ᐅ Nachtexpress durch Mazedonien und Albanien

Thessaloníki. Wir wollen zur Adria. Das geht von hier am besten im Transit durch Mazedonien und Albanien. Die Strecke bis zur Grenze ist nur am Anfang Autobahn und etwas gebirgig, fährt sich aber recht zügig.

Mazedonien / F.Y.R.O.M.

Die frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien (Former Yugoslav Republic of Macedonia / F.Y.R.O.M.) hat wegen des sicher nicht unberechtigten Namensstreits mit Griechenland zwar noch keinen richtigen Namen, aber mittlerweile wenigstens eine hübsche und allgemein anerkannte Flagge. Nur der frische Wind fehlt jetzt etwas.

Transit von Griechenland durch Mazedonien und Albanien

Grenzabfertigung problemlos. Mazedonien bzw. F.Y.R.O.M. empfängt uns überaus freundlich und mit blühenden Straßenrändern.

Transit von Griechenland durch Mazedonien und Albanien

Tanken in Bitola / Битола. Dank Doppeltankanlage 108,5 Liter – Verbrauch des MB 711 D damit 13,5 Liter Diesel auf 100 griechische Kilometer. Und obwohl das südslawische F.Y.R.O.M. einen urgriechischen Namen trägt und den urgriechischen Alexander den Großen zum Nationalhelden erklärt hat, schreibt man kyrillisch. Und tankt bei ЛУКОЙЛ.

Deutsche Autos sind ja schon in Griechenland beliebt. Hier in Mazedonien aber wird gleich entsprechend beflaggt.

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Einige große Moscheeneubauten.

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Vorbei am Ohridsee, dem ältesten Binnensee Europas. 3 Millionen Jahre alt.

Albanien

Ein paar Berge, und schon kommt Albanien. Freundliche Grenzer. Im Gegensatz dazu der erste Berghang etwas abschreckend. Die Mazedonien zugewandte Seite strotzt voller kleiner Bunker. Da hat Enver Hodscha tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Beziehungsweise leisten lassen.

Transit von Griechenland durch Mazedonien und Albanien

Ansonsten die übliche, kleinteilige Wirtschaft, die auf Durchreiseverkehr spezialisiert ist: Autowäschen, Tankstellen, Polizeikontrollen. Wir bleiben aber unbehelligt. Schöne Gegend. Leider nur durch einige Großprojekte ein wenig verschandelt. Manchmal fehlen halbe Berge. Dann wieder zerschneidet eine Eisenbahnlinie rücksichtslos ein liebliches Gebirgstal. Alle großsozialistischen Anlagen natürlich vollkommen verfallen. Aber mit der Bahnstrecke haben die Albaner wenigstens einen schönen Fußweg und müssen nicht auf der Straße herumlaufen.

Transit von Griechenland durch Mazedonien und Albanien

Der Verkehr auf dem Land läuft ruhig und respektvoll. Gibt kaum andere als deutsche Fahrzeuge. Vor allem Mercedes.

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Nur die unmotorisierten Vehikel sind offenbar einheimischer Produktion und ebenso zahlreich vertreten. Auf der Straße und auf den Feldern.

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Muss mal anhalten. Sehe mit der Routenplanung nicht mehr durch. Und Google Maps ist auch keine Hilfe. Die Jungs sind auf Zack und kochen gleich Abendessen. Brauche aber eigentlich gar keinen Stress machen. Teste schließlich für die Rückfahrt eine neue Renntaktik. Tagsüber Urlaub. Am Abend dann 500 km. Das ganze viermal, und wir sind zu Hause. Und merken gar nichts von der Strecke.

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Kurz vor Tirana wird es dunkel. Alle müssen noch hektisch irgendwo hin. Eselskarren, Dreiräder, Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos. Natürlich alle auf der Straße. Natürlich alle ohne Licht. Manchmal auf der rechten, manchmal auf der linken Straßenseite. Tirana selbst ist modern und hell erleuchtet. Fast schon zu hell. Riesige LED-Werbetafeln mit der Wirkung einer Blendgranate. Hat die noch Enver Hodscha installiert?

