ᐅ Hubbett selber bauen: Aufhängung mit vorgespannter Zentralwelle

Das schon vormontierte, zusammengeschobene Hubbett (siehe den Beitrag zum Rahmenbau) soll ja mit Gurten unter das Dach gezogen werden. Also so weit, dass die Bettunterkante und die gesamte Mechanik oberhalb der Fensterfront liegen (siehe den Beitrag zur Planung). Damit muss der Gurtansatzpunkt im Kastenwagen oberhalb des Rahmenprofils über den Fenstern liegen. Also habe ich aus den alten Seitenverkleidungen (3 mm mit Filz bezogene Aluminiumplatten) mit meiner Stichsäge zwei seitliche Dachverkleidungen gesägt. Aufgrund der komplizierten Form im Kastenwagen natürlich wieder mit einer Pappvorlage. Durch die passgenaue Form der Konstruktion sind die Seitenverkleidungen sehr steif und klemmen auf bzw. hinter den Rahmenprofilen. Vielleicht muss ich aufgrund der Querkräfte noch eine Queraussteifung unter der Decke selber bauen. Mal sehen. Das Hubbett kann ich ja jederzeit entsprechend nachrüsten.

Hubbett im Kastenwagen - Fahrerhaus: Seitliche Dachverkleidung mit Gurtaufnahme

Hubbett im Kastenwagen – Fahrerhaus: Seitliche Dachverkleidung mit Gurtaufnahme

Die Befestigung der seitlichen Dachverkleidung erfolgt am umlaufenden Kastenprofil mit jeweils 4 Blindnietmuttern M8. Ebenso die Verschraubung der oberen Gurtaufhängungen. Und nachdem ich nun insgesamt 20 Blindnietmuttern von Hand und ohne Spezialwerkzeug eingepresst (und dabei vier M8-Schrauben nebst Muttern verbraucht) habe, konnte ich mich nun doch noch durchringen und eine richtige Nietmutternzange kaufen. Nach der Pleite mit der Super-Gesipa bin ich mit der BGS 405 diesmal auch super zurechtkommen. Endlich geht das Einziehen der Blindnietmuttern wie Brezelbacken. Eine Blindnietzange ist ohnehin das „Schweißgerät des kleinen Mannes“ und ermöglicht vorher unmachbare Befestigungslösungen…

Endlich eine brauchbare Nietmutternzange (BGS 405)!

Endlich eine brauchbare Nietmutternzange (BGS 405)!

Montage der Zentralwelle für das Hubbett

Anschließend habe ich den schon vorher fertiggestellten Rahmen nochmals umgebaut. Die Mechanik des nur über eingeschobene Profile realisierten Auszugs war zu schwergängig. Nun funktioniert der Auszug zur Vergrößerung der Liegefläche des Hubbetts mit Schwerlastauszügen. Die Mechanik rund um die Zentralwelle ist nichts anderes als ein einfaches Aluminiumrohr. Mittels zweier (mit dem Dremel) eingeschliffener und von Hand eingepresster Kugellager läuft das Rohr auf einer durchgehenden Gewindestange M10. Allerdings kann ich mir als Büromensch nicht eben mal ein paar Teile drehen. Also bestand die Kunst darin, ausgehend von der 10er Gewindestange ein passendes Kugellager (Innendurchmesser 10 mm, Außendurchmesser 26 mm) und dann wieder 2 passende Aluminiumrohre zu finden. Entgegen meinen sonstigen, internetfixierten Gewohnheiten erforderte dies meine persönliche Anwesenheit in 2 ortsansässigen Fachgeschäften. Aber nun läuft die Zentralaufnahme für die Gurte des Hubbetts butterweich.

Hubbett: Mechanik der Zentralwelle für die Gurtaufhängung mit Kugellager

Hubbett: Mechanik der Zentralwelle für die Gurtaufhängung mit Kugellager

Die Gewindestange ist einmal komplett durch 2 Blindnietmuttern im vorderen und hinteren Rahmenteil durchgeschraubt und anschließend abgeflext. Vor dem Einbau der Zentralwelle habe ich noch 2 geschlitzte Aluminiumrohre mit den eingeklemmten Gurten aufgeschoben. Die Schiebestücke habe ich jedoch erst nach dem Ausprobieren und Ausrichten des Hubbetts über den Vordersitzen im Fahrerhaus des Wohnmobils vernietet.

Hubbett: Gurtaufnahme mit Schiebestück an der Zentralwelle

Hubbett: Gurtaufnahme mit Schiebestück an der Zentralwelle

Vorspannung der Zentralwelle des Hubbetts mit Zugfedern

Grundlegende Idee war diesmal, die Mechanik des Hubbetts mit einer durch Zugfedern vorgespannten Zentralwelle zu realisieren, die die Gurte zum Heben und Senken des Hubbetts im Kastenwagen auf- und abwickelt. Angefangen habe ich erst einmal mit 2 Zugfedern mit einer Höchstkraft von je ca. 15 kg (153,7 N) und einem maximalen Federweg, der dem Hub des Bettes von 45 cm entspricht. Die Kraftübertragung auf die Welle erfolgt mit aufgewickelten Stahlseilen. Ansonsten hat sich zum elektrischen Hubfestbett in unserem MB 1124 Expeditonsmobil nicht viel geändert. Nur die Mechanik funktioniert nun manuell und nicht mehr elektrisch.

