ᐅ Kanutour mit Kindern in Schweden: 7 Tage Wildnis mit Beeren und Pilzen

Im Sommer 2013 unternahmen wir unsere bisher längste und schönste Kanutour mit Kindern in Schweden – gemeinsam mit zwei befreundeten Familien und insgesamt acht Kindern quer durch den Nationalpark Glaskogen.

Sa., 10.08.13: Glaskogen, Tag 1 – Start im Regen

Nach der Nacht auf dem Campingplatz haben wir heute früh die reservierten Boote in Beschlag genommen, unseren pauschalen Beitrag für die Nutzung der Schutzhütten im Nationalpark Glaskogen bezahlt und das Gepäck für die Boote vorbereitet. Allerdings wollte niemand so recht starten, da es gerade beim Bepacken der Boote ordentlich anfing zu regnen. Also erst einmal wieder ins Auto gesetzt und abgewartet. Die Lust, eine Kanutour zu starten, lag jedenfalls nahe bei Null. Zum Glück klarte das Wetter aber dann auf und wir zogen die Boote unter kräftiger Mithilfe aller Kinder bis zur Einsetzstelle. Und schon waren wir auf dem See und das Wetter vergessen. Wir paddelten quer über den Stora Gla bis zu einer kleinen Halbinsel und zogen die Boote aus dem Wasser.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Anlegestelle Glaskogen

Kanutour mit Kindern in Schweden: Anlegestelle Glaskogen

Die Schutzhütten waren schon von netten Schweizern belegt, was uns aber aufgrund der guten Zeltausrüstung nichts ausmachte.

Zeltplatz im Glaskogen

Zeltplatz im Glaskogen

Nachmittag und Abend standen dann ganz im Zeichen des Lagerfeuers und des Angelns.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Abendlicher Fischzug(versuch)

Kanutour mit Kindern in Schweden: Abendlicher Fischzug(versuch)

So., 11.08.13: Glaskogen, Tag 2 der Kanutour mit Kindern in Schweden

Heute Früh sind wir den Start ganz langsam angegangen: Zunächst haben sich die Kinder die Boote geschnappt und sind einfach nur herumgepaddelt. Schließlich sind wir noch mit den Schweizern in der Schutzhütte ins Gespräch gekommen, die natürlich nur nach Schweden gefahren sind, um Fische zu fangen. Sie gaben uns dann auch ein paar Tipps mit und haben den Kindern sogar einen selbst gebastelten Köder geschenkt. Als der Köder allerdings verloren gegangen ist, sind die großen Jungs voller Ehrgeiz getaucht und haben insgesamt 2 (andere) Köder wieder heraufgeholt. Nur die Fische wollten nicht anbeißen.

Am späten Vormittag zog dann wieder einmal ein Regenschauer über den See, sodass wir die Kinder zurückgerufen haben und unter das Tarp geflüchtet sind. Nachdem der Regen über uns hinweg gezogen war, haben wir die Boote beladen und sind weitergefahren. Die nächste Station war dann schon weitaus komfortabler: Wir hatten sogar 2 Hütten für uns, wovon eine am Abend und eine am Morgen in der Sonne lag. Und dazwischen hatte die Nationalparkverwaltung einen riesigen Holzstapel aufgetürmt. Wir haben uns nur die ganze Zeit gefragt, wie das Holz an diese Stelle gekommen ist.

Schutzhütte im Glaskogen

Schutzhütte im Glaskogen (man beachte den Holzstapel)

Trotzdem haben wir natürlich die Zelte aufgebaut, schon allein deswegen, weil wir Angst vor Mücken hatten.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Lagerplatz im Glaskogen

Kanutour mit Kindern in Schweden: Lagerplatz im Glaskogen

Tatsächlich gab es überhaupt keine Mücken, sodass zumindest die Männer nach dem abendlichen Lagerfeuer in der Schutzhütte im Freien geschlafen haben.

