Schweden: Fährenpoker in Gedser Odde

Bei Scandlines gilt zwar selbst das Standardticket für alle Abfahrten am ganzen Tag, aber nur wenn Platz ist.

Scandlines Fähre Gedser - Rostock

Scandlines Fähre Gedser – Rostock

Sonnendrama im Aufstelldach

Die diesjährige schwedische Sonne ist wirklich unerbittlich. Der Jüngste kommt schon 8 Uhr aus dem Aufstelldach runter, weil dort die Sonne so dermaßen reinknallt,  dass er es nicht länger aushält und seinen Platz auf dem Sofa einnimmt. Bislang wurde ja immer durchgesetzt, dass das Zelt hochgemacht wird, aber jetzt erst merken alle, dass das wirklich auch sinnvoll ist. Da geht zwar der schöne Frischlufteffekt verloren, aber wenn die Sonne schon früh um 4 Uhr scheint, ist es im Aufstelldach anders nicht auszuhalten.

Mercedes 711D am Stellplatz in Gränna am Vätternsee

Mercedes 711D am Stellplatz in Gränna am Vätternsee

Was hat Gränna?

Starten ohne Frühstück oder sonstiges Brimborium schon um 08:40 Uhr. Nur ein bisschen heißes Wasser für meinen Zitronentee gibt es. Erstmal durch das Städtchen zur Autobahn. Ist ja nett und so, aber ich frage mich schon seit der gestrigen Anreise aus Örebro, warum auf den Campingplätzen und Stellplätzen in Gränna so viele Wohnmobile stehen. Hier muss irgendwas anderes sein. Vielleicht wollen die alle auf die Insel Visingsö? Läuft gerade das Radrennen zur Umrundung des Vättern? Versteckt sich hier wieder so ein Kaufhauskoloss wie in Ullared? Keine Ahnung. Aber normal ist das nicht.

Gränna am Vätternsee

Gränna am Vätternsee

Frühstück in Jönköping

Abgemacht ist, dass wir in Jönköping am Supermarkt frühstücken. Hab übrigens gelernt, dass in Schweden das K als Sch ausgesprochen wird. Jönschöping wird der Ort am Südende des Vätternsees also ausgesprochen. Während alle einkaufen und sich mit Puddingschnecken eindecken, prüfe ich vor der langen Heimreise nochmal die Befestigung der Fahrräder auf dem Heckträger. In diesem Urlaub haben wir ja die ganze Paddelausrüstung für zwei Boote dabei und viel Zeug am Heck und vor allem auf dem Dachträger verstaut. Da wäre ich ohne die Hailo Auszugsleiter erschossen.

Beladung des Fahrradträgers am Heck

Beladung des Fahrradträgers am Heck

Dann tanken und wieder auf die Bahn. Der Bus läuft, als ob wir massiv Rückenwind hätten. Tatsächlich aber ist dem gar nicht so. Also das mit dem Wind.

Armaturenbrett des Mercedes 711D mit Drehzahlmesser

Armaturenbrett des Mercedes 711D mit Drehzahlmesser

Fährenroulette ab der Öresundbrücke

Rauschen ziemlich schnell nach Malmö. Da tanke ich lieber noch mal voll, denn mittlerweile kostet Diesel in Schweden ja weniger als in Deutschland. An der Öresundbrücke piepst um 13:45 Uhr die Mautbox und die Schranke geht auf.

Mautstation Öresundbrücke

Mautstation Öresundbrücke

Von der Öresundbrücke bis zum Scandlines Fährterminal in Gedser brauche ich mit dem Bus immer so zwei Stunden. Peile also die 16-Uhr-Abfahrt in Gedser an. Aber als wir 3 Minuten vorfristig in Gedser ankommen, sind alle Spuren voll belegt. Eine Mitarbeiterin von Scandlines fängt uns schon vor dem Terminal ab und erklärt, dass nicht nur die 16-Uhr-Fähre, sondern auch die 18-Uhr-Fähre voll ist und wir wirklich auf die für 20 Uhr gebuchte Fähre warten müssen.

Da funktioniert meine Spekulation diesmal nicht. Hatte mir das so schön ausgedacht, ein billiges Nachtticket ohne Längenzuschlag zu kaufen und dann doch am Tag zu fahren. Die Standardtickets gelten nämlich für den ganzen Tag, auch wenn Scandlines nur die Abfahrt zum gebuchten Zeitpunkt garantiert. Aber solche Tricks gehen eben auch mal schief.

