ᐅ Marokko: Fantastischer Himmel über den Sanddünen der Wüste

Bunte Sonnenaufgänge sind eigentlich immer schön – erst recht in den Sanddünen. Am schönsten sind sie aber, wenn man sie direkt aus dem Bett heraus fotografieren kann. Und so ein auch in der Wüste nicht alltägliches Ereignis bot sich mir heute früh: Ich lag in meiner Hängematte und sah zu, wie sich ab ca. 7:00 Uhr Ortszeit das Farbspiel entwickelte. Durch die Dachluke konnte ich mit dem Handy sogar ganz brauchbare Fotos machen, ohne mich aus dem Schlafsack pellen zu müssen.

Sonnenaufgang über dem Erg Chebbi

Sonnenaufgang über dem Erg Chebbi

Irgendwann bin ich in meinem Hilfsdjellabah über den Platz geschlurft und habe das Spektakel vom Hinterausgang der Kasbah aus verfolgt. Doof nur, dass immer irgendwelche Sonnenaufgangstouristen auf den Dünenkämmen und damit genau im Bild herum stehen müssen.

Morgendliches Farbspektakel über den Sanddünen des Erg Chebbi

Morgendliches Farbspektakel über den Sanddünen des Erg Chebbi

Dann bin ich wieder in meiner Hängematte verschwunden und habe noch ein wenig relaxt, bis es auch die Jungs nicht mehr in ihren Kojen ausgehalten haben.

Mercedes, Simson und KTM auf dem Camp "Lac de Sahara"

Mercedes, Simson und KTM auf dem Camp „Lac de Sahara“

Start zu den Sanddünen

Nach dem offiziellen Wecken hat mein Großer darauf bestanden, dass wir noch vor dem Frühstück den Bus aus-, auf- und umräumen. Erst als gegen 11:00 alles blitzte, servierte er uns aus der Hecktür heraus die üblichen Sirupfladenbrote. Anschließend verstauten wir die beiden Schwalben wieder im Bus, quatschten noch ein wenig mit Ahmed und fuhren dann los. Voran die KTM. Der Bus hinterher. Zuerst suchten wir (ohne GPS und ohne Plan) in den engen Gassen Merzougas den Anfang einer Piste nach Norden. Schon dabei hatte der Bus Mühe, der KTM um die zahlreichen Ecken zu folgen. Als die Enduro aber auf eine Sandpiste einbog, war klar, dass es so nicht weiter geht. Der Mercedes 711 ist doch kein Geländewagen. Also kurze Verständigung mit Handzeichen. Falsch gedeutet. Die KTM war weg. Dachte wohl, wir treffen und auf einem gedachten Punkt hinter den Dünen.

Mit dem Bus durch die Oase von Merzouga

Mit dem Bus durch die Oase von Merzouga

Wir warteten erst noch ein wenig und fuhren dann durch die Oase auf einer mir bis dahin unbekannten Asphaltstraße durch die Hamada nach Norden, immer in der Hoffnung, irgendwo ein Motorrad zu sehen oder selbst gesehen zu werden. Und tatsächlich tauchte dann auch schon recht bald eine KTM wieder neben mir auf. Wir fuhren – diesmal hübsch zu zweien – zur Tankstelle und füllten 101 l Diesel für 7,40 DH (=0,67 €) pro Liter nach, was für die letzten 840 km incl. Standheizung und Sandspielen einem Verbrauch des MB 711 D von 12,0 l/100 km entspricht. Danach wollte ich noch Brot und Wasser kaufen, aber der Chef de Cuisine wollte lieber sofort Pisten heizen und hat stattdessen ein warmes Abendbrot aus den noch reichlich vorhandenen Vorräten versprochen. Also fuhren wir auf der Suche nach unverfälschtem Dünengenuss weiter nach Norden, immer am westlichen Rand des Erg Chebbi entlang.

MB 711 D auf der Wüstenpiste

MB 711 D auf der Wüstenpiste

Ohne Allrad zur Sanddüne

Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Auf der Suche nach dem ultimativen Stellplatz habe ich den Bus auf einer in den Sanddünen endenden Sandspur versenkt und musste wieder zurück – und das auch noch in einer Kurve…

Ohne Allrad ganz schön weit gekommen (Bei der KTM geht's doch auch im Sand)

Ohne Allrad ganz schön weit gekommen (Bei der KTM geht’s doch auch im Sand)

Natürlich legt man erst mal die Bleche unter – zum Luftablassen war ich angesichts des vergessenenen Kompressors (nur der 10-m-Druckluftschlauch war da) und der nur verfügbaren Fahrradpumpe zu faul.