Lagerfeuer

Lagerfeuer

Mo., 12.08.13: Glaskogen, Tag 3 – Spieltag am Stora Gla

Heute haben wir festgestellt, dass es eigentlich keinen besseren Platz für einen Wildnisurlaub gibt als diese beiden Schutzhütten. Also sind wir nach eingehender Beratung zur Freude unserer Kinder auch heute noch hiergeblieben. Die Kinder haben den freien Tag dann auch intensiv zum Baden, Paddeln, Blaubeeren pflücken, Kokeln und natürlich zum Angeln genutzt. Zwar hat es zwischendurch auch einmal geregnet, aber das hat uns nichts ausgemacht.

Butterkuchen mit Schlagsahne: Waldboden in Schweden

Weich wie Butterkuchen mit Schlagsahne: Waldboden in Schweden

Di., 13.08.13: Glaskogen, Tag 4 der Kanutour mit Kindern in Schweden

Nach einiger Diskussion haben wir uns heute dazu entschlossen, die mit einem hohen Wanderanteil verbundene, große Runde anzugehen. Ich hatte zwar etwas Bedenken vor den langen Umtragewegen, aber wir hatten ausgemacht, es einfach mal zu probieren. Also packten wir bei schönstem Wetter unsere Sachen zusammen und starteten in Richtung der ersten Umtragestelle. Meine Mitpaddler waren zwar erst etwas skeptisch, was mein ausschließlich auf dem Handy vorhandenes Kartenmaterial anging. Tatsächlich waren wir aber begeistert von der Genauigkeit der Openstreetmap-Karten, in denen jede einzelne Schutzhütte eingezeichnet war.

Nator pur auf dem Glaakern / Schweden

Nator pur auf dem Glaakern / Schweden

Das Umtragen in den Glaakern stellte sich dann als weniger schwer heraus, als wir dies zunächst mit den schweren, voll beladenen Booten erwartet hätten. Auch die Kinder waren bestens beschäftigt: Alle 6 kleinen Jungs und das einzige Mädchen waren mit Wasserspritzpistolen ausgestattet und haben richtiggehende Schlachten ausgetragen. Der eine große Junge hat derweil sein schweres Boot ganz alleine gezogen und ansonsten Coolness ausgestrahlt. Am nächsten See war es dann aufgrund des dichten Waldes ringsum ziemlich schwierig, einen geeigneten Platz für insgesamt 4 Zelte zu finden. Nach einigem Suchen wurden wir dann auf einer Klippe über dem See fündig und haben die Zelte mitten in die Blaubeeren gestellt.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Die Kinderinsel im Glaakern

Kanutour mit Kindern in Schweden: Die Kinderinsel im Glaakern

Kacke vom Bär? Oder vom Elch?

Kacke vom Bär? Oder vom Elch?

Anschließend sind die großen Jungs auf eine Insel gepaddelt, während ich mit den beiden Jüngsten wandern gegangen bin. Dabei sind wir über Felsen und durch weiches Moos einen steilen Hang hinaufgeklettert und haben hoch über dem See verdächtige Kacke entdeckt. Der ziemlich große und ziemlich frische Haufen sah für mich nach einem Bären aus. Allerdings habe ich meine Ahnung lieber für mich behalten. Außerdem bestand schon deswegen kaum Gefahr, weil wir bereits jetzt kaum noch Essen hatten. Und obwohl die Kinder eigentlich ständig am Angeln waren, haben sie bislang nicht einen einzigen Fisch gefangen. Also suchten wir wieder Pilze und Blaubeeren.

Zwischenzeitlich hatten sich die Jungs auf der kleinen, vorgelagerten Insel häuslich eingerichtet und sogar schon ein kleines Lagerfeuer entfacht. Da allerdings die Insel sehr klein und nur spärlich bewachsen war, sind wir zur Unterstützung hinübergepaddelt und haben etwas Holz mitgenommen. Gerade als das Feuer schön brannte, ging ein ziemlich starker Regen über der Insel nieder. Also haben wir ein Boot an Land gezogen, umgedreht und uns darunter versteckt. Zelte gab es ja nicht auf der Kinderinsel.

