ᐅ Expeditionsmobil light 2018: EURO 6 als Diesel oder Benziner kaufen?

Wir brauchen ein neues „Expeditionsmobil light“. Doch soll ich 2018 nun einen Diesel oder Benziner kaufen? Muss mal ein paar Argumente sammeln. Wohlgemerkt, es geht nicht um alte Technik, sondern um moderne Fahrzeuge nach EURO-6-Norm.

Ich hätte gern ein sauberes „Expeditionsmobil light“

Ich liebe alte Autos. Und ich bastle gern. Eine ideale Kombination eigentlich. Doch seien wir mal ehrlich: Alte Autos machen Dreck. Viel Dreck. Meine Jüngsten haben sich schon genau erklären lassen, was der Unterschied zwischen den verschiedenen Plaketten ist. Gefragt, warum wir keinen Euro 6 haben.

Was tanken wir morgen: Diesel oder Benzin?

Was tanken wir morgen: Diesel oder Benzin?

Und so reist das schlechte Gewissen immer mit. Gerade dann, wenn man auch noch öffentlich darüber berichtet. Und gleichzeitig habe auch ich immer wieder das alte Mantra wiederholt, wonach man mit einem modernen Fahrzeug nicht um die Welt reisen kann. Nun gut, wir sind selten in Städten und meistens ziemlich abseits. Und die meiste Zeit steht das Wohnmobil und produziert überhaupt keine Abgase. Aber trotzdem. Zumindest unser Expeditionsmobil light soll sauber und modern sein.

Vito: Euro 3 Fahrzeug mit Dieselpartikelfilter

Bislang war der Mercedes Vito mit Aufstelldach unser Expeditionsmobil light. Baujahr 2002. Erste Hand. Original Euro 3, nachgerüstet auf Euro 4. Trotz aller Unkenrufe hat der nachgerüstete Dieselpartikelfilter 10 Jahre ohne irgendein Problem gehalten. Grüne Plakette also. Und trotzdem hat der Vito mit seinem recht modernen und sparsamen CDI-Motor vollkommen klaglos marokkanischen, ukrainischen oder rumänischen Diesel geschluckt. Und so hat der Vito fast 300.000 km pannenfrei abgespult. Doch jetzt wird es Zeit für etwas Neues. 

So ein mit DPF aufgerüstetes Euro 3 Fahrzeug mit grüner Plakette ist eigentlich eine ideale Kombination. Relativ zuverlässig, relativ modern und relativ sauber. Aber eben nur relativ.

Warum nicht mit Euro 6 auf Expedition?

Und so gibt es ein neues Projekt. Ja, natürlich habe ich zuerst über einen schönen alten Geländewagen nachgedacht. Könnte ja einen frühen Mercedes G (W460) sanieren und als Expeditionsmobil light aufbauen. Hmm. Hänge ich da nicht zu sehr meinen alten Träumen nach? Sollte ich nicht mal alte Konventionen über Bord werfen? Meinem Nokia E61 mit QWERTZ-Tastatur habe ich auch nachgeweint. Wollte keine Bildschirmtastatur haben. Und nun habe ich sie. Bin zufrieden. Diktiere sowieso nur noch. Moderne Technik ist schon cool. Warum sollte ich also nicht auch mal ein modernes Auto kaufen?

Also ein Test: Im Euro 6 durch den Hohen Atlas. Ich muss wohl mal selbst erfahren, ob man mit einem modernen, sauberen EURO 6 auf Expedition durch Marokkos Berge und Wüsten gehen kann. Natürlich ohne mitfahrenden Tankwagen für die ganzen hochfeinen Wässerchen, die so ein moderner Motor heutzutage braucht. Also eine Tour ohne Werksteam. Ohne Unterstützung. Ganz allein.

Nun gut, ganz allein werde ich nie sein. Mindestens 2 Kinder „müssen“ immer mit auf Expedition. Also geht es darum, den Test mit den Mitteln eines normal arbeitenden Familienvaters zu realisieren, der auch ab und zu seinen Spaß braucht. Und der trotzdem seiner Verantwortung gegenüber Familie und Umwelt gerecht werden will. Also EURO 6. Nicht, weil wir müssten. Sondern weil wir wollen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich einen Diesel oder Benziner kaufen soll.

