ᐅ Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil: Magirus, Mercedes oder MAN?

Was sind geeignete Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil? Muss es ein Mercedes sein? MAN? Unimog? Magirus-Deutz? Iveco? Steyr? Hanomag? Gar ein IFA W50Tatra oder Praga? Und wo kauft man an einen als Basisfahrzeug geeigneten Allrad – LKW? Was kostet so ein Allrad – LKW? Fragen über Fragen. Also versuche ich mal, zumindest die gängigsten Typen nebst den ungefähren Kosten vorzustellen.

Mercedes MB 1124 AF (LK) - perfekte Basis mit vertretbaren Kosten für ein Expeditionsmobil, ob mit gebrauchtem oder neuen Ausbau

Mercedes MB 1124 AF (LK) – perfekte Basis mit vertretbaren Kosten für ein Expeditionsmobil, ob mit gebrauchtem oder neuen Ausbau

Ein Allrad-LKW unter 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht?

Das wollen alle, die den alten Führerschein haben. Viel Spaß ohne Anstrengung. Gerade für Einsteiger in das Thema LKW ist es aus meiner Sicht besonders schwierig, mit einem richtigen Allrad-LKW unter 7,5 t zu bleiben. Denn dazu müsste man sich ganz schön in seinen Wünschen einschränken. Und das gelingt meistens nur erfahrenen Reise- und Expeditionsmobilisten.

Seht Euch meinen Mercedes 1124 (LK) an: Mit Koffer und Zwischenrahmen, aber ohne Flüssigkeiten und Ausbau wog der schon fast 6,5 Tonnen. Und der Mercedes LK gehört schon zu den leichten LKW‘s. Heißt ja extra Leichte Klasse. Noch 500 l Diesel und 500 l Wasser und ihr seid schon im Leergewicht über 7,5 t. Wer also einen ausgebauten Allrad-LKW unter 7,5 t reisefertig bringen will, also mit Fahrgästen, Flüssigkeiten, Vorräten, Werkzeug und Gepäck, muss sich meist ganz schön einschränken.

Wer trotzdem unbedingt unter 7,5 t bleiben und keinen Allrad-Kastenwagen kaufen will, der sollte einen Blick auf Mercedes Kurzhauber LA 710/LA 911, Mercedes LK (MB 917 bis MB 1124), VW-MAN G90 (8.136 / 8.150) oder DAF T244 werfen. Das sind die leichtesten Fahrgestelle, die ich kenne. Und die gleichzeitig noch recht verbreitet sind. Mit einem einfachen Ausbau, der originalen Bereifung und kleinen Tanks lassen sich diese LKWs auch in der 7,5 t Klasse bewegen.

Wer jedoch Allrad-LKW fahren, riesige Reifen montieren und sich beim Ausbau nicht besonders einschränken will, sollte erst mal einen richtigen Führerschein machen. Und glaubt mir: Es tut gut, sich wieder einmal auf die Schulbank zu setzen. Wer aber meint, die 1000 zusätzlichen Euro für den großen LKW-Führerschein nicht aufbringen zu können, der sollte den Gedanken an einen Allrad LKW unter 7,5 t gleich wieder sein lassen. Denn für diesen Preis bekommt man noch nicht einmal zwei neue Reifen. 🙂

Die Gretchenfrage: Welcher LKW-Typ bist du?

Viele Einsteiger meinen ganz genau zu wissen, was sie wollen und was sie nicht wollen. Letztlich entscheiden aber drei Kriterien über den richtigen LKW: Das finanzielle Budget sowie die eigenen (technischen und zeitlichen) Fähigkeiten. Wer schrauben kann, Geld und Zeit hat, ist hier natürlich im Vorteil. Da kommt jedes Fahrzeug in Betracht. Da geht sogar ganz neu. Oder ganz neu gemacht. Es bleibt allerdings die Qual der Wahl.

Wer ausreichend Geld hat, aber aus zeitlichen oder persönlichen Gründen nicht selbst schrauben kann, ist schon eingeschränkter. Ich empfehle Mercedes oder MAN aus den neunziger Jahren. Diese Fahrzeuge kann man fast auf der ganzen Welt völlig unabhängig vom Alter in einer Vertragswerkstatt auf den Hof stellen und (fast) alles machen lassen. Beim Bezahlen nicht vergessen, die Augen zuzumachen. Allerdings sind diese Investitionen recht wertstabil.

