ᐅ Dolomitenbiwak 10: Über den Wolken von der Plose zur Peitlerscharte

Nun beginnt unsere über mehrere Jahre aufgeteilte Dolomitentour von neuem mit der Wanderung von der Plose zur Peitlerscharte. Eine schöne, kindgerechte Tour. Nun schon zum 10. Mal. Und zum ersten Mal in der Kombination mit den 3 jüngsten Kindern (5, 7 und 10). Natürlich wird wie immer biwakiert, da um diese Zeit die meisten Hütten leider bereits geschlossen haben.

Der Morgen nach dem Nachtbiwak: Nebel im Tal unter der Plose

Der Morgen nach dem Nachtbiwak: Nebel im Tal unter der Plose

Sa., 18.10.2014: Komplizierte Anreise nach Brixen

Mit der Bahn haben wir es bei unseren Männerurlauben nicht einfach. Oder vielleicht auch die Bahn mit uns. Jedenfalls bin ich sonst viel mit dem Zug unterwegs, aber prozentual gesehen ist die Ausfallquote bei den Fahrten ins Dolomitenbiwak am höchsten. Auch dieses Jahr wieder haben die Lokführer gestreikt. Also sind wir angesichts des schönen Wetters umgesattelt auf einen Mietwagen. Und auch hier war es fast der letzte Wagen, der in der ganzen Stadt verfügbar war. Ein Opel Insignia. Mit dem Auto sind wir früh ziemlich zeitig in Richtung München aufgebrochen. Und unterwegs hatten wir genug Zeit, mit der so schönen neuen Technik herumzuspielen. Das von Sixt gemietete Fahrzeug hat es mit der Sprachsteuerung jedenfalls nicht geschafft, die eigene Rückgabestation nahe des Hauptbahnhofs in München zu erkennen. Wir haben dann irgendwann kurz vor München die Versuche aufgegeben und einfach mein Handy aktiviert. Das funktioniert wenigstens. Und so ein Mietwagen hat noch mehr Nachteile. So habe ich in dieser schönen Mittelkonsole mit den vielen tollen Fächern meine Kamera liegen lassen. Meine gute alte Leica.

Bemerkt haben wir das natürlich erst im Zug nach Brixen. Aber ein Anruf bei der Zentrale und Sixt hat die Kamera sichergestellt und uns später wieder übergeben. Doch dadurch hatte ich im Dolomitenbiwak keine vernünftige Kamera dabei. Nur mein Handy halt. Damals war das aber ein im Prinzip tolles Runbo. Von der Größe eines Ziegelsteins zwar, aber recht robust und ausdauernd. Nur die Kamera hatte es nicht so mit schwierigen Lichtverhältnissen.

Wie dem auch sei, wir kamen am frühen Nachmittag in Brixen an und stiegen auch relativ schnell in den Bus zur Talstation der Seilbahn um. Den Kindern hat es schon gefallen, mit der Seilbahn hinauf auf die Plose zu fahren, auch wenn oder vielleicht weil wir das sonst nicht machen. Oben an der Bergstation wollte ich zwar eigentlich Essen gehen, die Gaststätte schloss aber gerade ihre Pforten. Also bespielten wir noch ein wenig den netten Spielplatz.

Spielplatz an der Plosen-Bergstation

Spielplatz an der Plosen-Bergstation

Dabei habe ich mit Absicht etwas getrödelt, damit wir möglichst spät von dort wegkamen. Kurz vor Einbruch der Dämmerung sind wir dann noch ein kleines Stück gelaufen und haben uns in unserem Notbiwak an den Hängen der Plose eingerichtet. Und es zeigt sich eben immer wieder, wie wichtig es ist, vollkommen autark mehrere Tage im Gebirge wandern gehen zu können. Schon bald köchelte die Nudelsuppe. Vorher hatte ich mir ja schon Gedanken gemacht, ob wir denn zu viert in dem kleinen Ultraleichtzelt Platz finden würden. Die Sorge war aber unbegründet.

