ᐅ IFA W50 Allrad mit LAK2: Stilechte Basis für ein Expeditionsmobil

Ich bewundere immer diejenigen, die wirklich mit einem IFA W50 Allrad Expeditionsmobil auf Weltreise gehen. Das ist wirkliches Abenteurertum. Doch ist die Entscheidung nicht eigentlich sinnvoll?

Basis für ein IFA W50 Allrad Expeditionsmobil

Schon die Konstrukteure des W50 waren sich bewusst, dass vor allem die Allradversion zu wenig Nutzlast hatte. Ursache war, dass viele technische Bauteile zu massiv ausgeführt waren. Doch gerade das könnte dem IFA W50 nun zum Vorteil gereichen, denn damit steigt die Robustheit des Fahrgestells. Und Nutzlast braucht man beim Umbau zum IFA W50 Allrad-Expeditionsmobil ja dann doch nicht so viel. Also sollte das Fahrzeug über genügend Reserven verfügen. Nicht umsonst sind die W50 in der DDR nicht verschrottet, sondern immer wieder aufbereitet worden. Einfache, geländegängige Technik.

Gerade so ein Exemplar der NVA mit einem LAK2 wäre zudem ziemlich stilecht. Nun gut, die grüne Farbe könnte an dem ein oder anderen Grenzübergang etwas irritieren. Und auch die Gewichtsverteilung ist sicherlich nicht optimal. Aber sonst?

IFA W50 Allrad Expeditionsmobil mit LAK2 der NVA

IFA W50 Allrad Expeditionsmobil mit LAK2 der NVA

Wo gibt es noch Ersatzteile für den W50?

Auf 571.800 gebaute, technisch fast unveränderte Exemplare kommt nicht jede LKW-Baureihe. Zudem wurden in erheblichem Umfang Ersatzteile produziert, da die W50 immer wieder aufbereitet worden sind. Weiterhin wurden bis zu 80 % aller W50 vor allem in Entwicklungsländer exportiert. Der W50 ist daher auch in einigen typischen Fernreisezielen bekannt. Nach Ungarn war der Hauptabnehmer für den W50 und den ab 1986 parallel gebauten Nachfolger L60 mit 72.209 Exemplaren ausgerechnet der Irak. Syrien steht in meinem W50 Buch nicht mit auf der Liste, aber dort habe ich auch mal einen W50 gesehen. Das gute Stück wird wohl aus dem irakischen Kontingent stammen.

Mutmaßlich irakischer IFA W50 in Syrien

Mutmaßlich irakischer IFA W50 in Syrien

Unbekannt ist natürlich, wie viele von den nach Angola (13.189), Ägypten (4.327), Mosambik (2.960), Äthiopien (2.500) Sambia (2.434), Madagaskar (706) und Uganda (406) gelieferten IFA W50 noch im Dienst stehen. Da aber in Afrika nichts und niemand verloren geht, sollten sich in diesen Ländern noch einige Mechaniker und Ersatzteile für diejenigen finden lassen, die ihre Weltreise tatsächlich mit einem W50 als Fahrgestell unternehmen wollen.

In Asien sieht die Liste der Abnehmer auch nicht schlecht aus: China (69.337), Vietnam (19.202) und der Iran (11.057) sollten heute die Hotspots für W50-Ersatzteile sein. Selbst von den 49.311 für die Sowjetunion bestimmten W50 werden doch wohl noch einige auf diversen Schrottplätzen vor sich hin rosten.

Reicht der Fahrkomfort des IFA W50 für ein Expeditionsmobil?

Eigentlich sind der einzige Luxus des W50 die Trittstufen am Vorderrad. Die sind wirklich ein Alleinstellungsmerkmal. Vor allem in Verbindung mit den fetten Niederdruckreifen 16-70/20. Erhältlich zum Beispiel noch in der Ukraine – wer genau hinsieht, erkennt die Herkunft an der vorderen Reifenflanke.

Niederdruckbereifung 16/70-20 und Trittstufen am IFA W50 Allrad

Niederdruckbereifung 16/70-20 und Trittstufen am IFA W50 Allrad

Doch wenn man erst mal hinter dem Lenkrad sitzt und den Vierzylinder startet, ist es mit dem Komfort vorbei. Der Vierzylinder-Dieselmotor ist zwar wassergekühlt, rattert aber direkt im Fahrerhaus zwischen Fahrer und Beifahrer. Das Getriebe ist nur teilsynchronisiert. Zumindest bei meinem Fahrschul-W50 waren Zwischengas und Zwischenkuppeln obligatorisch. Aber dafür lässt sich der W50 auch mal mit Klebeband reparieren.

Noch richtige Arbeit: IFA W50 Allrad Kipper fahren

Noch richtige Arbeit: IFA W50 Allrad Kipper fahren

Einen LAK2 als Wohnkoffer ausbauen?

Angesichts der Preise für Bundeswehrshelter (Zeppelin FM2) ist so ein LAK2 der NVA natürlich eine Variante, über die man nachdenken sollte. Beim Fahren vor allem auf Waldpisten ist das abgeschrägte Lichtraumprofil des LAK2 sinnvoll. Und ich mag auch das Licht von schräg oben. Allerdings fehlt an den Dachschrägen erheblicher Stauraum. Und beim LAK2 ist sowieso kein Stück gerade. Weder eine Wand, noch der Boden. Fast alle Flächen sind im Prinzip irgendwie gewölbt. Trotzdem kann man natürlich auch einen LAK2 ausbauen (lassen). Ist nicht groß, aber passt gut auf den W50.

Innenausbau eines LAK2 auf W50 Allrad

Innenausbau eines LAK2 auf W50 Allrad

Weitere Informationen und Quellen für die Exportzahlen

Wer mehr über den W50 wissen will, findet in der Schrader Typenchronik W 50 / L 60 nicht nur zahlreiche Originalfotos, sondern auch viele Fakten, Prospektauszüge und Details. Die Exportkennzahlen zum Beispiel stammen von Seite 93, die technischen Daten von Seite 91 der Schrader-Typen-Chronik (ISBN 978-3-613-03592-8).

Hier gibt es ein paar Fotos vom W50 Allrad Kipper.

Und hier gibt es noch einen Beitrag, wie man den IFA W50 von seinem Nachfolger, dem IFA L60 unterscheiden kann.

Aber was meint ihr: Würdet ihr mit einem IFA W50 Allrad Expeditionsmobil auf Weltreise gehen wollen? Also ich eher nicht. Wobei, das wäre mal was. Da wäre die Fahrt schon das Abenteuer.

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