Bergung des MB 711 D aus den Sanddünen

Bergung des MB 711 D aus den Sanddünen

Da bloßes Unterlegen der Sandbleche nicht mehr half, musste ich die komplette Hinterachse freilegen und mit dem Wagenheber hochdrücken, um die Sandbleche vernünftig unterlegen zu können. Das sieht doch schon viel besser aus:

Bergung aus den Sanddünen: Anheben, Sandbleche drunter, Fahrspur glätten, Vollgas

Bergung aus den Sanddünen: Anheben, Sandbleche drunter, Fahrspur glätten, Vollgas

In der ersten Stunde habe ich es 10 m zurück geschafft. Und hätten die Jungs nicht zusätzlich Steine herangeschleppt und die verblechte Fahrspur mit eingegrabenen Steinen verlängert, wären es wohl nur 5 m pro Stunde gewesen.Wir haben uns schon ausgerechnet, wie lange wir zurück zur Hauptpiste brauchen würden, als Ali (der alte Spielverderber) mit seinem Land Rover gerade dann zu Hilfe kam, als der Einarbeitungseffekt zu wirken begann. (So enthielt die erste Stunde auch den Aufwand zum Hochbinden der Schmutzfänger, die ich mir sonst beim Rückwärtsfahren abgerissen hätte.) Er hatte das vermeintliche Drama offenbar von seiner im Bau befindlichen Kasbah „Les hommes bleu“ aus beobachtet. Natürlich konnte ich das Angebot nicht abschlagen und so hat der kleine Land Rover den Bus dann auch ganz easy rückwärts herausgezogen.

Der Land Rover hat den ganzen Spaß mit der Wüste versaut...

Der Land Rover hat den ganzen Spaß mit der Wüste versaut…

Ich honorierte die Hilfe nach vorheriger Rücksprache (ich will ja – zumindest hier – nicht offen die Säkularisierung fördern) mit der Übergabe aller unserer Alkoholvorräte (eine Flasche Wein aus dem obligatorischen Präsent anlässlich des Fährticketkaufs bei Carlos) und einer Packung Salzstangen (aus der Magenverstimmungsnotfallreserve) und wir verabschiedeten uns wieder – beide am Ende doch noch ganz zufrieden. Vorher haben wir uns aber noch über das stinkende Merzouga unterhalten und ich mir das Versprechen geben lassen, dass seine Kasbah das Abwasser nicht einfach in die Wüste leiten wird. Ali schien sich der Problematik aber schon bewusst zu sein. Im Gegenzug musste ich versprechen, mit diesem Auto nicht wieder in die Sanddünen zu fahren. Allerdings habe ich dabei hinter meinem Rücken die Finger gekreuzt.

Sanddünen – Cross mit der KTM 690 Enduro R

Nach einer kurzen Suche haben wir uns dann schließlich wieder auf den Platz zwischen die Sanddünen gestellt, von dessen Tragfähigkeit wir uns auf der Hinfahrt ja schon überzeugt hatten. Am nördlichen Ende des Erg Chebbi wurde dann sofort bis zur völligen Erschöpfung von Mensch (der Schweiß rann in Strömen) und Maschine (der Tank war leer) stundenlang die Dünen durchpflügt.

KTM 690 Enduro R in ihrem Element beim Sanddünen - Surfen

KTM 690 Enduro R in ihrem Element beim Sanddünen – Surfen

KTM 690 Enduro R in den Sanddünen: Mit Vollgas geht alles...

KTM 690 Enduro R in den Sanddünen: Mit Vollgas geht alles…

Je schneller, desto besser: Ab 50 km/h fährt sich Sand mit der KTM ganz normal...

Je schneller, desto besser: Ab 50 km/h fährt sich Sand mit der KTM ganz normal…

Und auch mein Zweiter war endlich mit dem Zustand der Wüste und der unverfälschten Form der Sanddünen zufrieden und hat sich vor allem über die zahlreichen, sehr flinken Käfer amüsiert.

Irgend ein Wüstenlaufkäfer

Irgend ein Wüstenlaufkäfer

Der Sonnenuntergang verkündet den nahenden Sandsturm

Als sich alle wieder glücklich am Bus eingefunden hatten, haben wir bis zum Sonnenuntergang Skat gespielt. Allerdings habe ich ständig verloren, da ich mir nicht merken konnte, dass der fälschlicherweise doppelt vorhandene Schell-Ober durch einen nachträglich aufgetragenen Punkt den fehlenden Schell-Unter vertreten durfte.

Der Sonnenuntergang am Erg Chebbi beginnt

Der Sonnenuntergang am Erg Chebbi beginnt

Danach wurde wie versprochen Essen gekocht, während wir den fantastischen Himmel über der Wüste betrachteten und Dutzende Fotos von dem beeindruckenden Farbenspiel machten.

Fantastischer Sonnenuntergang in der Wüste

Fantastischer Sonnenuntergang in der Wüste

Langsam senkt sich die Nacht über die Sanddünen

Langsam senkt sich die Nacht über die Sanddünen

Merzouga – Erg Chebbi Nord (37 / 110.860 km)
Am nächsten Tag hat uns dann voll der Sandsturm erwischt.

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