Geislergruppe im Abendlicht

Geislergruppe im Abendlicht

So., 19.10.2015: Biwak am Fuß der Peitlerscharte

Mich begeistern vor allem immer die Tage mit Morgensonne in den Dolomiten. Es gibt doch nichts schöneres, als aus dem Schlafsack zu kriechen, von der aufgehenden Sonne gewärmt zu werden und dabei ins Tal hinab auf die Wolken zu sehen. So ein Tag war auch heute wieder.

Der Morgen nach dem Nachtbiwak: Nebel im Tal unter der Plose

Der Morgen nach dem Nachtbiwak: Nebel im Tal unter der Plose

Trotzdem war es natürlich noch ziemlich kalt, so dass wir wie immer ohne Frühstück losliefen. Erst als die Kinder innerlich gewärmt waren, suchten wir uns einen schönen sonnigen Platz und machten Frühstück. Es ist ja ohnehin immer ein gewisses Experiment, wenn „neue“ Kinder mit auf so eine Tour gehen. Gerade weil Kinder zu Hause ganz anders sein können als auf so einer Tour. Insofern kann man sich nie sicher sein, wie sie dann im „Ernstfall“ wirklich durchhalten.

Da muss man einfach mal seinen Kindern vertrauen. Unterwegs läuft es sowieso besser als zu Hause. Und so waren auch meine beiden Jüngsten, die zum ersten Mal dabei waren, problemlose Wanderer. Wir kamen gut voran und wanderten immer am oberen Rand der Baumgrenze unterhalb der Plose entlang.

Morgen an der Plose

Morgen an der Plose

Unterwegs gibt es ja schon einige Hütten, die immer gern besucht werden. An der Schatzerhütte, in der wir schon vor neun Jahren mit den beiden großen Jungs bis fast zum Platzen Kaiserschmarrn gegessen hatten, gab es natürlich auch wieder Kaiserschmarn. Allerdings habe ich mit der gewachsenen Erfahrung nur eine Portion bestellt und nicht mehr 3 wie damals. Insofern gab es für jeden genug und doch nicht zuviel zu essen. Auch der weitere Weg durch die schönen Wiesen war wunderbar. Die Sonne macht alles doch viel angenehmer.

 

Blick zurück ins Tal

Blick zurück ins Tal

Kurz vor dem Talabstieg haben die Kinder dann das gemacht, was Kinder immer gern machen. Sie rollten sich die Alm hinunter. Stiegen wieder auf und so weiter. Über allem sahen wir schon die Peitlerscharte auf der anderen Talseite, die wir morgen bezwingen wollten.

Peitlerspitze mBlick von unterhalb der Plose zur Peitlerscharte mit dem Peitlerkofel (links)it der Peitlerscharte

Blick von unterhalb der Plose zur Peitlerscharte mit dem Peitlerkofel (links)

Aber erst einmal galt es, einen Platz für die Nacht zu finden. Zumal es in dem kalten Talkessel ziemlich schnell kalt wurde. Wir wurden dann auch bald fündig und haben schnell die ganzen Isomatten und Schlafsäcke ausgepackt. Als die Sonne weg war, wurde es richtig kalt. Gerade mein Jüngster fror und bekam alle Sachen auch seiner Geschwister angezogen, die noch verfügbar waren. Hier habe ich ja immer die Strategie, lieber mehrere dünne Sachen mitzunehmen als zu viele dicke. Insofern trug er bestimmt 7 Schichten an Klamotten am Leib. Wir aßen also schnell die obligatorische Suppe und verkrochen uns dann im Biwak.

Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian...

Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian…

Mo., 20.10.2014: Über die Peitlerscharte nach Ranui

Leider konnten wir den Platz nicht so wählen, dass wir schon am frühen Morgen Sonne hatten. Also mussten wir wie gewohnt schnell zusammenpacken und in der Kälte loslaufen.