Für Selbstschrauber ohne großes Budget empfehle ich Magirus-Deutz (170 D 11) oder frühe Ivecos (90-16). Herz dieser Fahrzeuge ist ein außerordentlich robuster und gleichzeitig einfacher, luftgekühlter Deutz-Dieselmotor. Die Peripherie sind meistens Normteile, die sich mit ein wenig Aufwand im freien Handel beschaffen lassen. Zu Iveco bracht ihr allerdings nicht zu gehen. Die haben auf alte LKWs keine Lust. Am besten und wahrscheinlich am billigsten ist ein identischer Ersatzteilspender. Ihr merkt schon: Ein Schrauber ist nichts ohne viel Platz.

Kein Geld und kein Schraubertalent? Au weia. Da würde ich mir keinen Allrad LKW kaufen. Schon gar keinen billigen. Das kann gut gehen. Muss aber nicht. Denn wenn etwas am Allrad-LKW kaputt ist, geht es gleich heftig ins Geld. Und die Zeiten von billigen, unzerstörbaren Kurzhaubern sind vorbei. Kauft lieber einen Mercedes Düdo oder T2. Diese Busse sind groß, hinreichend geländegängig und extrem zuverlässig. Mit wenig Aufwand instandzuhalten.

Echte Freaks kaufen natürlich Exoten wie Steyr, Saurer, Tatra, GAZ66, W50 oder DAF und reisen damit um die Welt. Verdienen sich Respekt. Oder verharren in der Dauerschleife aus Hallensuche, Kiesgrube und Fahrzeugtreffen. Hat aber auch seine Berechtigung.

Wo kann man Allrad-LKW’s von Feuerwehr, THW, Behörden kaufen?

Die einfachste und billigste Variante, an eine Basis für ein Allrad – Expeditionsmobil zu kommen, ist der Kauf einer ausgemusterten Feuerwehr. Natürlich am besten direkt auf einer Versteigerung. Zum Beispiel werden Allrad-LKW’s von Behörden bei der VEBEG versteigert. Die gebrauchten LKW’s stammen von der Feuerwehr, vom THW oder auch von der Polizei. Meist sind es Magirus-Deutz, Mercedes-Benz oder MAN. Diese LKW’s verfügen oft über Doppelkabinen und sind erst einmal relativ billig. Hinsichtlich des Erhaltungszustands kann man keine allgemeinen Aussagen treffen. Positiv ist, dass die LKW’s bis zum Verkauf meist trocken und warm in einer Halle gestanden haben. Negativ sind lange Standzeiten sowie die schnellen und kurzen Beanspruchungen.

Die besonders begehrten und entsprechend teuren kurzen Doppelkabinen (Dokas) gibt es vor allem von Schweizer Feuerwehren.

Natürlich gibt es auch andere Quellen für geeignete Allrad LKW‘s. Auf mobile finden sich immer wieder Angebote von Händlern oder kleinen Unternehmen vor allem aus dem Garten- und Landschaftsbau. Hier solltet ihr einfach eine Zeit lang den Markt beobachten. Dann ergibt sich schon ein ganz gutes Gefühl für die angebotenen Basisfahrzeuge. Eine weitere Möglichkeit, an ein geeignetes Basisfahrzeug zu kommen, sind aufgegebene Projekte von Leidensgenossen.

Angesichts diverser Umweltzonen sind die Baujahre 1970 – 1989 besonders für den Umbau zu Expeditionsmobilen geeignet. Da diese Basisfahrzeuge älter sind als 30 Jahre, kommt prinzipiell eine Zulassung mit H-Kennzeichen in Frage. So ein logisches Kennzeichen ermöglicht die Einfahrt in Umweltzonen und hält die Kosten für Steuern und Versicherungen niedrig. Dennoch sind diese LKWs bereits relativ modern, wartungsarm und robust.

Magirus-Deutz: Robuste und preiswerte LKW’s

Erstaunlich preiswert sind ausgemusterte oder schon privat „zwischengelagerte“ Feuerwehr- LKW’s von Magirus-Deutz. Diese robusten LKW’s, vor allem der beliebte 170 D 11, verfügen über einen leistungsstarken, zuverlässigen und einfach aufgebauten Deutz-Motor mit Gebläseluftkühlung. Leider ist Magirus-Deutz aus Ulm in IVECO aufgegangen. Dadurch wurde auch der Schriftzug Magirus-Deutz im Kühlergrill immer kleiner. Bis die LKWs irgendwann nur noch als Iveco firmierten. Allerdings sind diese frühen Ivecos wie zum Beispiel der 90-16 auch keine schlechten Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil.

