ᐅ Erfüllt die Canon PowerShot G9X II nun meine Reisekamera-Wünsche oder nicht?

Nach der Lofotenreise dachte ich ja, eine neue Kamera zu brauchen. Also Wunschliste aufgestellt. Bisschen recherchiert. Erst falsch entschieden. Dann die Canon PowerShot G9X II gekauft. Nicht als irgendein Testobjekt, sondern als neues Arbeitsgerät. Mittlerweile hat die kleine Canon ein paar Touren hinter sich. Und nach knapp 8.000 Fotos traue ich mir auch mal eine Bewertung zu, die mehr enthält als nur einen Bericht von der Freude beim Auspacken. Am besten wäre doch ein Vergleich meiner theoretischen Überlegungen vor dem Neukauf mit den tatsächlichen praktischen Erfahrungen. Gegliedert nach den 10 wichtigsten Punkten.

Reisekameraausrüstung für Sonnenaufgangsfotos: Canon PowerShot G9X II und GorillaPod

Reisekameraausrüstung für Sonnenaufgangsfotos: Canon PowerShot G9X II und GorillaPod

Die 10 wichtigsten Reisekamera-Wünsche

1. Digital-elektronische Fotos

Ja klar, das macht sie. Das machen alle heute. Keine Frage.

2. Hosentaschentauglichkeit

Das Thema Handlichkeit löst die Kamera mit Bravour. Jackentasche, Hosentasche, Beintasche. Ich habe sie überall. Schnell eingesteckt. Griffbereit. Immer dabei. So wie ich es haben wollte. Wichtig ist auch, dass die Kamera mit Hülle in die Hosentasche passt. Deshalb habe ich kein „richtiges“, sondern ein mir zufällig in die Hände gefallenes Täschlein. War eigentlich ein Fahrradflickzeugset. Jetzt nicht mehr.

3. Lichtstarkes Multizoomobjektiv

Natürlich ist ein lichtstarkes Objektiv gut, hier ist ein 2.0 – 4.9 verbaut. Also maximal Blende 2 im Weitwinkel und Blende 4.9 im Telezoom. Ist schon ganz gut und reicht aus. Für alles andere gibt es einen eingebauten Blitz oder eben das Ministativ. An der Lichtstärke habe ich mich also kaum gestört. Gerade an den Plitvicer Seen war eher viel zu viel Licht, um die schönen Wasserströmfotos auch bei Sonne hinzubekommen. Für solche Fälle hat die Kamera sogar einen eingebauten Graufilter (ND Filter), der die Lichtintensität reduziert.

Miniwasserfall (Canon PowerShot G9X II, F/11, 1/3 sec, ISO 125)

Miniwasserfall (Canon PowerShot G9X II, F/11, 1/3 sec, ISO 125)

Und ich hatte den Telezoom vollkommen überschätzt. Klar kann man mal ein Motiv etwas näher heranzoomen. Aber die Abbildungsleistung so einer kleinen Kamera lässt dann doch merklich nach. Im „Abstieg“ von der großen Canon (EOS 60D) mit dem 300er Objektiv macht zoomen mit der kleinen Kamera eigentlich keinen richtigen Spaß. Klar, es geht mal. Aber eben nur auf eher kurze Distanzen. Für Porträts zum Beispiel.

Viel wichtiger ist ein gescheites Weitwinkel. Im Automatikmodus bietet das die Kamera auch. Aber sobald man in die manuellen Einstellungen wechselt, verkleinert sich das Kamerasichtfeld. Ich weiß nicht warum, aber es stört. Und da ich diesen Text auf meiner kleinen täglichen Wanderung von der Schule ins Büro diktiere und ich Kamera und Stativ dabeihabe, kann ich doch gleich mal spontan 3 Vergleichsfotos machen. Um zu zeigen, wie die Kamera mit unterschiedlichen Einstellungen umgeht. Jeweils mit Selbstauslöser, um den Faktor Mensch so weit wie möglich auszuschließen.

Das nächste Foto ist mit manuellen Einstellungen aufgenommen. Mache ich mittlerweile am liebsten. 😉

Manuell belichtet mit der Canon PowerShot G9X II: F/11, 4 sec, ISO 160

Manuell belichtet mit der Canon PowerShot G9X II: F/11, 4 sec, ISO 160

Jetzt kommt der Automatikmodus zum Zug. Die Kamera entscheidet sich für F/2, 1/30 sec, ISO 500. Belichtung und Blende sind nicht optimal. Klar, die Kamera weiß ja nicht, dass sie auf einem Stativ steht. Verstehe ich. Aber so sind die Blätter auf dem Weg halt unscharf. Ein bisschen zu dunkel. Doch plötzlich ist der Sichtbereich viel größer. Ist mir noch unklar, warum die Kamera im Automatikmodus einen größeren Weitwinkel erzeugt.

Automatikmodus der Canon PowerShot G9X II (F/2, 1/30 sec, ISO 500)

Automatikmodus der Canon PowerShot G9X II (F/2, 1/30 sec, ISO 500)

Versagt hat allerdings der Av-Modus. Viel zu dunkel. Obwohl ich sonst nichts verstellt habe.