Unterstand auf der Kinderinsel im Glaakern

Unterstand auf der Kinderinsel im Glaakern

Nach einer Weile war der Regen wieder vorbei und die Jungs konnten weiter ungestört auf ihrer Insel spielen. In der Zwischenzeit wurden nach einer abendlichen Tour ziemlich viele, ziemlich große Pilze angebracht, die sofort zu einem anständigen Abendbrot verarbeitet wurden. Dennoch hat sich vor allem das einzige Mädchen nicht von den Misserfolgen beirren lassen und immer weiter geangelt.

Abendliche Erkundungstour mit dem Kanu

Abendliche Erkundungstour mit dem Kanu

Mi., 14.08.13: Glaskogen, Tag 5 – Wandertag mit Kanus

Nach den eigentlich guten Erfahrungen mit dem letzten Umtragen haben wir uns heute entschlossen, wirklich die große Runde zu gehen. Also sind wir vielleicht 300 m gepaddelt, haben dann 100 m um getragen und sind wieder 500 m gepaddelt. Ab da sind wir eigentlich fast nur noch gelaufen. Die Kinder haben voll mitgemacht und sind eigentlich nur selten auf dem Weg unterwegs gewesen, sondern rechts und links durch den Wald gestreunt. Sie haben dabei den Rest eines Elchgeweihs, Beeren und Pilze gefunden. Auch der Jüngste, der die ganze Zeit privilegiert im Kanu saß und sich hat von seinem großen Bruder fahren lassen, hat immer die Büsche am Wegesrand gescannt und jede Himbeere für sich in Anspruch genommen. Das Wandern mit den Booten funktionierte so gut, dass wir unterwegs an einer eigentlich vorgesehenen Paddelstelle schon drauf und dran waren, den See zu umlaufen und gar nicht erst einzusetzen. Schließlich haben wir uns dann doch für das Paddeln entschieden, denn die Boote sollten ja eine Daseinsberechtigung haben.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Schutzhütte

Kanutour mit Kindern in Schweden: Schutzhütte

Nachdem wir uns nach dem Mittagessen nach langem Hin und Her entschieden hatten, doch für nur 500 m die Boote ins Wasser zu lassen, waren wir dann nun wieder zu faul, die Boote über einen Damm zu schleppen. Also haben wir die Boote unter großen Kraftanstrengungen durch einen flachen Bachlauf über zahlreiche flache Stellen gezerrt. Zum Glück sind die Boote aus Aluminium und dadurch sehr robust. Den Abend haben wir dann wie immer am Lagerfeuer verbracht.

Kanutour mit Kindern in Schweden: Waldzeltplatz am Glaskogen

Kanutour mit Kindern in Schweden: Waldzeltplatz am Glaskogen

Do., 15.08.13: Glaskogen, Tag 6 – wieder auf Kanutour mit Kindern in Schweden

Nach der gestrigen Wanderung mussten wir auch heute Früh noch ein Stück laufen, um bis zum großen See (Stora Gla) zu kommen. Das wurde auch Zeit, denn langsam wurden unsere Essensvorräte knapp. Also sammelten alle, die nicht mit dem Ziehen von Booten beschäftigt waren, unterwegs bereits die ersten Pilze und Beeren. Heute haben auch die beiden Zweitgrößten  ihr Boot die ganze Strecke alleine und ohne zu murren gezogen. Gegen Mittag haben wir dann auch den großen See erreicht.

Seerosen auf den Seen im Glaskogen

Seerosen auf den Seen im Glaskogen

Zwar war das Wandern nicht schlecht, das Paddeln auf dem See hat aber deutlich mehr Spaß gemacht. Auch die Kinder haben alle mitgezogen, da wir wieder zu der schon bekannten Halbinsel mit den 2 Schutzhütten wollten, auf der wir schon einmal 2 Nächte zugebracht haben. Angesichts der knappen Nahrungsmittelvorräte sind die Kinder auch sofort losgezogen, haben sich in die Blaubeerbüsche geschlagen und sind erst wiedergekommen, als sie einen großen Topf mit Blaubeeren gefüllt hatten. So war das Mittagessen zumindest teilweise gesichert. Aber allein mit Beeren, Pilzen und ein wenig Reis waren die Jungs dann doch nicht satt zu bekommen. Zum Glück gab es noch eine große Tonne mit Kohlenhydraten, sprich Bonbons, Schokolade und Keksen.

