ᐅ Familien – Expeditionsmobil: Mercedes MB 1124 AF mit kurzer Doka

Dieser Beitrag ist eine Vorstellung unseres Allrad – Familien – Expeditionsmobils Mercedes MB 1124 AF. Ausgelegt und gebraucht wurde das Reisemobil für eine Standardbelegung mit 7 Personen. Der Koffer und die Doka wurden nach unseren Plänen von einer professionellen Reisemobilmanufaktur ausgebaut. Kompetente Leute, tolle Arbeit.

Allrad - Expeditionsmobil MB 1124 AF mit kurzer Doka für die ganze Familie

Allrad – Expeditionsmobil MB 1124 AF mit kurzer Doka für die ganze Familie

Allrad – Familien – Expeditionsmobil Mercedes MB 1124 AF

Warum ein Mercedes-Benz als Fahrgestell?

Vorab: Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Und natürlich sind auch die LKWs von Magirus-Deutz, MAN, Iveco oder Renault zuverlässig und gut verwendbar. Wenn man aber einmal bei Mercedes für ein 40 Jahre altes Auto an der Ersatzteiltheke gestanden hat, liebt man diese Marke. Einmal brauchte ich einen neuen Kühlerdeckel für meine alte Heckflosse. Also zu Mercedes. Der Verkäufer hat nur die Fahrgestellnummer verlangt und nicht einmal aufgesehen, als er das Baujahr 1967 gesehen hat. Er hat sich nur entschuldigt: Die Lieferung würde leider 2 Tage dauern. Natürlich gibt es nicht mehr alles. Aber das meiste schon noch. Selbst Kleinteile. Und das nicht mal teuer.

Expeditionsmobil Mercedes-Benz MB 1124 AF

Expeditionsmobil Mercedes-Benz MB 1124 AF

Darüber hinaus begeistert mich auch die Systematik von Mercedes-Benz. So wird zum Beispiel unser MB 1124 AF schon 20 Jahre nicht mehr gebaut. Dennoch enthält das EPC/WIS für jedes Bauteil Explosionszeichnungen, Teilenummern und Anleitungen. Auf diese elektronischen Unterlagen kann weltweit jede Mercedes Werkstatt zugreifen. Das EPC ist für kleines Geld online abrufbar. Dadurch ist weltweit jede Werkstatt in der Lage, die ganz überwiegend noch verfügbaren Ersatzteile zu bestellen. Und Anleitungen anzusehen. Werkzeug bereitzustellen.

Aufgrund dieses Erfahrungshorizonts wurde die Basis unseres Overland-Campers ein gebrauchter Mercedes-Benz MB 1124 AF. Der LKW wurde im August 1996 das erste Mal zugelassen und seitdem nur 92.000 km gefahren. Das LKW-Fahrgestell ist robust und langlebig und aus meiner Sicht einer der Höhepunkte ungebremster deutscher Ingenieurskunst.

Braucht man Allrad für ein Wohnmobil?

Die Antwort ist ein ganz klares Jein. Aber wenn man schon einen richtigen LKW als Basis kaufen will, ist der Schritt zu Allrad dann auch nicht mehr so groß. Zudem kommen die besten gebrauchten Fahrgestelle von Feuerwehren. Und Feuerwehren kaufen sowieso meist Allrad-Fahrgestelle. Auch unser MB 1124 AF verfügte über permanenten Allrad, eine Untersetzung und vor allem 3 Differentialsperren. Aus meiner Sicht sind die Differentialsperren auch viel wichtiger als Allrad und nur schwer nachzurüsten.

3 Differentialsperren machen aus einem Allrad - LKW ein Expeditionsfahrzeug

3 Differentialsperren machen aus einem Allrad – LKW ein Expeditionsfahrzeug

Welches Baujahr und welches LKW Modell kaufen?