Av-Modus (Zeitautomatik) der Canon PowerShot G9X II: F/11, 1 sec, ISO 160)

Av-Modus (Zeitautomatik) der Canon PowerShot G9X II: F/11, 1 sec, ISO 160)

4. Schneller und zuverlässiger Autofokus

Zufrieden bin ich mit der Lösung meines Unschärfeproblems. Das ist verschwunden. Die Kamera fokussiert sauber und schnell. Nahezu alle unverwackelten Bilder sind auch scharf. Fokusprobleme hatte ich eigentlich nur bei der nächtlichen Fokussierung. Klar, die Kamera sieht dann nichts. Die Hilfsleuchte reicht nicht weit. Entsprechend unscharf waren die meisten Zeltfotos. In diesen seltenen Fällen ist es besser, mit einem manuellen Fokus zu arbeiten. Aber den im Dunkeln bei einsetzendem Nieselregen hinzukriegen, hat meine Fähigkeiten überstiegen.

Nachtfoto in den Dolomiten (Canon PowerShot G9X II, F/4, 8 sec, ISO 1000)

Nachtfoto in den Dolomiten (Canon PowerShot G9X II, F/4, 8 sec, ISO 1000)

5. Eingebaute Brillanzsicherung

Die Brillanz der Fotos war mir ja auch wichtig. Hmm, was soll ich dazu sagen. Klar, für diese kleine Kamera ist die Brillanz ganz gut. Aber trotzdem mit meiner Canon EOS 60D Spiegelreflexkamera natürlich nicht zu vergleichen. Kann sich ja jeder selbst ein Bild von machen. Gibt genug Fotos im Blog. Vom Paddeln. Aus den Dolomiten. Von der letzten Bustour.

6. Vernünftiger Sensor an der Reisekamera

Der 1-Zoll-Sensor ist schon besser als am Handy. Trotzdem scheint dieses Thema überschätzt zu sein. Bei gutem Licht sehe ich auf den Fotos kaum Unterschiede zwischen der Canon PowerShot G9X II und meinem Handy (Samsung Note 4). Den Unterschied machen eher Stativ und manuelle Einstellmöglichkeiten.

Blick zum Rosengarten mit dem Samsung Note 4: F/2.2, 1/716 sec, ISO 40 (

Blick zum Rosengarten mit dem Samsung Note 4: F/2.2, 1/716 sec, ISO 40

Rosengarten mit der Canon PowerShot G9X II: F/5.6, 1/400 sec / ISO 125

Rosengarten mit der Canon PowerShot G9X II: F/5.6, 1/400 sec / ISO 125

7. Robustheit

Es ist schon erstaunlich, wie es die Herren Ingenieure geschafft haben, dem (vermutlichen) Plastikgehäuse der Canon eine derartig metallische und hochwertige Anmutung zu verleihen. Da klappert nichts. Kein Knopf wackelt. Es ist wirklich eine Freude, die Kamera in die Hand zu nehmen. Nur die „belederten“ Abschnitte fühlen sich nicht wirklich wie Leder an.

Hinsichtlich der dauerhaften Haltbarkeit sehe ich nur bei 2 Dingen Probleme: Bei der kleinen Klappe vor dem USB-Anschluss bin ich gespannt, wie lange das hält. Und der Lamellenverschluss vor dem Objektiv besteht natürlich nicht aus Panzerstahl. Da würde ich einen ganz gewöhnlichen Deckel bevorzugen. Aber beide Dinge machen derzeit trotz ausgiebigem Kindergebrauch keine Probleme. Nur in der improvisierten Kameratasche habe ich genau dort, wo der Lamellenverschluss sitzt, eine alte Plastikkarte zugeschnitten und eingelegt, damit ich hier nicht aus Versehen die Lamellen eindrücke. Denn das wäre ziemlich sicher der Tod der Kamera.

Zur eigentlichen Robustheit aber kann ich noch nichts sagen. Ich gehe ordentlich mit meiner Ausrüstung um. Insofern gibt es noch keine Sturz- oder Tauchversuche.

8. WLAN

Unter WLAN-Funktionalität hatte ich mir allerdings etwas anderes vorgestellt als das, was der Kamerahersteller bewirbt. Die meinen nämlich mit WLAN, dass die Kamera eine Verbindung zu anderen WLAN-Geräten herstellen kann. Ich meinte aber, dass die Kamera einen Browser hat, mit dem ich direkt ins Internet kann. Das ist derzeit scheinbar noch Utopie. Aber die Zeit wird kommen, da die Kameras ein „vernünftiges“ Betriebssystem haben. Und dann könnte ich halt direkt von der Kamera aus die Bilder hochladen. Derzeit geht das nur übers Handy mit einer speziellen App (Canon Camera Connect). Ist mir aber zu nervig und zu stromzehrend. Das geht im Notfall, aber ist nichts für mich.

Auch der NFC-Punkt liegt ungünstig, weil ich jedesmal die Adapterplatte zum Ministativ abschrauben muss, um eine Verbindung herzustellen.