Wir waren kaum angekommen, da hat unser 5jähriger ganz allein ein Lagerfeuer entzündet, wobei alle sehr darüber erstaunt waren, dass er es erstens durfte und zweitens auch konnte. Aber er ist eben ein sehr virtuoser Pyromane, der schon regelmäßig zu Hause übt. Nach den langen Wanderungen der letzten Tage haben wir dann noch einmal intensive Körperpflege betrieben – die kleinen Jungs so richtig mit warmem Wasser im Badeeimer, die großen Jungs natürlich im See. Das einzige Mädchen unter 7 Jungs war in der Zwischenzeit in fast jeder freien Minute Angeln, hat aber im ganzen Urlaub leider nicht einen Fisch gefangen.

Fr., 16.08.13: Glaskogen, Tag 7 – Zurück in der Zivilisation

Am letzten Tag unseres Wildnisaufenthaltes gab es nun wirklich kaum noch etwas zu essen. Obwohl sich die Erwachsenen sehr zurückgehalten haben, blieb am Ende nur noch ein halbes Päckchen Zwieback übrig, an das sich keiner mehr so richtig getraut hat. Das war aber nicht so schlimm, da wir gegen Mittag wieder am Campingplatz sein wollten. Entsprechend motiviert haben alle zusammen gepackt, so dass wir heute ausnahmsweise einmal die ersten auf dem Wasser waren. Trotz des recht starken Windes sind wir auch schnell vorangekommen und waren so die ersten am Zeltplatz. Ab diesem Moment wollten unsere Kinder dann auch nichts mehr mit Paddeln und Zelten zu tun haben, sondern nur noch zum Auto gehen und langsam wieder nach Hause fahren. Zum Abschied haben die Kinder auf der großen Wiese vor dem Zeltplatz noch mit den Wasserspritzpistolen herumgetobt, die zum Glück in ausreichender Anzahl bereitgestellt worden waren.

Kanufahren in Schweden: Natur entdecken mit Kindern

Kanufahren in Schweden: Natur entdecken mit Kindern

Tipps und Tricks für eine gelungene Kanutour mit Kindern in Schweden

Das Beste ist natürlich schönes Wetter.😀 Nein, Quatsch – den Kindern ist es eigentlich völlig egal, wie das Wetter ist. Was sich an Zubehör aber besonders bewährt hat, waren nicht die Wassersandalen und Regenklamotten, sondern die Wasserspritzpistolen. Alternativ ist sicherlich auch eine Angel für jedes Kind nicht schlecht. Allerdings sollte man am Ende der Saison nicht mit allzu großem Erfolg rechnen. Ja, was noch? Gut ist, wenn man jemand dabei hat, der vorher ein paar Boote organisiert. Aber letztlich gibt es in jedem geeigneten Kanurevier einen Bootsverleih mit genügend Booten.

Viel wichtiger ist ein ausgefeilter Speiseplan – denn ausreichend zu essen für acht Kinder mitzunehmen, ist gar nicht so einfach. Und ein paar Erwachsene sind ja auch noch dabei. Den Speiseplan gab es zwar, aber da stand abends immer Fisch drauf. Na gut, das wurde halt ersetzt durch Blaubeeren und Pilze. Und das 7 Tage lang. Die Lebensmittelversorgung unterwegs in Schweden ist im Gegensatz zum Paddeln mit Kindern auf der mecklenburgischen Seenplatte auf den wirklich einsamen Strecken halt nicht möglich. Gleichzeitig ist aber der Hunger viel größer als sonst. Nehmt also doppelt soviel mit, wie ihr normalerweise zu verbrauchen gedenkt. Ansonsten wird das keine Kanu-, sondern eine Fastentour.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen erzählen unsere Kinder auch Jahre danach noch von unserer Kanutour mit Kindern in Schweden.

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