Für die Wahl des LKW-Fahrgestells kam eigentlich nur die Leichte Klasse von Mercedes (LN2/LK) mit den Typbezeichnungen MB 814, MB 917, MB 1120 oder MB 1124 infrage. Die  ebenfalls beliebten MB 1017 stammen hingegen aus der vorhergehenden, „Neuen Generation“ (NG) von Mercedes LKWs.

Und wenn man schon etwas macht, kann man es auch richtig machen. Also das Topmodell der letzten Ausbaustufe des legendären 6-Zylinder-Motors OM 366 LA nehmen. Das ist dann ein MB 1124 AF. Damit hat man schon einmal 240 PS und Leistung satt. Vor allem aber handelt es sich bei diesem Allrad-LKW-Fahrgestell um ein echtes Expeditionsfahrzeug ohne elektronische Motor- und Getriebesteuerung. Dadurch kann das Fahrzeug in jeder beliebigen LKW-Werkstatt weltweit gewartet oder instandgesetzt werden. Und man muss keine teuren Diagnosegeräte und proprietären Lösungen kaufen. Schließlich ist das komplizierteste Bauteil das Gelände-ABS. Das ABS ist in diesem Baujahr bereits serienmäßig verbaut. ABS ist aber die einzige Elektronik, die wirklich sinnvoll ist. Zwar nicht in den Wüsten der Welt. Aber im heimischen Winter.

Weiterhin ist das Fahrzeug schon so modern, dass eine Aufrüstung auf Euro 4 durch Nachrüstung eines Dieselpartikelfilters DPF möglich ist. Bei den Mercedes LK (MB 814, MB 917, MB 1120 oder MB 1124) konnten viele Extras bereits ab Werk gekauft werden. So hatte unser gebrauchter Mercedes LK bereits originale Einzelbereifung 14.5 R 20, breite Achsen und Gelände-ABS verbaut. Weiterhin sinnvoll im Expeditionsmobil ist die zusätzliche Geräuschdämmung und die Spiegelheizung. Sonstiges Zubehör waren Lufttrockner, Flammstartanlage und eine automatische Zentralschmierung. Von uns nicht benötigt, aber verbaut war zudem eine große Anhängerkupplung mit 2-Kreis-Anschluss.

Expeditionsmobil für eine Familie: Doppelkabine oder Sitzplätze im Koffer?

7 Sitzplätze waren auch in einem LKW nicht leicht zu realisieren. Für mich war jedoch von Anfang an klar, dass ich keine Sitzplätze im Koffer haben möchte. Vielmehr wollten wir als Familie selbstverständlich gemeinsam in der Kabine reisen. Also eine Doppelkabine (Doka). Doch davon gibt es viele verschiedene Sorten. Schließlich habe ich nach langer Suche eine kurze Doppelkabine gefunden. Diese sehr seltene, kurze Doppelkabine ist ab Werk zusätzlich lärmgeschützt. Dadurch fährt es sich auch auf langen Strecken auf allen 7 eingetragenen Sitzplätzen sehr komfortabel. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass vor allem die Schweizer Feuerwehren die kurzen Doppelkabinen gekauft haben. Deutsche Feuerwehren hingegen kaufen offenbar lieber lange Doppelkabinen (Dokas).

Ausbau der Doppelkabine des Expeditionsfahrzeugs zum Kinderzimmer

Ausbau der Doppelkabine des Expeditionsfahrzeugs zum Kinderzimmer

Welche Umbauten des Fahrgestells sind für ein gebrauchtes Expeditionsfahrzeug sinnvoll?

Die meisten Allrad LKWs sind recht langsam übersetzt. Dadurch sind Drehzahl und Verbrauch hoch. Daher ist ein Umbau der Übersetzung auf schnelle Achsen zwar aufwändig, aber außerordentlich sinnvoll. Während unser LKW anfangs bei 80 km/h etwa 27 l Diesel verbraucht hat, sind es nach dem Umbau der Übersetzung nun eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h und ein Verbrauch von 20 l.