9. GPS

Der gleiche Reinfall auch mit der GPS-Funktion. Gut, mir war klar, dass dies nur über das Handy funktionieren würde. Praktisch aber fange ich natürlich nicht an, unterwegs bei zwei Geräten, deren Akkus möglichst lange halten sollen, auch noch Bluetooth oder WLAN zu aktivieren. Und im Gebirge als mobiler Sendemast herumzulaufen. Also blieb die GPS-Funktion bis jetzt ungenutzt. Muss ich halt den Fotos Orte weiter von Hand zuordnen. Na ja, man kann nicht alles haben. Und sowas bildet.

10. Klapp-Dreh-Display

Das eigentlich gewünschte, schon praktische Klapp-Dreh-Display hatte ich bewusst der Handlichkeit und Robustheit geopfert. Und das war gut so. Denn der Touchbildschirm lässt sich auch aus spitzem Winkel gut einsehen. Dieser Bildschirm gefällt mir an der Canon PowerShot G9X II sowieso ganz außerordentlich. Alle Funktionen und Einstellungen sind wie gewohnt logisch und übersichtlich zusammengefasst. Allerdings ist jetzt nichts mehr mit irgendwelchen Knopfkombinationen, Drückerkreuzen und Stellrädchen. Vor allem aber zeigt der Bildschirm schon das fotografische Ergebnis. Praktisch vor allem beim manuellen Fotografieren.

Touchbildschirm der Canon PowerShot G9X II

Touchbildschirm der Canon PowerShot G9X II

Für mich ist der (gewohnte) Blick auf einen Bildschirm sowieso viel übersichtlicher als der Blick durch den Sucher. Zumal bei der 60D der Knopf für die Abblendtaste so komisch positioniert ist, dass man diese Funktion sowieso nie nutzt. Und im LiveView ist die Kamera wieder so langsam, dass es auch keinen Spaß macht. Das kann die kleine Canon PowerShot G9 X Mark II deutlich besser. Vor allem beim manuell Fotografieren kann man einfach die Angaben von Belichtung, Blende und „Film“empfindlichkeit antippen und entweder auf dem Bildschirm oder mit dem Stellrad am Objektiv anpassen. Aber auch für Selbstauslöser, Weißabgleich oder Touch-Fokus braucht es nur noch einen Fingertipp. Geht einfach, zuverlässig und schnell. Trotz meiner großen Finger. Ich kaufe jedenfalls keine Kamera mehr ohne Touchbildschirm.

Unerwartete, aber sehr nützliche Funktionen

Eine der besten Funktionen der Kamera ist aber, dass ich sie unterwegs ganz normal wie ein Handy aufladen kann. Also mit dem normalen USB-Ladegerät an der Steckdose. Oder, was noch wichtiger ist, an meinem Solarladegerät oder der Powerbank. Und zwar ohne irgendwelche Adapter. Handyladekabel reinstecken und fertig. Allerdings macht die Canon PowerShot G9X II mit eingestecktem Ladekabel, das ja auch gleichzeitig das Datenübertragungskabel ist, keine Fotos mehr. Aber trotzdem ist die Funktion gerade im Urlaub ungeheuer praktisch. Auch wenn der Akku nicht so lange hält wie bei der großen Canon. Die musste ich im Urlaub höchstens jede Woche aufladen. Jetzt ist tägliches Laden angesagt. An den Plitvicer Seen habe ich mal 280 Fotos mit einer Akkuladung geschafft.

Und was ist nun die perfekte Reisekamera?

Zusammengefasst ist die Kamera vor allem in Verbindung mit dem Stativ doch wesentlich besser als nur mein Handy. Und es gibt auch einige Vorteile gegenüber einer großen Spiegelreflexkamera. Was ich aber nicht gefunden habe, ist die Abbildungsleistung der großen Spiegelreflex in dieser kleinen Kamera. Zwar kann ich auf den Spiegel verzichten, denn der Touchbildschirm reicht mir vollkommen. Worauf ich aber nicht wirklich verzichten mag, sind meine schönen, großen Objektive.

Trotzdem will ich die Canon PowerShot G9X II nicht missen. Diese Minikompaktkamera ist immer dann meine erste Wahl, wenn es auf Gewicht und Größe ankommt. Outdoor genauso wie auf dem Schulweg. Vor allem zusammen mit dem Ministativ motiviert die Kamera, anders und eher manuell zu fotografieren. Zumindest dann, wenn ich mal Zeit habe.

Wenn wir aber „nur“ mit dem Wohnmobil auf Reisen unterwegs sind, hätte ich gern wieder eine richtige große Kamera auf dem Amaturenbrett liegen. Werde mir wohl mal einen neuen Body als Ersatz für meine 60D kaufen müssen. Eine 80D vielleicht.

Weitere Infos und Bezugsquellen

Canon PowerShot G9X II, gekauft Ende August bei Amazon für 402 €, derzeit schon bei 416 €
Die besten Fotos sind mit dem Joby Hybrid Gorillapod entstanden: nochmal paarndreißig Euro

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (14 votes, average: 4,93 out of 5)
Loading...

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.