ᐅ Marokko offroad: Wüste Pisten von Zagora nach Foum Zguid

Heute wollten wir „einfach nur“ die Piste von Zagora nach Foum Zguid fahren. Das wurde mit dem Düdo aber eine ziemlich spannende Angelegenheit.

Zuerst einmal tauschte ich wieder einmal zwei Kassetten gegen Saharamusik. Dann folgten wir am Schild „Timbuktu 52 Tage“ dem Pfeil und bogen nach rechts ab. Aber wir haben die Erzählungen von einer angeblich asphaltierten Verbindungsstraße nach Tata zu ernst genommen, sodass wir erst einige Kreise gefahren sind, bis wir uns des Weges sicher waren, den wir zuerst instinktiv gewählt hatten.

Ende Gelände für den MB 407 D auf der Wüstenpiste von Zagora nach Foum Zguid

Nach 10 km saßen wir das erste Mal im Sand fest, durch den wir zuvor schon häufig gerade noch so geschwommen waren.

Ein Königreich für ein paar Sandbleche!

Ein Königreich für ein paar Sandbleche!

Ich holte die Schaufel vom Dach und grub die Räder frei, während die beiden anderen Steine heranschleppten und unterlegten, da wir natürlich keine Sandbleche haben. Wir mussten uns ziemlich beeilen, da der Sandsturm alles im Nu wieder zuwehte.

Sieht gar nicht so schlimm aus: Aber 65 PS im MB 407 D setzen offroad Grenzen

Sieht gar nicht so schlimm aus: Aber 65 PS im MB 407 D setzen offroad Grenzen

Im zweiten Anlauf nahmen wir das Weichsandfeld aber. Aber die Piste wurde und wurde nicht besser und der Sturm nicht schwächer. Und langsam bekam ich Bedenken, dass uns die ganze Piste so zugeweht wird, dass wir weder vor noch zurück kommen. Also entschlossen wir uns zur Umkehr. Auf der Rückfahrt blieben wir natürlich noch einmal stecken.

Steckengeblieben: MB 407 D auf der Wüstenpiste

Steckengeblieben: MB 407 D auf der Wüstenpiste

Endlich erreichten wir wieder Zagora. Sand ist schon etwas anderes als Schnee, da braucht man vor allem viel Power, denn man rutscht nicht, sondern bleibt richtig stecken. Und das passiert beim MB 407 D mit seinen 65 PS ziemlich schnell, dass es einfach der Motor nicht mehr schafft. Doch trotz der niedrigen Motorleistung wühlt man sich unheimlich schnell bis zum Differential ein. Da reichen schon ein bis zwei traktionslose Radumdrehungen. Wenn man aber erst einmal fest sitzt, sitzt man.

[Anmerkung: Mit dem wesentlich kräftigeren MB 508 D sind wir diese Strecke ein paar Jahre später dann doch gefahren.]

Die Gebirgspiste ist besser Düdo-geeignet

Wir sind jedenfalls noch einmal glimpflich davongekommen, auch wenn ich jetzt noch überall Sand kleben habe. Um diese Erfahrung einer richtigen Wüstenpiste reicher, nahmen wir lieber 100 km Umweg in Kauf und fuhren nun über Agdz. Dort machten wir bei dichtem Graupelgewitter noch einmal beide Tanks voll und schwenkten dann auf die Piste nach Bou Azzer ein.

Tanken im Sturm

Tanken im Sturm

Obwohl die Piste anfangs recht leicht zu finden und zu verfolgen war, da sie dicht am Oued Tansift zu Fuß der Berge entlangläuft, hatten wir nach ca. 45 km ein ziemliches Richtungsproblem. Auch war die Piste winzig geworden.

Gebirgspiste nach Bou Azzer

Gebirgspiste nach Bou Azzer

Ausschau halten

Ausschau halten

Wir müssen also irgendwo einen Abzweig verpasst haben, der nur zu einem Gehöft zu führen schien. Also holten wir Karte und Kompass heraus, und ich suchte noch vom Dach aus mit dem Fernglas die Umgebung ab. Dabei sah ich zwei Kilometer voraus eine Hochspannungsleitung und eine asphaltierte Straße. Wir waren also doch richtig. Oder zumindest nicht falsch.

MB 407 D auf der Gebirgspiste nach Bou Azzer

MB 407 D auf der Gebirgspiste nach Bou Azzer

Wahrscheinlich sind wir hier doch auf einer wilden Abkürzung unterwegs gewesen, denn von rechts stieß später noch eine stärker befahrene Piste zu uns.

