ᐅ Schweißen lernen für das Aufstelldach: Theorie und Praxis

Mannomann, mit dem Schweißen lernen habe ich mir ja was vorgenommen – noch dazu WIG! Dank meiner Familie hatte ich an diesem Wochenende ziemlich lange Zeit, mich um meine Schweißkenntnisse zu kümmern. Die ersten Versuche begannen am Freitagabend mit einem intensiven Literaturstudium.

Schweißen lernen: Lesen der Anleitung fürs WIG-Schweißen und der theoretischen Grundlagen

Schweißen lernen: Lesen der Anleitung fürs WIG-Schweißen und der theoretischen Grundlagen

Theoretischer Optimismus beim Schweißen lernen

Am Samstag war es dann Zeit für den ersten Versuchsaufbau, der Einfachheit halber gleich auf der Terrasse. Es sollte ja schnell gehen. Also Schweißgerät aufgebaut. Flasche angeschlossen. Paket mit den Schweißstäben aufgerissen. Blechreste eingesammelt. Kinder belehrt. Es sollte ja schnell gehen.

WIG - Schweißen auf der Terrasse

WIG – Schweißen auf der Terrasse

Das Ziel bestand darin, als Anfänger für das thermische Verbinden zweier Edelstahlbleche mit einer Dicke von jeweils 2 mm eine Kehlnaht herzustellen. Die erste Freude, dass die beiden Bleche durchaus zusammenhalten, wich jedoch recht schnell der Erkenntnis, dass ich für die Klebepunkte statt des WIG-Schweißgeräts hätte auch Sekundenkleber verwenden können. Zumindest was die Haltbarkeit angeht. Am Anfang (und dann eigentlich immer wieder) hat sich der abgeschmolzene Schweißdraht zu kleinen Kugeln zusammengeballt. Diese sind zwar nicht gerade vom Werkstück gerollt, haben aber auch nicht unbedingt zur Festigkeit der Verbindung beigetragen. Aufgrund der ostmäßigen Materialknappheit habe ich die Kugeln immer wieder abgeflext und neu probiert. Immer und immer wieder.

Schweißen lernen - der erste Pfusch

Schweißen lernen – der erste Pfusch

Mehr Übung heißt mehr Wissen – über die eigenen Unzulänglichkeiten

Am Sonntag bin ich die ganze Sache ein kleines bisschen professioneller angegangen, habe die 7 Fahrräder aus der Garage herausgeräumt und dann aus ein paar herumliegenden Stahlprofilen so etwas wie ein kleines Schweißgestell gebaut.

Neuer Versuchsaufbau, um das Schweißen doch noch zu lernen

Neuer Versuchsaufbau, um das Schweißen doch noch zu lernen

Den Rest des Tages konnte ich in aller Abgeschiedenheit üben, üben und nochmals üben. Zunächst wieder voller Optimismus an der Kehlnaht. Diesmal haben sich die Kügelchen schon durchaus zu so etwas wie einer Raupe verbunden. Jedoch wand sich die Raupe entweder am oberen oder am unteren Blech entlang, nie jedoch in der eigentlichen Kehlnaht.

WIG - Schweißversuche an der Kehlnaht

WIG – Schweißversuche an der Kehlnaht

Eine kleine Plananpassung: Spielen mit Blech statt WIG-Schweißen einer Kehlnaht

Kurz vor Mittag habe ich eingesehen, dass es mit der Kehlnaht so einfach nichts wird und habe erst einmal diejenigen meiner Freunde angerufen, die zumindest einen Schweißer kennen könnten, der einem privaten Lehrauftrag nicht abgeneigt wäre. Allerdings erfolglos. Also musste ich selber wieder ran.

