ᐅ Ungarn: Radautobahn am Donauknie

Wie ich schon gestern Abend, so hat A heute auch seinen “Berechtigungsschein zum Umtausch von 100 Mark der DDR in Forint” für 100 Forint verkauft. Das gewonnene Geld rann uns dann aber beim Bezahlen des Campingplatzes gleich wieder durch die Finger, damit wir unbehelligt von dannen ziehen konnten. Fahren mussten wir allerdings auf einer Nebenstraße, da uns ein Polizist vom Highway gejagt hatte. Die erste Station des heutigen Kulturtages war das Skansenmuseum in Szentendre. Dort hat man typische Häuser aus ungarischen Gegenden neu aufgestellt. Das weitläufige Gelände wird aber auch von eigentlich rumänischen Holzkirchen und Holztoren geprägt, die aber sicher aus dem vormals ungarischen Transsilvanien geholt worden sind.

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Skansen Szentendre

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Danach radelten wir trotz Gegenwind immer mit 50/16 am Donauknie entlang. Dabei begegneten uns und überholten wir sehr viele Radfahrer aus allen möglichen Ländern. Direkt im Knie haben wir dann in der Donau gebadet. Derartig erfrischt nahmen wir den Berg zur Visegrader Burg in Angriff. Oben standen sehr viele Autos herum, aber dies trübte nicht die sehr schöne Sicht auf das Donautal. Von den Zinnen der vorbildlich besucherfreundlich ausgebauten Burgruine (betonierte Fußböden, breite Treppen und Geländer, zugemauerte potentielle Absturzlöcher) sahen wir auch einige riesige Schwarzcampingplätze, sowohl auf der Insel als auch auf der Westseite der Donau. Die Abfahrt war für ungarische Verhältnisse sehr schön mit Doppelkurven, nur etwas flach. Mit diesem Schwung ausgestattet wollten wir gleich bis Esztergom durchfahren, wurden aber durch einen glücklichen Zufall daran gehindert: Uns kamen 2 Radler entgegen, worauf wir (wie immer) erfreut grüßten. Dem folgte aber ein Aufschrei, da das Mädchen der Ex-12/4 unserer Penne angehörte. Natürlich schlugen wir sofort einen Haken und redeten und redeten. Sie und ihr Bruder wollen noch an den Balaton und dann mit dem Zug zurück. Der Abschied fiel erwartungsgemäß schwer, aber er musste sein, da wir trotz der anstehenden Dombesichtigung in Esztergom noch über die Grenze wollen.

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Der monumentale Kirchenbau mit der charakteristischen, 110 m hohen Kuppel kündigte sich schon von weitem an. Es ist der erste katholische Dom, den ich sah, der innen durch großflächige Fenster hell erleuchtet ist. Beeindruckt setzten wir unseren Weg fort, aber nicht ohne das Eis probiert zu haben. Dies sollte dann auch unser letztes ungarisches Eis bleiben.

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Vor Komarno rasten wir an 3 Radlern vorbei, die gerade etwas reparierten. Sofort kehrten wir um und boten unsere Hilfe an. Doch leider konnten wir den 3 aus Weimar leider nicht helfen, da ihnen der vierte und letzte Schlauchreifen geplatzt war. Jawohl, sie waren so verrückt, mit den im Normalbetrieb schon divenhaften Rennpneus nach Bulgarien aufzubrechen! Sie hatten auch dementsprechend (und vor allem im Vergleich zu uns) extrem wenig Gepäck mit. Dann fing das Umladen von Lebensmitteln von meinen Packtaschen in ihre Beutelchen an: Eine Wurstbüchse und den Speck wurden wir so los. Wir hätten sie voll rumänienmäßig ausgerüstet, wenn nicht ihr Gepäckvolumen so limitiert gewesen wäre. Die Wahl von Schlauchreifen hatte aber auch einen Grund: Einer der 3 sitzt auf einer heißen Quelle für Schlauchreifen, die mich demnächst hoffentlich auch ein wenig tränken wird.

Die Grenzabfertigung in Komarno war unkompliziert und schnell. Trotzdem fuhren wir schon im Dunkeln auf den Platz (20:15 Uhr), da es ja langsam Herbst wird. Im Stockdunklen kochte ich eine Suppe, was sich sehr schlecht machte, da ich immer mit dem Streichholz leuchten musste, ob das Wasser schon kocht.

Budapest – Szentendre – Donauknie – Visegrad – Esztergom – Komarno (145 / 4.964 km)

[Am nächsten Tag fuhren wir dann von Grenzposten zu Grenzposten weiter bis nach Breclav.]

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