ᐅ Der Baedeker: Klassischer Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger

Eigentlich ist es konsequent, dass sowohl der Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger (Baedeker) als auch der für den internationalen Backpacker (Lonely Planet) aus dem selben Verlagshaus stammen: DuMont. Beide Reiseführer bedienen jeweils eine eigene Zielgruppe, für die der Kauf „ihres“ Reiseführers selbstverständlich ist und unreflektiert bleibt. Ganz egal, wie diametral sich die Reisenden selbst sehen.

Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger: Der Baedeker 2016

Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger: Der Baedeker 2016

Der Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger verbindet Bildungsanspruch und Primärbedürfnisse

Und so, wie der Lonely Planet schon über das blasse Layout seinen Anspruch definiert, schwelgt der Baedeker ganz intellektuell in Farben, Details und Fotos. Und die Texte erst. Als ob Thomas Hoof in der Redaktion säße.

Aber seit Thomas Hoof keine Texte schreibt, sind die Manufactum Kataloge ja auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und so hat sich auch in den Baedeker tatsächlich die ein oder andere Restaurantempfehlung eingeschlichen. Das hatte mein erster Baedeker von 1994 noch nicht. Schon gar nicht in dieser Detailliertheit. Insofern bedient sich der heutige Baedeker mittlerweile einer komplett anderen Sprache und Herangehensweise. Ein Ort wird weniger oberlehrerhaft als noch vor 20 Jahren dargestellt und es wird versucht, die Leser rundum zufrieden zu stellen. Und da gehört das Essen nun eben dazu. Das musste sogar ich schon lernen. Gleich siebenfach.

Referenz für einen zivilisationsfokussierten Norwegen-Reiseführer

Aber ansonsten ist der Baedeker natürlich die Referenz für Reiseführer, die sich vor allem den Errungenschaften der Zivilisation verpflichtet fühlen. Beschreibt Land und Leute möglichst neutral und mit einem ungetrübten Blick. Hochwertig gestaltet, ohne auffindbare Lektoratsfehler. Aber trotzdem modern. Manchmal etwas aufgesetzt modern. Eben wie die neuen Manufactum-Kataloge.

Doch der Baedeker ist sich auch nicht zu schade, auf das in der Nähe im Hessdalen beobachtete Phänomen von Lichtspiegelungen zu verweisen, die natürlich sämtliche UFO-Forscher auf den Plan riefen (S. 365). Doch auf die Übersichtskarte hat der Baedeker zwischenzeitlich verzichtet. Na gut, Røros ist nicht groß.

Insgesamt versucht der Baedeker also schon, sich unter Beibehaltung des historischen Stils sprachlich und inhaltlich zu modernisieren. Aber es ist und bleibt halt ein Norwegen-Reiseführer für den Bildungsbürger. Schön und komplett. Die Referenz halt. Da muss man beim Kauf nicht nachdenken.

Baedeker Reiseführer Norwegen, 2016, ISBN 978-3-8297-1432-7, 490 Seiten für 24,99 €

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