Transit von Griechenland durch Mazedonien und Albanien

Die Hauptstraßen und Kreisverkehre alle vierspurig. Oder fünfspurig. Oder doch nur dreispurig? So genau ist das nicht zu erkennen. Zum Glück aber ist in Albanien der Mercedes T2 Standardtransportmittel am oberen Ende der Nahrungskette. Offenbar deswegen wird mir fast schon ehrfürchtig Vorfahrt eingeräumt. Selbst wenn ich sie gar nicht habe. Wäre mir jedenfalls neu, dass bei meiner Einfahrt in einen Kreisverkehr alle anderen anhalten müssen. Weiß bis heute nicht, wer da in Albanien nun wirklich zuerst fahren darf. [Die Rätselauflösung brachte dann der Reiseführer Albanien.] Mit eingebauter Vorfahrt jedenfalls recht entspanntes Fahren. In einem unbesternten Kleinwagen sieht das aber sicherlich ganz anders aus.

Nach Tirana Straßenzustände wie im alten Rom. Die “Autobahn” ist eine einzige Baustelle. Allerdings auf voller Breite. Und der Verkehr läuft mittendurch. Immer wieder halbmetertiefe Absätze. Brücken- und Bahnübergänge zum Fürchten.

Vor mir jetzt zwei Sattelzüge. Obwohl 80 erlaubt sind, fahren die aber nur 50. Bleibe trotzdem lieber dahinter. Denn es ist nun vollkommen dunkel und Albaner haben die Angewohnheit, ohne Vorwarnung oder Lichtzeichen rechts oder links abzubiegen. Je später es aber wird, umso besser läuft es. Irgendwann wollen auch die Albaner zu Hause sein. Der Kleinverkehr kommt zur Ruhe. Die Straße gehört den LKWs.

Im Grenzgebiet zu Montenegro enden alle Wege. Auch Google Maps weiß nicht mehr weiter. Nach Karte muss hier aber ein Grenzübergang sein. Die Straßen sind winzig klein und serpentinieren sich durch die Dunkelheit. Und tatsächlich taucht irgendwann die Grenze zu Montenegro auf.

Überaus freundliche Verabschiedung aus Albanien, viele Grüße nach Gjermania und Winke Winke. Muss nicht mal die Kinder wecken.

Montenegro

In Montenegro dasselbe. Freundliche bis begeisterte Abfertigung. Psst. Die Kinder schlafen. Hätten aber dennoch gern einen Stempel im Pass. Klar doch. Jetzt aber weiter. Schnell noch das Schild mit den Geschwindigkeitsbeschränkungen fotografieren. Ouhh, verwackelt. Da weiß ich doch nun gar nicht, wie schnell ich fahren darf.

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Aber schneller als 50 geht sowieso erstmal nicht. Werde trotzdem von der Miliz rausgewunken. Stelle mich doof und frage nach dem Weg. Auch hier freundliche Antwort und gute Wünsche.

Frage mich wirklich, warum die Straßen im Grenzgebiet so klein sind. Alles nur eineinhalbspurig. Sollten da keine Panzer fahren können? Am fehlenden Verkehr kann es ja nicht liegen. Ausgerechnet hier sind jetzt wieder viele Autos unterwegs. Jedesmal bremsen, fast anhalten, manchmal rangieren. Das alles im Stockdunkeln. Aber ich will heute noch zur Adria. Ich will, ich will, ich will.

Mitternacht. Die Straße wird besser. Die Serpentinen bleiben. Rechts bisschen Siedlungslicht. Links alles schwarz. Die Adria. Puhh, geschafft. Vertraue einem plötzlich vorbeigehuschten, kyrillisch handgemalten Holzschild. Wende in einer Serpentine. Und biege auf Verdacht zu einem Kloster ab. Steil. Eng. Flach. Ein Miniparkplatz. Geht doch. Aber der Bus dürfte nicht größer sein.

Decke die Jungs nochmal richtig zu und diktiere schnell das Tagesgeschehen in Mazedonien und Albanien. Jetzt ist der Kopf frei. Gute Nacht!

Kaluđerac | Montenegro | 624 km | 2.937 km

[Am nächsten Tag dann Begeisterung ob des traumhaft gelegenen Klosters Gradischte, der montenegrinischen Küste und der Bucht von Kotor.]

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