ᐅ Norwegen: Mit der Fähre auf die Lofoten – Mitternachtssonne am Mahlstrom

Frühstück am Steinbruch. Und dann raus aus dem Schlammloch am Fjord. Erstmal nach Fauske. Die Familie geht einkaufen. Ich überlege mir, wie wir überhaupt auf die Lofoten kommen. Auf dem Landweg? Über Narvik? Och nee, dieselbe Strecke hin und zurück, das mag ich gar nicht. Moment, da ist doch eine dünn gestrichelte Linie auf der Karte. Quer über den Vestfjord. Direkt rüber auf den südwestlichsten Zipfel der Lofoten. Mit der Fähre auf die Lofoten? Wo es eine Straße gibt? Hmm. Wir sind eigentlich nicht so die Schifffahrer.

Reiseplanung unterwegs

Reiseplanung unterwegs

Andererseits sehen wir von der Fähre aus vielleicht ein paar Wale. Und können die Lofoten ganz von Südwesten her aufrollen. Also auf nach Bodø. Ohne Reservierung einfach im Hafen in die Spur gestellt. Doch die direkte Fähre auf die Lofoten (Bodø – Moskenes mit Torghatten) ist schon voll. Das ist der Nachteil extrem kurzer Planvorlaufzeiten im Urlaub. Tja, wollen wir 3 Stunden warten und direkt rüberschippern oder in einer Stunde die wesentlich längere, aber gleichteure Fähre über die vorgelagerten Inselgrüppchen Røst und Værøy nehmen? Abstimmung. Spurwechsel. Und dann waren wir fast ganz allein auf der Fähre auf die Lofoten, weil außer 3 lustigen, die Wärme des Schiffs suchenden, spanischen Motorradfahrern keiner den „sinnlosen“ Umweg fahren wollte. Start 17:00 Uhr.

MB 711 etwas einsam auf der Fähre auf die Lofoten

MB 711 etwas einsam auf der Fähre auf die Lofoten

Erst mal aufs Deck und den Hafen von Bodø inspizieren.

[17:20] Auslaufen aus dem Hafen von Bodø

[17:20] Auslaufen aus dem Hafen von Bodø

Die Fähre allerhöchstens zehntelvoll. Dadurch irritierende Platzwahl, schnelles WLAN und unbelegte Steckdosen. Familienbeschäftigung ausgerechnet mit Schiffeversenken. Und dann klart das Wetter auf. Eine steife Brise, aber kaum Seegang. Die berühmte Lofotwand kommt in Sicht. Hier so zwischen 500 und 800 m hoch. Wo sind nur die Orcas?

Die berühmte Lofotwand taucht am Horizont auf

Die berühmte Lofotwand taucht am Horizont auf

Das Inselgrüppchen Røstøyan ist der letzte, südwestliche Außenposten der Lofoten im Europäischen Nordmeer und zählt angeblich 365 Eilande. Viele sind allerdings ganz schön flach und winzig.

Das Inselgrüppchen Røstøyan

Das Inselgrüppchen Røstøyan

Im Nykan Naturreservat rund um die allersüdwestlichsten Inselchen Ellevsnyken, Trenyken und Hærnyken gibt es eine Kolonie mit einigen Hunderttausend Papageitauchern (Puffins). Ein kleiner Schwarm zieht über die Fähre auf die Lofoten, aber ich spare mir das Foto. Ich war zu langsam. Und das noch mit Gegenlicht. Das ist kein Nachweis. Wenigstens die Häuser auf Røst halten still.

[20:50] Lofotenhäuser auf der Insel Røst

[20:50] Lofotenhäuser auf der Insel Røst

Einige Sattelzüge nutzen die Fähre auf die Lofoten. Touristen eher nicht. Auch wir bleiben an Bord. Weiter nach Værøya.

Værøya kommt in Sicht

Værøya kommt in Sicht

Die Mitternachtssonne steht genau hinter der Insel. Es ist fast 23:00 Uhr, als wir anlanden.

Der Hafenort Sørland auf Værøya kommt in Sicht

Hafenort Sørland auf Værøya

Ich werde mutiger und verlasse das Schiff. So viel Zeit wird schon sein. Bisschen rumlaufen.

Sørland auf Værøya

Sørland auf Værøya

Hier in Sørland stehen die ersten der für die Lofoten so typischen Holzgestelle, auf denen der Stockfisch getrocknet wird. Ein komischer Geruch.

