ᐅ Fernwandern daheim: Jagd nach Wolfsspuren im Russenwald

In der Nacht keine Jagd. Alles ruhig. Nur der Hochstand ist eng. Zu eng. Beine hoch. Beine quer. Nichts hilft. Not frisst Angst auf. Also die Tür aufmachen und die Beine raushängen lassen. Werde schon nicht rausfallen. Geht nicht mehr anders. Beine ausstrecken. Ahh, herrlich. Schneeflocken landen auf der Nase. Ist mir völlig egal. Schneie ich halt ein. Der Schlafsack sollte das aushalten. Eine herrliche Restnacht im Hochstand. Früh strahlende Sonne. Ohne Schnee.

Die Sonne kachelt auf die dünnen Holzplanken. Dutzende fette Fliegen erwachen plötzlich zum Leben. Schon seltsam. Als ob die alle gleichzeitig aus dem Winterschlaf hochschrecken. Mal Fenster auf Durchzug und Jagd auf die Fliegen machen. Und schon stürzen sich alle raus in die frostige Morgenluft. Wären sie mal ruhig und entspannt in ihren Ritzen geblieben.

Ich aber muss ja nicht gleich los. Ist grad so schön warm im Hochstand. Kann noch Tee kochen.

Frühstücken.

Fotos machen. Dann erst losgehen. Puh, ganz schön steil die Leiter. So mit dem Rucksack. Aber wird schon halten.

Ein schöner Morgen auf dem Feld. Wann ist hier wohl die nächste Jagd?

Wo bin ich eigentlich? Mal die Karten auf dem Handy checken. Auf Apemap laufen Karten von Openstreetmap (linker Screenshot) und von Kompass (rechts). Die Darstellung ist Geschmackssache. Openstreetmap / HikeBikeMap finde ich im Flachland genauer. Da sind sogar die Jägerhochsitze eingezeichnet. Kompasskarten punkten wegen den sauberen Höhenlinien eher in den Bergen.

Okay. Weiter. Immer durch den Wald. Immer geradeaus. Langweilig, aber schön. Kaum Abwechslung. Nur eine Bahnstrecke.

Und eine Straße. Die einzige Straße bis zum Abend.

Tea time. Mal ein Foto mit meinem neuen Handy. Dank Dual Kamera schöne Tiefenunschärfe. Nicht schlecht. Da brauche ich ja bald überhaupt keine extra Kamera mehr.

Hinein in die nächste Heide. Mal die Handykamera im Gegenlicht testen. Geht so.

Ein ehemaliger Russenwald. Nun wird es spannend. Windbruch kreuz und quer.

Wege? Eigentlich nicht mehr vorhanden. Dafür ziemlich viel Wasser und Sumpf.

Bloß nicht reinfallen.

Überall Artefakte.

Alte Betonsäulen und Exerzierplatzreste. Der letzte Russe ist hier vor fast 30 Jahren langmarschiert.

Einige Fahrzeugteile. Wer noch auf Jagd nach einem Sitzgestell vom ZIL-131 ist, kann hier fündig werden.

Immer wieder verdammt breite und tiefe Bäche. Zum Glück findet sich aber meistens ein quer liegendes Bäumchen.

Und dann wird es wirklich russisch. Alles voller Birken. Schön.

Plötzlich kracht es vor mir und eine Rotte Wildschweine sucht das Weite. Schon erstaunlich, dass die vor mir Angst haben. Breche mir trotzdem mal lieber einen stabileren Wanderstock. Raus aus dem Wald. Weiter über die offene Heide.

Wolfsspuren. Handtellergroß.

Zwei kräftige Wanderstöcke sind besser als einer. Nur sicherheitshalber.

Gewässer aber sind mein Hauptproblem. Die beiden langen Wanderstöcke bewähren sich auch hier.

Mein blödester Flussübergang. Hätte ich mal ein Seil mitgenommen.

Irgendwo muss hier sogar mal ein Gleisanschluss gewesen sein. Ein paar Schwellen jedenfalls sind noch da.

Die alten Panzerstraßen sind noch gut mit Säulen markiert, aber auch fast völlig zugewachsen.

Nach all dem Unterholz bin ich schon vor Einbruch der Dunkelheit wie zerschlagen. Nach nur 25 km. Dachte, ich schaffe ohne Kinder wenigstens 50 km am Tag. Mann, ist das peinlich. Der Unterstand zwischen ein paar Teichen kommt genau richtig. Erstmal Feuer machen.

Ausruhen. Tee und Suppe kochen.

Zeltaufbau erst im Dunkeln. Natürlich mit Stirnlampe. Ist im Winter immer sinnvoll.

Dann noch lange am Lagerfeuer sitzen.

Sterne beobachten.

Unglaublich, wie laut die Kraniche sind. Schreien auch am späten Abend noch. Macht da jemand Jagd auf die Großvögel? Nun gut, Augen zu jetzt. Morgen muss ich quer durch den Altbergbau.

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