ᐅ Anleitung zum WIG-Schweißen von Edelstahlblech

Erst als ich versucht habe, das WIG-Schweißen selbst zu lernen, habe ich gemerkt, wie wenig hilfreiche Literatur es zu dem Thema gibt. Was fehlt, sind vor allem die praktischen Tipps, die nur der langjährige Schweißer kennt. Ein Schweißer schreibt aber nicht, er schweißt. Wer aber schreibt, der schweißt nicht.

Tipps für das WIG-Schweißen vom Profi

Zum Glück hat mich also am Samstag ein Profi unterstützt – nicht nur beim WIG-Schweißen selbst, sondern vor allem beim Verstehen des WIG-Schweißens – hier beim Schweißen einer Kehlnaht aus 2-mm-Edelstahlblechen. Natürlich habe ich wie ein ordentlicher Schüler fleißig die Anleitung mitgeschrieben:

Ausrüstung für das WIG-Schweißen

Ausrüstung für das WIG-Schweißen

  • Die Stromstärke kann etwa 50 Ampere für einfaches 2 mm Edelstahlblech betragen, 80 Ampere für eine Kehlnaht. Bei höherer Stromstärke muss man den Brenner schneller über das Blech führen – bei geringerer Stromstärke entsprechend langsamer.
  • Der Durchfluss an Argon sollte zwischen 6 und 8 l/min betragen. Und viel hilft nicht viel: Wenn der Argondurchfluss zu hoch wird, wird zu viel Sauerstoff ins Schmelzbad eingetragen.
  • Auflegen der Keramikdüse ist (für Anfänger) am besten, um den Abstand gleich zu halten. Das Schmelzbad wird vor der Düse hergeschoben.
  • Das Zünden des Lichtbogens erfolgt bei meinem kleinen Kemppi mit Streichzündung. Das ist zwar nicht mehr zeitgemäß, geht aber problemlos. Die meisten reinen WIG-Schweißgeräte haben eine HF-Zündung (Hochfrequenz).
  • Sobald unter dem Lichtbogen der Wolframelektrode das silbrig glänzende Schmelzbad aus flüssigem Metall zu sehen ist, den für die Stahlgüte passenden Schweißdraht zuführen.
  • Der WIG-Brenner mit der Wolframnadel sollte einen möglichst geringen Abstand zum Blech haben, aber nicht ins Schweißbad eintauchen.
  • Das Schmelzbad sollte einen kleinen Hügel aufweisen, um das Metall nicht zu sehr aufzuschmelzen.
  • Der Schweißdraht muss zugeführt werden, wenn das Schmelzbad zu flach wird.
  • Beim WIG-Schweißen der Kehlnaht wird der WIG-Brenner vom oberen zum unteren Blech leicht hin und her geschwenkt und Schweißdraht reichlich zugeführt. Stromstärke dann etwa 80 Ampere, um beide Bleche an der Oberfläche anzuschmelzen.
  • Besonders wichtig ist die richtige Geschwindigkeit beim WIG-Schweißen: Der Vorschub des Brenners und das Eintupfen des Schweißdrahts muss miteinander harmonieren.
  • Der Schweißdraht kann bei jeder Pendelbewegung eingetippt werden, bei einem großen Spalt kann der Schweißdraht auch stehen bleiben.
  • Den Schweißdraht kurz halten, damit er nicht wackelt. Die Nachführung des Schweißdrahtes erfolgt durch Einklemmen und Nachschieben zwischen dem Ringfinger. Hierzu ist das Üben der Fingerfertigkeit (mit Handschuhen!) wichtig. Soft-Touch-Handschuhe sind hier praktisch.
  • Falls der Schweißdraht mit der Wolframelektrode in Verbindung kommen und zusammenschmelzen sollte, sofort den Schweißdraht loslassen, da sonst die Masse über den Körper fließt.
  • Bei sehr dünnem Blech sollte die Schweißraupe möglichst schmal werden, da sonst zu viel Wärme in das Blech eingetragen wird und Verzug entsteht.
  • Das Ziel besteht darin, dass das Blech erhitzt und zum Schmelzen gebracht wird, aber nur an der Oberfläche und nicht in der Tiefe. Wenn das Schmelzbad durch das Blech durchbrennt, war man zu langsam oder die Stromstärke war zu hoch.
  • Eine „versaute“ Wolframnadel mit einem Schleifbock oder (wie bei mir) von Hand mit einer Schruppscheibe oder (besser) einer Lamellenscheibe in Längsrichtung (also tangential) spitz anschleifen und dabei nicht glühen lassen.
  • Schweißnaht nach dem Abkühlen mit der Drahtbürste oder Zopfbürste abbürsten.

Zusehen beim WIG-Schweißen

Nach der eigenen Übungsstunde wollte ich mal zusehen, wie „man“ das richtig macht. Also ran an die Kantteile…

Aufstelldach selbst bauen: WIG-Schweißen Dachrahmen

Aufstelldach selbst bauen: WIG-Schweißen Dachrahmen

Ursprünglich hatte ich mir ja vorgestellt, das Stehblech mit einer langen Schweißnaht mit dem liegenden Blech zu verbinden – und das auch noch wasserdicht. Von dieser Anfängeridee musste ich mich aber ganz schnell verabschieden, da sich das Blech bei einer durchgängigen Schweißnaht beim WIG-Schweißen viel zu stark verziehen würde. Also wurde das von mir mühevoll gestichsägte und zurechtgeflexte Stehblech mit der Form des Kastenwagen-Dachs erst einmal nur gepunktet und dann so ca. alle 10 cm mit einer kleinen Raupe von je ca. 2 cm verschweißt.

Provisorischer Schweißtisch

Provisorischer Schweißtisch

Anprobe auf dem Dach

Das Schweißgerät hat also seine Hauptfunktion am Aufstelldach erst einmal erfüllt. Im nächsten Bild sieht man, wie ich gearbeitet habe: Es ist schon schwer, ohne Laserschneider ein sauberes, halbrundes Profil hin zu bekommen, das perfekt an die Dachhaut passt. Da das Profil aber ohnehin mit viel Sikaflex auf dem Dach verklebt wird, kann ich die Ungenauigkeiten gut ausgleichen. Und auch da, wo die durchgängige Schweißnaht sein sollte, wird eine Bahn Sikaflex für Wasserdichtigkeit sorgen. Aber das dauert noch, denn am Rest-Wochenende war Kindergeburtstagsparty mit großer Waldschatzsuche…

Anprobe des Vorderteils vom Dachrahmen

Anprobe des inneren Dachrahmens auf dem Kastenwagen-Dach

Und jetzt muss ich langsam mal die Gasdruckdämpfer bemessen und bestellen

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1 Antwort

  1. Chris sagt:

    WIG-Schweißen ist wirklich nicht leicht und nicht nur aus Büchern zu lernen. Die Beschreibung ist ganz gut, aber Du solltest mal einen Kurs besuchen.

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