Die Preise für einen gebrauchten Magirus-Deutz beginnen bereits ab etwa 2.000 Euro.

Iveco / Magirus-Deutz 90-16 vom THW sind gute Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil

Iveco / Magirus-Deutz 90-16 vom THW sind gute Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil

Mercedes-Benz Kurzhauber als perfekte Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil

Die Mercedes Kurzhauber (MB 710, MB 911 und vor allem das B-Modell MB 1113) mag ich ja ganz besonders. Gerade als Basis für ästhetisch besonders ansprechende Allrad – Wohnmobile und Fernreisemobile. Allerdings sind deren Preise (vor allem gemessen am Fahrkomfort) aber jetzt schon ziemlich hoch. Mittelfristig werden die Kurzhauber-Preise zumindest für das B-Modell des MB 1113 wohl über den frühen NG-Frontlenkern von Mercedes liegen. Die Mercedes Kurzhauber haben aber den unschlagbaren Vorteil, dass diese Modelle und der OM 352 fast auf der ganzen Welt im Einsatz sind.

Und wer es bei den kleinen LA 710 oder 911 mit dem Ausbau nicht übertreibt und nur leichtes Gepäck dabei hat (Nur E-Books, Sandbleche aus Kunststoff), kann auch unter 7,5 t Gesamtgewicht bleiben und sein Allrad-Wohnmobil mit dem alten Führerschein fahren.

Wer also noch einen Kurzhauber für unter 10.000 € bekommt, sollte zuschlagen. Noch billiger sind nur die Rundhauber-Modelle.

Die Neue Generation von Mercedes-Benz (NG)

Die Neue Generation ist eigentlich nichts anderes als ein Kurzhauber mit Frontlenkerkabine. Die frühen Mercedes NG werden als lange Doppelkabine als Projektabbruch gebraucht immer mal wieder ab 6.000 Euro angeboten. Das sind meist sogenannte Mercedes NG (Neue Generation). Besonders häufig als Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil sind MB 1017 mit dem OM 352 und 170 PS (und ca. 5,5 Tonnen Leergewicht). Der MB 1017 A wurde und wird auch zehntausendfach bei der Bundeswehr und allen möglichen Armeen der Welt eingesetzt. Damit ist nicht nur die Ersatzteilversorgung, sondern auch das Vorhandensein erfahrener Mechaniker weltweit gewährleistet. Kein Wunder, dass der MB 1017 A eines der häufigsten Fahrgestelle für Expeditionsmobile ist. Schon seltener sind die stärker motorisierten MB 1019 oder MB 1222.

Die Preise für brauchbare Mercedes NG mit Normalem Fahrerhaus beginnen nach meinen Marktbeobachtungen bei etwa 15.000 €. Günstiger sind die langen Doppelkabinen (Dokas).

Neuere Fahrgestelle von MAN, Mercedes-Benz oder Unimog

MAN LE 220 C mit kurzer Doka und Euro 3

MAN LE 220 C mit kurzer Doka und Euro 3

Für ein hochwertiges Fahrgestell für ein Expeditionsmobil gibt es aus meiner Sicht vor allem drei Kriterien: Maximal Euro 3, ABS und LKW-Marke. Da bleibt nicht mehr viel übrig. Die üblichen Verdächtigen im mittleren Alter stammen vor allem von MAN oder Mercedes. Incl. Unimog natürlich.

Dazu werden gern auch militärische Varianten des Steyr (12M18 des österreichischen Bundesheers) sowie des neueren IVECO Eurocargo (Bundeswehr) verwendet. Doch sind zwar auch diese Allrad LKW‘s interessante Basisfahrzeuge für den Umbau zu Expeditionsmobilen. Schließlich bieten diese LKW’s mit Allradantrieb, mittellangen Fahrerhäusern, Einzelbereifung und relativ langen Achsen eigentlich ideale Voraussetzungen für den Umbau zum Expeditionsmobil. Allerdings sind diese Marken weniger beliebt und können daher problematisch bei einem etwaig notwendigen Verkauf sein. Und wer weiß schon, was morgen sein wird?