Transafrika mit Euro-6-Diesel?

Vorschriften für Euro-6-Dieselmotoren

Bislang war es einfach. Alle Fahrzeuge bekamen jede Art von Diesel. Den alten Mercedes Dieselmotoren war es egal.

Expeditionsmobil light als Diesel oder Benziner kaufen in 2018?

Expeditionsmobil light als Diesel oder Benziner kaufen in 2018?

Das wird wohl so nicht mehr gehen. Habe schon einmal recherchiert. Mercedes schreibt gemäß Betriebsstoffvorschrift 136.0, Schwefel im Dieselkraftstoff: „MB-Dieselmotoren sind ausgelegt für Dieselkraftstoffe, die den jeweiligen nationalen Anforderungen (in Europa EN 590) der frei gegebenen Märkte entsprechen.“

Das heißt erst mal gar nichts. Und gemäß EN 590 darf der Grenzwert seit dem 01.01.2009 bei maximal 10 mg/kg = 10 ppm = 0,001 % Gewichtsprozent liegen. Doch was ist, wenn der Wert höher liegt? Verliert man dann die Garantie? Nun gut, in der Bevo 136.0 heißt es auch: „Bei einem Schwefelgehalt von > 0,3 Gew.-% im Dieselkraftstoff wird die Lebensdauer des Motors beeinträchtigt.“  Und: „Schwefelgehalte über ca. 0,5 Gew.-% gelten als erschwerte Betriebsbedingung.“

Ich frage mich nur, ob Mercedes die Zahlen ernst meint. Oder ob da ein Zahlenfehler in der Betriebsstoff-Vorschrift ist. Denn 0,3 Gewichtsprozent sind eben mal das 300fache der Euronorm. Die Mercedes Dieselmotoren würden demnach noch einen Schwefelgehalt von 3.000ppm vertragen.

Schwefelarmer Euro-6-Diesel in Afrika?

Natürlich will ich auch mit dem neuen Expeditionsmobil light mal nach Afrika fahren. Also mal nach den dortigen Dieselqualitäten schauen. Die UN hat eine schöne Übersicht für den Schwefelgehalt im Dieselkraftstoff 2002 und 2017 veröffentlicht, gibt allerdings immer noch die alte Einheit ppm an, also part per million. 1ppm sind 0,0001%. Die Mercedes-Norm lässt nun aber Dieselkraftstoff bis maximal 0,3% / 3000 ppm Schwefelanteil zu. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Mercedes nicht vielleicht 0,0003% meint…

Die Karte zeigt, wo ich also mit einem modernen Euro-6-Dieselmotor in Afrika tanken kann. Hellblau, blau, grün, hellgelb. Da könnte ich tanken. Auf der Westroute also in Marokko, Mauretanien, Guinea, Ghana, Nigeria, Gabun und der Demokratischen Republik Kongo sowie in Angola, Namibia und Südafrika tanken. Na toll.

Schwefelgehalt Diesel in Afrika 2002 und 2017, Angabe in ppm (parts per million)

Schwefelgehalt Diesel in Afrika 2002 und 2017, Angabe in ppm (Quelle: UN, 25.01.2018)

Euro-6-Diesel mit 200-l-Tank?

Erst mal mit ruhigem Gewissen tanken in der Westsahara. Nachfüllen in Mauretanien. Nach 1.500 km kommt Guinea mit Diesel von 500 – 2.000 ppm (0,05 – 0,2% Schwefelgehalt, wenn ich mich nicht verrechnet habe). Passt gerade noch so. Nach weiteren 1.000 km kommt Ghana. Dort soll es Diesel mit 15 – 50 ppm Schwefelanteil geben (0,0015 – 0,005%). Hmm. Da bräuchte ich mit ein bisschen Sicherheit ja wenigstens 200 l Diesel an Bord eines G350. Vom AdBlue mal ganz abgesehen. Also 100 l im Tank und 100 l Diesel in Kanistern. Macht 5 große 20-l-Kanister. Nicht schön, aber geht. Wenn die Karte stimmt. Und wenn sich Mercedes nicht verrechnet hat…