Diesmal allerdings habe ich die Messlatte etwas niedriger gelegt und mir zum Ziel gesetzt, erst einmal mein Schweißgerät und das Schweißen an sich zu verstehen. Positiv war erst einmal, dass ich sowohl mit der Streichzündung beim WIG-Schweißen und dem Halten des Lichtbogens, als auch mit der Klebrigkeit der Elektrode beim E-Hand-Schweißen gut zurecht gekommen bin. Hier merkt man schon, dass das extra gekaufte Kemppi schon ein besseres Gerät ist. Das war also geklärt. Also noch einmal die Wolframnadel anschleifen und dann die Stromstärke variieren.

Anschleifen der Wolframnadel mit der Akku Flex

Anschleifen der Wolframnadel mit der Akku Flex

Dabei habe ich zwischen 10 und 180 Ampere so ziemlich jede Stromstärke ausprobiert. Bei 10 A passiert kaum etwas und es dauert ziemlich lange, bis ein Schmelzbad entsteht. Mit 180 Ampere feuern dafür die Schweißstäbe weg wie Butter – aber auch das zu verbindende Material. Für die 2-mm-Bleche hat sich dann 40 A als geeignete Stromstärke erwiesen. Wie sich die Durchflussmenge an Argon hingegen auswirkt, konnte ich mit meinen sensorischen Möglichkeiten nicht wahrnehmen. Allerdings schaffe ich es jetzt schon, am Verhalten des Lichtbogens zu merken, wenn ich vergessen habe, das Gas aufzudrehen. Es spritzt dann wie beim E-Hand-Schweißen.

Nachdem diese Theorie geklärt war, habe ich als Anfänger schöne, silbrig glänzende Schmelzbäder erzeugt und auf dem einfachen Blech so etwas wie Raupen gezogen.

Die Keramikdüse liegt zu flach - aber ich musste mich auf das Foto konzentrieren

Die Keramikdüse liegt zu flach – aber ich musste mich auf das Foto konzentrieren

Unterschiede zwischen Schweißen lernen und Schweißen können

Ich denke, dass ich vor allem begreifen muss, wie das Schmelzbad gesteuert wird und wie man den Schweißstab richtig eintupft. Interessant war auch, wie sich das Metall verhält, wenn man die Stromstärke voll aufdreht. Oder wie der Lichtbogen verläuft. Wie es ohne Argon spritzt, wie sich die Haltung der Elektrode auswirkt und wie sich das steife Blech verformt. Das begeistert mich schon und hat mich eigentlich den halben Sonntag beschäftigt. Insofern geht es mir auch darum, den Werkstoff Edelstahl kennen zu lernen und ein wenig zu spielen. Ganz abgesehen davon, dass ich so auch meinen Kindern Achtung und Interesse für handwerkliche Tätigkeiten vermitteln möchte. Und wenn ich heute etwas gelernt habe, dann vor allem etwas darüber, was ich nicht weiß und kann.

Die Ausbeute des Tages - besser kriege ich das erst einmal nicht hin

Die Ausbeute des Tages – besser kriege ich das erst einmal nicht hin

Und insgeheim denke ich schon darüber nach, wie ich mein Befestigungsproblem auf dem Aufstelldach mit klassischen Methoden lösen könnte – es gibt eben Schreiber, Schrauber und Schweißer. Aber alles in einem? Wir werden sehen.

Am Wochenende darauf hatte dann ein Schweißer Mitleid mit mir, ließ mich an seinem höheren Wissen und Können beim WIG-Schweißen teilhaben und hat auch gleich die Edelstahl-Kantteile sauber verschweißt. Ich hingegen habe mich aufs Zusehen, Lernen und Mitschreiben konzentriert…

Infos und Quellen

  • Mein Schweißgerät ist ein Kemppi Minarc Evo 180

Alle Produkte und Werkzeuge im Beitrag sind selbst gekauft und bezahlt.

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1 Antwort

  1. Reiner sagt:

    Schweißen ist übrigens schwerer als viele annehmen. Gerade um gute Nähte zu schweißen braucht man eine ruhige Hand. Das dauert schon eine Weile bis das mehr natürlich rüberkommt.
    Alles in Allem eine gelungene Anleitung zum Schweißen. Sehr gelungen darauf hinzuweisen das es nicht so einfach ist 😉

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