ᐅ Rumänien: Rad- und Zelt-Höhenrekord auf der Transfogarascher Hochstraße

Das laute Pfeifen und Rattern der direkt am Camp vorbeidonnernden, klapprigen Züge, das auch noch durch das liebliche Bim-Bim der 100 m entfernten Schranke angekündigt wurde, ließ uns heute ab 7:00 Uhr keine Ruhe mehr. Nach den üblichen anderthalb Stunden hatten wir unsere Siebensachen zusammengepackt, so dass wir noch genügend Zeit hatten, vor dem Einstieg in die Transfogarascher Hochstraße durch Hermannstadt/ Sibiu zu schlendern. Besonders der Markt hatte es uns angetan, wo wir Mirabellen, Äpfel, Möhren und schmackhaftes Eis erstanden. Außerdem boten Privatverkäufer noch Tomaten, Bohnen, Pflaumen, Paprika, Knoblauch und andere Produkte an. In einer Nebenstraße war es uns sogar möglich, zu einem aberwitzigen Preis sieben Stück einer wohlschmeckenden Mischung aus Kringel und Hörnchen zu erwerben.

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Markt in Hermannstadt / Sibiu

Orthodoxe Kirche von Avrig (Freck) bei Cirtisoara

Orthodoxe Kirche von Freck / Avrig

Nach der Stadtbesichtigung in Sibiu fuhren wir „richtig“ los. Kurz vor dem Abzweig zur Transfăgărășan (Transfogarascher Hochstraße) besichtigten wir noch die Orthodoxe Kirche von Freck (Avrig).

Unsere Beruhigungspostkarten nach Hause gab ich zwei Motorradfahrern mit, da sich heute Morgen auf dem Zeltplatz kein heimwärtsfahrender DDR-Bürger fand. Diese kamen uns aber in Gruppen aus dem Transfăgărășan entgegen. Von unten sahen wir kaum etwas vom viel gerühmten Gebirge, aber weiter oben besserte sich die Sicht, bis wir schließlich grandiose Ein- bzw. Ausblicke hoch zum Kamm hatten. Die Wogen der Begeisterung konnten auch nicht von den massig auf der Straße herumliegenden Steinen und Felsbrocken gebrochen werden.

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Über der Transfogarascher Hochstraße muss kurz zuvor ein schweres Unwetter niedergegangen sein. Es waren sogar die Lawinenschutztunnel von hinten her aufgebrochen, so viel Geröll hatte das  Unwetter zu Tal geschleudert. Die Leitplanken liegen an vielen Stellen schon von früher her arg zerknittert zwischen dem Gesteinsschutt unterhalb der Straße.

Mit dem Rad über die Transfogarascher Hochstraße

Mit dem Rad über die Transfogarascher Hochstraße

Wir brauchten sehr lange, um die ganze Umgebung in Farbe festzuhalten, wohl länger als für die Auffahrt selber. Mitten im Passanstieg, kurz nachdem uns der Surfer-B1000 vom Camp in Salzburg überholt hatte, hielten uns zwei Dresdner an und fragten, ob sie Post nach Hause mitnehmen sollen. Das ist Luxus! Die Surfer hatten  Ihnen von unserem Bemühen um einen Hilfspostboten erzählt. Sie waren richtig enttäuscht, dass wir den Postauftrag schon anderweitig vergeben hatten.

Mit dem Rad über die Transfogarascher Hochstraße, 18.07.1988

Mit dem Rad über die Transfogarascher Hochstraße, 18.07.1988

Insgesamt ist die Transfăgărășan sehr lang, aber nicht allzu steil. Auch die Serpentinen am oberen Abschnitt haben keine sehr große Steigung vorzuweisen. Wir kamen also schon recht bald oben an und haben in 2.040 m Höhe direkt am Bilea Lac einen schönen Zeltplatz inmitten von Schneefeldern gefunden. Hoffentlich kommt in der Nacht kein Frost!

Ocna Sibiului / Salzburg – Sibiu / Hermannstadt – Cirtisoara – Transfăgărășan / Transfogarascher Hochstraße – Bilea Lac (100 / 1.925 km)

Am nächsten Tag ging es durch den Tunnel und dann wieder abwärts – auf einer endlosen Serpentinenstrecke nach Süden. 

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2 Antworten

  1. Nikolaus W. sagt:

    Nur ein kleiner Hinweis zur Bildunterschrift „Wehrkirche Cirtisoara“ (Rumänien 1988): im Bild ist in Wirklichkeit die orthodoxe Kirche von Avrig (Freck), etwa 12 km westlich von Cirtisoara. Ein schöner Bericht aus einer längst vergangenen Zeit. Grüße.