Mit einem Euro-6-Diesel durch Afrika wird also spannend. Zumindest wenn man sicher innerhalb der Betriebsstoffvorschriften neuer Mercedes-Dieselmotoren bleiben will. Doch zum Glück gibt es wenigstens in Marokko und der Westsahara keine Probleme. Dort gelten 15 ppm / 0,0015% Schwefelgehalt als Grenzwert. Auch die Bevo 136.1 bestätigt den Wert für Marokko von unter 0,1%.

Die fahren auch in 50 JAhren noch: Mercedes W123 in Marokko

Die fahren auch in 50 Jahren noch: Mercedes W123 in Marokko

Wie weit kommt ein Euro-6-Benziner in Afrika?

Anforderungen an Benzin für Euro-6-Motoren

Ein moderner Diesel hat also seine Tücken. Doch die G-Klasse gibt es ja auch als Benziner. Der kleinste Euro-6-Benziner ist ein V8 mit 422 PS im G500. Auf dem Weg zur Eisdiele schon mal nicht schlecht. Wobei, ich hatte ganz vergessen, wir laufen ja immer. Also Afrika. Doch so ein Benzinmotor braucht bleifreien Sprit. Das ist offenbar so selbstverständlich, dass es in der Betriebsvorschrift von Mercedes gar nicht mehr aufgeführt ist.

Allerdings wird in der Bevo 125.0 auf die notwendige Reinheit des Benzins und vor allem auf mögliche Schäden der Benzinversorgung durch Wasser im Kraftstoff verwiesen. Um die geforderten Eigenschaften von Benzin zu erfüllen, schlägt Mercedes die Beimischung eines Reinigungsadditives vor. Ein paar Liter von dem Zeug im Kofferraum sollten ausreichen.

Sonst gibt es keine Forderungen, sondern nur Empfehlungen. Meine KTM hat so einen Drehschalter unter der Sitzbank, mit dem man die Spritqualität einstellen kann. Vielleicht versteckt sich sowas ja irgendwo im G500 auch? Muss mal bei Mercedes nachfragen.

Wo gibt es in Afrika bleifreies Benzin?

Doch was ist mit bleifrei? Gibt es bleifreies Benzin flächendeckend in Afrika? Nach Angaben der UN haben sich schon auf dem Nachhaltigkeitsgipfel 2002 alle afrikanischen Länder südlich der Sahara verpflichtet, von verbleitem auf unverbleites Benzin zu wechseln. 2006 hatten (angeblich) alle 49 betroffenen Länder die Einführung von bleifreiem Benzin umgesetzt. Also theoretisch und regierungsoffiziell. Gemeldet sind solche Erfolgszahlen ja schnell. Aber ob die Tankstellen auch vom Regierungsversprechen wissen?

Alles Benziner: Mercedes Taxis in Amman / Jordanien

Alles Benziner: Mercedes Taxis in Amman / Jordanien

Diesel oder Benziner kaufen?

Tja, keine Ahnung. Muss jeder für sich entscheiden. Da spielt ja nicht nur die Spritqualität in Afrika rein. Aber für unser neues Expeditionsmobil light wird es wohl auf einen Euro-6-Benziner hinauslaufen. Die Dieselmotoren sind mittlerweile aufgrund der aufwändigen Abgasreinigung einfach zu empfindlich.

Und da sind die möglichen Fahrverbote für Diesel in europäischen Innenstädten noch gar nicht berücksichtigt. Aber wer weiß schon, was in fünf Jahren ist. Na, zur Not habe ich ja noch den MB 711. Der frisst alles. Auch wenn er nicht mehr überall hindarf.

