ᐅ Tschechien: Zu Füßen des Riesengebirges nach Opocno

Heute Morgen kamen alle langsam aus ihren Verstecken, die wir aufsuchen mussten, um der tschechischen Stasi ihren Willen zu lassen, dass niemand mehr im Misthaus übernachten dürfe. Auch wir hatten unser Zelt gestern Abend noch im Stockdunkeln mitten im Wald aufgebaut, keine 500 m vom Misthaus entfernt und kamen nun wie die anderen aus unserem Versteck.

Allerdings wurde der heutige erste echte Urlaubstag von Problemen mit dem Juwel 34 eingeleitet, weil der starke Wind den Trockenspiritus nicht anbrennen ließ. Irgendwann lief das gute Stück aber – während sich die anderen immer noch bemühten, Gustavs Ofen anzuheizen, konnten wir schon warmen Tee schlürfen. Serviert wurde auf dem großen Steintisch vorm Misthaus inmitten einer wunderschön blühenden Gebirgswiese.

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Gustav Ginzel vor seinem Misthaus

Wie schon gestern Abend, so arbeitete ich mit Gustav auch heute noch an einem Brief für seine Verteidiger. Mein altes Protestschreiben gegen die Stasischikanen wird jetzt bei jeder Hausbesichtigung verlesen. Mal sehen, wann mir das auf die Füße fällt. Aber egal. 8:30 Uhr kamen wir endlich fort, jedoch nicht für lange, da F eine gebrochene Vorderradachse bemerkte. Wir mussten unsere Ersatzteilvorräte angreifen, da er keine Ersatzachse mithatte. Ab Montag wird also die Suche nach einem Fahrradgeschäft losgehen.

Die morgendlichen 13°C ließen mich in die langen, warmen Sachen schlüpfen, die ich erst kurz vor Hohenelbe abstreifte. Wir fuhren fast nur im Tal der Iser entlang, was trotz Gegenwind eine pure Freude war. Die noch dichten Wälder wuchsen bis tief in das Tal hinein, das dadurch kaum Sonne erhielt. Die Berge vor Hohenelbe stellten eine willkommene Abwechslung dar, bevor wir wieder im Elbtal die gestern hart erkämpften Höhenmeter verbrauchten.

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Schloss Opocno

In Dvur Kralove fanden wir kein Hostinec, dafür speisten wir in einem “Motorest” vorzüglich und schnell. Wir bestellten “salad cesky, okurky”, uns schon auf den erwarteten Gurkensalat freuend. Wie groß war unsere Verblüffung, als wir einen Teller mit Brot und Jagdwurst sowie einer Gurke erhielten! Der Schreck wich aber sofort der Freude, denn so haben wir gleich Wurst für das Abendbrot. 5 km später kauften (sic!) wir uns vom Straßenrand als Nachtisch 1/2 kg schmackhafte Kirschen.

Einige Probleme gab es nur bei der Auffindung der Straße nach Opocno, die dann über 3 km lang nur gepflastert war. Im Schloss kamen wir 2 Minuten vor der letzten Führung an. Mit den deutschen Erläuterungen ausgerüstet, wandelten wir begeistert inmitten einer Fülle von Waffen, Trophäen, Kultgegenständen und Gemälden durch die weitläufigen Gemächer. A und F, die dieses Klein- (oder besser Groß-) Od noch nicht kannten, zeigten sich ebenfalls sehr angetan vom Reichtum der Sammlungen. Aus dem Schloss tretend sahen wir als erstes den schwarzen, drohenden Himmel. Bis Dobruska kamen wir noch, dann fing es an. Was ein Gewitter werden wollte, entpuppte sich als handfester Dauerregen. Wir saßen jedenfalls in einer zwar nach 2 Seiten offenen, aber trockenen Bushaltestelle und warteten auf das Ende des Regens, wobei wir uns schon auf eine Nacht hier drin einstimmten. Irgendwann hörte der Regen dann doch noch auf. So konnten wir bis Zamberk fahren, wo wir am Fluss zelten.

Wildes Zeltlager am Fluss bei Zamberk

Wildes Zeltlager am Fluss bei Zamberk

Klein Iser (Jizerka) – Vrchlaby – Dvur Kralove – Jaromer – Opocno – Dobruska – Zamberk (119 / 274 km)

[Am nächsten Tag gaben wir uns dann einen harten Kampf ums grüne Trikot auf den Anstiegen im Altvater-Gebirge.]

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