Darüber hinaus ist meist eine Ablastung sinnvoll. Zwar wird auch die Kfz-Steuer für LKW’s nach Gewicht bestimmt. Aber es sind nicht nur steuerlichen Gründe für eine Ablastung auf 9.999 kg. Wichtig sind vor allem Durchfahrtsbeschränkungen, die mit einem möglichst realistischen Gesamtgewicht umgangen werden können. Allerdings sollte man auf alle Fälle vermeiden, mit einem gegenüber dem eingetragenen Gesamtgewicht überladenen LKW in Europa herumzufahren. Bei uns betrug das Reisegewicht mit 500 l Diesel, 500 l Wasser und dem ganzen Sack und Pack der Familie ca. 9.500 kg. Die beliebten 7,5 Tonnen hätten wir damit beim besten Willen nicht einhalten können.

Weitere notwendige Umbauten sind meist ein Unterfahrschutz sowie der Einbau eines Hilfsrahmens für Geländebetrieb. Sinnvoll ist auch die Ergänzung eines Dachgepäckträgers auf der Doppelkabine des Expeditionsmobils.

Test für ein Expeditionsfahrzeug: MB 1124 AF im Gelände

Test für ein Expeditionsfahrzeug: MB 1124 AF beim „Kiesgrubengekasper“

Aus- und Aufbau des Expeditionsmobils für eine siebenköpfige Familie

Ausbau des Alu-Holz-Sandwichkoffers

Nach Auswahl und Kauf des Fahrgestell für unser Expeditionsfahrzeug habe ich sämtliche Ausbauarbeiten in einer auf den individuellen Ausbau von Reisemobilen spezialisierten Fachwerkstatt erledigen lassen. Die kurze Doppelkabine wurde zusätzlich gedämmt, hochwertig neu verkleidet und ausgebaut. Dazu wurde zuerst der original auf dem gebrauchten LKW vorhandene Alu-Holz-Sandwichkoffer gedämmt und verkleidet. Dann erfolgte der Einbau eines elektrischen Hubbetts. Zusammen mit den 2 Liegen in der Doppelkabine (Doka) sind so auf 7 m Gesamtlänge insgesamt 7 vollwertige Schlafplätze entstanden. Für ein Expeditionsmobil dieser Außenmaße und Standardbelegung gibt es innen ziemlich viel Bewegungsfreiheit.

Eine große Familie braucht auch auf Reisen viel Platz: Doppelte Schlafebene mit elektrischem Hubbett

Eine große Familie braucht auch auf Reisen viel Platz: Doppelte Schlafebene mit elektrischem Hubbett

Unter dem Hubbett ist eine flexible Rundsitzgruppe mit einem großem Klapptisch für die ganze Familie. Die Sitzgruppe ist auf Airlineschienen ganz oder in Teilen entnehmbar. Damit können unter dem Hubbett auch bis zu 3 Motorräder transportiert werden- ein perfekter Renntransporter.

Am Tag ist das Hubbett mit dem Bettzeug unter der Decke, es bleibt eine große Hecksitzgruppe

Am Tag ist das Hubbett mit dem Bettzeug unter der Decke, es bleibt eine große Hecksitzgruppe

Und trotzdem bleibt die Küche immer voll einsatzbereit.

Auch ein Expeditionsfahrzeug kann ein bisschen schick sein

Auch ein Expeditionsfahrzeug kann ein bisschen schick sein: Die Küche

Einbau der Küche und der sonstigen Wohnmobiltechnik

Anschließend wurde eine große Küche im Wohnmobil eingebaut. Die Küche verfügt über 1,40 m Arbeitsfläche, Backofen, Kühlschrank, 3flammigem Gasherd und alle sonstigen Annehmlichkeiten. Natürlich gibt es eine leistungsstarke Gasheizung mit Konvektionsheizkörpern und Gebläse. Weitere Extras sind ein Keramik-WC und eine separate Dusche. Die elektrische Anlage verfügt über eine moderne LED-Beleuchtung, 230-V-Steckdosen und eingebaute Handy-Ladeanschlüsse.