Scandlines-Terminal Gedser um 15.42 Uhr

Scandlines-Terminal Gedser um 15.42 Uhr

Küstenstraße Gedser Odde

Jedenfalls kann ich mir merken, dass wir mit Pausen, Einkäufen und zweimal tanken, aber ohne Übernachtung 10 Stunden von Örebro bis Gedser brauchen. Fällt mir nämlich immer schwer, Fährtermine sauber zu kalkulieren. Und es setzt mich unter Stress, pünktlich an einer knapp gebuchten Fähre sein zu müssen. Folglich entspannt es mich ungemein, wenn ein Ticket den ganzen Tag gilt. Dazu ist ja ein Platz auf der Nachtfähre notfalls immer frei. Insofern ist es kein Problem, wenn jetzt noch vier Stunden Zeit sind. Gibt ja bei Gedser eine schöne Steilküste. Da ist das Urlaub und keine Wartezeit.

Küstenstraße Gedser Odde

Küstenstraße Gedser Odde

Gedser Odde ist der südlichste Punkt Dänemarks und ganz Skandinaviens, was der Wartezeit auf die übernächste Fähre sogar einen Anstrich als richtiges Reiseziel gibt. Aber kaum stehen wir am Strand und sehen die 16-Uhr-Fähre, ablaufen, will mein Vierter schon wieder zum Terminal fahren, um zu gucken, ob wir nicht doch auch 18 Uhr mitkommen.

Verpasste Fähre bei Gedser Odde

Verpasste Fähre bei Gedser Odde

Aber auf das Warten in der Fahrzeugschlange hab ich überhaupt keinen Bock. Denn an der Südspitze Skandinaviens kann man nicht nur schön baden, sondern auch mal zum Naturparkhaus laufen.

Südlichster Punkt Skandinaviens bei Gedser Odde

Südlichster Punkt Skandinaviens bei Gedser Odde

Das Infozentrum am nun wirklich südlichsten Punkt Skandinaviens wird aber schon vom Meer angeknabbert und ist daher gesperrt.

Einfallendes Naturparkhaus Gedser Odde

Einfallendes Naturparkhaus Gedser Odde

Die Steilküste Gedser Odde ist auch ohne gebildete Vorträge sehenswert.

Gedser Odde

Gedser Odde

Auf dem Rückweg nehmen wir noch Federn und Hühnergötter mit. Und den Kindern gefällt dann doch noch das Bad in der Ostsee.

Hühnergötter in Gedser Odde

Hühnergötter in Gedser Odde

Fährverkehr vor Gedser

Für Fährenliebhaber wie mich ist Gedser Odde ein schöner Spot. Das hier ist um 17.43 Uhr die einlaufende Scandlines-Hybridfähre aus Rostock. Schön zu erkennen am Rotorsegel.

Scandlines-Hybridfähre vor Gedser Odde um 17.43 Uhr

Scandlines-Hybridfähre vor Gedser Odde um 17.43 Uhr

Da können wir uns ja langsam auf den Weg in den Hafen machen. Hier läuft die 18-Uhr-Fähre gerade nach Rostock aus. Wobei 18 Uhr genau 18:20 Uhr bedeutet. Aber ich müsste eben 18 Uhr spätestens am Check-In sein, deswegen ist das bei mir die 18-Uhr-Fähre.

Mercedes 711D und die 2. verpasste Scandlines-Fähre vor Gedser Odde

Mercedes 711D und die 2. verpasste Scandlines-Fähre vor Gedser Odde

Fähre Gedser-Rostock

Reihen uns nach der Auszeit an der Südspitze Skandinaviens überpünktlich in die lange Schlange ein. Die Fähre hat 20 Minuten Verspätung, was aber nun kein Problem ist. Hauptsache, wir kommen über die Ostsee.

Scandlines-Fährterminal Gedser

Scandlines-Fährterminal Gedser

Die Überfahrt ist ruhig und angenehm. Das hier ist natürlich die nach Norden laufende Fähre von Rostock nach Gedser und keine Drohnenaufnahme unserer eigenen Fähre, bei der ja die Steuerbordseite in der Abendsonne liegt. Aber mal abgesehen davon, dass ich Drohnen nervig finde, weiß ich nicht, ob so ein Rundflug um die eigene Fähre überhaupt zulässig und möglich wäre.

Scandlines Fähre Gedser - Rostock

Scandlines Fähre Gedser – Rostock

Die Flettner-Rotoren der Scandlines-Fähren beeindrucken mich immer wieder. Wenn man die Rotorsegel mit einer Hilfsmaschine in Drehung versetzt, sorgt der zwischen Gedser und Rostock typische Seitenwind für Vortrieb und entlastet den Schiffsdiesel. Ist schon cool.

Flettner Rotor Scandlines-Fähre

Flettner Rotor Scandlines-Fähre

In Rostock ist es um 22:45 Uhr schon dunkel, aber wir fahren noch ein paar Kilometer bis zum nun schon fast traditionellen Stellplatz, wo wir um 23:45 Uhr alles ausklappen und in den Betten verschwinden.

Übernachtungsplatz an der Fähre Gedser-Rostock

Übernachtungsplatz an der Fähre Gedser-Rostock

Gränna – Jönköping – Ljungby – Helsingborg – Malmö – Kopenhagen – Gedser Odde – Rostock | Deutschland | 614 km | 4.041 km

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert