ᐅ Jordanien: Petra ganz untouristisch von hinten

1997 Zum Roten Meer (197)

Die eigentliche Siedlung von Petra

Heute stand ich noch etwas zeitiger als sonst auf (7:00 Uhr) und machte alles startklar, so dass wir tatsächlich 8:00 Uhr vor dem Eingangstor von Petra standen. Allerdings waren wir bei weitem nicht die einzigen. Unmassen von Touristen waren bereits auf den Beinen, aber das Schlimmste kam für uns als frische Exstudenten erst noch: 20 Jordanische Dinar = 50 DM Eintritt! Pro Person! Die spinnen, die Jordanier. Den Pauschaltouristen interessiert dies zwar nicht, aber das ist doch kein Grund, derartig zuzuschlagen. Wir schreckten erst einmal zurück und ich fuhr noch in Schockstarre relativ planlos von dannen. Als wir den Kühlschrank wieder einsortiert und das sonstige Chaos in der Küche beseitigt hatten, entschloss ich mich, nach Beda zu fahren und sah nach einem ersten erfolglosen Versuch einen Touristenparkplatz am Siq al Barid. Von da aus wollten wir die umliegenden Höhlenwohnungen auf eigene Faust erkunden und eventuell in einem weiten Bogen nach Petra vorstoßen.

Im Siq selbst fanden wir einige schöne Fassaden sowie eine große Zisterne.  Nach 100 m fiel die Schlucht steil zu einem Wadi ab. Diesem folgten wir über einen Absatz, stießen aber schon bald an einen steilen Abbruch, so dass wir das Wadi zurück und dann wieder aufwärts laufen mussten, bis wir auf der Hochebene von Beda angelangt waren. Wir wählten das nächste Wadi und folgten der Spur der Scheiße abwärts, denn wo Ziegenkot ist, ist auch ein Weg. Wir kamen auch gut voran und stießen bald auf ein größeres Wadi, das Richtung Wadi Araba mäandrierte. Das Bachbett war gesäumt von Feldern, auf denen spärliche Hälmchen wuchsen. Dafür hat das Wadi riesige Büsche von Oleander hervorgebracht. Der Ginster blühte sehr schön, so dass wir leichten Schrittes zum Steilabbruch kamen, wo es zwar einen Wasserfall ohne Wasser, aber keinen Weg abwärts gab. Dafür konnten wir den (kostenlosen) Blick hinunter auf das Wadi Araba genießen.

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20 km querfelsein

Einen zehnminütigen Regenschauer warteten wir in einer einfachen, aber gemütlichen Hirtenschutzhütte ab und machten uns dann durch das feuchte Gelände nach Süden auf, um endlich Spuren von Petra zu finden. Plötzlich kreuzte ein Bach unseren Weg, der auf den ersten Blick nichts besonderes an sich hatte – bis wir merkten, dass sich das Wasser gerade erst sammelte und zu Tal stürzte. Wir sahen, wie sich erst ein schmales Rinnsal vortastete und später die schaumgekrönten Schlammfluten folgten. Nach 10 Minuten war wieder alles vergessen und das Wasser ging zurück. Wir waren begeistert. Aber man sagt nicht umsonst, dass in der Wüste bisher mehr Menschen ertrunken als verdurstet sind.

Der Wadi füllt sich

Wir hatten also noch einmal Glück und konnten unversehrt unseren Weg fortsetzen. Dieser führte nun  immer in halber Höhe um ein Bergmassiv herum. Bald sahen wir Beduinen sowie, was uns weit mehr erfreute, den Berg Aaron mit dem Grab dieses Bruders Mose sowie das Kloster mit einer riesigen Urne auf dem Dach. Mithin konnte ich das erste Mal genauer unseren Standpunkt in Relation zu unserem Ziel einschätzen. Eine Karte hatten wir abgesehen von der 1:1.000.000-Straßenkarte nicht und GPS gab es (zumindest für uns) noch nicht. Wir gingen noch in halber Höhe weiter, stiegen dann zu einem Wadi ab und kletterten auf der anderen Seite wieder hinauf. Die Route erinnerte stark an das Schrammsteinmassiv mit der Sandreiße, auch wenn wir es hier mit größeren Terrassen zu tun hatten.

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Moderne Höhlengarage

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Der typische Blick

Immer wieder mussten wir uns neue Wege suchen und nach rechts oder links ausweichen. Als wir oben waren, ging es noch weiter, ohne dass wir das Kloster noch einmal gesehen hätten. Der Weg wurde zunehmend schwieriger und schließlich ganz unmöglich. Wir kehrten ein Stück um und stiegen ein Wadi im Osten hinunter, das sich durch große Mengen Ziegenscheiße auszeichnete. Wir folgten der Spur bergab, obwohl ich nicht so recht von einem Durchgang überzeugt war, sondern nur den Weg zu einer Wasserstelle vermutete. Aber ungeachtet dessen fanden wir bald den Einstieg in ein neues Wadi, und als ich arabische Wandschmierereien sah, war mir klar, dass der Weg nicht mehr weit sein konnte. Und schon sahen wir den Wadi-Kharaeeb-Biclimicum (oder wie das Ding heißt), eine wirklich sehr schöne Sandsteinfassade. Nach mehr als 20 km Fußmarsch erreichten wir den Hauptweg in Petra und mischten uns unauffällig unter die zahlenden Gäste. Als erstes erschreckte uns das stillose Museum, des weiteren die Menschenmassen.

Wir kamen am Quasr-al-Bint-Tempel vorbei. Der Tempel war der Tochter des Pharaonen gewidmet, wobei für die Namen verteilenden Beduinen alles Unbekannte immer pharaonisch war. Danach liefen wir über die Säulenstraße zu den Königsgräbern, am Theater vorbei zum Schatzhaus. Dieses wohl meist fotografierte Gebäude am Eingang ist wirklich beeindruckend. Der Rest hält sich aber in Grenzen. Ich hatte mir von Petra viel mehr erwartet, vor allem engere Schluchten.  Aber die alte Siedlung selbst liegt stattdessen in einem breiten, flachen Talkessel, in dem kaum etwas ausgegraben ist, sondern nur antike Schuttberge herumliegen. Die Felsengräber oder Festsäle entschädigen zwar, sind aber doch recht spärlich.

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Sandsteinspektakel

Meistens sieht man nur schmucklose Höhlenwohnungen und Souvenirstände. Naja. Wir latschen ein wenig hin und her und liefen dann durch den sehr schönen Siq (Schlucht) zur Stadt hinauf. Und ab da hätten wir nochmals 8 km zurücklaufen müssen, so dass ich einen Pick-up anhielt, der uns für 10 DM bis zum Auto gefahren hat. Das war wirklich ein schönes Gefühl, nach 30 km Wanderung wieder einmal zu sitzen. Wir kauften noch etwas ein, suchten uns ein ruhiges Plätzchen etwas oberhalb vom Wadi Muna und kochten ein schönes Süppchen.

Petra

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