Kurze Dokas gibt es vor allem in der Schweiz

Kurze Dokas gibt es vor allem in der Schweiz

Selten und entsprechend teuer sind elektronikfreie Euro-2-LKW mit der jeweils verfügbaren Spitzenmotorisierung (bei der LK genannten Leichten LKW – Klasse von Mercedes also 240 PS im MB 1124) und einem langen Fernfahrerhaus. Noch seltener und teurer sind LKW‘s mit einer kurzen, familientauglichen Doppelkabine (Doka). Im Idealfall gibt es aber schon ABS sowie die Möglichkeit der Nachrüstung auf Euro 4 durch Einbau eines Dieselpartikelfilters DPF.

Für die Topmodelle kostet allein die Basis für das Expeditionsfahrzeug zwischen 30.000 und 50.000 €.

Expeditionsmobile ohne (Kosten-) Limits: Euro-6-LKW

In einer anderen Liga spielen Expeditionsmobile auf Basis neuer MAN- oder Mercedes-Allrad-Fahrgestelle mit Einzelbereifung. Seit dem Auslaufen der letzten Ausnahmeregelungen für die Neuzulassung von Euro-5-Modellen im Jahr 2015 stehen für Neufahrzeuge nur noch Euro-6-Fahrgestelle zur Verfügung.

Die Kosten beginnen etwa bei 70.000 € für einen Atego MB 1018 Allrad oder einen TGM 13.250. Wer einen neuen 6×6 will, zahlt schon für die Basis mindestens 150.000 €. So einen 6×6 habe ich sogar schon mal als Unimog-Spezialumbau gesehen. Diese Euro-6-LKW’s sind für Reisen in Europa und Nordamerika zumindest innerhalb der Gewährleistungsfristen sicherlich eine einfache und komfortable Variante. Die Reiseziele werden dann aber durch die Verfügbarkeit von kristallklarem Diesel, AdBlue und modernsten Diagnosegeräten bestimmt. Und ohnehin passt so ein Kurzhauber – Expeditionstruck in Afrika einfach auch viel besser in die Landschaft als ein Super – Allrad – LKW á la MAN TGS 33.540 6×6.

Ost-Exoten als Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil?

Also ich kenne die Dinger ja noch von früher. Und ich muss sagen, dass sich W50, Praga, Tatra, Ural, KraZ, ZIL und GAZ im Gelände schon recht souverän fortbewegten. Wenn sie denn ansprangen. Aber im realen Leben? Ich weiß nicht. Da möchte ich weder in den minimalistischen Fahrerhäusern lange sitzen. Noch den Sprit bezahlen müssen. Und erst recht nicht ständig herumbasteln. Wenn ich also mal Bock auf russische Allrad Monster habe, hole ich Spintires aus der Garage. Mit diesem Offroad Truck Simulator ist Freude ohne Reue garantiert. 😃

Und hier geht es nach der Analyse möglicher Basisfahrzeuge weiter zur Frage, welche Faktoren die Kosten für den Umbau zum Expeditionsmobil bestimmen. 

Übersicht über Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil

Um sich über mögliche Basisfahrzeuge für ein Expeditionsmobil einen Überblick zu verschaffen oder die technischen Daten nachzulesen, bietet sich „Der Oswald“ an. Der relevante Band 3 kostet als Taschenbuch keine 15 €  und bietet eine sehr gute Einführung zu den für einen Umbau zum Expeditionsmobil möglichen LKW‘s und Lieferwagen.

Die aus meiner Sicht vollständigste (und ehrlichste) Übersicht der Umbaukosten findet sich im Buch von Ulrich Dolde.

Trotzdem denke ich, dass ein Expeditionsfahrzeug, nicht unbedingt Allradantrieb haben muss, sondern vor allem durch Verzicht glänzt. Insofern wäre doch eine rudimentäre G-Klasse ideal. Auch wenn mich in neuen Modellen wie dem Mercedes W464 ein bisschen die Elektronik abschreckt. Aber auch da wird man sich wohl dran gewöhnen müssen. Und die Dieselqualitäten weltweit werden auch langsam besser.
noope
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6 Antworten

  1. michael unterwegs sagt:

    Hey da ist es ja ganz ordentlich weitergegangen an Eurem Reisemobil.

    Freut mich das zu sehen und zu lesen. Das sieht richtig toll aus.

    Dann immer gute Fahrt und haltet Eure Siebesachen beisammen 😉

    Grüße
    Michael

  2. Ralf sagt:

    Hallo,
    Würdet ihr das Mobil auch vermieten?

  3. Holger sagt:

    Hi Tom, wieso magst du den Iveco nicht? Ich finde, der Iveco Eurocargo ist ein guter Kompromis.

    Grüsse, Holger

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