So klein im Nirgendwo: MB 407 D auf der Gebirgspiste nach Bou Azzer

So klein im Nirgendwo: MB 407 D auf der Gebirgspiste nach Bou Azzer

Aber das spielte ja nun keine Rolle mehr und Agdz war ja nun auch wieder deutlich „ausgeschildert“.

Wegweiser im Nichts

Wegweiser im Nichts

Bou Azzer, die Cobalt City Marokkos

In absoluter Hochstimmung stießen wir auf die Asphaltstraße und rollten wir die Serpentinen hinunter.

Endlich Asphalt

Endlich Asphalt

Und schon bald kam Bou Azzer, die Cobalt City Marokkos, in Sicht. Wir sahen Fördertürme, Halden, Bergarbeiterhütten und alles, was sonst noch so zu einem richtigen marokkanischen Bergwerk dazu gehört.

Cobalt City: Bou Azzer

Cobalt City: Bou Azzer

Später fielen uns im Tal auffällige, gelbe Stellen auf, sodass wir wendeten und ein Wadi hinabfuhren. Dort musste ich wieder einmal die Dieselleitung abdichten.

Wieder mal die Dieselleitung...

Wieder mal die Dieselleitung…

Während dessen klopften meine Mitfahrer an den umliegenden Felsen herum und fanden doch tatsächlich einige gute Erythrinstufen als Belegstücke. Darauf konnten wir endlich weiterfahren.

Steine

Steine

Mittlerweile hatte sich der Himmel grau-rot eingefärbt, wahrscheinlich durch den Sand- und Staubsturm, der über die Berge hinwegfegte. Die Sonne war nur mehr als eine helle Scheibe erkennbar, und alle Farben wirkten falsch und unnatürlich. Dazu peitschte der Sturm die Palmen der abgelegenen Oasen und am vielen Staub kondensierte die Luftfeuchtigkeit und klatschte in dicken Tropfen, teilweise als Graupel, auf die Windschutzscheibe. Die Erde roch daraufhin unheimlich frisch und neu.

Nächtliches Unwetter über der Wüste

Bis zum Einbruch der Dunkelheit fuhren wir ohne Licht und genossen das Schwinden des Tages, während sich das Flusstal zur Savanne weitete. In Foum Zguid aßen wir in einem Café etwas Brot mit Ei, tranken frischen Orangensaft und schauten gemeinsam mit den Berbern einen der ewig gleichen marokkanischen Studiofilme. Derweil rumorte draußen nicht nur das Unwetter über den Bergen, sondern auch ein riesiger Generator, der die ganze Stadt mit Elektrizität versorgt, zumindest den öffentlichen Teil. Im Licht meiner 6 Scheinwerfer machten wir uns dann nach der „Stadt“ auf die Stellplatzsuche. Doch das war nicht so einfach, denn entlang unserer Piste stand einfach nichts Markantes. Es ist, als wäre auf der Frontscheibe ein immer gleicher, unscharfer Film gezeigt worden. Nachts Piste fahren ist schon ein Erlebnis für sich.

Nächtliche Stellplatzsuche

Nächtliche Stellplatzsuche

Irgendwann stellte ich das Auto etwas abseits zwischen ein paar Büsche, nahm das Fernglas und setzte mich auf das Dach, um die Umgebung zu inspizieren. In der Wüste herrschte auch jetzt noch ein ganz schöner Betrieb: Überall tasteten sich Scheinwerfer durch die karge Gegend. Ab und zu kam auch auf „unserer“ Piste ein Pickup oder LKW vorbei. Und ständig wurde alles von dem schweren Gewitter oben in den Bergen erhellt. Dieses phantastische Schauspiel wurde noch abgerundet durch einen üppigen Sternenhimmel. Dazu hatten wir ausgezeichneten Radioempfang.

Nach den abendlichen Pellkartoffeln 🙄 bekamen wir noch Besuch von zwei Streifensoldaten mit Maschinenpistole, die unsere Pässe kontrollierten, uns willkommen hießen und die Einladung auf einen Tee in unserer Küche nicht ausschlugen. Kaum waren sie wieder weg, kam der Sturm aus den Bergen hinunter und rüttelt seitdem ganz schön am Bus. Dafür blitzt es jetzt kaum noch. Ich bin schon gespannt, in welcher Umgebung wir morgen früh aufwachen.

Zagora – Agdz – Tasla – Bou Azzer – hinter Foum Zguid, 191.660 km

Und am Morgen danach erwartete uns dann eine rauschende Überraschung: Zwei Wadis waren zu durchfurten.

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