ᐅ Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt im Ersatz-ICE

Ausgerechnet auf der Heimfahrt von den Dolomiten erwischt uns der Bahnstreik in Italien. Die Deutsche Bahn fährt zwar noch. Aber wie! Ein Erlebnis.

Sturmschäden rund um den Karer See am Latemar

7:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Erstmal vom Balkon aus die Lage am Rosengarten checken. Hübsch.

Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt von Bozen nach München und weiter im Ersatz-ICE

Zu essen gibt es nichts mehr. Außer ein paar Krümel Fillinchen. Die will aber auch keiner. Also mit leerem Magen direkt zur Bushaltestelle. Rein in den Bus nach Bozen. Boah – aus dem Busfenster sieht der komplett umgeworfene Wald richtig apokalyptisch aus. Hatten ja gestern vom Tschager Joch aus schon gesehen, dass hier auf fast allen Hügelkuppen rund um das Eggental die Bäume kreuz und quer liegen. Aber so aus der Nähe…

Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt von Bozen nach München und weiter im Ersatz-ICE

Rund um den windgeschützen Karersee selbst geht es noch. Aber im Luv des Eggentals zwischen Latemar und Rosengarten liegen nach dem Sturm alle Bäume flach.

Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt von Bozen nach München und weiter im Ersatz-ICE

Der Wald rund um den Karersee wurde Opfer des Orkans Vaia in der Nacht vom 29. auf den 30.10.2018. Riesige Holzstapel überall. Wahrscheinlich unverkäuflich in dieser Menge.

Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt von Bozen nach München und weiter im Ersatz-ICE

Bahnstreik in Italien

Noch mal umsteigen und dann sind wir in Bozen. Kaufen bei Spar alles, wonach uns die letzten Tage gelüstet hat: Brot, Brötchen und Kekse. Salami, Käse und Butter. Äpfel, Gurken und Weintrauben. Apfelschorle, Multivitaminsaft und Sprudelwasser. Joghurt, Trinkjoghurt und Eis. Ein ganzes Eimerchen Eis. Jetzt schnell zum Bahnhof Bozen. Vom Bahnsteig aus sieht man schön den Rosengarten.

Oochhh, ausgerechnet heute ist Bahnstreik in Italien. Selbst die Anzeige streikt.

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Habe aber Hoffnung. Denn den EuroCity nach München stellt die Deutsche Bahn. Erstmal das Eis löffeln und die Ansagen abwarten.

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Ah, 20 Minuten Verspätung. Na, mal sehen. Der Güterzugverkehr jedenfalls scheint vom Bahnstreik in Italien nicht betroffen zu sein.

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Der EuroCity rollt ein. Dank dir, Deutsche Bahn! Auch wenn der Zug natürlich ziemlich voll ist. Wir sitzen mit zwei einheimischen Betroffenen des Bahnstreiks in Italien im beliebten Sechserabteil. Jetzt wird getafelt.

Bahnchaos in Deutschland

Essen und Kartenspielen vertreibt die Zeit bis München. Haben trotz der Verspätung sogar noch 10 Minuten Zeit bis zur Abfahrt unseres ICE. Schnell jetzt.

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Doch der Bahnsteig 23 ist zum Bersten voll. Alle wollen mit dem ICE nach Hamburg. Der aber soll erst später einlaufen. Und dann erscheint auch noch plötzlich eine Anzeige, dass der Zug von einem anderen Gleis abfährt. Niemand weiß von etwas. Egal, wird schon stimmen. Schnappe die Jungs. Gegen den Strom rüber zum Bahnsteig 21.

Auf der Anzeige ist nicht zu erkennen, wo das Bordrestaurant ist. Und damit das angepeilte Kinderabteil. Aber egal, das wird wohl so sein wie auf dem Nachbargleis. Hinter uns ein sehr freundlicher, aber offenbar etwas hilfsbedürftiger Herr. Will nach Berlin. Im Bordrestaurant. Nehme den auch noch unter die Fittiche. Er soll einfach nur bei uns bleiben. Er fragt viel. Warum wieso weshalb. Zu viel. Habe gerade keine Zeit für lange Antworten, sondern muss mich konzentrieren und meine Jungs festhalten. Denn die Leute strömen jetzt wie eine Lawine auf den Bahnsteig. Der ICE kommt. Nein, nicht der im GIF. Der ist von der Hinfahrt in die Dolomiten. Bei dem Chaos am Bahnhof München habe ich keine Zeit für Fotospielereien.

Glück gehabt. Der Eingang zum Bordrestaurant ist 10 Meter neben uns. Stürmen da rein und bekommen auch prompt drei Plätze an einem Tisch. Die letzten. Puh. Erstmal setzen. Freuen uns.

Im Zug ist das Reservierungssystem ausgefallen. Entsprechend unruhig geht es zu. Alle wollen auf ihre Plätze, finden aber nichts. Ringsum orientierungslose Gelegenheitsbahnfahrer. Manche sind sogar im falschen Zug und wollen wieder aussteigen. Wir nicht. Wir sitzen wunderbar. Alle Bahnprofis sitzen im Restaurant. Mit oder ohne Reservierung. Das Restaurant ist natürlich auch nur eingeschränkt in Betrieb. Gibt nur kalte Getränke und Snacks. Scheint öfter vorzukommen. Die Bahn hat sogar extra Einschränkungsspeisekarten.

Bahnstreik in Italien: Dolomiten-Heimfahrt von Bozen nach München und weiter im Ersatz-ICE

Die Jungs wollen was Warmes zu essen kaufen, kriegen aber nichts. Denn auch gegenüber der Einschränkungsspeisekarte gibt es Einschränkungen. Aber wozu steht das alte Geschirr noch auf dem Tisch. Heute ist Selbstbedienung. Gehe erstmal abwaschen. Das gibt gleich ein ordentliches Gedeck für uns. Essen und Trinken haben wir ja genug dabei.

In der ersten Stunde traut sich das Personal gar nicht aus der Deckung. Doch ich mag so ein Bahnchaos. Ist wesentlich interessanter als schnöder Regelbetrieb. Und so wird es eine nette Zugfahrt bei schönem Skatspiel und anregenden Unterhaltungen mit wechselnden Tischpartnern.

Auch der ältere Herr hat sein Plätzchen gefunden und will sich irgendwie bedanken. Ach Quatsch, ist doch nicht nötig. Er ist aber sehr kinderkommunikativ und stellt sich ausweislich des vornehm überreichten Visitenkartenfehldrucks als ausgewachsener Berliner Immobilienhai heraus. Und ich dachte erst, er wäre ein gut deutsch sprechender Tourist. Au weia. Aber der eigentliche Berliner ist ja sowieso zugezogen. Jedenfalls ist er trotzdem sehr nett. Oder vielleicht gerade deswegen.

Also verabschieden, aussteigen und mit der Straßenbahn nach Hause. War wiedermal ein tolles Dolomitenbiwak. Das 13. mittlerweile.

Infos: Mit Bus und Bahn in die Dolomiten

  • Weitere Infos zum Orkan Vaia in Südtirol am 29./30.10.2018: Klick
  • Busse sind in Südtirol schnell und preiswert: Klick
  • Die Deutsche Bahn fährt fünfmal täglich von Bozen nach München: Klick
  • Die Berichte zu dieser und allen anderen Dolomitentouren seit 2005 gibt es in der Kategorie Dolomitenbiwak.
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