[22:50] Dicht gedrängt stehen die Häuschen von Sørland

[22:50] Dicht gedrängt stehen die Häuschen von Sørland

Und dann scheinen langsam auch die letzten Fahrzeuge an Bord zu gehen. Ich kehre mal besser um. Trotz der ziemlich großen Fähre hat mich das Personal genau gesehen und lässt mich ohne Kontrolle wieder aufs Schiff. An die Fahrscheine hatte ich gar nicht gedacht.

"Unsere" Fähre - die Værøy

„Unsere“ Fähre – die Værøy

Die Leute wissen mich sogar dem Bus zuzuordnen. Ob ich nicht umparken könnte? Es kommen noch ein paar ziemlich große Lastzüge. Klar kann ich.

Versorgung der Lofoten-Inseln mit LKW's

Versorgung der Lofoten-Inseln mit LKW’s

Und dann starten wir zur letzten Etappe auf die straßenmäßig vollständig angebundenen Hauptinseln der Lofoten.

Start zur letzten Etappe von Sørland nach Moskenes

Start zur letzten Etappe von Sørland nach Moskenes

Es geht nun straff auf Mitternacht zu. Die Mitternachtssonne gibt sich alle Mühe, uns ordentlich willkommen zu heißen. Die Lofoten am Polartag. Mitternachtssonne satt. Ein Traum.

[23:13] Mitternachtssonne über Værøya

[23:13] Mitternachtssonne über Værøya

Vorbei an der Insel Mosken. Zwischen den Inseln Mosken und Moskenesøya der legendäre Mahlstrom. Hier heißt er Moskenstraumen. Doch heute strudelt nichts. Zumindest sehe ich nichts.

Mosken. 385 m Fels. Nordöstlich (also rechts) davon der Mahlstrom

Mosken. 385 m Fels. Nordöstlich (also rechts) davon der Mahlstrom

Nochmal ein Schwarm Flattervögel. Papageitaucher? Zu weit weg. Alles verpixelt. Fast genau um Mitternacht erreichen wir Moskenes, die Hafen“stadt“ auf der Insel Moskenesøya. Dieser scheinbar unbeliebte Umweg hat sich wirklich gelohnt. Zwar 3 Stunden länger auf See. Aber dafür wesentlich mehr gesehen. Das geht ja fast als Lofotkreuzfahrt durch.

[00:12 Uhr] Einlaufen in den Hafen von Moskenes auf den Lofoten

[00:12 Uhr] Einlaufen in den Hafen von Moskenes auf den Lofoten

Runter von der Fähre auf die Lofoten. Doch so dünn besiedelt wie gedacht sind die Lofoten gar nicht. Zumindest nicht um die Straße herum. Es gibt durch die schroffen Berge ja kaum Platz für Häuser, die sich daher dicht an dicht überall zwischen Steilhang und Meer drängen. Viele kleine Rorbuer – einfache Fischerhüttten, zum Teil aberwitzig über irgendwelche Uferfelsen aufgeständert. Stellplätze? Fehlanzeige. Also fahren wir bis ans straßenmäßig erschlossene Ende der hiesigen Welt. Nach Å. Gesprochen Ohh.

[00:25] Å!

[00:25] Å!

Ein Ort wie ein Ausrufezeichen. Und so rufen dann auch alle Reiseteilnehmer bei jeder Attraktion diesen Ortsnamen laut aus. Auch der Parkplatz an der letzten Wendeschleife ist einfach nur Å! Dicht an dicht stehen die Wohnmobile. Å! Das mag ich eigentlich gar nicht. Doch wer Å sagt, muss auch… Egal. Åuch das sind die Lofoten. Wohnmobile aller Länder und Farben, vereinigt Euch!

Naja. Wohnmobilstellplatz am letzten Zipfel der Lofoten-E10 in Å

Naja. Wohnmobilstellplatz am letzten Zipfel der Lofoten-E10 in Å

Å / 70 / 2.560 km

Nachdem wir von der Fähre auf die Lofoten einfach nur runtergefahren sind und uns auf den erstbesten Parkplatz gestellt haben, war am nächsten Polarhalbtag Zeit, uns Å mit den Rorbuer anzuschauen, Zimtschnecken zu verkosten und den Anglern zuzusehen.

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