um Bozen wesentlich mehr Betrieb als auf den kleinen Bergpfaden der Dolomiten.
Leiferer Höhenweg aus dem Eisacktal
Erst ab der Haselburg wird es ruhiger, aber auch steiler.
Der Leiferer Höhenweg schmiegt sich hier ganz eng an die Felsen.
Ist wirklich unerwartet hübsch auf dem Leiferer Höhenweg hier „unten im Tal“.
Obwohl es immer bergauf geht, sind wir noch nicht einmal auf halber Höhe und dem Eisacktal wesentlich näher als Deutschnofen.
Doch ganz kontinuierlich gewinnen wir auf dem Leiferer Höhenweg an Höhe.
Gibt neben Esskastanien auch eine Menge Pilze.
Und manchmal rollen ein paar süße Äpfel von den Plantagen runter zum Weg. Lecker.

Wasser und Wärme produzieren im Eisacktal eben doch einen bemerkenswerten Überschuss.

So langsam ist der Spaß vorbei und es wird richtig steil.
Ultraleicht oder ultrasicher?
Warm wird es auch noch, so dass ich nicht nur den Reißverschluss meiner Regenhose hochziehe, sondern gleich das ganze Ding hochkrempel.
Ich nehme ja immer nur die eine Universalhose mit. Besser schwitzen als schleppen. Wenn Vaude an der Monviso die Hosenbeine zum Abnehmen konstruieren würde, wäre die noch besser. Aber jeder hat klamottenmäßig eine andere Strategie. Und die mit Gottvertrauen und einer leichten Wanderhose ist heute definitiv besser. Regnet und windet ja nicht.
Ich bin zwar Ultraleichtfreak, aber Sicherheit geht dann doch vor. Nur beim Trinkwasser bin ich relaxt. Hab keinen Bock, Unmengen Wasser den Berg hoch zu schleppen. Gibt doch überall Nachschub.
Trage jetzt übrigens doch den blauen 60-l-Rucksack, weil mein Größter und Jüngster mit seinem langen Rücken besser mit dem grünen 70-l-Rucksack zurechtkommt.
Spörlhof über dem Eisacktal
14:30 Uhr sind die ersten 1000 Höhenmeter geschafft und wir stehen vor dem Spörlhof über dem Eisacktal.
Ich mag ja mehr so die spitzen Berge. Aber selbst hier im „einfachen Südtirol“ kann man nett wandern.
Kaffeekränzchen in Deutschnofen
15:45 Uhr. Deutschnofen. Alle haben jetzt richtig Hunger, denn die aufgelesenen Äpfel reichen nicht weit. Gibt einige schöne Kneipen, die auch offen sind. Aber wir sind zur Unzeit unterwegs. Jetzt genießt man in Südtirol Kaffee und Kuchen. Alles ist voll, aber es gibt nichts zu essen.
Zwei Kneipen schicken uns zum Sportplatz, und dort frage ich den Wirt gar nicht erst, ob er etwas zu essen hat, sondern was er drei kurz vor dem Verhungern stehenden Wanderern um diese Kaffeekränzchenzeit anbieten kann. Der gute Mann hat Mitleid und macht drei Portionen Bratkartoffeln mit Hühnerbrust und Bohnen im Speckmantel. Dazu Krautsalat und einen großen Brötchenkorb, der auch leer wird. Ich danke es ihm mit reichlich Trinkgeld und treibe alle weiter durch die herbstlichen Wälder.
Problematische Biwaksuche
Ich interessiere mich für den Schlern, meine Familie fürs Spa und die hübschen Zimmer. Nichts da, wir müssen weiter.
Es ist nämlich schon 17:40 Uhr, und ich habe Bedenken, ob wir das ganze Programm von Bozen über das Latemar zum Karerpass überhaupt in drei Tagen schaffen. Also müssen wir abends ein bisschen länger laufen. Kommt, da hinten leuchtet das Latemar doch schon. Da beginnen die richtigen Dolomiten. Ist zwar dumm, an der Straße lang zu laufen. Das ist mir aber lieber, als wegen sinnloser Umwege an der Latemarüberschreitung zu scheitern. Und so wird gelaufen und gelaufen.

Erst als es dunkel wird und die Beschwerden eindrücklicher vorgetragen werden, fange ich überhaupt erst mal an, einen Biwakplatz zu suchen. Aber nun kommt und kommt kein Zeltplatz mehr. Mit einem Kind an jeder Hand würde ich jetzt noch eine Runde Gummibärchen ausgeben und laufen, laufen und laufen. Aber so funktioniert das nicht mehr, da fehlt einfach das Grundvertrauen. Naja, wenigstens kann ich nach wie vor irgendwo frei zelten und muss nicht in so ein dummes Spa gehen. Um es aber nicht allzu sehr auf die Spitze zu treiben, erkläre ich dann doch die erstbeste Gelegenheit an einer Ausweichstelle zu unserem Nachtquartier. Lasse aber lieber mal das Rotlicht an, denn wir stehen direkt an der Fahrstraße.
Zwar ist der Waldweg ruhig, aber weiter hinten kommen noch ein paar Häuser. Und so gefällt mir dieser Straßenzeltplatz ganz und gar nicht. Aber der Wald ringsum ist viel zu steil für ein Zelt. Naja, zumindest stehen wir halbwegs gerade und nicht auf der Straße. Und so soll es eben sein.
Infos und Werbung
- Wanderstrecke: Bozen – Leiferer Höhenweg – Seit – Spörlhof – Deutschnofen – Moos | 18,8 km | 1333,0 m ↑ 285,0 m ↓
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