Dolomiten: Latemar-Überschreitung mit Schwierigkeiten
Die Latemar-Überschreitung zum Karerpass ist zwar ein schöner Abschluss des 17. Dolomitenbiwaks, aber kein Spaziergang.
Sonnenaufgang im Latemar
Nach der gestrigen Sternstunde an der Pisa-Hütte ist die Nacht auf dem Latemar 7:30 Uhr zu Ende.
Doch das zeitige Aufstehen wird belohnt mit einem hübschen Sonnenaufgang.
Das Latemar ist doch wirklich einzigartig. Dazu gibt es 20 Gämsen frei Haus, allerdings zu weit weg für mein Handy.
Koche dann draußen in der Kälte Tee. Drin im Winterraum traue ich mich nicht, denn dort ist ein Rauchmelder. Ein paar Frühstücksbrote später laufen wir los. Natürlich nicht ohne uns vom zeitig aufgestiegenen Hüttenwirt zu verabschieden, der vor dem Winter noch ein bisschen an der Pisa-Hütte herumwerkelt.
Die schiefen Türme des Latemar
Und da ist doch auch der für die Pisaturmhütte namensgebende schiefe Turm.
Wobei im Latemar eigentlich alle Felsen so aussehen, als ob sie bald einfallen. Das ganze Gebirge besteht doch nur aus Schutt und Geröll bzw. deren Vorstufen.
Ein leichter Weg übers Latemar
Der Karte nach ist der Wanderweg übers Latemar im Prinzip ganz easy und führt auf einer Höhenlinie immer geradeaus. Aber eben nur im Prinzip. Tatsächlich geht es hoch und runter und über Stock und Stein. Gut, Stöcke gibt es weniger. Aber Steine umso mehr.

Allerdings sind die Aussichten grandios. Und die Sonne entschädigt für vieles.
Ziehe schon bald eine Schicht nach der anderen aus.
Biv. Rigatti im Latemar
Eigentlich wollte ich ja gestern noch bis zur Biwakschachtel laufen. Aber ein Katzensprung ist es bis zur Biv. Rigatti nun auch nicht direkt.
Und es gibt auch einige dumme Passagen. Aber hier bin ich 2011 mit 3 Kindern in der Gegenrichtung durch, das motiviert. Trotzdem brauchen wir drei Stunden. Erst dann stehen wir an dem (familienintern) berühmten Blechbiwak vor der hohen Latemar-Wand zur östlichen Latemar-Spitze.
Die Biwakschachtel in der Latemarscharte ist deutlich spartanischer als die Pisa-Hütte.
Aufstieg zur Latemarspitze
Damals war der Abstieg von der Latemarspitze runter zum Biwak dumm. Erst recht mit 3 Kindern. Für den Aufstieg schaue ich mir nun ganz genau an, wo der Weg an der Bergflanke hochgeht.
Hochzu ist die Markierung wesentlich besser und der Weg gut zu erkennen. Und wenn man lange Beine hat, ist der Aufstieg (eigentlich) problemlos.
Östliche Latemarspitze
Oben am Gipfelkreuz machen wir ein kleines Familienfoto und tragen uns ins Gipfelbuch ein.
Von der östlichen Latemarspitze (2.801 m) sieht man schön die gesamten Dolomiten, hier den Rosengarten. Und genau zwischen Latemar und Rosengarten liegt der Karerpass mit 1.750 m. Da will ich heute noch hin.
Gefährlicher Abstieg vom Latemar
Hab für den Weg überhaupt keine Probleme in Erinnerung, sondern bin 2011 mit 3 Kindern einfach hochgelaufen. Aber da muss ich der Kritik meiner Wanderleitung mal recht geben: Runter ist der Weg vom Latemar zum Karerpass wirklich beschissen. Denn es gibt einige steile, ungesicherte und durchaus gefährliche Passagen.
Unten steht’s ja auch dran: Nur für Geübte.
Auf halber Strecke treffen wir einen älteren Herrn, der trotz seiner 80 Jahre mit einem kleinen Köfferchen den Weg hochläuft und dabei die Wegmarkierungen erneuert. Vielen Dank!
Abstieg von der kleinen Latemarscharte
Ab der kleinen Latemarscharte fängt das Teilstück mit dem Schotter an. Runter ist das auch kein Vergnügen, zumal es immer noch 800 Höhenmeter sind.
Jedenfalls ist die Laune beim Erreichen der Baumgrenze auf dem Tiefpunkt.
Tiefpunkt Karerpass
Die Stimmung wird auch am Ziel nicht unbedingt besser, denn am Karerpass ist jedes Hotel und jede Kneipe verriegelt und verrammelt. Selbst „unsere“ Pizzeria hat geschlossen.
Aber die Laune hebt sich beim Anblick des „Mototreff“ – einer kleinen Holzhütte mit älteren Südtirolern, die uns Zuflucht, Strom, Essen und Trinken bieten. Aufgrund der widrigen Umstände schlage ich sogar das Angebot aus, im Garten zu zelten und buche ein Hotel in der Bozener Altstadt. Es sind nur ein paar Meter bis zur Bushaltestelle und meine Kritiker besänftigt.
Versöhnliches Ende in Bozen
Tja, und da sind wir wieder in Bozen. Aber so eine Wanderung vom Bahnhof Bozen hoch übers Latemar ist doch etwas anderes als einfach nur mit dem Bus herumzufahren. War gut, dass wir auch das mal gemacht haben.

Das Hotel stellt sich als Residenz mit 8 Wohnungen heraus. Also ohne Frühstück oder irgendwelchen Service. Dafür aber mit einer recht großen Wohnung direkt unterm Dach. Eigentlich sehr hübsch mit Küche, Wohnzimmer und Bad, sogar mit Badewanne. Am besten gefällt mir aber das alte Kastenschloss, auch wenn das leider nicht funktioniert.

Am Abend gehen wir zur Feier des Tages kreuz und quer durch die hübsche Altstadt von Bozen.
Dazu gibt’s Maroni auf die Hand und einen schönen, lauwarmen Herbstabend. Also alles perfekt nach der Latemar-Überschreitung.
Rifugio Torre di Pisa – Östliche Latemarspitze – Latemarscharte – Karerpass => Bozen | 9,8 km | 23 km gesamt | 324,0 m ↑ 1236,0 m ↓ 1560,0 m ↑↓ + Bus




