Große Vorräte für autarkes Reisen

Unser Ziel war, dass wir mit dem Expeditionsfahrzeug lange ohne Probleme autark und selbst versorgt leben können. Dazu verfügt das Expeditionsmobil über Vorräte an 500 l Diesel, 500 l Wasser und 200 l Abwasser. Hinzu kommen Batterien mit einer Leistung von 420 Ah für den Strombedarf. Eine Solaranlage ist vorgerüstet, war bei unserem Nutzungsprofil aber nicht notwendig. Schließlich haben wir im Urlaub weder Laptops noch Fernseher dabei. Und für das bisschen LED-Licht und die paar Handys reicht der Strom allemal.

Die große Küche ermöglicht autarkes Reisen mit dem Wohnmobil auch in unwirtlichen Gegenden

Die große Küche ermöglicht autarkes Reisen mit dem Wohnmobil auch in unwirtlichen Gegenden

Erfahrungen mit dem Expeditionsmobil und wehmütiger Verkauf

Das Fahrzeug an sich war für uns 7 eigentlich perfekt, wie sich in 4 Wochen Urlaub gezeigt hat. Es war aber der Zeitpunkt, der für eine Weltreise (noch) nicht gepasst hat. Und „nur“ für Europa ist ein Allrad-Expeditionsmobil nach meinem Geschmack etwas zu „oversized“ – noch dazu in der Edel-Ausführung. Mit 5 Kindern fallen wir so schon überall auf. Da ist unser „neu“ gekaufter MB 711 D Fensterbus wesentlich dezenter. Und bietet dennoch bessere Rundumsicht. Endlich richtig Platz für alle Mitfahrer. Noch flexibler. Allrad lässt sich bei Bedarf nachrüsten. Und ich kann das Wohnmobil jetzt selber ausbauen. Die KTM sowie 2 Schwalben passen auch noch rein. Ganz ohne Hebebühnenzick. Was will ich mehr?

Trotzdem – für ein schnelles, praktisches Frontlenker-Allrad-Expeditionsmobil würde ich kaum etwas anders machen als beim MB 1124. Okay, ich würde mir einen TÜV-Prüfer suchen, der die Möglichkeiten von § 32 b Abs. 5 StVZO nutzt und den Unterfahrschutz austrägt. Aber sonst? Von meiner Familie jedenfalls gibt es (vor allem im Rückblick) 5 Sterne für den MB 1124.

Doch wenn die Kinder groß sind und ich nicht mehr weiß, was ich meiner Freizeit machen soll, kaufe ich vielleicht nochmal einen ganz kurz übersetzten Mercedes Kurzhauber. Baue ihn dann ganz gemütlich zum Expeditionsmobil um. Und tuckere mit 60 km/h durch die Gegend.

Weitere Informationen zu unserem Expeditionsfahrzeug

Zu den nachfolgenden Themen gibt es weitere Erläuterungen mit zahlreichen Fotos:

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8 Antworten

  1. Johannes sagt:

    Das wäre mein Traum-LKW!

  2. Nic sagt:

    Krasses Teil. Gefällt mir.

  3. John sagt:

    Ja, das Mobil ist wirklich toll geworden. Wir bauen derzeit auch ein LKW aus und haben uns schon viele Ideen abgeguckt. Vielen Dank. John

  4. Tom sagt:

    Danke für Euer Feedback. Sowas freut mich natürlich.

  5. Rainer sagt:

    Ein schönes Wohnmobil.

  6. Gerd sagt:

    Absolutes Traumfahrzeug!

  7. Thor sagt:

    Hallo,
    hatte ich das jetzt richtig verstanden und ist der 1124 zu verkaufen ?

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