Aufstieg zur Peitlerscharte

Aufstieg zur Peitlerscharte

Das erste Frühstück war dann eine Handvoll Gummibärchen. Ohne diese Notreserve hätten es die beiden Jüngsten glaube ich nicht bis zum ersten Sonnenplatz etwa in der Mitte der Peitlerscharte geschafft. So aber waren wir auf einem Platz, der schon in der Sonne lag und konnten erst einmal richtig essen.

Blick in Richtung Plose

Blick in Richtung Plose

Danach stiegen wir weiter hinauf. Oben auf der Peitlerscharte gab es dann zur Belohnung pralle Sonne und viele lustige Alpendohlen. Wie immer war ich natürlich überrascht, dass wir schneller waren, als ich geplant hatte. Aber Kinder sollte man nicht bremsen.

Also sind wir immer weiter den schönen Weg auf der Südseite entlang gelaufen und waren schon bald an der Schlüterhütte.

Aufgrund der späten Jahreszeit war diese Hütte wie auch die folgenden auf der Gampenalm leider geschlossen. Wir hatten insofern keine Motivation, dort zu verweilen und liefen weiter hinab ins Tal. Erst ganz unten im Tal fanden wir etwas zu essen.

Aber da war auch schon die Busstation. Mit dem kleinen Sprinter sind wir noch ein paar Kilometer weiter nach Ranui gefahren und haben dort unser Biwak an einem kleinen Kirchlein eingerichtet.

Um sich warm zu halten, sind die Kinder dort wie verrückt auf den Wiesen umhergerannt und haben Fangen gespielt.

Di., 21.10.2014: Rückfahrt nach Hause

Am nächsten Morgen mussten wir ziemlich zeitig zum ersten Bus. Aber zum Glück war es ja nicht weit bis zur Haltestelle. In Brixen am Bahnhof kauften wir wie gewohnt noch die Vorräte zusammen, die wir für die Fahrt nach Hause brauchen würden.

Peitlerscharte

Peitlerscharte

Tipps zum Wandern mit Kindern

Die Wanderung mit Kindern von der Plose zur Peitlerscharte und über die Schlüterhütte hinab nach St. Magdalena (20 km) ist auch mit kleinen Kindern in 2 – 3 Tagesetappen gut und sicher zu bewältigen, da die Wege gut ausgebaut sind und es keine Kletterpassagen gibt.

Die besondere Herausforderung besteht darin, für einen Erwachsenen und drei Kinder Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Essen und Ausrüstung in einen großen und 3 kleine Rucksäcke zu packen (und das ganze über die Berge zu schleppen).

Die Lösung ist konsequente Reduktion sämtlicher Ausrüstungsgegenstände von der abgesägten Zahnbürste bis zum Ultraleichtzelt für nur 2 Personen. Die Belohnung sind begeisterte Kinder, abenteuerliche Erlebnisse und 3 tolle Tage in den Dolomiten.

Das Zelt wiegt nur knapp 1,5 kg und ist ein VAUDE Hogan Ultraleicht XP. Das extrem leichte 2-Mann-Zelt  ist breit genug für 2 breite Isomatten und hoch genug, um sich noch im Sitzen anziehen zu können.  Die Apside ist zudem groß genug für 2 Rucksäcke. Obwohl das gesamte Außenzelt extrem dünn und leicht ist, hat es schon einige Touren und Blessuren sowie Wind und Wetter nunmehr bereits im 4. Jahr seit 2011 heil überstanden.  Selbst zwei größere, eingebrannte Löcher (zum Glück nur in der Apside) reißen nicht weiter auf.

Wanderung Plose - Peitlerscharte - St. Magdalena

Wanderung Plose – Peitlerscharte – St. Magdalena: 20 km, 800 m Auf- und 1200 m Abstieg (Karte: OpenStreetMap / gpsies.com)

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