Hubbett oben: Kugelgelagerte Zentralwelle mit Gurten über den Vordersitzen im MB 711 Kastenwagen

Hubbett oben: Kugelgelagerte Zentralwelle mit Gurten über den Vordersitzen im MB 711 Kastenwagen

Die noch etwas provisorische Verknotung der Stahlseile ermöglicht mir dabei eine Variation der Vorspannung und eine Anpassung an das tatsächliche Gesamtgewicht der ganzen Mechanik sowie des Bettzeugs. Natürlich könnte man das auch berechnen, aber dazu hatte ich gerade keine Lust. Aber das soll schließlich ein Wohnmobil und kein wissenschaftliches Experiment werden.

Hubbett in unterer Position über dem Fahrersitz: Gurtaufhängung mit voll gespannten Zugfedern

Hubbett in unterer Position über dem Fahrersitz: Gurtaufhängung mit voll gespannten Zugfedern

Für meine Versuche mit der idealen Vorspannung am Hubbett habe ich mit dem Zugfedernrechner von Gutekunst insgesamt 4 Federn RZ-153DX (mit jeweils 15 kg Zugkraft) sowie zusätzlich noch 2 Federn mit jeweils ca. 30 kg Zugkraft (Z-168BI) bestellt – beide Varianten mit ca. 45 cm maximalem Federweg. Nach Einstellung der Vorspannung lässt sich das (noch leere) Bett nun mit einer Hand sehr leicht hoch und runter bewegen. Wenn die Matratze und das Bettzeug dazu kommt, muss ich die Vorspannung der Mechanik aber wahrscheinlich noch einmal anpassen und vielleicht zusätzliche oder andere Federn nachrüsten.

Technik im Fahrerhaus: Befestigung der Zugfedern am Rahmen des Hubbetts mit Ringschrauben

Technik im Fahrerhaus: Befestigung der Zugfedern am Rahmen des Hubbetts mit Ringschrauben

Konstruktion von Hubbett und Schiebetüraufhängung

Letztlich war das ganze Theater mit dem ausziehbaren Hubbett nur notwendig, da auf der rechten Fahrzeugseite wie bei jedem Kastenwagen die sehr ausladende Halterung für die Schiebetür im Weg ist. Sonst hätte man eine Konstruktion zum Schwenken wählen können. Nun sitzt das zusammengeschobene Hubbett aber ziemlich formschlüssig zwischen dieser Halterung und dem vorderen Rahmen über der Windschutzscheibe. Das funktioniert im Kastenwagen genauso wie im Fensterbus – im MB 508 genauso wie im MB 814.

Hubbett an der Kastenwagen - Schiebetür mit unteren Knotenblechen

Hubbett an der Kastenwagen – Schiebetür mit unteren Knotenblechen

Jetzt muss ich am Hubbett nur noch die Gurtführung sowie die obere, seitliche und untere Fixierung einbauen, den Bettauszug mit Latten versehen und alles ein bisschen hübsch machen.

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10 Antworten

  1. Mirko sagt:

    toll wie sie das hubbett hin bekommen haben ! danke dafür ! haben sie noch Bilder von den 4 schienen schwerlast Schubladen schienen ??? wie sie das befestigt haben ?? das wäre klasse !( schiebetüraufhängungen ??? Gerne wünsche ich noch viele Reisen und neue Projekte ihnen 🙂
    LG Mirko

    • Tom sagt:

      Hallo Mirko,
      die beiden Schwerlastschienen sind einfach an der Seite mit dem Kastenprofil verschraubt. Aber Bilder kommen natürlich noch, sobald ich richtig fertig bin mit dem Hubbett (und ich wieder etwas mehr Zeit habe). Derzeit läuft noch die Testphase. Geschlafen habe ich mit meinen beiden Jüngsten im Hubbett jedenfalls schon ziemlich oft.
      Viele Grüße!

  2. Lars sagt:

    Vielleicht habe ich es in den drei Artikeln auch überlesen, aber was für eine Liegefläche habt ihr hinbekommen? Gruß Lars

  3. Manfred sagt:

    Hallo Tom
    Mich würde interessieren wie du die die Stahlseile mit der Feder an der Zentralwelle befestigt hast.

    Bei meinen Chausson will ich das Hubbett mit den federn nachrüsten, ohne einen neuen Motor zu kaufen

    Dank dir schon Mal für die Antwort

    Manfred

  4. Paul sagt:

    HALLO Tom…

    Ich kann mich den anderen nur anschließen. TOLLE IDEE mit dem Hubbett… Ich fahre selber vario und möchte wegen Nachwuchs auch ein Bett ins Fahrerhaus integrieren. Ich selber habe schon über einen Garagentor Mechanismus nachgedacht aber deine Idee erscheint mir irgendwie realer …
    Ich habe auf den Fotos gesehen, dass du eine Art Anschlag nach oben hast. Wie sicherst du das Bett in der oberen Position? Und in der Schlafposition muss das Bett nach unten doch auch eine Auflage haben. Nutzt du da das Armaturenbrett? Und du hast von einer Führung gesprochen. Braucht man eine Führung für das auf und Ablassen des Bettes oder kann es auch einfach frei hoch und runter Wandern?

    So viele Fragen und die hoffentlich auch eine Antwort 😉

    Mfg Paul

    • Tom sagt:

      Hallo Paul, das Hubbett wird mit 2 Spanngurten unter der Decke fixiert. Unten hängt es in den aufgerollten Gurten. Zurzeit gibt es noch eine Auflage: Eine kleine Trennwand an der B-Säule zwischen Schiebetür und Beifahrertür. Führung habe ich keine eingebaut. War nicht nötig. Hmm, wir waren jetzt schon 3x mit dem Hubbett im Urlaub und ich habe noch keine brauchbaren Fotos vom fertigen Bett. Wird schon noch…

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