Quellen und weitere Infos zu Diesel und Benziner

Info zur EN 590, Dieselkraftstoffe: Wiki

Umrechnung ppm in Gewichtsprozent: Klick

Mercedes-Benz, Betriebsstoffvorschrift 136.0, Schwefel im Dieselkraftstoff: Bevo 136.0

Mercedes-Benz, Betriebsstoffvorschrift 136.2, Weltweite Schwefelgehalte handelsüblicher Dieselkraftstoffe: Bevo 136.2

Angaben der UN zum Schwefelgehalt im Diesel in Afrika 2002 und 2017 (incl. der entnommenen Abbildung): Klick

Mercedes-Benz, Betriebsstoffvorschrift 125.0, Kraftstoffe für Ottomotoren: Bevo 125.0

Angaben der UN zu bleifreiem Benzin in Afrika: Klick

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8 Antworten

  1. Ingo sagt:

    Wenn man bedenkt, wie sehr die Umwelt beim Bau eines Fahrzeugs verschmutzt wird, kann man mit einem alten Fahrzeug fahren bis es auseinanderfällt und hat damit die Umwelt dann weniger belastet, als würde man sich stattdessen ein neues kaufen.

    Es macht meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn, ein Fahrzeug gegen ein neues zu tauschen um die Umwelt zu schonen.

    • Tom sagt:

      Sehe ich auch so. Aber beim ohnehin fälligen Neukauf nach 15 Jahren gibt es keine Alternative zu Euro 6. Was bleibt, ist die Frage, ob man nun einen Diesel oder Benziner kaufen sollte. Und ob man Angst vor Computern auf Rädern hat…

  2. Kilian sagt:

    High tom,
    Wieder mal danke für deine Gedanken! Bei mir ist die schwierige Entscheidungen gefallen, nach langem suchen und die frage was brauchst wirklich für uns. Uns 2
    , den 3 kindern, bei der ersten jetzt endlich mit enkel. Geworden ist es ein Sprinter 4×4 von lastrada mit monocoque aufbau. Schnell noch zugeschlagen bevor der neue Sprinter rauskommt. In 4 Wochen steht er dann vor der Türe. Bin mal gespannt ob er den Erwartungen entspricht. Dafür hast du mir mit deinen Gedanken viel input gegeben.
    Liebe grüße, ach gestern waren wir noch in Südafrika 3 Wochen Seele baumeln lassen und wieder viel neues erlebt
    Kilian

  3. Tom sagt:

    Ja, ich finde, das kleiner und einfacher im Zweifel immer besser ist. Aber gleichzeitig hoffe ich, nicht für irgendjemandes Entscheidungen verantwortlich gemacht zu werden. Insofern wünsche ich viel Spaß mit dem kleinen Expeditionsmobil. Ach so, kann man den Sprinter denn eigentlich überhaupt nicht nur als Diesel, sondern auch als Benziner kaufen?

  4. Kilian sagt:

    High tom den sprinter gibt es als Benziner aber in D nur mit kleinem Motor, hatte mal ein freund von mir, seeeeeehhhr lahm.

  5. Karl sagt:

    Hallo Tom,
    wenn die Neuanschaffung aus ökologischen Gründen erfolgen soll, dann sollte aber auch bedacht werden, dass gerade auf langen Strecken und bei schweren Fahrzeugen der Benziner entsprechend viel Kraftstoff verbraucht/ CO2 emittiert wird. Bei einem leistungsstarken Motor wie im G im Besonderen.
    Hinzu kommt noch, dass auch für Direkteinspritzer der Einsatz von OPFs ansteht, weil auch hier nicht unbedeutend Partikel ausgestoßen werden.
    Von daher sollte der Diesel nicht vorab verteufelt werden.
    Was spricht denn gegen CNG, ohne recherchiert zu haben wie es um die Versorgung in Afrika steht.

    • Tom sagt:

      Hmm. Nur Laufen ist ökologisch korrekt. Am besten barfuß. Alles andere ist überflüssiger Luxus. Aber wenn man sowieso ein neues Auto „braucht“, muss es ja nicht unbedingt wieder ein altes sein. Und so versuche ich den Mut für ein Euro-6-Mobil aufzubringen. Doch dann stellt sich halt die Frage, ob Diesel oder Benziner kaufen. Partikelfilter haben beide. Und CNG? Ich weiß nicht. Dann lieber laufen 🙂

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